Erholung am Himmelhof

Von der Meierei zum Sanatorium
1848

Die Geschichte „Das gute Rezept“ von J. Vinzenz (mit vollem Namen Vinzenz Jerabek), mag erfunden sein oder nicht, ist aber keinesfalls zu weit her geholt. Auch die dargestellten Charaktere und deren Umgebung passen gut ins bäuerliche Ober St. Veit. Wollte man einen Betrieb suchen, in dem sich so eine Geschichte zugetragen haben könnte – eine Meierei mit ansehnlichem Personal und Sommergästen aus der gehobenen Schicht – so kommt einem rasch die Meierei am Himmelhof in den Sinn.

Ihre lange und abwechslungsreiche Geschichte beginnt mit dem Hofgraveur Franz Jauner, dem Vater des Schauspielers und Ringtheaterdirektors Franz Jauner jun., und seiner Frau Maria. In zahlreichen Kaufverträgen (siehe Grundbuchsauschnitt unten) erwarben sie zwischen 1849 und 1876 einen beachtlichen Teil der Gründe „Auf den Himmeln“ am Hagenberg. Offen bleibt die Frage, wann der aus mehreren Gebäuden bestehende Wirtschaftshof samt Meierei mit der Konskriptionsnummer (CNr.) 140 errichtet wurde. 1819, als Ober St. Veit 135 Häuser hatte, war der Himmelhof noch völlig unverbaut (siehe Planausschnitt unten). Die damalige Häuserzahl blieb bis in die 1840er-Jahre recht stabil und das kolportierte Errichtungsjahr 1848 ist durchaus realistisch (vielleicht gab es schon Grundkäufe vor 1849 oder ein vorangehendes Pachtverhältnis).

1880 hatte das Ehepaar Franz und Marie Jauner 38 Kühe, 2 Ochsen, 4 Pferde, 7 Schweine und 6 Bienenstöcke. Im Betrieb arbeiteten 3 Schweitzer (Melker), 1 Kutscher, 1 Stalljunge, 1 Knecht, 1 Köchin, 1 Stubenmädchen und 3 Dienstmägde. Die Köchin hieß Marie Froschauer; war sie das Vorbild für Petronella? Der Betrieb wurde auch als Jausenstation geführt und entwickelte sich vor allem wegen des guten Oberskaffees zu einem beliebten Ausflugsziel.

Eine Zeichnung der ursprünglichen, möglicherweise noch Jauner‘schen Meierei mit sehr markantem Nordostturm. Die Um- und Zubauten veränderten den Gebäudekomplex stark. Der Grundriss und die Fensterachsen blieben auch nach den späteren Veränderungen erkennbar. © Bezirksmuseum Hietzing

Im Jahr 1886, bald nach dem Tod Maria Jauners, veräußerte die Familie den Besitz. Mehrere Weiterverkäufe und ein Konkurs lassen auf eine abnehmende Attraktivität des Betriebes schließen.

1894 ließ der damalige Besitzer A. C. Rosenthal das Anwesen nach einem Brand durch Maurermeister Franz Bürger wieder instand setzen. Der Hof war von drei Gebäudeflügel umgrenzt und straßenseitig gegen Nordosten durch eine Tormauer abgeschlossen. In dem straßenseitig rechts gelegenen zweigeschoßigen Hauptgebäude waren Wohnräume, im gegen Südwesten anschließenden ebenerdigen Trakt Ställe und ein Schuppen untergebracht; der Quertrakt bestand aus einer Vorhalle für den im Hang gelegenen Keller wie aus dem Teil eines dreigeschoßigen Hauses, das teilweise den nach Südosten gerichteten Flügel bildete. Dieser links vom Haupteingang und tiefer gelegene Trakt bestand straßenseitig nur aus dem Hochparterre mit aufgesetztem Dachboden. Am Hang oberhalb des gesamten Gebäudes lagen, durch einen gekurvten Fahrweg erreichbar, die Wagenremise und eine Requisitenkammer.

Die Meierei am Himmelhof. Lageplan 1894 © MA 37
Die Meierei am Himmelhof. Instandsetzungsplan der Brandstätte von Franz Bürger 1894, Straßenansicht © MA 37

1896 bis 1898 lebte hier der Maler Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913) mit seinen Anhängern in der damals vielbesprochenen Kolonie „Per aspera ad astra“. Weitere Informationen zu dieser Künstlerkolonie bietet der Bericht Nr. 528.

1903, als der Gutsbesitzer in Wilna in Russland Alexander von Lubansky die Liegenschaft vom Vorbesitzer Elkan S. Steiner, Realitätenbesiter in Wien XIII, Himmelhof 163 (nach der CNr. 140 das zweite auf dieser EZ erbaute Haus, das er auch bewohnte) kaufte, hatte diese EZ 390 noch das enorme historische Ausmaß mit den Grundstücken (Parzellen) Nr. 510, 513/1, 513/2, 511, 471, 473, 476, 477/3, 502, 507, 508, 509, 477/4, 477/5, 522, 523, 524, 527/1, 527/2, 528, 529/1, 529/2, 541, 542, 554, 564/1, 564/2, 565, 566, 567, 597, 598, 599, 618 und 1632/2 samt den Gebäuden Nr. 140 und 163. Der Vergleich mit einem jüngeren Katasterplan unten zeigt, dass es sich dabei – unter anderem – um den kompletten Himmelhof von der Himmelhofgasse bzw. dem Carolaweg bis zur Mauer des Lainzer Tiergartens handelte.

Ausschnitt aus der aktuellen Katastralmappe.

1907 wurden die Häuser CNr. 140 und 163 samt den zugehörigen Grundstücken Nr. 510, 511, 513/1 und 513/2 und der zum Himmelhof führenden Allee 1632/2 (siehe Katastralmappe oben) aus dem riesigen Areal herausgelöst, in die neue EZ 1466 eingebracht und von Alexander von Lubansky an die Eheleute Max und Maria Blitz, Hausbesitzer in Wien XIII, Adolfstorgasse 13 verkauft. Den Käufern wurde auch die Benützung des in Röhren über die Parzellen 527/1, 522, 523 und 524 der EZ 390 geleiteten Wasser gestattet und die Pflicht zur Erhaltung dieser Wasserleitung auferlegt.

Anschließend wurde ein Restaurantbetrieb eingerichtet. Aus dem Material der umgebenden Mauern wurde eine Aussichtsterrasse und eine Zufahrtsstraße in der Art einer Promenadenallee errichtet. Ein Adaptierungsplan aus dem Jahr 1914 zeigt im rechten Trakt die Schank, das Gastzimmer, ein Gesellschaftssaal, ein Extrazimmer, ein Clubzimmer, eine geschlossene Veranda, die Küche, die Abwäsche, eine Speis sowie die Wagenremise. Im Quertrakt lagen eine Garage und der Vorkeller. Der zum Teil dreigeschoßige Gebäudeteil an der linken Seite wurde bereits für einen Hotelbetrieb genutzt und umfasste in den beiden Obergeschoßen neben mehreren Küchen je fünf Zimmer mit Balkon.

Das beliebte Postkartenmotiv des Restaurationsbetriebes vor dem Ersten Weltkrieg. © Bezirksmuseum Hietzing

Im Jahr 1928 wurde der Himmelhof (ohne dem Haus CNr. 163 und den zugehörigen Grundstücken, die schon 1925 in eine andere EZ eingebracht wurden), an Frau Ernestine Roubicek und Fräulein Alice Roubicek, beide in Prag, und Frau Helene Mautner, als Roubicek in Prag geboren, wohnhaft in Wien XIII, Himmelhofgasse 7 (ehemals CNr. 140, hier wird erstmals die Ordnungsnummer 7 verwendet) weiterverkauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ehegatte von Helene Mautner, der Arzt Dr. Leo Mautner schon ein Bestandsrecht eingetragen. Es könnte also bereits einen Sanatoriumsbetrieb gegeben haben, der nun erweitert wurde, denn im Kaufvertrag wird auch die Vorrangseinräumung für erhebliche Bau- und Adaptierungsaufträge zugestanden. Im Wien-Führer von Baldass aus dem Jahr 1928 ist der Betrieb aber noch als Meierei und Gastwirtschaft eingezeichnet.

1929 wurde dann auch nach Abtragung des eingeschoßigen Südosttraktes ein viergeschoßiger Anbau an das bestehende Sanatorium errichtet. Der Neubau war flach gedeckt und wies im Dachgeschoß neben einer ausgedehnten Terrasse die Teeküche und einen Duschraum auf. Im Hochparterre und im ersten Stock lagen je vier Zimmer, ein Bad und eine Teeküche, im Hochparterre gegen Südosten und Südwesten eine Terrasse, im ersten Stock gegen Südwesten Balkone.

In dem klar gegliederten Bau, der von der „Carl Korn Baugesellschaft A.G.“ für Dr. Leo Mautner errichtet wurde, saßen die etwas vertieften, kleinflächig unterteilten Fenster zum Teil über Eck. Details, wie die Art der horizontalen Fassadengliederung oder der dekorativ angewendete Backstein, erinnern an den sozialen Wohnbau der Gemeinde Wien in der Zwischenkriegszeit.

Das Hotel am Himmelhof. Ein Zeitungsausschnitt unbekannten Datums © Archiv 1133.at
Das Sanatorium Himmelhof. Postkarte aus dem Jahr 1934 zur Zeit des ersten Sanatoriumsinhabers © Archiv 1133.at
Sanatorium Himmelhof. Foto um 1950 © Bezirksmuseum Hietzing

Über die Zeit des Zweiten Weltkrieges ist aus der Literatur die Nutzung der Anlage als Lazarett zu entnehmen. Das Grundbuch belegt die Beschlagnahme im Jahr 1941. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie bereits im Ausland. Fragen wirft u.a. die als letzte Wohnadresse angegebene Himmelhofgasse 35 im 18. Bezirk auf. Das kann nur ein Irrtum sein, allerdings wird die Adresse Himmelhofgasse 35 während des nach dem Krieg wieder auflebenden Sanatoriumsbetriebes nachhaltig verwendet. Im Grundbuch wurde später die O.Nr. Himmelhofgasse 7–9 eingetragen.

Auch die Auswirkungen dieser Beschlagnahme sind ungewiss, denn das Sanatorium am Himmelhof (auch hier: Himmelhofgasse 35) war von den Roubitscheks/Mautners bereits mit Kaufvertrag vom 22. September 1939 verkauft worden, dieser Verkauf wurde allerdings erst 1942 bzw. 1944 ins Grundbuch eingetragen. Nach dem Krieg, im Mai und August 1948 wurden die Einleitung der Rückstellungsverfahren angemerkt und eine erste Rückstellung im Teilerkenntnis vom 1. Dezember 1951 verfügt. Die finanzielle Auseinandersetzung war kompliziert und wurde mit dem Vergleich vom 28. April 1955 abgeschlossen.

Schon davor, 5. Februar 1947, wurde ein Bestandsrecht und ein Vorkaufsrecht für Rudolf und Gisela Holtemayer auf Basis eines Pachtvertrages vom 17. September 1945 einverleibt. Wann der Betrieb des Sanatoriums von den Holtemayers fortgeführt oder wieder aufgenommen wurde ist ungewiss, die entsprechende Konzession (inkl. Glücksspiel, siehe Kopie unten) wurde jedenfalls am 12. April 1948 für Gisela Holtemayer ausgestellt. 

Das Wissen über den letzten Abschnitt im Bestand und in der Nutzung der historischen Gebäude am Himmelhof verdanken wir den Informationen und Unterlagen der 1940 geborenen Frau Helga Bauer. Diese verbrachte ab ihrem 12. Lebensjahr jedes Wochenende am Himmelhof bei ihrer Tante Gisela Holtemayer. Der Vater war im Krieg geblieben, die Mutter musste arbeiten und die halbwüchsige Helga war dort gut aufgehoben.

In einer zu Werbezwecken versandten Drucksache wird der Betrieb folgendermaßen beschrieben: „An einem der schönsten Punkte Wiens, am Rande des Lainzer Tiergariens in Ober-Si. Veit, mit dem Blick weit über die Stadt hinaus, liegt unter überaus günstigen klimatischen Bedingungen, inmitten eines großen, alten Parkes, am Abhange des Hagenberges, das Sanatorium Himmelhof. Dank seiner Höhenlage, dem Lärm und Staub der Stadt entrückt und doch von der Stadt leicht und schnell erreichbar, eignet sich das Sanatorium für alle intern Erkrankten, insbesondere für Erkrankungen des Herzens sowie der Atmungsorgane. ldealster Aufenthalt für Ruhebedürftige und Erholungssuchende. Behagliche Zimmer, Zentralheizung, Warmwasser, Lift, Telefonanschlüsse in den Zimmern vervollständigen den Komfort. Für beste Verpflegung ist gesorgt.“

Die Zimmerpreise von 140 bis 160 Schilling für das Doppelzimmer inkludierten fünf Mahlzeiten und Schwesternbetreuung. Nach Helgas Schilderung waren im vorderen Bereich des von der Straße aus linken Sanatoriumstraktes die komfortableren Gästezimmer angeordnet. Zwischen zwei solcher Zimmer war jeweils ein Badezimmer mit Badewanne, Waschbecken und zentral zubereiteten Warmwasser angeordnet. Im hinteren Bereich waren einfachere Zimmer mit einer gewöhnlichen Waschgelegenheit. Die Verbindungen zu den Zimmertelefonen stöpselte der Portier. Über Weihnachten, wenn es ruhiger war, durfte Helga eines der komfortableren Zimmer mit Bad bewohnen.

Eine kleine Bibliothek, ein Lesezirkel in der Halle und Tische zum Kartenspielen waren einige der gebotenen Unterhaltungsmöglichkeiten. Von dieser Halle führte ein Abgang in den Keller zu den Behandlungsräumen. Zur Verfügung standen ein eigenes Laboratorium, Röntgen- und Elektrokardiographie und damals moderne Heilbehelfe wie Kurzwellen, Diathermie, Schwellstrom, Faradisation, Farblichttherapie, Höhensonne, Pystianer Schlammbäder und -packungen, Radium-Emanationen, Kohlensäure-, Sauerstoff- und Zellenbäder und Akupunktur. Natürlich wurden auch medizinische Heilmassagen sowie Freiluftkuren auf der Dachterrasse angeboten.

Geleitet wurde der Betrieb von Helgas Onkel Rudolf Holtemayer, war der geschäftsführende Teil, er war der Herr Direktor und trug immer einen weißen Mantel. Seine Gattin Gisela war die Konzessionsträgerin und für den Bereich Küche, Service und Personal zuständig. Das Sanatorium war also ein Ort, den die Leute zur Erholung aufsuchten, wobei ihre Motive am ehesten dem heutigen Wellnessgedanken entsprachen. Die Gäste waren meist wohlhabende, oft prominente Menschen mittleren Alters oder älter, die die heilige Ruhe und die Anonymität des Ortes schätzten. Hier konnten sie ungestört Mensch sein. Der Aufenthalt konnte vierzehn Tage dauern oder sogar ohne zeitliche Beschränkung den Aufenthalt in einem Altersheim ersetzen. Die Menschen kamen alleine oder mit ihren Bediensteten.

Neben Dir. Holtemeyer, der ständig anwesend war und eine Wohnung über dem Wirtschaftsflügel nutzte, standen den Gästen auch ein weiterer ständig anwesender Arzt und ein übergeordneter nur an einzelnen Tagen anwesender Arzt zur Verfügung; über eine lange Zeit war der junge praktische Arzt Dr. Jost Lindner immer anwesend und wurde zum Liebling und Ersatzsohn so mancher älteren Dame. Später spezialisierte er sich zu einem Gynäkologen mit Praxis in Wels. Am Himmelhof tätig war auch der Magnetiseur Klein, er praktizierte in einer Wohnung neben der von Dir. Holtemayer.

Dir. Holtemeyer versuchte auch, die von Dr. Paul Nihans im Jahr 1931 eingeführte und in Deutschland verbreitete Frischzellentherapie im Sanatorium zu etablieren. Die Injektion von Suspensionen mit fötalen Schafzellen wurde auch von der Wiener Prominenz nachgefragt, aber vom Gesundheitsministerium bald verboten.

Viele der Gäste, die auch zu Stammgästen wurden, hatten klingende Namen. Einer der prominenten Gäste war der Schauspieler Heinz Rühmann. Er erholte sich von einem Beinbruch und hatte viel weiblichen Besuch, nicht nur von seiner Frau Herta Feiler. Helga erinnert sich gern an die Spaziergänge mit dem freundlichen Herrn. Zu den Gästen zählten auch schillernde Persönlichkeiten wie die Frau eines ägyptischen Ministers samt ihrer Privatkrankenschwester. Sie lachte über alles; sie lachte auch, als ihr Mann erschossen wurde.

Helga erlebte inmitten dieser mondänen Gesellschaft nicht nur schöne Sachen, sondern auch Eifersuchtsdramen, Ehebruch, Streit etc.. Immer wieder gab es Todesfälle unter den betagteren Gästen. Hinter manchen Toten, die an ihr vorbeigetragen wurden, stritt sich schon ein Rudel Nachfahren hemmungslos um das Erbe.

Bewacht wurde das Anwesen durch einen Hund, der an einer auf einer Laufschiene eingehängten Kette zwischen zwei Kastanienbäumen pendelte. Eine Hundehütte bot ihm den Unterschlupf. In der Nacht patrouillierte er frei im riesigen, das Sanatorium umgebenden und komplett eingezäunten Park.

Gleich daneben lag eine der beliebten Skiwiesen der Ober St. Veiter. Für diese Skifahrer stand im Winter ein spezieller Kiosk in der Kastanienallee zur Verfügung. Dort verkauften Mädchen aus der Küche Tee mit Himbeersaft und Kartoffelbrote mit Margarineaufstrich, einem Blatt’l Wurst und Gurkerl. Im Sanatorium war auch ein bereits motorisiertes Rotes Kreuz stationiert. An manchen Wochenenden gab es bis zu 30 Rettungseinsätze. Das gefährliche an der Himmelhofwiese war der praktisch nicht vorhandene Auslauf, und der führte auch zu tödlichen Unfällen. Einmal prallte ein Vater mit seinem Sohn auf der Rodel auf ein Hindernis und der Bub starb. Ein anderes Mal fuhren zwei Buben mit der Rodel über die Sprungschanze. Wegen dieser manchmal extremen Vorfälle am Himmelhof verlor Helga die Freude am Skifahren.

Das endgültige Ende des Sanatoriums wurde bald nach dem gerichtlichen Vergleich 1955 (siehe oben) besiegelt. Der weitere Betrieb wäre wegen einer schweren Erkrankung Rudolfs den Holtemayers wahrscheinlich ohnehin nicht mehr möglich gewesen. Helga Bauer war zu dem Zeitpunkt noch zu jung, um in die Fußstapfen ihrer Verwandten treten zu können. Der Betrieb wurde geschlossen und mit Kaufvertrag vom 11. April 1957 verkauften Helene Mauthner und der Erbe Joseph Roubicek, beide in New York, das Sanatorium um rd. 2 Mio. Schilling an die Republik Österreich. Als Adresse wird wiederum die Himmelhofgasse 35 angeführt. In diesem Kaufvertrag wird auch das Servitut der Röhrenwasserleitung bekräftigt.

Die Gebäude des ehemaligen Sanatoriums wurden 1960 abgerissen. An ihrer Stelle errichtete Hannes Lintl 1960–62 ein Bundeskonvikt, das 1994/95 nach Plänen von Andreas und Herbert Müller-Hartburg erweitert wurde. Die ursprüngliche Überlegung, den Sanatoriumsbau, also den linken Trakt der alten Meierei, in den Neubau zu integrieren, wurde nicht verwirklicht.

Rudolf Holtemayer verstarb relativ bald nach dem Ende des Sanatoriums am 14. September 1957 im 65. Lebensjahr. Die 1912 geborene Tante Gisela verstarb am 7. September 1966 im 55. Lebensjahr. In ihrer Wohnung in der Josefstädter Straße hatten sich ein paar Möbel aus dem Sanatorium erhalten.

Der Schreibtisch Dir. Rudolf Holtemayers. Er ist einer der letzten Gegenstände, die heute noch an das Sanatorium Himmelhof erinnern. Er ist im Privatbesitz. © Archiv 1133.at

Quellen:
Bezirksmuseum Hietzing
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut
Grundbücher
Volkszählung 1880
Informationen von Helga Bauer

hojos
im Feber 2009, ergänzt 2017

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