Die Einsiedelei

Von der Bruderschaft zum Schwesternheim
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Die Einsiedler

Der Rollist in der kaiserlichen Reichskanzlei Leopold Zettl und der Stallmeister des Prinzen von Hildburghausen legen 1747 ihre Ämter nieder und werden Einsiedler. Sie erhalten die Namen Arsenius und Konrad. Einsiedler sind in dieser Zeit nicht ungewöhnlich, sie stehen unter der Oberaufsicht des Franziskanerordens.

Mit Genehmigung und finanzieller Hilfe des Erzbischofs Kollonitz bauen sie 1748 auf einem Platz seiner Herrschaft (im „Weingebirge“, wo frisches Wasser aus dem anliegenden Berg hervorquillt) eine Klause, bestehend aus zwei Kammern, einer Küche und einer ungeweihten Kapelle. Die Baurechnung beträgt 1540 Gulden und 30 Kreuzer. Ein Marienbild ziert die Kapelle, und das Kapellentürmchen hat eine Glocke, welche 1746 von Josef Primminger zu Wien gegossen worden ist. Bald tritt Bruder Hilarion an die Stelle Konrads, der wegen Verschiedenheit der Gesinnungen die Klause verlässt. 1762 wechselt Bruder Hillarion in das Erzbischöfliche Schloss Neudorf, und Arsenius bleibt allein.

1782 hebt Kaiser Josef II. die Einsiedlerbruderschaften auf.

Die Einsiedelei im Brequin-Plan 1755. Ein grob genordeter Ausschnitt aus der Landkarte mit dem übersetzten Titel "Karte der Umgebung von Schönbrunn und jener von Laxemburg, aufgenommen von November bis Dezember 1754 und April 1755". Sie kann schon als relativ genauer Vorläufer der vier Österreichischen Landesaufnahmen gesehen werden und zeigt auch den Ober St. Veiter Gemeindeberg mit der damaligen wirklichen Einsiedelei. Sie zeigt allerdings erstaunlicher Weise bereits den Grundriss des späteren, von Ignatz Leopold Strodl errichteten Neubaus.

Der Sommersitz

Der tote Kirchenbesitz wird durch Erlass zum Verkauf ausgeschrieben. Die ehemalige Einsiedelei geht 1782 auf dem Versteigerungsweg um 350 Gulden an den Wiener Kaufmann Ignatz Leopold Strodl. Dieser bricht die alte Klause ab, verpflanzt das Missionskreuz auf den St. Veiter Pestfriedhof, kauft zwei Weingärten dazu und errichtet ein Wohngebäude mit Stallungen. Er legt eine Zufahrt zum Haus und lässt durch den erzbischöflichen Schlossgärtner Schmid einen kleinen Park und zwei Obstgärten anlegen. Die Besitzung dient zum Sommeraufenthalt.

Eremitage bei St. Veit. Dieser kolorierte Stich zeigt bereits das von Ignatz Leopold Strodl nach dem Abbruch der alten Klause um 1782 errichtete Wohngebäude mit Stallungen. Auch die Zufahrt und der Park mit Obstgärten sollen von ihm stammen. Der rege Verkehr deutet aber bereits auf eine über die private Nutzung hinausgehende Verwendung. © Archiv 1133.at

1810 erwirbt der k. k. Kabinettskurier Josef Kraus den Besitz um 11.930 Gulden (Bancozettel) und 1815 der Grundrichter und Webermeister zu Fünfhaus Friedrich Schwarsee um 8.000 Gulden. Das Haus wird an der Westseite verlängert und ein Kuhstall errichtet.

1817 geht der Besitz um 11.000 Gulden an den Hof-Federschmücker Josef Schwer über und 1823 um 3.000 Gulden an Andreas Seifert(h), Wirt im Gebäude Hietzinger Hauptstraße 149 (später die Gastwirtschaft Bauer, heute Wohnhaus).

Die Einsiedelei im Franziszeischen Katasterplan 1819. Dieser Plan aus einer Zeit, als die beschriebene Verlängerung nach Westen erfolgt sein muss, zeigt einen stark veränderten Grundriss.

Die Gaststätte mit Meierei

Andreas Seifert erhält 1830 das Recht, „auszuschenken und auszukochen“. Er erweitert die Zufahrt zur bequemen Straße und ergänzt die Gebäude um einen Weinkeller, geräumige Stallungen und Remisen für sich und die Gäste. Die Einsiedelei, die von den Einsiedler-Brüdern nichts mehr trägt außer den Namen, ist nun eine Gastwirtschaft mit Tanzsaal, zweistufigem Garten, einem herrlichen Park und weiter Fernsicht über ganz Wien. Ein aufgestelltes Fernrohr ist die Attraktion. Der Betrieb erfreut sich großer Beliebtheit bei den Wiener Ausflüglern. An Samstagen und Sonntagen werden oft große Feste abgehalten, mit Lampions im Garten und manches Mal auch mit einem Feuerwerk.

Die Einsiedelei bei Ober St. Veit. Kolorierte Umrissradierung von Johann Vinzenz Reim (1796–1858, Architekt, Zeichner und Kupferstecher). Sie ist eine der 550 Ansichten aus der Österreichisch-ungarischen Monarchie, die J. V. Reim auf Basis von Reiseskizzen von 1834 bis 1858 schuf. Sie zeigt die Einsiedelei als Ausflugsziel mit vielversprechender Aussicht (siehe Terrassen und Aussichtswege). Das Gebäude in der Mitte ist das von Ignatz Leopold Strodl nach dem Abbruch der alten Klause um 1782 errichtete Wohngebäude, links die neuen vermutlich von Andreas Seifert errichteten Gasträume inkl. Tanzsaal und Weinkeller, und rechts die erweiterten Wirtschaftsgebäude inkl. Kuhstall, weiteren Stallungen und Wagenremisen. Einige dieser Bauteile sind im heutigen Gebäudekomplex der Einsiedelei integriert. © Archiv 1133.at
Die Einsiedelei. Vermutlich der ehemalige Weinkeller der Einsiedelei, der heute als Wirtschaftsraum des St.-Josefs-Heims dient. Im Hintergrund der Stiegenaufgang zum ehemaligen Gastraum. Fotografiert am 14. Jänner 2008 © Archiv 1133.at

Josef Holly, Herrn Seiferts Nachfolger, vergrößert die Wirtschaft im Jahre 1870 abermals und fügt auch ein Aussichtsplateau hinzu. Er nennt das Lokal "Hotel und Restaurant Einsiedelei in Ober St. Veit bei Wien". Laut Volkszählung 1880 gibt es über die drei Wohnungen, die er selbst mit seiner Familie und den Dienstboten bewohnt, hinaus noch 13 Sommerwohnungen. Josef Holly wurde am 13. März 1829 in Weitra geboren und war früher Mehlhändler. Die Wirtschaft hat 1880 vier Pferde, einen Stier, acht Kühe, ein Kalb, zwei Ziegen und drei Schweine.

Doch auch er verkauft, und zwar 1894 an Frau Josefine Wagner.

Die Restauration Einsiedelei. Eine der zahleichen Ansichtskarten um 1900. © Archiv 1133.at
Die Einsiedelei um 1900. Diese häufige Ansicht zeigt die Gesamtansicht des Gastbetriebes einige Jahre vor dem Großbrand 1908. Links im Hintergrund der Friedhof und hinter der erste Kuppe des Gemeindebergs das Dach eines Mausoleums. © Archiv 1133.at
Die Einsiedelei in einem vom Lechner-Verlag herausgegebenen Plan. Er zeigt die Situation in den 1910er-Jahren. Die Einsiedelei hat bereits die in den Ansichtskarten gegen Ende des 19. Jahrhunderts dargestellte und wohl von Josef Holly 1870 hergestellte Form. Die Lage ist aber nur erklärbar, wenn der früher nach Norden gerichtete markante Mittelteil mit dem Eingangstor und dem Türmchen in einen neuen, nach Osten weisenden und an den großen Gastsaal anschließenden Bauteil verlegt wurde.

1908 vernichtet ein Brand einen großen Teil der Restauration und der Meierei. Zu diesem Zeitpunkt (kurz nach Frühlingsbeginn) war die Besitzung nicht bewirtschaftet. Der Schaden soll 30.000 bis 40.000 Kronen betragen haben und durch eine Versicherung gedeckt gewesen sein.

Der Brand der Einsiedelei 1908. Er wütete hauptsächlich im Bereich der Wirtschaftsgebäude. Hier sind die Löscharbeiten noch im Gange. © Archiv Wimpissinger
Der Brand der Einsiedelei 1908. Die Hauptgebäude der Einsiedelei kurz nach dem Brand. Der nach Osten gewandte Gebäudeteil (heute Josef-Kraft-Weg) blieb verschont, sogar das hier gut sichtbare Holzschindeldach. © Archiv Wimpissinger

Ein Zeitungsbericht vom 30. März 1908 berichtet Folgendes: "Der Brand, der Samstag abends einen großen Teil der Restauration und Meierei zur Einsiedelei, Eigentum der Frau Josefine Wagner, in Ober St. Veit vernichtete, wütete von 9 bis 11 Uhr. Zu seiner Bewältigung waren alle freiwilligen Feuerwehren des 13. Bezirkes aufgeboten. Die Hietzinger arbeiteten mit ihrer Dampfspritze. Die Löscharbeit gestaltete sich sehr schwierig. Die Besitzung ist nicht bewirtschaftet und wird bloß von den Hausbesorgerleuten bewohnt. Die Flammen ergriffen vier Stallungen, vier Schupfen und eine Werkzeughütte und loderten so hoch zum Himmel empor, dass man die Brandröte im weitesten Umkreise sah. Auch der Dachstuhl des Gebäudes für Sommerparteien wurde vom Feuer ergriffen und ist zum größten Teil eingeäschert worden. Große Gefahr bestand auch für das Restaurationsgebäude selbst, doch gelang es den vereinten Bemühungen selbes zu retten. In den Flammen sind zwei Ziegen, mehrere Hühner und ein Pony verbrannt. Die Unter St. Veiter freiwillige Feuerwehr unterhielt während des Brandes zwei fliegende Ambulanzen mit den Inspektionsärzten Dr. Freund und Dr. Merkus. Sie leisten in vier Fällen erste Hilfe, und zwar dem Hornisten der Breitenseer Feuerwehr Franz Brocek, Brandwunden am Hals; dem Feuerwehrmann Johann Slama von Hietzing, Schnittwunden am Zeigefinger; dem Zimmerpolier Franz Schibaly, Rissquetschwunden an der rechten Hand und beim Feuerwehrmann Camillo Tintera von Hietzing, Quetschwunden der rechten Hand. Der Schaden beträgt 30.000 bis 40.000 Kronen, ist jedoch durch Versicherungen gedeckt. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt."

Josefine Wagner hatte keine Familie, der ganze Besitz wurde bald nach dem Brand dem Hartmannkloster, Wien V., verkauft.

Das St.-Josefs-Heim

Der III. Orden des hl. Franz von Assisi macht aus der Einsiedelei ein Erholungshaus für seine an verschiedenen Stellen tätigen Ordensschwestern, insbesondere aus dem nahegelegenen Versorgungsheim in Lainz. Ehe es soweit ist, müssen zahlreiche Schwierigkeiten geistlicher und weltlicher Stellen überwunden werden, unter anderem auch eine kanonische Visitation. Auch die Folgekosten sind hoch, vor allem wegen des unerwartet schlechten Zustandes von Haus und Garten.

Am 12. November 1909 können das Gebäude mit Kapitelsaal und Schwesternzimmer, der Garten, die in einem vorhandenen Steinbruch geschaffene Lourdes-Grotte, der Kreuzweg und die Statue des hl. Josef – ein Geschenk des Baumeisters Scheffel – eingeweiht werden; am 17. November auch die im einstigen großen Gastsaal errichtete Kapelle. Ein Teil der Ausstattung wird durch wohltätige Spender finanziert, in deren lange Reihe sich auch Bürgermeister Lueger stellt.

Das St.-Josefs-Heim. Die Ostseite der Einsiedelei während der Generalsanierung und der Adaption für die Zwecke des Josefsheims 1909. Die Außenhaut der Gebäude blieb weitgehend unverändert. Auch die nach dem Brand unversehrt gebliebenen Teile des Schindeldaches wurden ersetzt. © St.-Josefs-Heim
Das St.-Josefs-Heim. Ein Foto während der Bauarbeiten 1909 in Richtung Norden. Ganz links der damals noch niedere Gebäudeteil, in dem die Kapelle untergebracht wurde. © St.-Josefs-Heim
Das St.-Josefs-Heim. Die Kapelle des Josefsheims als niedrige Hauskapelle, wie sie im ehemaligen Gastraum der Einsiedelei errichtet wurde. © St.-Josefs-Heim
Das St.-Josefs-Heim. In einem ehemaligen Steinbruch am Fuße des Gemeindeberges, an der südlichen Grundstücksgrenze des Josefsheims gelegen, wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten 1909 eine romantische Lourdes-Grotte angelegt. © St.-Josefs-Heim

Die Wirtschaft besteht am Anfang aus 2 Kühen, 3 Ferkeln, 10 Hühnern, 3 Enten und einem für den Eigenbedarf ausreichenden Gemüsegarten. Die Wirtschaft wächst im Laufe der Jahre und wird zu einem wichtigen Lieferanten an das Mutterhaus. Im Laufe des weiteren Bestandes wird der Besitz auch um diverse Futterwiesen und Weingärten erweitert. Eine eigene, im Keller gefasste Quelle gibt reichlich Trink- und Nutzwasser, das überflüssige Wasser fließt in einen künstlich angelegten Teich im Gemüsegarten, der später auch Fische (zuerst von Fürstin Schwarzenberg gespendete Karpfensetzlinge) beherbergen wird. 1922 wird das Haus an die Hochquell-Wasserleitung angeschlossen.

Die Einsiedelei. Der Quellstollen aus dem Gemeindeberg, die nach wie vor eine erstaunliche Schüttung erbringt. Fotografiert am 14. Jänner 2008 © Archiv 1133.at
St.-Josefs-Heim. Der einstige aus der eigenen Quelle genährte Teich während der Bauarbeiten 1909. 1965 wurde er ausgelassen und dann zugeschüttet. © St.-Josefs-Heim

Von Anfang an wird das St.-Josefs-Heim auch der Ort, an dem hl. Exerzitien abgehalten werden. Der Andrang an erholungsbedürftigen und kranken Schwestern ist groß. Viele, teilweise sehr junge Schwestern leiden und sterben an der (Klosterkrankheit) Tuberkulose, und als einzige Behandlung kennt man den Aufenthalt in frischer Luft. Auf der „Aussicht“ wird eine gegen den Wind geschützte Liegehalle errichtet.

Das St.-Josefs-Heim. Die Außenansicht im Jahre 1924. Ganz hinten auf der "Aussicht" die gegen den Wind geschützte Liegehalle. © St.-Josefs-Heim

1924 wird die Kapelle erhöht, um sie auch Fremden zugänglich zu machen und am 24. September das Turmkreuz geweiht. Am 10. August 1925 werden das Kirchlein zu Ehren des kostbaren Blutes und die renovierte Lourdes-Grotte eingeweiht. 1926 wird mit einem neuen Zubau begonnen und 1927 fertiggestellt. Damit hat das St.-Josefs-Heim sein heutiges Erscheinungsbild. Der Osttrakt ist nun um eine Etage höher und um einen Gebäudeteil erweitert; die Kapelle hat ein geräumiges Tonnengewölbe. Im Dehio wird die Kapelle folgendermaßen beschrieben:

"Schlichte neoromanische Kapelle vom Kostbaren Blut Christi, erbaut 1909 von August Scheffel (Anm,: Statt erbaut sollte es eigentlich adaptiert heißen), erweitert 1924, renoviert 1990. An Heim anschließender Saalbau mit Rundbogenfenstern und gemauertem Dachreiter-Turm mit Spitzhelm, 1924. Rechtecksaal mit Stichkappentonne und Empore auf Pfeilern, die Wände und Pfeiler mit Stuccolustro verkleidet. Altarbilder, Gnadenstuhl mit Blut auffangenden Engeln, Hll. Franziskus und Elisabeth, bez. Maria Schöffmann 1924 bzw. 1926. Romanisierende Ausstattung (Altarmensa, Sakramentshaus, Ambo), ornamentale Fenster, Orgelprospekt, Kreuzweg, Bänke, Fliesenboden sowie Luster von 1909; Madonnenfigur 1920er Jahre."

Das St.-Josefs-Heim. Außenansicht der Gebäude im Jahre 1927 nach der Aufstockung, der Errichtung des Kirchturmes und der Erweiterung um den Gebäudeflügel im Vordergrund. Damit war im Wesentlichen die heutige Außenansicht hergestellt (nur der 1929 errichtete Dachaufbau auf dem neuen Teil fehlte noch). Die Kapelle war nun groß genug für die öffentliche Nutzung. Die Terrasse des neuen Gebäudeteils diente der Behandlung der vielen Tuberkulosekranken. © St.-Josef-Heim

Anlässlich einer Personalstandserhebung 1930 werden 38 Schwestern, 10 Dienstboten, 6 Pfleglinge, 6 arme Rekonvaleszenten und 6 zahlende Rekonvaleszenten festgestellt. 154 Schwestern sind während des Jahres zur Erholung gekommen.

Die in einem Graben durch die Wiese rinnende Jauche hat viele Verdrießlichkeiten verursacht, daher wird ein Kanal errichtet und nach dessen Fertigstellung 1933 die Umgestaltung der sanierungsbedürftigen Wirtschaftsanlagen in Angriff genommen. Kuh-, Pferde-, Hühnerstall, Scheune etc. werden umgebaut und der Schweinestall durch einen Zubau vergrößert. Wegen der Unzulässigkeit von Stallungen im Wohngebiet ist ein Gemeinderatsbeschluss notwendig.

1934 werden drei Glocken angeschafft. Sie wiegen 305, 172 und 91 Kilo. Der Tag der Einweihung am 3. April ist ein großer Festtag für das St.-Josefs-Heim. Beim Anschlagen mit einem goldenen Hammer werden folgende Sprüche gesprochen:

Ruft uns zum Gottesdienst, wir wollen hören und kommen – Christus, König der Glorie, komm mit deinem Frieden – Lobet Gott unsern Herrn, rufet das Volk, versammelt den Klerus – Tröstet die Lebenden, beweint die Toten, verscheucht alles Unheil – Verschönert die Feste, vertreibt jedes Unheil, beweint unsre Toten.

Außerdem wird eine Turmuhr mit Viertelstundenschlag angeschafft.

Der Zweite Weltkrieg war auch für das St.-Josefs-Heim eine bittere Zeit und endete mit der vollständigen Ausplünderung. Die das Heim immerwährend begleitenden Reparatur- und Sanierungsarbeiten wurden durch die Versäumnisse während der Kriegszeit verschärft und kennzeichnen die folgenden Jahre.

Am 11. November 1956 werden die im Zweiten Weltkrieg eingezogenen Glocken durch drei neue, vom Mutterhaus gestiftete Glocken eingeweiht: 254 kg, 208 kg, 120 kg mit den Tönen c, d, f. Am 5. Dezember werden sie von der Baufirma Oppolzer ohne Zwischenfälle auf den Turm gebracht und an dem Tag zum ersten Mal geläutet.

1965 wird eine Zentralheizung installiert und der Fischteich wird ausgelassen.

Viele Klagen aus der Umgebung wegen der Geruchsbelästigung führen 1972 zum Bau eines moderneren Schweinestalls und zum beginnenden Verkauf der Kühe. Im selben Jahr wird beschlossen, das St.-Josefs-Heim nicht mehr Rekonvaleszentenheim zu nennen, sondern Altersheim. Am Jahresende waren 37 Schwestern, 25 Patienten und 8 Angestellte im Heim.

1976 wird erstmals in der Chronik ein Schwesternmangel beklagt. Die Zahl der Schwestern des Ordens ist im Jahr 1975 auf 399 gesunken, davon waren 25 in Argentinien, und 7 sind im Laufe des Jahres gestorben. Viele der Schwestern sind alt und krank, und seit 1970 ist niemand mehr eingetreten.

Am 27. Jänner 1978 werden die letzten beiden Kühe weggeführt. Das waren die letzten in Ober St. Veit gehaltenen Kühe. Die Landwirtschaft gibt es bis heute, aber nur mehr in Form eines großen Gemüsegartens und ohne Tierhaltung.

Das St.-Josefs-Heim. Der zuletzt 1985 renovierte Haupttrakte des St.-Josefs- Heims aus dem Innenhof fotografiert. Vorne rechts ist die Kapelle und in der Mitte das Stiegenhaus, im Hintergrund der Nordtrakt mit den Schwesternzimmern. Fotografiert am 14. Jänner 2008 © Archiv 1133.at
Die Kapelle im St.-Josefs-Heim. Fotografiert am 14. Jänner 2008. Seit der Aufstockung 1925 hat die Kapelle ein hohes tonnengewölbtes Langhaus mit hohen Rundbogenfenstern. Am 10. August 1925 wurde die kleine Kirche dem „Kostbaren Blut“ geweiht und dient auch als Gottesdienststätte für die umliegenden Bewohner. Die ursprüngliche Kanzel wurde im Rahmen einer Modernisierung 1990 entfernt. © Archiv 1133.at

An den früheren Restaurationsbetrieb erinnern heute nur mehr die Einsiedeleigasse und eine ihrer Seitengassen, nämlich die nach dem Gründer benannte Seifertstraße. Und natürlich noch viele, in Sammlerkreisen kursierende Ansichtskarten. Das St.-Josefs-Heim gibt es noch, allerdings lässt der jüngste Entwurf zur Abänderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes den vollständigen Abriss befürchten. Im Erläuterungsbericht heißt es: "Für den Neubau eines Pflegewohnheimes auf der Liegenschaft Stock im Weg 1A-11 (Josefsheim) wurde ein Wettbewerb durchgeführt, die Parameter des Siegerprojekts sollen in die Abänderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes einfließen."

Ausschnitt aus dem Entwurf zum Plandokument 7564E. Gemäß öffentlicher Auflage vom 20. Oktober bis 1. Dezember 2016 © MA 21

Quellen:
Chronik des St.-Josefs-Heimes
Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topografisches Denkmälerinventar hrsg. vom Bundesdenkmalamt. Wien X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1996, S 250
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut. Band I. Wien 1999
Holzapfel, Josef: Historisches Ober St. Veit. Handwerks-, Gewerbe- und Vereinsgeschichte. Wien, Interessensgemeinschaft Kaufleute Ober St. Veit, 2009

hojos
27. November 2004, überarbeitet 2016

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