Das Josef-Afritsch-Heim

Ehemals "Internationale Kulturstätte Hörndlwald", Wien 13, im Hörndlwald.
1951

Einleitung

Die Frage nach der Namensgebung für den Hörndlwald fördert zwei unterschiedliche Thesen zu Tage:

• Der Name "Hörndlwald" soll von der Tatsache herrühren, dass man hier seinerzeit besonders viele Reh- und Hirschgeweihe gefunden hat – ein begehrter Rohstoff für die Knopferzeugung.

• Seinen Namen hat dieses Waldstück auf Grund der Form eines Hornes.

Der Hörndlwald war einst ein Teil des Lainzer Tiergartens und gehört auch heute noch zur Katastralgemeinde Auhof. Die Geschichte der Trennung dieses Gebietes vom Lainzer Tiergarten und der teilweisen Verbauung erläutert der Bericht "Die Katastralgemeinde Auhof kurz und bündig".

Die Biografie von Josef Afritsch

Geboren am 13.3.1901 in Graz, gestorben am 25.8.1964 in Wien

Josef Afritsch war ein Sohn von Anton Afritsch, dem Gründer der Kinderfreunde Österreich. Im Jahr 1923 trat er als Gartentechniker in die Wiener Stadtgartenverwaltung ein. 1942 wurde er wegen seiner Gesinnung entlassen, verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Von 1945 bis 1959 war er in Amtsführender Wiener Stadtrat für allgemeine Verwaltungsangelegenheiten, von 1959 bis 1963 Bundesminister für Inneres. Bis zu seinem überraschenden Ableben am 25. August 1964 war er Abgeordneter zum Nationalrat.

Seine letzte offizielle Aufgabe war die des Regierungskommissärs für die Wiener Internationale Gartenschau welche vom 16. April bis zum 11. Oktober 1964 im Donaupark abgehalten wurde.

Josef Afritsch ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (14C-23) begraben. Die in den Jahren 1963 bis 1965 errichtete Genossenschaftswohnanlage in Wien 13., Elisabethallee 81-95, wurde Josef-Afritsch-Wohnhausanlage benannt. 1965 wurde überdies das Gästehaus der Volkshilfe Österreich, deren Präsident er war, in Josef-Afritsch-Heim umbenannt. Josef Afritsch war Gründer und Präsident der Volkshilfe.

Zeitspiegel der nationalen und internationalen Aktivitäten

1949–52

Die erste Bautätigkeit wird für das Jahr 1949 überliefert. Am 18. Dezember 1950 wird im Wiener Gemeinderat ein Flächenwidmungs- und Bebauungsplan beschlossen, der den Bau der "Internationalen Kulturstätte Hörndlwald" ermöglicht.

"Lasst uns den Hass begraben!" ruft der Präsident des Wiener Wohlfahrtsvereines Volkshilfe, Josef Afritsch, den Festgästen zu, als 1951 im Hörndlwald der Grundstein zur "internationalen Kulturstätte" gelegt wird und "lasst hier in den Gemeinden kleine Bastionen des Friedens und der Menschlichkeit entstehen und die Kulturstätte Hörndlwald zu einer Bastion echter Freiheit, wahren Friedens und sozialer Gerechtigkeit werden." Die Stätte sollte geistiges und internationales Studienzentrum sein, in dem Gäste aus Nah und Fern, Lehrer und Lernende zusammen kommen.

Das Gebiet wird mit Hilfe der Schwedischen Sozialdemokraten zum Erholungsgebiet und für die Durchführung von Veranstaltungen nutzbar gemacht. Nach zahlreichen finanziellen Hürden und mit Hilfe großzügiger Spenden aus der Schweiz und Schweden wird es möglich, zwei weitere Häuser dazuzubauen. Rund 150 Gäste können in der Kulturstätte untergebracht werden. In den Ferienmonaten fungiert sie als Kindererholungsheim, an den Wochenenden als Lehrzentrum. Das ganze (ursprüngliche) Areal verfügt neben dem Heim, auch noch über einen Fußballplatz und ein eigenes Schwimmbad. Der WAT-Hietzing hat eine Holzbaracke für Trainingshilfsmitteln.

Das Josef-Afritsch-Heim. Ansicht des langgestreckten, im Grundriss leicht gekrümmten eingeschossigen Gebäudes mit einem gegen Norden vorspringenden, gerundeten Saaltrakt des Internationalen Kinderdorfes "Hörndlwald" - im Bau; Architekten: Rudolf Boeck, Adolf Hoch und Julius Bergmann, erbaut: 1950-51 © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

1952

Die Anlage wird durch einen Baurechtsvertrag der Wiener Volkshilfe zur Nutzung für Jugend und Soziales bis 2029 übertragen. Darin heißt es unter anderem: “Kraft dieses Baurechtes ist der Bauberechtigte berechtigt und verpflichtet, auf der (...) Liegenschaft ein Kinderheim mit Nebenobjekten zu errichten und diese in gutem Zustand zu erhalten”.

Die Internationale Union der Sozialistischen Jugend (International Union of Socialist Youth, kurz: IUSY)veranstaltet vom 1. bis 10. Juli 1952 ein internationales Großlagers im Wiener Hörndlwald. Nach internationalen Großlagern in Kopenhagen, Ebensee und Stockholm wird 1952 dieses Treffen von Jugendlichen aus der ganzen Welt unter der IUSY-Parole "Frieden für Freiheit" in Wien abgehalten. Über 30.000 Jugendliche aus 35 Ländern nehmen daran teil.

Die IUSY ist die Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Jugendinternationale, die im Zweiten Weltkrieg aufgelöst worden war. Im Jahre 1945 wurden die durch Krieg und Faschismus unterbrochenen Verbindungen der sozialistischen Jugendverbände wieder hergestellt und im Oktober 1946 auf einem internationalen Kongreß in Paris die Grundsätze und Statuten der IUSY beschlossen. Ziele dieser Organisation sind vor allem eine Verbesserung der Arbeits- und Studiumsbedingungen für die junge Generation und der Kampf für die Erhaltung und Erweiterung der Demokratie gegen jede Form des Totalitarismus. 1952 gibt es 41 IUSY-Organisationen mit mehr als einer halben Million Mitgliedern in 25 Staaten. Heute sind darin sozialistische und sozialdemokratischen Jugendorganisationen aus mehr als 100 Staaten der Welt zusammengeschlossen. Die IUSY gehört der Sozialistischen Internationalen an. Mitgliedsorganisationen im deutschsprachigen Raum sind die Jusos in der SPD, die Falken (SJD-Die Falken), die Sozialistische Jugend Österreichs (SJ), der Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) und die JungsozialistInnen Schweiz JUSO. Der Sitz und das Sekretariat der IUSY befinden sich seit 1954 in Wien.

Um den internationalen Rahmen abzurunden, legte die damalige Post & Telegraphenverwaltung eine Sonderpostmarke mit Ersttag auf.

Sonderpostmarke IUSY-Camp 1952. Diese Sonderpostmarke erschien aus Anlaß des Internationalen Großlagers der Internationalen Union der Sozialistischen Jugend von 1. bis 10. Juli 1952 in Wien.

1954

Im Hörndlwald gibt es in diesem Jahr das erste CISV-Camp. CISV (Childrens International Summer Villages) setzt sich für Respekt und Offenheit gegenüber den Mitmenschen ein und trägt so zur Friedenserziehung bei.

Weitere Ziele sind:
• Frieden zwischen Nationen und Völkern
• Freundschaften mit Menschen anderer Herkunft, Rasse und Glaubensrichtungen
• Klischees über andere Kulturen abbauen
• Vorurteile gar nicht erst entstehen lassen
• Toleranz fördern
• Andere Kulturen kennen lernen
• Globale Zusammenhänge erkennen
• Kommunikationsfähigkeit stärken
• Überwinden sprachlicher/kultureller Barrieren
• Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung
• Ermutigung zur Erarbeitung gewaltfreier Lösungen
• CISV-Erfahrungen helfen, eine Weltanschauung und Lebensphilosophie zu entwickeln, die uns Menschen auffordert, für den Frieden einzutreten.

In diesem Jahr gibt es im Hörndlwald auch ein von dem Dänen Guldberg geleitetes Lager für körperbehinderte Kinder.

Das Josef-Afritsch-Heim. Internationales Kinderdorf am Eröffnungstag (3.8.1954): Gemeinderat S. Pölzl mit Kinderschar am Balkon. United States Information Service (USIS) © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

1955

Im Hörndlwald findet die erste Obmännerkonferenz der Kinderfreunde statt (300 Teilnehmer). Das Thema ist die Diskussion über die sozialistische Erziehungsarbeit.

Außerdem gibt es in diesem Jahr das Erste Diabetikerlager im Hörndlwald. In den nächsten Jahren werden derartige Therapieferien zum Fixpunkt des ÖJRK-Arbeitsprogramms. Im Jahr darauf findet erstmals das Internationale Studien- und Freundschaftslager im Wittek-Heim in Mariazell statt.

1956

Das Internationale Kinderdorf "Hörndlwald" beherbergt im August 85 Schulkinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, Angehörige von 13 Nationen, die von der Österreichischen Gesellschaft für Internationale Kinderdörfer zu einem gemeinsamen Ferienaufenthalt eingeladen wurden. Hier haben sich Kinder aus den USA, aus England, Wales, Franreich, Italien, Jugoslawien, Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Westberlin zu einer Gemeinschaft zusammengefunden. Das österreichische Element in dieser Völkerfamilie ist durch Kärnten samt seiner slowenischen Minderheit vertreten. Die internationalen Kinderdörfer erwiesen sich nach fünfjährigem Bestand als eine hervorragend geeignete Einrichtung zur Förderung der Völkerverständigung. (Laut Rathauskorrespondenz)

1957

Der "Tag des Kindes" wird auf den Anlagen der Kulturstätte abgehalten.

Das Afritsch-Heim. Stadtrat Josef Afritsch beim Welttag des Kindes 1957 im Hörndlwald. © Heinz Weiss

1958

Im Hörndlwald wird ein internationales Camp für Rote Falken organisiert. Es handelt sich dabei um das größte Treffen der Roten Falken, dass jemals stattgefunden hat. Je nach Quelle werden 2000 bis 7000 Teilnehmern angegeben.

Kurt Biak (80), jahrelang für die Finanzen der Kinderfreunde zuständig, erzählte den Redakteuren der "Zeitung der Wiener Kinderfreunde" folgende Anekdote (das waren die Hörndlwald-G’schichten):

In den Sechzigerjahren fand in Wien-Hörndlwald ein internationales Falkentreffen mit etwa 2000 TeilnehmerInnen (?) statt, bei dem ich für die Verpflegung der Teilnehmer verantwortlich war. Ich fand verlässliche Mitarbeiter, denen ich die Ausgabe der Speisen übertrug. Schon am ersten Morgen, als das Frühstück ausgeteilt werden sollte, war allerdings kein einziger Mitarbeiter zu sehen! Die Aufregung war verständlicherweise groß und guter Rat daher teuer. Wo steckten unsere Freunde? Ich machte mich auf die Suche und ich hatte Glück … Am Falkentreffen nahm auch eine Delegation aus Schweden teil. Die Schwedinnen hatten sich zur morgendlichen Pflege begeben. Und da schau her: Unsere Mitarbeiter hatten sich davon magisch angezogen gefühlt! Sie lagen hinter Büschen versteckt und beobachteten begeistert die morgendliche Zeremonie. Keine Frage, dass ich meine Freunde rasch an ihre übernommene "Verpflichtung" erinnerte und sie zurück zum Essensbereich lotste!

Das Afritsch-Heim. Das große internationale Camp der Roten Falken mit 7000 jugendlichen Teilnehmern aus ganz Europa im Sommer 1958 im Hörndlwald. © Heinz Weiss
Das Afritsch-Heim. Polizeipräsident Josef Holaubeck begrüßt als Wiener Kinderfreunde-Vorsitzender einige Teilnehmer aus Dänemark am IFM-Camp Hörndlwald 1958. IFM steht für die internationale Falkenorganisation "International Falcon Movement". © Heinz Weiss

1959

160 Kinder, Buben und Mädchen aus Italien, sind durch das Wiener Komitee für internationalen Schüleraustausch zu einem vierwöchigen Urlaub nach Wien gekommen. Die Kinder werden im Hörndlwald und in einem Heim in der Rosentalgasse untergebracht. Ebenso viele Kinder verbringen dafür einen vierwöchigen Urlaub in Italien. Am 6. Juli begrüßt Stadtrat Afritsch die kleinen italienischen Gäste im Wiener Rathaus.

1963

Im ganzen Hörndlwald entsteht eine Barackensiedlung und eine riesige Zeltlandschaft für ein IBFG-Camp. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) wurde 1949 nach Spaltung des Weltgewerkschaftsbundes als Zusammenschluss der westlich-demokratischen Gewerkschaften gegründet. Ihm gehören 233 Organisationen aus 152 Ländern an. Der Hauptsitz des IBFG ist Brüssel.

Ziele des IBFG sind die Abschaffung von Kinder- und Sklavenarbeit, die Durchsetzung internationaler Arbeitsrechte, Bekämpfung von Rassismus und Arbeits- und Gesundheitsschutz. Weiterhin setzt er sich für die Bekämpfung von AIDS und HIV ein. Der Vorstand des IBFG besteht aus 53 Mitgliedern, welche auf dem alle vier Jahre stattfindenden Kongress gewählt werden. Im Oktober 2006 schließt sich der IBFG mit dem Weltverband der Arbeitnehmer und acht weiteren Gewerkschaften zum Internationalen Gewerkschaftsbund zusammen.

1965

Bürgermeister Marek eröffnet am 16. September das neue Gästehaus der Wiener Volkshilfe im Hörndlwald. Die Anlage wird nach ihrem Gründer "Josef-Afritsch-Heim" benannt. (Laut Wiener Rathauskorrespondenz). Im Eingangsbereich des Heimes werden zwei Marmortafeln angebracht. In Versalien steht auf der einen Platte: "Josef Afritsch-Heim / Für echte Freundschaft von Mensch zu Mensch von Nation zu Nation" und auf der anderen: "Josef Afritsch 1901–1964 / Menschenfreund und Helfer in der Zeit der Verfolgung / Gründer und Präsident dier Volkshilfe / Schöpfer der Internationalen Kulturstätte Hörndlwald / Langjähriger Wiener Stadtrat / Bürger der Bundeshauptstadt Wien / Innenminister der Republik Österreich".

Bis zum August 2008 gelten die Festtafeln als verschollen. Durch Zufall werden sie vor dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Franziska-Fast-Wohnanlage freigelegt.

Das Josef-Afritsch-Heim. Eine der einst im Eingangsbereich angebrachten Tafeln zum Gedenken an Josef Afritsch © Archiv 1133.at
Das Josef-Afritsch-Heim. Eine der einst im Eingangsbereich angebrachten Tafeln zum Gedenken an Josef Afritsch © Archiv 1133.at

1966

Der Verband der Querschnittsgelähmten Österreichs veranstaltet das 3. Bundessportfest im Wiener Hörndlwald mit erstmals internationaler Beteiligung.

1967

Heinz Schneider wird geschäftsführender Obmann des Verbandes der Querschnittsgelähmten Österreichs (V.Q.Ö.). In seiner Obmannschaft wird mit 77 Teilnehmern das 1. Internationale Sportfest im Wiener Hörndlwald durchgeführt (in weitere Folge in Wien-Strebersdorf, zusammen mit einem Kongress für Sozialarbeit und Rehabilitation mit Heinrich Schmid) und Prof. Schmidle, der in diesem Rahmen eine Ausstellung seiner Werke darstellte.

1968

Am 21. August 1968 rollen sowjetische Panzer durch Prag, Truppen der Warschauer-Pakt-Mächte besetzen die CSSR. Tausende tschechoslowakische Bürgerinnen und Bürger, die sich außerhalb des Landes befinden, können quasi über Nacht nicht mehr einreisen und stehen vor dem Nichts. Vor allem die Volkshilfe und die Kinderfreunde ergreifen die Initiative und leiten geeignete Maßnahmen zur Betreuung der CSSR-Bürgerinnen und -Bürger ein. In den Büroräumen der Volkshilfe wid eine Betreuungsstelle eingerichtet. Über 200 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung – 24 Stunden rund um die Uhr wird Betreuungsarbeit geleistet. Im Laufe der Ereignisse können 50.000 CSSR-Bürgerinnen und -Bürger versorgt werden.

Beim Josef-Afritsch-Heim entsteht ein Zeltlager, als die Zeltkolonie aus dem Überschwemmungsgebiet beim Kaisermühlendamm am 23.8.1968 unter Assistenz der Polizei und des ARBÖ in den Hörndlwald übersiedelt wird, weil dort für Trinkwasser und sanitäre Anlagen gesorgt ist.

Das Josef-Afritsch-Heim. Flüchtlingslager für Tschechen im Hörndlwald bei Wien, fotografiert am 24.08.1968 © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

1969

2. Internationales Sportfest des V.Q.Ö. Im Hörndlwald finden sich 120 Teilnehmer aus 10 Nationen ein.

1971

3. Internationales Sportfest des V.Q.Ö in Wien. Diesmal kommen 136 Teilnehmern aus 13 Nationen.

1975

Die Blütezeit des Heimes ist längst vorbei. Die Volkshilfe konnte oder wollte nicht genügend Mittel für die Erhaltung des Bauwerkes bereitstellen. Der Originaltrakt des Heimes wird endgültig durch die Baupolizei geschlossen. Das Afritsch-Heim verschwindet aus dem Wahrnehmungsbild und fällt in einen Dornröschenschlaf. Der Zahn der Zeit setzt sein Zerstörungswerk fort.

Nach der Baupolizeilichen Schließung des Josef-Afritsch-Heimes wird ein zweiter Bauplatz geschaffen und darauf die Häuser der "Franziska-Fast-Wohnanlage" errichtet.

1979

Ein Teil der Anlage im Hörndlwald wird für die Flüchtlingsbetreuung der Volkshilfe Österreich genützt und bietet ca. 100 Asylwerberinnen und Asylwerbern Unterkunft, Verpflegung, Beratung, Begleitung und Betreuung. Zu Beginn der achtziger Jahre sind es noch hauptsächlich Menschen aus osteuropäischen Staaten, später sind es Asylwerber aus der ganzen Welt, die dort untergebracht sind.

1984

Bereits in diesem Jahr haben sich Benützer des Sportplatzes gegen einen Anschlag auf das Erholungsgebiet "Hörndlwald" ausgesprochen haben. Eine 400 m² große Fläche hinter dem Fußballgelände sollte verbaut werden. Ein ASKÖ-Kantinenprojekt wird fallen gelassen – der Sportplatz bleibt wild.

Eine geplante Sperre der Sportanlage führt zur Gründung eines Vereins zum Schutz des Hörndlwaldes durch Dr. Franz Mayer. Ziel ist die Erhaltung des freien Zugangs des Waldes und der Sportanlage für alle Mitbürger. In den Jahren danach werden diesbezüglich intensive Gespräche mit den Bundesforsten und der Bezirkvertretung geführt. Die Mitgliedschaft zum Verein verpflichtet zu keinerlei Tätigkeiten. Auch gibt es keinen Mitgliedbeitrag, der Verein ist voll auf die Spenden der Mitglieder und der interessierten Mitbürger angewiesen. Obmann dieses Vereines ist DI Helmut Ebner (Obmann) (greta.ebner@aon.at).

1987

Am 7. Juli werden per Schenkungsvertrag alle Rechte und Pflichten der Wiener Volkshilfe an die Österreichische Volkshilfe übertragen.

1992

Die Staatssekretärin und Volksanwältin a. D. Franziska Fast übernimmt am 19. Februar den Vorsitz der Volkshilfe Wien.

Jahr noch unbekannt

Aus dem ehemaligen Kinderschwimmbad wurde der "Afritsch-Teich", ein Biotop der Universität für Bodenkultur. Auf einer Hinweistafel findet man folgenden Text (Auszug):

"Liebe Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer und alle Besucher des Afritsch-Teiches! Mit Hilfe der MA 49 – Forstamt der Stadt Wien sowie der Wiener Naturwacht wurde daher das ehemalige Kinderfreibad vor dem Josef-Afritsch-Heim zum Amphibienbiotop umgestaltet. Es beherbergt seitdem zahlreiche Arten von Amphibien (Frösche, Kröten, Unken und Wassermolche)..."

2000

Im Sommer wird die Anlage mit dem Flüchtlingsheim im Hörndlwald Franziska-Fast-Wohnanlage benannt.

2000/2001

Eine Studie untersucht die Möglichkeit der Sanierung bzw. Adaptierung, sowie den Zubau eines Beherbergungstraktes und die Neunutzung als Seminarzentrum. Das bestehende Bauwerk soll durch einen gegenüberliegenden, langgezogenen, terrassenförmigen Gebäudekomplex ergänzt werden. Die Realisierung des Projektes wird von einer Wirtschaftlichkeitsstudie abhängig gemacht.

2006

Der magistratsinterne Vorentwurf ("Gründruck") eines Flächenwidmungsplans (Plandokument Nr. 7711) sieht eine Vergrößerung der bebauten Fläche von derzeit 2.600 m² auf rund 4.200 m² und eine Bauhöhe von 9 Metern (fast drei Mal so hoch wie der Bestand) vor. Als Ziele werden im Erläuterungsbericht vage  "Einrichtungen für soziale oder kulturelle Zwecke" genannt. Laut der für Widmungen zuständigen Magistratsabteilung 21B soll es dort "keinen Wohnbau geben. Eventuell könnte dort eine geriatrische Einrichtung, wie ein Senioren-Tagesheim, oder ein Zentrum für schwere Pflegefälle hinkommen" (Die Presse, 3. Februar 2006, Seite 12). Schließlich wird wegen des massiven  öffentlichen Drucks auf eine Umwidmung verzichtet. Im endgültigen Entwurf des Plandokuments Nr. 7711, der am 28. Juni 2006 vom Wiener Gemeinderat beschlossen wird, bleibt die Bebaubarkeit im Bereich des Afritsch-Heimes gegenüber der bisherigen Rechtslage unverändert.

Im September wird bei einer Begehung durch das Bundesdenkmalamt festgestellt, dass rund 70 % der Bausubstanz verloren sind und eine Sanierung nicht mehr in Frage kommt.

2007

Denkmale, die sich im öffentlichen Eigentum (z.B. Bund, Land, Kirchen etc.) befinden, stehen gem. §2 DMSG (Denkmalschutzgesetz) bis 31.12.2009 kraft gesetzlicher Vermutung unter Denkmalschutz. Davon ist auch das Josef-Afritsch-Heim erfasst. Gemäß Novelle 1999 wird diese generelle Denkmalschutz-Vermutung durch Verordnungen, in denen die Denkmale im öffentlichen Besitz einzeln aufgelistet sind, ersetzt. Die diesbezügliche Verordnung für der 13. Wiener Gemeindebezirk tritt per 1.2.2007 in Kraft, das Josef-Afritsch-Heim wird darin nicht genannt. Später wird vom Bundesdenkmalamt folgende Begründung gegeben: "Das Josef-Afritsch-Heim, welches ursprünglich durchaus architektonische Qualitäten aufwies, war bereits 2008 durch Witterungseinflüsse weitgehend zerstört. Eine Instandsetzung des ursprünglich preisgünstig gebauten Objektes erschien ohne weitgehenden Substanzaustausch unmöglich. Deshalb wurde der Gebäudekomplex auch nicht mehr in die Verordnung des 13. Wiener Gemeindebezirks nach §2a Denkmalschutzgesetz (DMSG) aufgenommen."

Am architekturhistorischen Wert des Josef-Afritsch-Heimes bestand wenig Zweifel. "Das Gebäude ist eines der ganz wenigen noch erhaltenen Beispiele sozial motivierter Nachkriegsarchitektur in Wien", meint dazu die Hietzinger Grün-Gemeinderätin und Architektin Sabine Gretner, selbst Anrainerin des Hörndlwaldes.

Der renommierte Architekturkritiker und Autor Friedrich Achleitner schreibt über das von den Architekten Adolf Hoch, Rudolf Böck und Julius Bergmann errichtete Heim:

"Die Internationale Kulturstätte Hörndlwald", ein Haus für Jugendtreffen und Schulungskurse, mit einer großen Lagerwiese und einem Sportplatz, wurde wohl aus dem Geist der sozialistischen Jugendkultur der dreißiger Jahre geschaffen. Heute, auf dem Weg zur Ruine, vermittelt der Bau auch architektonische Träume der fünfziger Jahre: Naturverbundenheit, Öffnung zu Luft, Sonne und Landschaft, aber auch zu den Kulturen der Welt. Gibt es für das ungewöhnliche Bauwerk wirklich keine Verwendung?

Tatsächlich gibt es aus dieser Epoche in Wien nur ein einziges vergleichbares Objekt, den Sonderkindergarten "Schweizerspende" im Auer-Welsbach-Park (15. Bezirk), errichtet 1948/49 von Franz Schuster. Adolf Hoch, einer der Architekten des Afritsch-Heimes wurde auch als Erbauer der Opernpassage (1955) bekannt.

2008

In einer Projektskizze präsentiert Clemens Leisner einen Vorschlag des Wiederaufbaus und des Erhalts des Internationalen Kulturzentrums Hörndlwald. Demnach soll das Gebäude und das umliegende Gelände (nicht die angrenzende Franziska-Fast-Wohnanlage) von der Volkshilfe Österreich übernommen und nach seinen Ideen wieder aufgebaut und nachhaltig betrieben werden. In Zusammenarbeit mit der Volkshilfe soll eine Kinder- und Jugendtagesstätte (Kindergarten/Hort) mit einer lokalen Begegnungsstätte, die Flächen für Veranstaltungen und andere Aktivitäten anbietet, verbunden werden. Die finanziellen Aspekte werden nur grob umrissen und von einer erheblicher Deckung der Erstinvestition durch persönliches Engagement gesprochen. Die Wirtschaftlichkeit der diversen Aktivitäten wird im Spannungsfeld der besonderen Lage und der schwierigen Erreichbarkeit vorsichtig beurteilt und bei sparsamem Betrieb eine "Schwarze Null" angepeilt.

Eine Skizze aus der Projektunterlage des Herrn Leisner. © Archiv Leisner

Trotz nachhaltigem Bemühen des Herrn Leisner wird der Plan nicht realisiert, die Gründe dafür sind unbekannt. Vielleicht ist das Konzept nicht überzeugend genug oder ist es manchen zu utopisch. Es kann auch sein, dass nicht in den "Netzwerken" verankerte außenstehende Einzelperson selbst in Falle der Breitschaft zu Eigenfinanzierungen nur schwer mit Konzepten durchkommen. Das Grund-Problem beim Afritsch-Heim ist natürlich, dass die "Volkshilfe" die Auflagen des Pachtvertrags nicht eingehalten hat und das Gebäude verfallen ließ. Der "Politik" scheint das auch nicht besonders wichtig gewesen zu sein, denn Hinweise und Warnungen vor dem Zustand des Afritsch-Heims gibt es seit ungefähr zwei Jahrzehnten, und das Dach des ehemaligen Speisesaales ist sein langem beschädigt.

Pläne für gastronomische Nutzungen soll es nicht gegeben haben. In den 1990er-Jahren soll über ein Hotel bzw. einen Hotel-Zubau, später über ein Pflegezentrum bzw. über eine Seniorenresidenz gesprochen worden sein, aber ohne konkrete Pläne oder Konzepte.

2009

Am 7. September beschließen SPÖ und ÖVP im Wohnbauausschuss des Gemeinderats, das (bis 2029 gültige) Baurecht der Volkshilfe für das 131.000 m² große Areal des Afritsch-Heims mit Ende 2010 aufzulösen. Basis ist die zwischen dem Verein Volkshilfe Österreich und der Stadt Wien am 5. August 2009 geschlossene Baurechtsauflösungsvereinbarung.

Am 30. September wird in der Sitzung der Bezirksvertretung ein Antrag von ÖVP, SPÖ und Grünen eingebracht: „... die Liegenschaft des Afritsch-Heims ... nach Auflösung der Baurechtsvereinbarung mit der Volkshilfe Österreich keinesfalls zu verkaufen, die bestehenden Grünflächen und den Natursportplatz zu schützen und in der bestehenden Form zu erhalten, die Verwendbarkeit (Sanierung) einzelner Bauteile des Afritsch-Heims zu prüfen, Nachnutzung ausschließlich für soziale und nicht-spekulative Zwecke zu prüfen.“ Der letzte Satz der Begründung lautet: „Wenn das Afritsch-Heim nicht mehr saniert werden kann und abgerissen werden muss, so darf das Areal keinesfalls veräußert werden, sondern das Gebiet muss der Natur zurückgegeben werden und als Naturschutzgebiet frei zugänglich bleiben.“ Der Antrag wird einstimmig angenommen. Aus der Antwort von Stadtrat Michael Ludwig: „....ein konkreter Verwendungszweck bzw. ein konkretes Projekt ist derzeit noch nicht bekannt....“.

Ein in derselben Sitzung eingebrachter Antrag der FPÖ „... die nach Auflösung des Mietverhältnisses mit der Volkshilfe im Hörndlwald zur Verfügung stehenden Gebäude und Freiflächen – wie bisher – ausschließlich zum Bau eines Kinderheimes mit Nebenprojekten und deren Erhaltung sowie zur Benützung der Baurechtsliegenschaft lediglich für Kinder und Jugendliche zu verwenden...“ ist inhaltlich ähnlich und wird aufgrund des obigen gemeinsamen Antrags von ÖVP, SPÖ und Grünen abgelehnt.

2011

Nach Auflösung des Flüchtlingsheimes mit März 2011 fallen beide „geschaffenen Bauplätze“ „Franziska-Fast-Anlage“ und „Josef-Afritsch-Heim“ an die Stadt Wien. Die Volkshilfe, die das Gebäude vertragswidrig verfallen ließ, wird mit 450.000 Euro abgefunden. Die Absichten der Gemeinde Wien zur weiteren Nutzung sind unbekannt.

In diesem Jahr werden in der Hietzinger Bezirksvertretung vier Anträge in Zusammenhang mit dem Josef-Afritsch-Heim einstimmig oder mehrheitlich angenommen.

In der Bezirksvertretungssitzung vom 22. Juni 2011 stellt der ÖVP-BR Mag. Klaus Daubek den einstimmig angenommenen Antrag, dass die zuständigen Stellen der Stadt Wien ersucht werden, die kunstgeschichtlich bedeutsamen Reste (Hinweistafeln, Statue) der Anlage Hörndlwald für Museen der Stadt Wien (Historisches Museum, Bezirksmuseum Hietzing) zu sichern. Die vom Eingangsbereich abmontierten Tafeln wurden 2008 auf dem Gelände wiedergefunden, die im Eingangsbereich aufgestellte Figur ist entfernt worden.

Die Antwort des Amtsführenden Stadtrates Dr. Michael Ludwig vom 22. Juli 2011 lautet: "Das Gipsmodell der Statue (Kopie des Originals) "Großer stehender Jüngling" des verstorbenen Künstlers Fritz Wotruba befindet sich derzeit noch im Besitz der Volkshilfe Österreich, da diese die Rechtsansicht vertritt, dass sich dieses Modell in ihrem Eigentum befindet. Diesbezüglich werden Gespräche zwischen der MA 7 - Kultur und der Volkshilfe Österreich geführt. Betreffend der ehemals beim Eingang angebrachten Hinweistafeln die gemäß des Antrages des ÖVP Klubs Hietzing als Beeteingrenzung in Verwendung genommen worden seien, teilte die Volkshilfe Österreich nach Anfrage mit, dass ihr diesbezüglich nicht bekannt sei, dass jemals beim Eingang solche Hinweistafeln angebracht waren." Diese Antwort kam nach "eingehender Überprüfung durch die zuständige Fachabteilung" zustande. Eine Recherche in der Rathauskorrespondenz aus dem Jahr 1965 oder auf 1133.at zählte wohl nicht dazu.

Die Gedenktafeln des Josef-Afritsch-Heimes. "Schwarzer Bezirksvorsteher reinigt mit blauem Besen rotes Kulturgut". Ing. Hans Popp und BR Mag. Klaus Daubek beobachten BV DI Heinz Gerstbach beim Reinigen der abermals freigelegten Gedenktafeln. So geschehen am 6. September 2011. © Archiv 1133.at

In der Bezirksvertretungssitzung vom 29. September 2011 stellen die ÖVP-Bezirksräte Mag. Klaus Daubeck, Doz. Dr. Michael Gorlitzer, DI Edwin Piskernik, Walter Schlager und KR Ing. Walter Ottmann den Antrag, dass die zuständigen Stellen der Stadt Wien ersucht werden, die derzeit als Gerümpellager benutzte Anlage des Afritsch-Heimes im Hörndlwald aus Brandschutzgründen ehebaldigst säubern zu lassen. Der Antrag wird mehrheitlich angenommen. In der selben Sitzung stellt BV-Stv. Reinhard Feistritzer, SPÖ, den Antrag, dass die zuständigen Stellen der Stadt Wien ersucht werden, hinsichtlich der künftigen Nutzung des gesamten Areals Hörndlwald eine Expertenstudie in Zusammenarbeit mit dem Bezirk zu beauftragen. Ziel der Studie soll die Auslotung aller Gestaltung- und Verwendungsmöglichkeiten sein. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Das Gerümpellager bleibt, die geforderte Studie wird von der Stadt Wien nicht erstellt.

Das Afritsch-Heim. Die Eingangshalle ist, wie auch andere Bereiche, mit Gerümpel gefüllt. Fotografiert am 6. September 2011 © Archiv 1133.at
Das Afritsch-Heim. Die Decke des ehemaligen Speisesaales ist längst eingestürzt. Fotografiert am 6. September 2011 © Archiv 1133.at

In der Bezirksvertretungssitzung vom 14. Dezember 2011 stellen die ÖVP-Bezirksräte Friedrich Ebert, Walter Schlager, Doz. Dr. Michael Gorlitzer und der FPÖ-BR Georg Pachschwöll den Antrag, die zuständigen Stellen der Stadt Wien um Renaturierung des Gebietes im Hörndlwald beim Josef-Afritsch-Heim und bei der Franziska-Fast-Anlage zu ersuchen. Hier ist ein eingetragenes Landschaftsschutzgebiet vorhanden, und für zukünftige Verbauungen ist keinerlei Infrastruktur gegeben. Die aktuelle Widmung Spk – Parkschutzgebiet – soll ernsthaft umgesetzt werden. Der Antrag wird mehrheitlich ohne SPÖ und Grüne angenommen.

2012

Am 10. Februar beantwortet Dr. Ludwig den Antrag vom 14. Dezember 2011 mit der Erläuterung grundsätzlicher Widmungsgegebenheiten und der Aussage, dass die Teilfläche mit den Abbruchobjekten 18 % der Gesamtfläche des Hörndlwaldes ausmacht, dass der Abbruch der Gebäude und die Renaturierung nicht unerhebliche Kosten verursachen und dass die Renaturierung eine erhebliche Wertvernichtung von Gemeindevermögen bedeutet.

Anfang 2012 wird von Wohnbaustadtrat Ludwig auch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Ab Februar 2012 verschließt eine blickdichte Verschalung alle Öffnungen der Ruinen.

Das Afritsch-Heim. Im Februar 2013 wurden alle Öffnungen verschalt. Fotografiert am 20. April 2012 © Archiv 1133.at

Am 26. September 2012 bringen Bezirksrätinnen und Bezirksräte der ÖVP und der FPÖ folgenden Antrag ein (S-1404/12): "Die zuständigen Stellen der Stadt Wien werden ersucht, die bestehenden Gebäude im Hörndlwald – das Afritsch Heim und die Franziska Fast Wohnanlage – abzutragen und auf den freiwerdenden Flächen eine Renaturierung zu veranlassen. In der nächsten Überarbeitung der Flächenwidmung soll in der Folge die derzeit mögliche Bebaubarkeit gestrichen werden." Der Antrag wurde mit den Stimmen der ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen der SPÖ und der Grünen mehrheitlich angenommen.

Die mit 24. Oktober datierte Antwort der Vizebürgermeisterin Mag. Vassilakou lautet: "... Die Widmung für den Hörndlwald ist mit Schutzgebiet-Wald-und-Wiesengürtel festgesetzt. Für den Bereich des Afritsch-Heimes gilt jedoch die Widmung Schutzgebiet Parkanlage. Auch wenn der derzeit vorherrschende Gebäudebestand in einem schlechten Bauzustand ist und teilweise sicher die wirtschaftliche Abbruchreife gegeben ist, so kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden, welche Nutzungen hier künftig vorherrschen sollen. Im Zuge der nächsten Gebietsüberarbeitung wird die zukünftige Nutzung geprüft. Auf dieser Basis wird die Flächenwidmung – mit der Option Grünland/Schutzgebiet-Wald-und-Wiesengürtel – festgesetzt werden."

Aus der Antwort von Stadtrat Michael Ludwig: „... Dieses Grundstück weist eine gültige Flächenwidmung auf, die eine (eingeschränkte) Bebauung ermöglicht und ist geplant, dieses auch einer entsprechenden Verwertung zuzuführen...“

2013

Die Bezirkszeitung vom 20./21. Februar 2013 berichtet von einer Wortmeldung der Vizebürgermeisterin Vassilakou, wonach die Chancen für eine Renaturierung gut stünden. Die bestehende Widmung "Schutzgebiet-Parkanlage" soll bei der nächsten Überarbeitung des Flächenwidmungsplanes auf "Grünland/Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel" verändert werden.

Anfang April 2013 wird mit dem Abbruch des Josef-Afritsch-Heims begonnen, und im Juli 2013 ist davon nichts mehr zu sehen. Die Franziska-Fast Anlage bleibt unangetastet.

Damit endet der Bestand des Josef-Afritsch-Heimes und auch diese Chronik. Die weiteren Vorgänge im Zusammenhang mit dem Areal im Hörndlwald werden  im Beitrag "Rettet den Hörndlwald" festgehalten.

Zusammenfassung

Die "Internationale Kulturstätte Hörndlwald" als klassische Nachkriegseinrichtung inkl. Architektur wird es in dieser Form nicht mehr geben. Dazu fehlen die Rahmenbedingungen, in deren Umfeld die verschiedensten "nationalen und internationalen Veranstaltungen" stattfanden. Auch besteht in der heutigen Gesellschaftsstruktur wenig Bedarf an dieser für Kinder und Jugendliche geschaffenen Einrichtung. Trotzdem hegten viele die Hoffnung, im Sinne des Gründers Josef Afritsch in irgend einer Form eine Kulturstätte wieder auferstehen zu lassen, die Kindern zugute kommt oder in der Lehrer und Lernende aus Nah und Fern zusammentreffen können.

Wegen der fehlenden Infrastruktur und weil der größte Teil des Hörndlwaldes als Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel ein beliebtes Erholungsgebiet darstellt, ist die Rückgabe an die Natur eine logische Alternative. Einen daraus resultierenden Wertverlust zu beklagen, ist nicht stimmig, denn der Wertverlust ist bereits in der Vergangenheit passiert und wurde von der Stadt Wien tatenlos hingenommen. Es gab eine Zeit, zu der die Stadt Wien in diesem Gebiet große Liegenschaften aufkaufte, um sie dem Wald- und Wiesengürtel hinzuzufügen! Heute hofft sie auf Widmungsgewinne.

Quellen:
60 Jahre Volkshilfe - Festschrift.
Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band III/2.
Ernst Budai – Hietzing / Ein Kinderheim und der Zahn der Zeit.
Wien im Rückblick - Rathauskorrespondenz.
Verband der Querschnittgelähmten Österreichs - 50 Jahre Verbandsarbeit.
Grüner Klub/Sabine Gretner Gemeinderätin - Sanieren statt Abreißen.
Dr. Franz Mayer/Hörndlwald - Wiener Naturdenkmal.
Volkshilfe Wien – Geschichte.
WEB - Lexikon der Wiener Sozialdemokratie.
WEB - atelier löwy - dipl.-ing. michael löwy, architekt, staatlich befugter und beeideter ziviltechniker. www.loewy.at/portfolio/afritsch.html - 14k.
Kinder und Eltern Nr. 4/2007 - Die Zeitung der Wiener Kinderfreunde.
Informationen von Mag. Klaus Daubeck, Gerhard Jordan und Walter Schlager

Ing. Hans F. Popp, ergänzt und aktualisiert von hojos
August 2008 bis Dezember 2014