Tänze und Tänzerinnen erzählten kleine Geschichten

Auftritt des Ballettstudios Ober St. Veit am Grätzlfest 2018
25.05.2018

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche tanzten die Ballettschülerinnen des Ballettstudios Ober St.Veit ihre anspruchsvoll choreographierten Tänze vor Publikum. Wieder klappte alles bestens: Alle gaben ihr bestes, zum Teil mit letzter Kraft, besonders bei der Akrobatik, die immer zu bewunderndem Zwischenapplaus herausfordert. Dennoch lassen sich die Aufführungen überhaupt nicht miteinander vergleichen. Das Publikum kommt, ganz im Gegensatz zur Bühne im Großen Festsaal des Hietzinger Amtshauses, den kleinen Künstlerinnen ganz nah. Elisabeth Kobel kennt das mit den verschiedenen Bühnen, so trat sie ja selbst nicht nur in der Wiener Staats- und Volksoper, sondern auch bei Wiener Festwocheneröffnungen, in vielen Palais und in der Wiener Hofburg als Solistin auf. Ihr Beruf der klassischen Balletttänzerin brachte sie auch auf viele internationale Bühnen, zum Beispiel in die Oper von Sydney, Mailand, Manila u.v.a.

Nun gibt sie ihr Wissen und Können als Ballettpädagogin und Choreographin weiter und war mit ihren Elevinnen im Alter von vier- bis zwanzig Jahren heuer schon zum 8. Mal am Grätzlfest mit dabei. Sie plante kleine Änderungen, auch aufgrund des Platzmangels, kurzfristig ein. Heuer war erstmals in allen Wetter-Apps von Regen die Rede und das bange Warten – werden wir auftreten können oder nicht – erhöhte die Spannung unter allen Beteiligten. Die bewundernswerte Organisatorin Dorothea Massing, ihr haben wir den Weiterbestand der traditionellen Ober St.Veiter Leistungsschau für Unternehmer und Künstler zu verdanken, bemühte sich sogar um ein Dach für die kleine Bühne. Trotz der unsicheren Wetterlage galt: Wer nicht mindestens eine halbe Stunde vorher da war, musste sich hinten einreihen, kein Platzerl blieb frei. So groß war auch heuer wieder der Andrang, um die Tänze, die den musikalischen Jubilaren gewidmet waren, gut sehen zu und natürlich filmen zu können.

Ja, natürlich waren Eltern und Anverwandte da, aber unter dem Publikum waren jede Menge Schulkinder und Mädchen, die beim Zusehen sehnsuchtsvoll davon träumten, auch einmal nach so schöner oder auch cooler Musik tanzen zu lernen. Viele kleine Bewunderer drängten sich ganz vorne an der Bühne und staunten, was ihre Freundinnen so alles können.

Bei den größeren unter den Balletttänzerinnen spürte der Zuschauer, was sie motiviert. Da ist einmal die Freude an der Herausforderung, sich die Tänze zu merken, dann auf der Bühne nicht zu versagen, die Leistung auch unter Stress und vor Zuschauern, zu bringen, möglichst gleich mit den anderen zu sein, und, ganz wichtig, sie möchten ihrer lieben Ballettlehrerin imponieren, die sich ein ganzes Jahr so viel Mühe gibt, um eine Performance dieser Qualität auf die Bühne zu bringen. Und die kleinen Kinder? Sie tanzen für irgend einen Menschen im Publikum, den sie ganz lieb haben und von der Bühne aus nicht aus den Augen verlieren möchten. Manchmal wollen sie die Bühne gar nicht verlassen und winken. Sie erleben die Welt von einer Perspektive, die sie vorher nicht kannten und die für viele die Bretter sind, die für sie die Welt bedeuten.

So kann in einer knapp einstündig getanzten Aufführung dem aufmerksamen Zuschauer nicht nur jeder einzelne Tanz, sondern auch jedes Kind eine kleine persönliche Geschichte erzählen.

Candyman. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke
Dance at the Gym. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke
Dorothea Massing und ihre Topmodel. © smschlinke
Rococo-Variante Tschaikowski. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke
Rossini. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke
Security. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke
Tschaikowski. Das Ballettstudio Ober St. Veit am Grätzlfest 2018 © smschlinke

Steffi Maria Schlinke
26.Mai 2018