Heinrich Schönich

1844–1926. Von 1888 bis 1891 letzter Bürgermeister von Unter St. Veit. Sein Haus in Unter St. Veit steht vor dem Abbruch.

Heinrich Schönich wurde am 26.10.1843 in Mährisch Rothwasser (Červena Voda) in Nordostmähren geboren und lernte dort die Schlosserei. Als 22-jähriger Geselle kam er 1865 nach Unter St. Veit und fand Beschäftigung bei einem nicht näher eruierbaren Schlossermeister Eduard Kolb. 1870 legte er die Meisterprüfung ab und er machte sich in Unter St. Veit mit einer eigenen Schlosserei selbständig, 1872 heiratete er in der Ober St. Veiter Pfarrkirche.

Ab 1873 war er zunächst sechs Jahre Gemeindeausschuß, dann ab 1879 neun Jahre Gemeinderat (= Gemeindevorstandsmitglied). Während dieser Zeit bekleidete er auch zwölf Jahre lang die Funktion eines Ortsschulratsobmannes. 1875 gründete er die freiwillige Feuerwehr Unter St. Veit.

Als er 1888 das Bürgermeisteramt antrat, war er also in der Gemeindepolitik bereits ein erfahrener Mann. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Stelzer, der eher liberal gewesen sein dürfte, war Heinrich Schönich streng katholisch gesinnt. Er war in seinem bürgerlichen Beruf als Schlossermeister ein tüchtiger Mann, bei dem mehrere später zu Ansehen gekommene Schlossermeister ihre Lehrjahre absolviert hatten. Einer von diesen war der Ober St. Veiter „Stach-Schlosser“ (Ludwig Stach), von dem die schönen schmiedeeisernen Gitter auf den Oratorien der Ober St. Veiter Kirche stammen.

Sein 1882 erbautes Haus in der St.-Veit-Gasse 34 / Ecke Kupelwiesergasse, in dem er Wohnung und Werkstätte hatte, bestand bis Dezember 2016 ziemlich unverändert und ist das letzte erhaltene Unter St. Veiter Haus vom Typus des dörflichen Handwerkerhauses. Im Dezember 2016 wurde jedoch mit dem Abbruch begonnen. Die Fotos unten zeigen den Zustand vom 11. Oktober 2014  und vom 18. Dezember 2016, zuletzt bereits ohne historische Schmiedeeisengitter.

Seine grundlegende Bescheidenheit bewies Schönich mit der Ablehnung einer nach ihm zu benennenden Gasse. 1914 verlieh ihm Bürgermeister Richard Weiskirchner persönlich in einem kleinen Festakt die Wiener Ehrenbürgerwürde. Heinrich Schönich starb am 14.6.1926, er liegt in einem Ehrengrab auf dem Ober St. Veiter Friedhof begraben. 

Heinrich Schönich vor seinem Haus Ecke St. Veitgasse/Kupelwiesergasse. (Herr Schönich mit Zylinderhut). Das Haus befindet sich per Dezember 2016 im Abbruch. © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Fotografiert am 11. Oktober 2014 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Das schmiedeeiserne Gitter, fotografiert am 11. Oktober 2014 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Blick in den Hof am 11. Oktober 2014 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Fotografiert am 18. Dezember 2016 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Fotografiert am 18. Dezember 2016 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Fotografiert am 18. Dezember 2016 © Archiv 1133.at
St.-Veit-Gasse 34 / Kupelwiesergasse 39. Fotografiert am 18. Dezember 2016 © Archiv 1133.at

Quellen:
Klötzl, Gebhard: Von Bürgermeistern und Affären. Die Gemeinden Ober St. Veit und Unter St. Veit 1848–1891. Wien: Verlag homedia, 2015
125 Jahre Unter St. Veit (Anm. 49) S. 45.
Biographische Angaben nach einer handschriftlichen Zusammenstellung seiner Enkelin Adele Machaczek (†) vom Juli 1987)
biographische Notiz in: Genossenschaftliche Wiener Schlosser-Zeitung Nr. 29 (1914) S. 3.

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im Dezember 2016

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