Geschichte des Hietzinger Gymnasiums von 1897–1967

Festschrift zum 70jährigen Bestand der Schule und Abschluß der Vergrößerung und Neugestaltung der Schule, redigiert von Prof. Dr. Ernst Nowotny, herausgegeben von Hofrat Direktor Dr. Hans Kriegl
1967

Der Abschluß der Umbauarbeiten an unserem Schulgebäude und die damit verbundene Feier bieten den Anlaß, über den Werdegang der Schule in den 70 Jahren ihres Bestehens einen historischen Rückblick zu gehen. Es handelt sich dabei um ein Stück Geschichte, das von einigen noch lebenden Personen zur Gänze, von zahlreichen andern teilweise miterlebt wurde und daher gerade bei diesem Personenkreis – ehemaligen und gegenwärtigen Professoren, jetzigen und ehemaligen Schülern, von denen viele ihre Kinder wieder dieser Schule anvertraut haben – auf ein gewisses Interesse stößt. Die Gymnasialzeit, wenn sie auch bei manchen mit unangenehmen Erinnerungen belastet ist, gehört als die mit Recht besungene „goldene Jugendzeit“ zu einem Abschnitt des Lebens, an den man gerne zurückdenkt. Die acht Jahre, die wir auf den Schulbänken des Hietzinger Gymnasiums gesessen sind, haben eine weit darüber hinausreichende Bindung mit der Schule, in unserem Fall, dem humanistischen Gymnasium und mit dem dieses repräsentierenden Lehrkörper, mit sich gebracht. Das haben die zahlreichen Beitrittserklärungen zu der neu konstituierten Vereinigung der „Alt-Hietzinger“, welche die Tradition des „Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums“ fortsetzen will, eindeutig bewiesen.

Als ehemaligem Schüler und jetzigem Lehrer der Anstalt ist die mir gestellte Aufgabe, eine Schulgeschichte zu verfassen, im Zuge der Bearbeitung für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden, der ich mich mit großer Hingabe gewidmet habe. Meine Darstellung beruht in erster Linie auf schriftlichen Quellen, nämlich den gedruckten Jahresberichten, handschriftlichen Konferenzprotokollen und den Protokollen des Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums (Fußnote 1: Jahresberichte liegen vor: 1900–1919 und 1951–1966, Konferenzprotokolle: 1946–1966, Vereinsprotokolle: 1900–1938 und 1947–1957), weitgehend aber auch auf mündlichen Quellen, d. h. Mitteilungen von ehemaligen Professoren und Schülern, besonders solchen, die beides sind.

Hietzing war vor der Stadterweiterung des Jahres 1890 einer der vielen Vororte im Westen Wiens, die zwischen Feldern und Weingärten eingebettet, ein idyllisches Dasein führten. Durch seine Lage unmittelbar angrenzend an den Schloßpark von Schönbrunn, durch das damals dort befindliche Vergnügungsetablissement „Neue Welt“ mit seinen Attraktionen und schließlich das Caffee Dommayer, wo Johann Strauß zum Tanz aufspielte, besaß Hietzing für die Wiener eine große Anziehungskraft, so daß begüterte Bürgerfamilien dort ihre Landvillen zu erbauen begannen. Der am Anfang des 19. Jahrhunderts noch vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung dieser Vororte genügten die aus der Maria-Theresianischen Zeit stammenden Normal- und Trivialschulen von Lainz, Hietzing und Ober-St. Veit, wozu 1845 noch die Schule von Unter-St. Veit hinzukam (Fußnote 2: Prof. Dr. K. Rieger, Geschichtliche Grundlagen der Entstehung des 13. Bezirkes, Jahresbericht des Hietzinger Gymnasiums 1952). Mit dem starken Zustrom des Großbürgertums im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts entstand jedoch auch das Bedürfnis nach einer Mittelschule. Aber erst durch die 1890 im Zuge der Stadterweiterung erfolgte Bildung des XIII. Wiener Gemeindebezirkes, dem Hietzing, Schönbrunn, Lainz, Speising, Unter- und Ober-St. Veit, Hacking, Hütteldorf, Baumgarten, Breitensee, Penzing und Teile von Mauer und Hadersdorf angehörten, wurde die Basis für die Gründung von Mittelschulen in diesem Bezirk geschaffen, deren erste das Hietzinger Gymnasium werden sollte.

Im Jahre 1881 war bei den Bewohnern der damals noch selbständigen Gemeinde Hietzing der Wunsch nach Errichtung eines Gymnasiums – das nächstgelegene war das Amerlinggymnasium in Mariahilf – so stark geworden, daß über Antrag des Advokaten Dr. Vinzens Heller sich ein Verein konstituierte, um mit dem k. k. Unterrichtsministerium Verhandlungen zu führen. Die Platzfrage war gelöst durch die Munifizenz des Großhändlers Herrn Karl Preysing, der den erforderlichen Baugrund zwischen Westbahn und Schönbrunn unentgeltlich zur Verfügung zu stellen versprach. Die Besichtigung dieses Bauplatzes durch den damaligen Unterrichtsminister Freiherrn Conrad v. Eybesfeld weckte Hoffnungen auf die baldige Verwirklichung des Planes. Diese wurden leider schwer enttäuscht. Es war nämlich den energischen Bemühungen des Bürgermeisters Ignaz Zelebor des benachbarten Meidling gelungen, mit Beginn des Schuljahres 1883/84 die Eröffnung eines Privat-Communalgymnasiums in Untermeidling durchzusetzen. Damit waren die Chancen des Hietzinger Vereines geschwunden und dieser beschloß, sich wieder aufzulösen.

Erst 1895 wurde der Gedanke zu neuem Leben erweckt, angeregt durch den Erfolg, den damals der Döblinger Gymnasialverein mit der Gründung des Gymnasiums im 19. Bezirk errungen hatte. Dem Hietzinger Bürger Gustav Singer, Prokuristen der Unionsbank, ist es zu danken – sein Name war bis zu seinem Tode mit der Schule aufs engste verbunden und soll nie in Vergessenheit geraten –, daß sich wieder ein Gründungskomitee bildete, das die Statuten für den „Verein zur Gründung eines Gymnasiums im XIII. Bezirke Wiens“ ausarbeitete. Diesem von der k.k. n. ö. Statthalterei am 9. August 1895 genehmigten Verein ist es durch sein zähes, durch keinen Rückschlag zu erschütterndes Ringen mit den zuständigen Behörden gelungen, zunächst die Eröffnung des Gymnasiums schon im Schuljahre 1897/98 in einem provisorischen Schulhaus in Penzing und anschließend in sehr schwierigen Verhandlungen den Bau eines großen, schönen Schulgebäudes für ein Staatsgymnasium an der Stelle, wo es heute steht, durchzusetzen.

Die Hauptsorge des Vereines bestand darin, die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen, um zunächst die ersten Klassen des Gymnasiums zu finanzieren und die anderen Bedingungen, an welche die Unterrichtsverwaltung mit Rücksicht auf den angespannten Staatshaushalt die Errichtung eines Staatsgymnasiums geknüpft hatte, zu erfüllen. Dem Obmann des Vereines, k.k. Hofrat und Universitätsprofessor Dr. Alfred v. Berger (Fußnote 3: 1896 Professor für Ästhetik an der Wiener Universität, 1890–1910 Direktor des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, 1910–1912 Direktor des Wiener Burgtheaters.) und dem Obmannstellvertreter und Schriftführer Herrn Stefan Görgey v. Görgö und Toporz, Bureauchef der Staatseisenbahngesellschaft und dem schon erwähnten Herrn Gustav Singer gelang es, diese Voraussetzungen zu schaffen. Tatsächlich fanden sich auch jetzt wieder generöse Männer, welche das erforderliche Grundstück kostenlos zur Verfügung stellten, die Realitätenbesitzer Julius Frankl und Moritz N. Oppenheim, die über große Flächen des damals noch fast völlig unverbauten Geländes im heutigen Cottageviertel Hietzings verfügten. Sie blieben nicht unbelohnt, da ihre Baugründe durch den Schulbau gewaltig im Werte stiegen.

Die Gemeinde Wien unter dem kurz vorher in stürmischen Wahlgängen zum Bürgermeister gewählten Dr. Karl Lueger gewährte großzügig eine Subvention von 10.000 Gulden. Weitere 5.000 Gulden war der Verein in der Lage aus eigenen Mitteln aufzubringen, mit denen die Führung der beiden ersten Klassen finanziert werden sollte. Die Gemeinde Wien erklärte sich bereit, die erforderlichen Räume in einem leerstehenden städtischen Schulgebäude in der Diesterweggasse Nr. 3 zur provisorischen Unterbringung des Gymnasiums gegen einen Rekognitionszins zu überlassen, mit der Auflage, daß der Verein für die Kosten der Adaptierung und Instandsetzung der Räumlichkeiten aufkomme.

Mit Erfüllung dieser Bedingungen schien der Genehmigung zur Errichtung der Schule nichts mehr im Wege zu stehen, als in letzter Minute die Sache noch einmal in Frage gestellt wurde. In den ausgearbeiteten Bauplänen war nämlich die Aufführung eines dritten Stockwerkes vorgesehen, da nur so die notwendigen 12 Klassenzimmer untergebracht werden konnten. In diesem Teil des Bezirkes bestand aber das Bauverbot für ein drittes Stockwerk. Daher hatte das Unterrichtsministerium an die Gemeinde Wien das Ersuchen gerichtet, bei dem Bau des Gymnasiums von diesem Verbot Abstand zu nehmen. Über Antrag des Bürgermeisters Dr. Lueger hatte der Stadtrat tatsächlich seine Einwilligung dazu erteilt, der Gemeinderat jedoch in seiner Sitzung vom 31. August 1897 das Ansuchen des Ministeriums abgelehnt. (Fußnote 4: Nach dem Gemeindestatut von 1891 wurde ein aus 25 Mitgliedern bestehender Stadtrat aus der Mitte des Gemeinderates gewählt. Er hatte minder wichtige Angelegenheiten im eigenen Wirkungsbereich zu entscheiden, die übrigen einer Vorbereitung zu unterziehen und mit Anträgen dem Plenum des Gemeinderates vorzulegen.) Unter diesen Umständen mußte eine Planänderung erfolgen, die ein größeres Grundstück erforderte. In dieser brenzlichen Lage gelang es Herrn Stefan v. Görgey mit bemerkenswerter Energie binnen 48 Stunden mit den Nachbarbesitzern wegen Überlassung von zwei Grundstreifen beiderseits um den Preis von 3.000 Gulden einig zu werden. Über diese prekäre finanzielle Situation half dem Verein eine großzügige Spende des Herzogs von Cumberland (Fußnote 5: Herzog Ernst August von Cumberland, Kronprinz von Hannover, lebte seit 1866, als Hannover Preußen einverleibt worden war, im Exil in Österreich, wo er Besitzungen in Gmunden und Penzing (Palais Cumberland) hatte.) im Betrage von 1.000 Gulden und eine Subvention des n. ö. Landtages von 1.500 Gulden hinweg. Auch das Reinerträgnis einer Veranstaltung des Hietzinger Männergesangvereins im Deutschen Volkstheater, dessen Direktor v. Bukovics Ausschußmitglied des Gymnasialvereins war, floß der Vereinskasse zu.

Nun endlich konnte die Schuleröffnung erfolgen. Der denkwürdige Erlaß (ZI. 9542) des k.k. n. ö. Landesschulrates an die Leitung des k.k. Staatsgymnasiums im XIII. Bezirk datiert vom 10. September 1897. „Seine K.u.K. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 7. September 1897 vorbehaltlich der verfassungsmäßigen Genehmigung der erforderlichen Mittel die Errichtung eines Staatsgymnasiums im XIII. Wiener Gemeindebezirke vom Schuljahre 1897/98 ab Allergnädigst zu genehmigen geruht.“ Unmittelbar nach Erteilung der kaiserlichen Sanktion gab der Minister für Kultus und Unterricht Dr. Paul Freiherr von Gautsch v. Frankenthurn durch Erlaß vom 8. September 1897 ZI. 22961 dem k.k. Landesschulrat nähere Weisungen. Das Gymnasium sollte mit zwei Klassen beginnen und sukzessive jährlich um eine Klasse erweitert werden. Zwei wirkliche Lehrstellen wurden der Anstalt verliehen und mit Dr. Isidor Kukutsch, bislang Professor an der Theresianischen Akademie, und Professor Dr. phil. et med. Georg Weinländer vom Staatsgymnasium Krems besetzt. Ersterer wurde mit der provisorischen Leitung der Anstalt betraut. Zusätzlich seien noch einige Supplenten und ein Aushilfsdiener zu bestellen.

Innerhalb von acht Tagen – damals war der 16. September Schulbeginn – mußte nun der ganze Apparat in Bewegung gesetzt werden, der notwendig ist, um einen geregelten Schulbelrieb durchzuführen: Kundmachung an die Eltern, Aufnahmsprüfungen, Anschaffung der Lehrmittel, Wahl der Lehrbücher, Gewinnung der zusätzlichen Lehrkräfte und vor allem die Instandsetzung und Einrichtung der Lokalitäten. Dies gelang – letzteres dank der werktätigen Unterstützung der Ausschußmitglieder des Gymnasialvereins Herrn Stefan v. Görgey und Gustav Singer. Wir staunen heute, wenn wir lesen, daß tatsächlich am 18. September, nachdem die Anfnahmsprüfungen am 16. und 17. stattgefunden hatten, der Schulbelrieb mit zwei Klassen von zusammen 53 Schülern nach einer kleinen Eröffnungsfeier und nach dem Heiligengeistamt, zelebriert vom Kooperator der Pfarre Hietzing, dem Klosterneuburger Chorherrn Dr. Gustav Pauker, aufgenommen wurde.

Schon am 4. Oktober dieses ersten Schuljahres enthält die Schulchronik eine für uns Heutige interessante Mitteilung: Anläßlich des Namenstages Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. hat der damalige Schüler der 1. Klasse Raoul Aslan das Gedicht „Mein Vaterland“ von Hoffmann von Fallersleben deklamiert. Gegen Ende des Schuljahres am 2. Mai 1898 wurde der provisorische Leiter Dr. Isidor Kukutsch zum Direktor der Anstalt ernannt. In den folgenden zwei Schuljahren, die noch in der Diesterweggasse stattfanden, wuchs die Schülerzahl auf 187, und vier neue Professoren wurden bestellt, deren Namen später weit über die Anstalt hinaus bekannt geworden sind. Drei davon waren Altphilologen, Dr. Franz Perschinka und Dr. Franz Kauer, beide später Landesschulinspektoren, und als dritter Dr. Gustav Hemetsberger, der im Jahre 1919 Kukutsch als Direktor am Hietzinger Gymnasium folgte; der vierte war der Historiker Privatdozent Dr. Gustav Turba, der 1911 ordentlicher Professor an der Wiener Universität wurde. Unter den Lehrern der damaligen Freigegenstände ragte der Bürgerschullehrer – später Schulrat – Johann Langer hervor, welcher von 1898 bis 1929 als Musiklehrer an der Schule wirkte und durch großartige musikalische Aufführungen das Hietzinger Gymnasium zu einer besonderen Pflegestätte der österreichischen Musikkultur machte.

Die Namen der vorerwähnten Professoren bürgen dafür, daß die Unterrichts- und Erziehungsarbeit in diesen ersten Jahren der Schule sich auf höchstem Niveau befanden, während die Unterbringung in dem Hause Diesterweggasse 3 in krassem Gegensatz dazu als äußerst dürftig und primitiv zu bezeichnen ist. Um so empörender mußte es daher empfunden werden, daß die Stadtverwaltung für diese Schulräume anstatt des vereinbarten Rekognitionszinses von 1 Gulden, 1 Kreuzer durch einen neuen Stadtratsbeschluß vom 21. April 1897 eine jährliche Zinszahlung von 600 Gulden auferlegte, die im folgendem Schuljahr für ein weiteres Klassenzimmer auf 720 Gulden erhöht wurde. Die Zahlung wurde daher vom Verein nur unter Rechtsverwahrung geleistet. Mehrere Eingaben wegen Rückerstattung blieben erfolglos.

Aber auch dem Bau des neuen Schulgebäudes in der Fichtnergasse wurden in diesen Jahren Schwierigkeiten bereitet. Der Bezirksausschuß des 13. Bezirkes und die mit diesem in Fühlung stehenden Kreise des niederösterreichischen Landesausschusses und des Wiener Stadtrates begannen sich plötzlich für die Idee zu erwärmen, daß das Gymnasium in dem ehemaligen Vorort Penzing, diesem peripher gelegenen, dicht verbauten, vorzugsweise von Lastfuhrwerken durchzogenen Bezirksteil errichtet werden möge, in welchem zwar wenig Schülermaterial für ein Gymnasium, wohl aber zahl¬reiche Fabriken, ein Spital, sowie die Pferdeställe der Tramwaygesellschaft zu finden waren, während der gartenreichen Villenzone in Hietzing möglichst groteske Nachteile nachgesagt wurden. Das ist aus einem Bericht der Generalversammlung des Gründervereines vom 6. November 1899 zu entnehmen. Weiters heißt es darin wörtlich: „Die an Jahren reifere Straßenjugend lauere den Schülern des Judengymnasiums (Fußnote 6 : Vgl. Schülerzahl 1898/99 insgesamt 125 Schüler, davon 105 Katholiken, 9 Protestanten und 11 Israeliten.) auf; leichtgläubigen Fragern werde mitgeteilt, unser Bauplatz liege hinter der Einsiedelei an der Tiergartenmauer; hätte man schon früher den Baugrund als naß und sumpfig, die Kommunikationen als schlecht und die Entfernung von Breitensee als einen empfindlichen Nachteil bezeichnet, so entdeckten jetzt plötzlich einige Bezirksberger, denen jedes Verständnis für die Frage fehlte, die prächtige Eignung Penzings für das Gymnasium; nach dieser überraschenden Entdeckung wurde in weiterer Folge dem Ministerium – wer lacht da nicht – ein verlockendes Plätzchen zwischen der Seifen- und Kerzenfabrik, dem Spital und den Tramwaystallungen angeboten, wogegen in der Stadtratssitzung vom 3. Dezember 1897 wohl nur auf Grund gewissenhafter amtlicher Erhebungen unser gegenwärtiger Bauplatz neuerlich als sanitätswidrig bezeichnet wurde. Wir sind um so froher, daß die Unterrichtsverwaltung der verführerischen Einladung nach Penzing widerstanden hat, als wir zur Beruhigung ängstlicher Gemüter die Tatsache konstatieren können, daß die Bauleitung des Gymnasiums in dem „sumpfigen“ Terrain selbst in der Tiefe von 4 Metern noch kein Grundwasser fand.“

In der phantastisch kurzen Zeit vom 2. Mai bis 30. August 1900 wurde der Neubau vollendet, so daß mit Beginn des Schuljahres 1900/1901 der Unterrichtsbetrieb in der Fichtnergasse aufgenommen werden konnte. Die Übersiedlung aus der Diesterweggasse erfolgte in den Hauptferien, und der Benützungskonsens wurde am 30. August 1900 von der Baubehörde erteilt. Das Gebäude war nach den Plänen von Hofrat Emil Ritter v. Förster, Vorstand des Hochbaudepartements des k.k. Ministeriums des Inneren von der Baufirma Eduard v. Frauenfeld und Berghof unter der Bauleitung des Ingenieurs Emil Artmann auf einem Areal von 3154 m2 erbaut worden und bedeckte einen Flächenraum von 1326 m2. Es barg im Parterre und den zwei Stockwerken zwölf Klassenzimmer, Turnsaal, Exhortensaal, Säle für Naturgeschichte und Naturlehre und Sammlungen, Physik- und Zeichensaal, Direktionskanzlei und Bibliothek, Konferenzzimmer und Sprechzimmer, sowie Direktors- und Schuldienerwohnung. Der nicht verbaute Teil des Baugrundes von 1.828 m2 wurde zur Anlegung eines Sommerturnplatzes und eines botanischen Gartens benützt. Die Baukosten werden mit 438.000 Kronen angegeben. Das Gebäude war mit einer damals ganz modernen Zentralheizung, einer Niederdruck-Dampf-Luftheizung in Verbindung mit einer Caloriféreheizung versehen. Die Beleuchtung erfolgte durch Gas-Auerlicht mit Reflexschirmen und reflektierender Caseindecke.

Die feierliche Schlußsteinlegung und Eröffnung fand am 16. Oktober 1900 statt. Von den hiezu erschienenem illustren Persönlichkeiten seien namentlich genannt: Der damalige Unterrichtsminister Dr. Wilhelm Ritter v. Hartel, der Statthalter von Niederösterreich Erich Graf Kielmansegg, der Vizepräsident des k.k. niederösterreichischen Landesschulrates Dr. Richard Freiherr v. Bienerth und schließlich der Bürgermeister von Wien Dr. Karl Lueger. Dazu kamen zahlreiche Vertreter der Behörden, einige Landesschulinspektoren, Direktoren der Nachbarschulen, die Ausschußmitglieder des Gymnasialvereines, Direktor Kukutsch und die Professoren.

Der erste Akt der Feier, nämlich die Schlußsteinlegung, vollzog sich im Vestibül der Schule vor der dort aufgestellten Bronzebüste Kaiser Franz Josef I., welche das Werk des Bildhauers A. Brenek war. Beiderseits der Kaiserbüste waren die großen marmornen Gedenktafeln angebracht, die auch jetzt nach dem Umbau, allerdings an anderer Stelle, jeden Eintretenden, begrüßen. Ihr Text lautet:

SVMMIS AVSPICIIS
IMPERATORIS CAESARIS
FRANCISCI JOSEPHI I.
PATRIS PATRIAE
AETATIS ANNO LXX REGNORVM LII
HAE AEDES EXSTRVCTAE SVNT
MCM

IVVENI
AMORE PATRIAE
IMBVENDO
CVLTV PIETATIS
HVMANITATIS
LITERARVM
EXORNANDO

Zwei kleine Marmortafeln, die jetzt rechts und links hinter der inneren Glastür sich befinden, überliefern die rühmenswerte Tätigkeit des Gymnasialvereines der Nachwelt. Ihr Text lautet:

Zur
Erinnerung
an den
VII. September
MDCCCXCVII

Der Verein
zur Gründung
Eines Gymnasiums
im XIII. Bezirke
Wiens

Nachdem die offizielle Festgesellschaft in einem Halbkreis Aufstellung genommen hatte, wurde die Gedächtnisurkunde verlesen, dann unter Beigabe des Festprogrammes in einer Kapsel verschlossen in den Schlußstein versenkt und dieser durch den Domkapitular Dr. Ferdinand Wimmer unter Assistenz des Religionsprofessors Dr. Wolfgang Pauker geweiht. Der Schlußstein ruhte zu Füßen der Kaiserbüste und trug die Jahreszahl 1900.

Anschließend begab sich die Gesellschaft unter den weihevollen Klängen der Orgel in den Festsaal, wo die übrigen Festteilnehmer, Eltern und Schüler bereits versammelt waren. Mit dem Vortrag des Liedes „Die Ehre Gottes“ von Beethoven durch den Sängerchor des Gymnasiums unter Leitung des Gesangslehrers Johann Langer nahm die Eröffnungsfeier ihren Anfang. Hierauf hielt Direktor Kukutsch die Festrede. Darin finden sich Stellen, die verdienen, wiedergegeben zu werden, da sie, ausgesprochen von einem gottbegnadeten Lehrer und Erzieher, von zeitloser Gültigkeit sind. „… Unser Zeitalter wird mit Recht ein kritisches genannt. Alle Grundlagen des Lebens werden auf ihre Berechtigung geprüft und was davon seine Berechtigung nicht zu erweisen vermag, muß verschwinden. Auch die ehrwürdige Institution des humanistischen Gymnasiums muß sich dieser Prüfung unterwerfen. Doch es braucht das Urteil nicht zu fürchten. Zwar pochen die Gegner mit Heftigkeit an die Pforten des Gymnasiums, um immer neue Gebietsabtretungen zu verlangen und man muß sich dazu verstehen, manches Vorwerk zu räumen, um die Festung zu halten. Unser heiliges Bemühen wird es sein, den Ehrenschild der klassischen Bildung blank und rein zu erhalten, von der Überzeugung getragen, daß sie die notwendige Konstante bildet gegenüber den wechselnden Erscheinungen des modernen Lebens. Wir wollen uns bemühen, aus den einzelnen Disziplinen die Summe zu ziehen, durch bescheidene Unterordnung des Einzelnen unter das Ganze jene Gleichung zu schaffen, deren Formel auch im praktischen Leben Verwertung finden kann, wir werden uns bemühen über den kleinen Sorgen des Unterrichts und der Erziehung, bei unseres Dienstes immer gleichgestellter Uhr, bei einer Tätigkeit,

die langsam schafft, doch nie zerstört,
die zu dem Bau der Ewigkeiten
zwar Sandkorn nur um Sandkorn reicht,
doch von der großen Schuld der Zeiten
Minuten, Tage, Jahre streicht,

das letzte hohe Ziel nie aus dem Auge zu verlieren, die Jugend an Geist und Herz für das Leben vorzubereiten, ihr jenes Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, dessen sie bedarf, um allen Lagen möglichst gerecht zu werden.“ – „Doch soll der Geist gesund bleiben, muß auch dem Körper sein Recht werden!“, beeilte er sich hinzuzufügen und kam dann auf die damals an unserer Schule, trotzdem der Turnunterricht noch nicht obligat war, sehr geförderten Leibesübungen zu sprechen. Am Schluß dieser bedeutenden Rede wendete sich Direktor Kukutsch mit folgenden Worten an die Schüler: „Und da die letzten, wenn irgendwo, so hier die ersten sind, so will ich denn mit Euch schließen, meine lieben Schüler. Der Lehrer hat die Hand am Puls der Jugend und fühlt sein Schlagen! Und wenn er fühlt, daß er ihm entgegenschlägt, dankbar und begeistert, so ist das für ihn der schönste Lohn, der Mühe Preis für seine Tätigkeit, die weitab vom Strom der Welt im Innern segensvoll wirkt und schafft. Das Gelöbnis, das Ihr durch den Mund Eures Mitschülers heute aussprechen werdet, möge es lebendig wohnen in Euren Herzen! Strenge Pflichterfüllung, gewissenhafte Befolgung der Euch von Religion und Sitte auf erlegten Gebote, Gehorsam und Bescheidenheit, strenge Zucht und heiterer fröhlicher Sinn geleite Euch durch das Leben! Hier sind die Wurzeln Eures künftigen Glückes und wie Ihr hier sät, so werdet Ihr einst ernten! …"

Der Unterrichtsminister, der anschließend das Wort ergriff, ging in seiner Ansprache näher auf die vier Tugenden, die auf der 2. Inschrifttafel genannt sind, ein und suchte der Jugend die Bedeutung der pietas, humanitas, des cultus Iitterarum und des amor patriae nahezubringen. Dann folgte die Rede Luegers. Der Bürgermeister von Wien wendete sich, nachdem er dem guten starken Geist, der aus den Worten von Direktor Kukutsch hervorgeleuchtet habe, Anerkennung gezollt hatte, an den Unterrichtsminister, betonte die Dringlichkeit von Mittelschulbauten und beglückwünschte diesen in launiger Art zu seinem Sieg über den Finanzminister, welcher naturnotwendig den Geldbeutel stramm zusammenhalten muß und schloß mit dem Wunsche „möge Euer Exzellenz noch viele solche Siege erringen.“ Nach den Worten Luegers kam das Festgedicht zum Vortrag, welches der Schüler der vierten Klasse Franz Hanke verfaßt hatte. Die Feier schloß mit Verleihungen von Auszeichnungen durch den Unterrichtsminister und das Absingen des Chorliedes „Österreich mein Vaterland“.

Nach Erreichung seines Zieles, der Fertigstellung des Gynmasialgebäudes, beschloß der „Verein zur Gründung eines Gymnasiums“, sich aufzulösen. Das Vereinsvermögen von 4000 Kronen wurde dem Gymnasium zur Unterstützung mittelloser Schüler gewidmet. Bereits am 16. Dezember 1900 konstituierte sich der „Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums“, dessen erster Obmann Direktor Kukutsch wurde.

Wie sah es nun in den Jahren nach 1900 in der näheren Umgebung unserer Schule aus? Direktor Merinsky (Maturajahrgang 1908) hat dies in einer Rede bei der 50-Jahr-Feier des Gymnasiums in wenigen Sätzen trefflich skizziert, die ich im Folgenden wiedergebe. „Nur wenige Villen waren im Cottage gebaut, das Gymnasium ragte weithin sichtbar hinaus. Dahinter lag der Pole Nord, das Eisparadies der Gymnasiasten, die dort ihre Bogen zogen und die Kunst des Weltmeisters Hügel bewundern durften. Die Hietzinger Hauptstraße war jenseits des Schrankens noch so gut wie unverbaut, von den Mauern der erst kürzlich fertig gestellten Stadtbahn zogen Felder, Wiesen und Äcker bis zum Buchenwald des Roten Berges, der damals noch eine Aussichtswarte trug. Dort waren die versteckten Jagdgründe der Jugend … Die Gemeinden Hietzing, Ober St. Veit und Lainz waren erst kurz zum Stadtgebiet gestoßen. Die Verkehrsmittel waren nicht geschaffen, um diese Dörfer mit dem eigentlichen Wien besonders intensiv zu verbinden. Erst die noch ungewohnte Stadtbahn brachte da Wandel. Bisher hatte der Nestroysche Hietzinger Stellwagen genügt, dem allerdings die Krausesche Dampftramway doch ein Ende bereitete. Diese fuhr dann in halbstündigen Intervallen mit viel Gebimmel die Hietzinger Hauptstraße bergan und bergab.“

Wie es in der Schule damals zuging, wollen wir uns von Pater Karlinger S.J. (Maturajahrgang 1905) erzählen lassen. Er schreibt in einem an das Gymnasium gerichteten Brief unter anderem: „Der Unterricht dauerte von 8–12, einmal in der Woche bis 1 Uhr, die Stunde hatte 55 Minuten und die 10 Uhr Pause 10 Minuten, während der wir in den Hügelpark hinausgetrieben wurden. Am Schultor war der Würstelstand des hochangesehenen Schulwartes Gruber … Gegenstände, wie Musik, Kunstpflege gab es überhaupt nicht, Turnen war im Obergymnasium frei.“ Von den Lehrern hebt er besonders Direktor Kukutsch hervor, der den Spitznamen Sküs hatte. „Er war gefürchtet aber auch geliebt“, so schreibt er, „denn er hatte ein Wurmes Herz für die Geschicke der Einzelnen. Wir wurden jeden Sonntag paarweise in die Hietzinger Kirche zum Gottesdienst geführt. Direktor Kukutsch, obwohl Protestant, ermunterte uns vorher: „Kinder schön mitbeten bei dem Ave Maria!“ Am Samstag nachmittag lud er uns oft ein zu einem Spaziergang auf den Roten Berg oder ins Bräuhaus Liesing …"

Direktor Kukutsch, der mir aus meinem ersten Schuljahr in sehr angenehmer Erinnerung ist, war eine ungemein starke Lehrer- und Erzieherpersönlichkeit. Direktor Merinsky hat dies in der schon vorher zitierten Rede sehr eindrucksvoll gesagt: „Wer, der es erlebt hat, vergißt eine Persönlichkeit wie Isidor Kukutsch? Wenn er, das Buch in der linken Hand, mit der Hechten den locker sitzenden Zwicker abzog und mit seiner klingenden Stimme bei der Lektüre Homers ausrief: „Kinder, ist das nicht schön?“ Direktor Stadlmann, der Kukutsch seit seinem Eintritt als Supplent am Hietzinger Gymnasium im Jahre 1908 kannte, brachte bei der 50-Jahr-Feier noch etwas für diesen Schulmann Charakteristisches in Erinnerung. „Schlagfertig mit Hand und Mund“, sagte er, konnte man von Direktor Kukutsch in einer Maturazeitung lesen und er führte weiter aus: „Wie mancher Karzer wurde damals in einer weniger wehleidigen Zeit zufolge einer Berührung der Hand des Direktors verhütet, was man dankbar quittierte.“ Das hohe Ansehen und die Verehrung, die Regierungsrat Kukutsch auch in den Kreisen der Elternschaft genoß, beweist die große Zahl und der Inhalt der Briefe, die sich im Schularchiv befinden, welche von Eltern im ersten Weltkrieg gefallener Schüler an ihn geschrieben worden sind.

Mit der Gründung des Hietzinger Gymnasiums war ein Anfang gemacht worden, dem bald weitere Schulgründungen im 13. Bezirk folgten. Schon 1902 wurde eine private Vereinsrealschule eröffnet, die, 1906 vom Staat übernommen, 1911 ein neues Schulgebäude in der Astgasse erhielt. In dieser Zeit, wo die Koedukation noch verpönt war, aber der Frauenbildung schon größere Bedeutung zugemessen wurde, mußte gewissermaßen zwangsläufig auch eine Mädchenmittelschule den beiden Knabenschulen auf dem Fuße folgen. Am 5. Mai 1904 fand tatsächlich die gründende Versammlung der Hietzinger Lyzeumsgesellschaft statt. An der Spitze stand – wir sind überrascht – der Direktor des Gymnasiums Dr. Isidor Kukutsch. 1906 bereits war der Neubau dieser Privatschule in der Wenzgasse bezugsfertig. Die Verbindung unter den drei Mittelschulen war dank des Wirkens von Kukutsch eng und freundschaftlich und fand vor allem ihren Ausdruck in gemeinsamen Tanzkränzchen und Akademien, letztere geleitet vom Gesangslehrer Schulrat Langer.

Von 1897 bis zum Jahre 1904, in welchem die erste Matura am Hietzinger Gymnasium stattfand, war die Anstalt naturgemäß im Wachstum begriffen. Der Lehrkörper war von 4 auf 26 Professoren und die Schülerzahl von 59 auf 377 gestiegen. Auf der Unterstufe wurden von nun ab Parallelklassen gefühlt. Die Schülerzahl stieg bis zum Jahr 1913 auf 491, darunter durchschnittlich 15–20 Privatisten. In den Jahren des ersten Weltkrieges lag die Schülerzahl um 450. Die Zahl der Lehrer betrug seit 1906 durchschnittlich 30.

Auf Grund der Jahresberichte der zwei Dezennien bis 1919, die uns außer den genannten Zahlen im Kapitel „Schulchronik“ und einem andern, betitelt „Schulhygiene“, interessante Nachrichten aus dem Schulleben vermitteln, gewinnen wir ein sehr positives Bild von dieser Aera. Von den offiziellen Feiern, zu denen jährlich der Namenstag des Kaisers am 4. Oktober gehörte, scheint mir beachtlich und berichtenswert, daß im Jahre 1914 die Festrede, die sonst ein Professor oder der Direktor hielt, von einem Schüler der 8. Klasse namens Friedrich Vogel gehalten wurde. Zwei große Veranstaltungen dieser Zeit waren die Schillerfeier zum 100. Todestag des Dichters im Jahre 1905 und das 60-jährige Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josef I. im Jahre 1908. Bei der Schillerfeier spielte das Schülerorchester unter Leitung von Schulrat Langer die Ouvertüre zu Wilhelm Tell von Rossini. Die Festrede hielt in formvollendeter Weise der Germanist Professor Dr. Perkmann und anschließend spielten Schüler Schillers „Lied von der Glocke“, vertont von Rohmberg, teilweise deklamiert, wofür Burgschauspieler Reimers die zwei Sprecher eingeübt hatte. Bei der Feier des Regierungsjubiläums besorgte die musikalische Einleitung ein Streichquartett mit den Haydn-Variationen zum Kaiserlied, die Festrede hielt der Historiker Professor Turba.

Im Jahresbericht von 1914 finden sich einige Zeilen, die einen im Schulwesen erfahrenen Leser stutzig machen. Es wird da eine in der Zeit vom 1. Dezember 1913 bis 15. Jänner 1914 laufende Inspektion durch Landesschulinspektor Dr. Gustav Scheindler erwähnt und dann der am 12. Dezember erfolgte Besuch des damaligen Unterrichtsministers Dr. Max Freiherr v. Hussarek in Begleitung von Hofrat Johann Huemer und drei Tage später am 15. Dezember der Besuch des Vizepräsidenten des k. k. niederösterreichischen Landesschulrates Josef Koß von Sternegg. Diese Besuche erfolgten nicht anläßlich irgendwelcher Festlichkeiten, Ausstellungen oder dergleichen, sondern es wurde von sämtlichen Herren der Unterricht in einigen Klassen inspiziert. Der Grund dafür läßt sich aus den vorhandenen schriftlichen Quellen nicht ermitteln, mir wurde aber von jemandem, der in die Sache Einblick hatte, erzählt, daß es sich damals um den Versuch des Landesschulinspektors gehandelt haben soll, Direktor Kukutsch von der Anstalt zu entfernen, was aber kläglich gescheitert sei.

Sehr beachtlich sind die vielen Nachrichten der Jahresberichte auf dem Gebiete der Musik und der Leibesübungen, da das Unterrichtsfach Turnen erst ab 1914 obligat wurde und Gesang bis 1927 Freigegenstand war. Der Bauunternehmer Julius Frankl, dessen Munifizenz schon einmal Erwähnung fand, stellte dem Gymnasium damals einen großen Spielplatz unentgeltlich zur Verfügung, auf dem am Nachmittag in mehreren Spielgruppen unter Leitung des Turnlehrers und später auch anderer junger Professoren ein reger Spielbelrieb im Barlaufen, Schlagball und Fußball stattfand. Daran beteiligten sich zirka 70 % der Schüler. Der Jahresbericht von 1903 erwähnt ein Schauturnen; das Eislaufen erfuhr durch die Nähe des Eislaufplatzes „Pole Nord“ und das Schwimmen im nahen Bad Penzinger-Au großen Zuspruch bei den Gymnasiasten. Es wurden eigene Schwimmkurse abgehalten, welche der Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums finanzierte und die Jahresberichte gaben jährlich die Zahl der Freischwimmer bekannt. 1912 begannen Fechtkurse der Schule, an welchen sich mehr als 20 Schüler der Anstalt beteiligten, die bei Wettbewerben mehrmals sowohl Mannschafts- als auch Einzelpreise davontrugen. Fritz Stephensen wurde zum Beispiel 1914 Meister im Florettfechten. 1913 nahmen 18 Schüler an einem Turn- und Sportfest teil und Richard Groß erwarb dabei eine Medaille im Kugelstoßen. Als 1914 der Spielplatz der Bautätigkeit zum Opfer fiel, wurde dank der Bemühungen von Direktor Kukutsch bald ein Ersatz beim Ober-St. Veiter Athletikklub gefunden. Die Leitung der Jugendspiele lug damals in Händen des Wandervogelführers Professor Dr. Fritz Kutschera. Er hielt im Winter auch Schikurse ab, bei denen 50–60 Schüler mitmachten. Leider wurde dieser fähige und beliebte Lehrer eines der ersten Opfer des Weltkrieges an der russischen Front in Galizien.

Was das rege Musikleben an der Schule betrifft, haben wir schon erwähnt, daß es in erster Linie der Persönlichkeit des Bürgerschuldirektors Schulrat Langer zu verdanken war. Die Programme der jährlich stattfindenden Musikaufführungen, wie sie uns die Jahresberichte wiedergeben, zeigen ein hohes Niveau und abwechslungsreiche Gestaltung. Chor und Orchester, Volkslieder, Kunstarien und Soloinstrumente wurden gespielt und gesungen von musikbegabten Schülern, die der Dirigent und Komponist Langer zu begeistern und zu hohen Leistungen anzuspornen verstand. Der Reingewinn dieser Schülerakademien floß dem Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums zu und trug wesentlich dazu bei, dessen wohltätiges Wirken, zu dem auch die Förderung der Musikpflege am Gymnasium gehörte, zu ermöglichen. Schon 1904 war ein Klavier um 5000 Kronen angekauft worden und später wurde eine Reihe von Instrumenten und besonders Noten durch den Verein der Freunde angeschafft.

Dieser Verein, an dessen Spitze Direktor Kukutsch stand, und dessen Leitung die um die Gründung des Gymnasiums verdienten Männer Stefan v. Görgey und Gustav Singer und weitere bedeutende Persönlichkeiten, wie Universitätsprofessor Hofrat Dr. Jakob Schipper, der Burgschauspieler Philipp Stätter, Bildhauer Denk usw. angehörten, sah seine Aufgabe darin, als Freund die gesamte Entwicklung und Ausgestaltung seiner Anstalt teilnahmsvoll und nachhelfend zu verfolgen. Er stellte Beträge für die Anschaffung von Lehrmitteln, die „Bibliotheka pauperum“, für Schulausflüge, den Spielplatz, Eislauf- und Badekarten und besonders für Ferienaufenthalte bedürftiger Schüler und deren Bekleidung zur Verfügung. Zwischen dem Verein und dem Gymnasium bestand eine konstante und sehr enge Verbindung dadurch, daß viele Professoren der Anstalt dem Verein beitraten und wichtige Funktionen übernahmen. Anläßlich der Verleihung des Regierungsrattitels an Direktor Kukutsch im Jahre 1910 wurde vom Verein die Kukutschstiftung in Höhe von 10.000 Kronen beschlossen.

Das Schuljahr 1918/19 brachte in der Geschichte des Hietzinger Gymnasiums einen bedeutenden Einschnitt, nicht nur wegen der nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstandenen schwierigen Situation unseres Landes, sondern auch deshalb, weil im Lehrkörper größere Veränderungen erfolgten. Es schieden damals Professor Turba und Professor Hassinger, die Lehrkanzeln an den Universitäten Wien und Basel übernahmen. Dieser Ver¬lust wurde jedoch ersetzt durch eine große Anzahl aus dem Felde heimgekehrter Professoren: Eduard Bauer, Dr. Rudolf Koller, Dr. Fritz Löhner (der Sohn des von 1900–1916 an der Anstalt wirkenden Schulrates Dr. Rudolf Löhner), Dr. Alfred Wolf. Franz Juranek und Hermann Thaler. Außerdem wurden schon während des Krieges zugewiesene Lehrer zu Supplenten ernannt: Dr. Max Fluss, Anton Sacher, Franz Reinhardt und Dr. Gustav Rickert, welcher sehr bald nur unter dem Namen „Wuschi“ bekannt war. Für den in diesem Schuljahr verstorbenen, langjährigen evangelischen Religionslehrer Zivotsky wurde der evangelische Pfarrer Dr. Entz bestellt. Aus der Reihe der alteingesessenen Professoren, die bei meinem Eintritt als Primaner im Jahre 1918 am Hietzinger Gymnasium unterrichteten, sei es mir erlaubt, noch meinen ersten Klassenvorstand namentlich zu erwähnen, Professor Dr. Alois Traeger, ein Original sondergleichen, der wegen seiner hier nicht wiedergebbaren Kraftausdrücke berühmt war. Die meisten dieser vortrefflichen Lehrkräfte blieben bis zu ihrer Pensionierung bzw. bis zu ihrem Tode am Hietzinger Gymnasium und trugen wesentlich zu dem guten Ruf bei, den die Schule auch in der ersten Republik behielt. Dr. Entz und, Dr. Wolf erhielten später ehrende Berufungen an die Universitäten Wien und Upsala. Der schon länger beurlaubte Professor Dr. August Ritter von Wotawa schied 1920 aus dem Lehrkörper und übernahm die Leitung des Grinzinger Landschulheimes bzw. -widmete sich als Obmann der Großdeutschen Volkspartei der Politik.

Das einschneidendste Ereignis des Schuljahres 1918/19 war jedoch die Pensionierung von Direktor Kukutsch mit 31. Dezember 1918. Er wurde allerdings mit der Weiterführung der Anstalt bis Ende des Schuljahres betraut. Das 2. Semester stand schon ganz im Zeichen des Abschiedes von diesem bedeutenden Schulmann. Zu seinem Geburtstag am 25. April veranstalteten die Oktavaner in Hopfners Parkhotel eine Aufführung der Antigone von Sophokles mit Chören von Mendelsohn. Sie hat auf uns damalige Primaner, obwohl wir das Problem der Tragödie noch nicht verstehen konnten, einen großen Eindruck gemacht und ist in meiner Erinnerung unauslöschlich verankert. Für die eigentliche Abschiedsfeier wurden vom Verein der Freunde, den Professoren und der Schülerschaft umfassende Vorbereitungen getroffen. Die Feier fand in zwei Teilen am 24. Juni im Parkhotel und am 29. Juni im Festsaal der Anstalt statt. Der erste Teil trug vor allem musikalischen Charakter und schloß mit der „Feierlichen Weise für Chor und Orchester von Adrianus Valerius, Worte von Hans Merinsky (Maturajahrgang 1908). Den Festprolog, verfaßt von Professor Bauer, sprach Dr. Karl Denk (Maturajahrgang 1904). Beim zweiten Teil der Abschiedsfeier im Anstaltsgebäude wurde ein Marmorrelief des scheidenden Direktors im Stiegenhaus der Schule enthüllt und zahlreiche Reden von Vertretern der Schulbehörden, des Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums, des Lehrkörpers und der Schüler prasselten auf das Haupt von Regierungsrat Kukutsch hernieder.

Die Versetzung in den Ruhestand dieses noch so rüstigen Mannes machte zwar seiner Tätigkeit als Direktor ein Ende, er blieb aber als Obmann des Vereines der Freunde eng mit der Schule verbunden und konnte am Mädchenlyzeum in der Wenzgasse, das damals Privatschule war, noch einige Jahre Lateinunterricht erteilen.

Zum Nachfolger von Kukutsch wurde Direktor Dr. Gustav Hemetsberger ernannt. Dieser war nach kurzer Lehrtätigkeit am Hietzinger Gymnasium im Schuljahr 1898/99 zehn Jahre in Görz Professor, dann wieder vorübergehend in Hietzing, bis er 1914 zum Direktor des Staatsgymnasiums in Görz bestellt wurde. Mit den Verhältnissen am Hietzinger Gymnasium also bereits vertraut und mit Direktor Kukutsch befreundet, war er als Nachfolger bestens geeignet. Mir ist er als vornehmer, ruhiger, sehr zurückhaltender Mann in Erinnerung. Ohne Anwendung von Gewaltmitteln wußte er seine Autorität jederzeit zu wahren.

Das Dezennium bis zu seinem Tod, der ihn während seiner Direktionszeit ereilte, war besonders anfangs von dem Elend der Nachkriegszeit beherrscht. Der Verein der Freunde beteilte damals die armen Schüler mit Lebensmitteln. Zu Weihnachten 1920 z. B. erhielten sie 1 kg Schweinefett und 2 Dosen Kondensmilch. „Zwei Juden, die kein Fett nehmen durften, erhielten je 130 Kronen“, so steht es im Protokoll der Ausschußsitzung vom 24. März 1920. Aus diesen Aufzeichnungen geht auch hervor, daß Professor Stadlmann in dieser Zeit der enormen Bücherpreise eine große Schul¬bücheraktion in die Wege leitete. Die Mittel hiefür wurden durch den Verein der Freunde bzw. durch eine kleine Leihgebühr aufgebracht, welche die Schüler erlegen mußten. So gelang es, etwa 60 % aller Schüler mit Lehrbüchern zu versorgen. Auch in diesen Jahren wurden die musikalischen Aufführungen von Schulrat Langer fortgesetzt, deren Reinerträgnis wieder dem Verein der Freunde zufloß. Dafür wurde Langer damals bei der 15. ordentlichen Generalversammlung zum Ehrenmitglied ernannt und vom Verein 1000 Kronen für die Herausgabe einiger von ihm komponierter Lieder zur Verfügung gestellt.

Am 7. April 1921 beschloß der Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums die Ergänzung des § 2 seiner Statuten durch den Satz: „Der Verein dient gleichzeitig als Elternvereinigung.“ Von Professor Fluss geschriebene und hektographierte Zettel forderten die Eltern zum Beitritt auf. Am ersten Elternabend, welchem 150 Eltern beiwohnten, wurde eine Sammlung für Kohlenankauf angeregt, welche die Summe von 2,677.000 Kronen (Infla-tionszeit!) erbrachte und damit endlich die Heizung des Turnsaales ermöglichte. Vom Jahre 1925 ab, nach der Währungsreform Seipels, nahm der Verein seine alte Tradition wieder auf, arme Schüler zu Weihnachten mit Anzügen zu beschenken und ab 1928 wurde auch die Ferienaktion nach St. Wolfgang wieder durchgeführt.

Von der Glöckelschen Schulreform, die in dieser Zeit auch auf die Mittelschulen Einfluß zu gewinnen suchte, ist mir erinnerlich, daß wir damals Klassenvertreter wählen mußten und die sogenannte Schulgemeinde konstituiert wurde, wobei als Vertrauenslehrer Professor Stadlmann fungierte. Neu war auch, daß seit 1919 erstmals Mädchen aufgenommen wurden. Ihre Anzahl war aber gering und stieg nie über 30 Schülerinnen. Eine Neuerung, die Professor Fluss im Geographie- und Geschichtsunterricht versuchte, soll nicht unerwähnt bleiben. Er verfaßte ein handgeschriebenes Lehrbuch über „Wirtschafts- und Gesellschaftskunde", bestehend aus 523 hektographierten Seiten, die er an uns Schüler verteilte. Damit wurden Gedanken vorweggenommen, deren Berechtigung heute, 40 Jahre später, durch die Neubenennung dieser Gegenstände mit „Geographie und Wirtschaftskunde“ und „Geschichte und Sozialkunde“ ihre Bestätigung gefunden hat. Als „Beiwagen“ Professor Fluss eng verbunden war der damalige Probelehrer Dr. Karl Rieger. Eine gewisse kindliche Hilflosigkeit uns abgebrühten Obergymnasiasten gegenüber hatte ihm den Spitznamen „Bambino“ eingetragen. Professor Pamperl, wie er später allgemein genannt wurde, ist als Original, aber auch als Historiker und Geograph von Format den Schülern mehrerer Jahrzehnte in bleibender Erinnerung.

Im Jahre 1928 wurden die ersten konkreten Schritte zur baulichen Erweiterung der Anstalt unternommen, die wegen der wachsenden Schüler- und Klassenzahl (583 Schüler und 16 Klassen) sich als notwendig erwies. Die Initiative ergriff auch hier der Verein der Freunde, der in einer Ausschußsitzung beschloß, eine Deputation, bestehend aus Hofrat Kukutsch, Dr. Adensamer und Senatsrat Dr. Wanschura, zu den Ministern Kienböck, Schmitz und Vaugoin und dem Abgeordneten Leopold Kunschak zu entsenden. Der Bericht über diese Vorsprache enthält die optimistische Mitteilung, daß im Budget des Jahres 1929 die entsprechenden Mittel bereitgestellt würden. Im folgenden Jahr nahm sich der Bezirksvorsteher Dr. Spielmann der Sache an und Professor Stadlmann versprach eine Intervention bei Kunschak. Der Optimismus war jedoch verfrüht. Es floß noch viel Wasser die Donau hinunter, bis die damaligen Pläne heute ihre Verwirklichung fanden.
Im Jahre 1930 verlor das Hietzinger Gymnasium seinen zweiten Direktor, Hofrat Dr. Gustav Hemetsberger, der durch eine heimtückische Krankheit (Tuberkulose) mitten aus seiner Tätigkeit gerissen wurde. Der Verein der Freunde veranstaltete eine Trauersitzung, in der Kukutsch dein Nachruf hielt, und beschloß die Stiftung eines Hemetsberger Stipendiums. Mit der provisorischen Leitung der Schule war hierauf in seinem letzten Dienstjahr Professor Dr. Zuchristian betraut. Nach Ablauf dieses Jahres wurde Professor Stadlmann zum Direktor ernannt.

Im Jahre 1933 wurde den zwei verdienstvollsten Männern des Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums, Hofrat Kukutsch und Kaiserlichem Rat Singer, die gebührende Ehrung zuteil, indem ihnen das goldene bzw. silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen wurde. Die beiden hochbetagten Männer schieden bald darauf – Singer noch 1933 und Kukutsch 1934 – aus dem Leben. Auf dem Grabe des verehrten Direktors am Hietzinger Friedhof hat die Elternvereinigung im Jahre 1935 ein Bronzemedaillon des Verstorbenen anbringen lassen. Die Obmannstelle des Vereines der Freunde, die eine Zeitlang vor dem Tode Kukutschs Direktor Stadlmann bekleidet hatte, wurde dem langjährigen 2. Obmannstellvertreter Dr. Adolf Seidler übertragen.
Im Schuljahre 1933/34 war das Hietzinger Gymnasium mit 17 Klassen und 644 Schülern das größte Gymnasium Wiens geworden. Der Verein der Freunde hielt an seiner alten Tradition fest; es wurde in einer Ausschußsitzung die Wiederaufnahme von Schülerkonzerten beantragt, die nach dem Ausscheiden Schulrat Langers aus dem Lehrkörper der Schule im Jahre 1929 ausgesetzt hatten. Am „Tag der Musik“ im Jahre 1935 fand wieder eine Schülerakademie statt. In den Vereinsprotokollen ist ferner die Beteilung von 30 Schülern zu Weihnachten 1934 und die Entsendung von 35 Schülern nach St. Wolfgang im Sommer 1935 vermerkt. Besondere Leistungen wies die vom Verein finanzierte Schülerleihbibliothek – ein Werk Stadlmanns – in den Jahren 1933 bis 1936 auf. Sie hatte den Stand von 4649 Büchern – davon 700 Neuanschaffungen – erreicht. Es wurden damals 75 % aller Schüler mit Schulbüchern versorgt. Eine große Schulfeier fand am 14. November 1935 im Festsaal der Schule statt, als Kardinal Innitzer die Weihe einer vom Elternverein gestifteten Schulfahne vornahm.

In diesen Jahren innenpolitischer Hochspannung in Österreich stand die Anstalt unter der Leitung von Hofrat Direktor Stadlmann, dessen Ernennung zum Direktor zunächst nicht ganz dem Wunsche des Lehrkörpers entsprochen hatte, der sich aber durch seine konziliante, gütige Art bald beliebt machte. Er war als ein unbeirrbarer katholischer Mann – 1920 hatte er den Verein der Christlichen Mittelschullehrer gegründet – bekannt. Er führte die christliche Gruppe im Verband der Mittelschullehrer (V. d. M.) und vertrat die dienst- und besoldungsrechtlichen Interessen der Mittelschullehrer in der Gewerkschaft. Die Machtergreifung durch den Nationalsozialismus im Jahre 1938 führte daher sofort zur Enthebung Stadlmanns. Von einigen der Hitlerjugend angehörenden Schülern soll er mit aufgepflanztem Bajonett aus der Schule eskortiert worden, sein. Er wurde eine Zeitlang in Haft gehalten und dann mit gekürzten Bezügen zwangspensioniert.

In den Umbruchstagen im März 1938 war im Schulgebäude in der Fichtnergasse die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“ einquartiert. Diese entfernte das Altarbild aus dem Exhortensaal und die in der Dollfußära im Vestibül wieder aufgestellte Franz-Josefs-Büste. Die kommissarische Leitung der Schule wurde Oberstudienrat Dr. Karl Aulitzky übertragen, der in der Uniform eines politischen Leiters in der Schule erschien. Nach dem Ausspruch eines Kollegen soll er aber ein weißer Rabe gewesen sein und seine Hand schützend über die Lehrer, die nicht Parteigenossen waren, gehalten haben. Man behauptet, das habe ihm im letzten Kriegsjahr die Einberufung zum Volkssturm eingetragen. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft und gilt als vermißt.

Das Hietzinger Gymnasium war mit Einführung der reichsdeutschen Schulordnung zu einer Oberschule für Jungen geworden, also zu einer reinen Knabenschule, was aber kaum auffiel, da seit der Direktionsführung Hofrat Stadlmanns keine Mädchen mehr aufgenommen worden waren und ihre Zahl auf 8 Oktavanerinnen abgesunken war. Der Unterricht ging zuerst im wesentlichen in den alten Bahnen eines humanistischen Gymnasiums vor sich, wofür ja der nicht stark veränderte Lehrkörper die Gewähr bot. Die Schülerschaft wurde durch eine Anzahl von Seminaristen aus Hollabrunn vermehrt, die nach Aufhebung des dortigen Knabenseminars in das bischöfliche Gebäude in Ober-St. Veit übersiedelt waren. Im ganzen aber sank die Schülerzahl zwischen 1938 und 1945 von 562 auf 369 Schüler ab, was wohl mit dem geringeren Ansehen der humanistischen Bildung in dieser Zeit zusammenhängt. Bei der Durchsicht der Hauptkataloge dieser Jahre stieß ich auf einige interessante Fakten. Im Schuljahr 1943/44 führte die Anstalt 4 sechste Klassen. Es handelte sich dabei um Luftwaffenhelfer-HJ-Klassen, die bei Flakstellungen untergebracht waren und unterrichtlich von dahin beorderten Lehrern betreut wurden. Ferner weist die Lehrerliste erstmalig 4 weibliche Lehrkräfte auf. Damals begann das Eindringen von Frauen in Knabenschulen als Ersatz für die fehlenden Männer. Der Mangel an Lehrern wurde 1944/45 so groß, daß in mehreren Klassen einige Gegenstände nicht unterrichtet werden konnten. Besonders grotesk mutet es an, daß eine Turnlehrerin (Liselotte Gradnitzer) an einer reinen Knabenschule den Turnunterricht erteilen mußte. Im letzten Kriegsjahr waren die Schüler der Gymnasien des 18. und 19. Bezirks, deren Schulen als Lazarette dienten, dem Hietzinger Gymnasium zugewiesen. Der Unterricht war durch häufige Fliegeralarme am Vormittag gestört. Schüler, Lehrer und zahlreiche Bewohner der Nachbarschaft fanden sich in den Kellerräumen der Anstalt zusammen. Das Schulhaus ist glücklicherweise von Bombentreffern verschont geblieben, nur die schönen, farbigen Fenster des Festsaales sind durch den Luftdruck in der Nähe erfolgter Bombeneinschläge, zerstört worden. Im Februar 1945 wurde der Unterricht dann sistiert.

Nach dem Einmarsch der Russen in Wien war das Gymnasium von diesen belegt. Daß damals in dieser „schrecklichen, kaiserlosen Zeit“, wie Hofrat Stadlmann später in seiner Rede zur 50-Jahr-Feier sagte, die wertvollen Sammlungen und die Bibliothek gerettet werden konnten, ist der Umsicht und Tapferkeit der Frau Schulwart Preinfalk zu verdanken.

Nach längerer Unterbrechung konnte der Unterricht erst am 3. Juli 1945 wieder aufgenommen werden; er fand in der Nachbarschule in der Wenzgasse statt. Die Leitung lag in Händen von Professor Mitter, der den Titel „provisorischer Sachwalter“ führte. Im Herbst, nachdem mit dem Abzug der Russen aus dem 13. Bezirk – dieser wurde englische Zone – das Gymnasialgebäude frei geworden war, wurde der Unterricht im neuen Schuljahr schon in der Fichtnergasse begonnen. Das Schulgebäude mußte allerdings halbtägig der vorübergehend obdachlosen Realschule der Astgasse zur Verfügung gestellt werden, so daß Wechselunterricht stattfand. Am 8. November 1945 begrüßte der provisorische Sachwalter Professor Mitter den zurückgekehrten und in sein altes Amt wieder eingesetzten Hofrat Stadlmann im Rahmen einer Lehrerkonferenz und versicherte ihm der treuen Mitarbeit der 15 Lehrer, die Anfang des Schuljahres zur Verfügung standen. Erst im Laufe des Jahres 1946 wuchs der Lehrkörper durch Rückkehr alter Lehrkräfte (Professor Netroufal und Rickert) und Zuweisung neuer auf 24 Personen an. Von Dezember 1945 bis März 1946 entfiel wegen Mangel an Heizmaterial der Unterricht. Um diesem Übelstand für den nächsten Winter abzuhelfen, wurde über Vorschlag und unter Leitung des Religionsprofessors Dr. Beck die sogenannte PAKO-Aktion durchgeführt. Große Fichtenbestände der Steiermark in der Nähe von Wildalpen waren von Schädlingen befallen worden. Die Forstverwaltung, bemüht, diese so rasch als möglich durch Fällen der Bäume einzudämmen, bot freiwilligen Arbeitskräften pro Festmeter Holz einen Gutschein auf 1000 kg Kohle. Das Holz, wurde ins Ausland zur Papiererzeugung verkauft. (PAKO = Papier – Kohle). 35 Schüler der Oberstufe mit Professor Beck arbeiteten 14 Tage und bewirkten damit, daß im folgenden Winter die beiden Schulen in der Fichtnergasse und Wenzgasse geheizt werden konnten.

Am 16. Dezember 1947 erfolgte die Neukonstituierung des Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums, der in der nationalsozialistischen Zeit lahmgelegt war. Als neuer Obmann wurde Direktor Hofrat Stadlmann gewählt. Eine große Spendensammlung, die anläßlich der Neugründung des Vereines der Freunde erfolgte und 2210 Schilling einbrachte, ermöglichte einen großen Einkauf neuer Schulbücher durch Professor Holeschhofsky, der die Verwaltung der Schülerleihbücherei schon 1945 übernommen hatte. Es war ihm damals gelungen, die Schulbücherbestände der ehemaligen Bundeserziehungsanstalt Wien XIII (während der NS.-Zeit nationalpolitische Erziehungsanstalt) für die Schülerlade des Hietzinger Gymnasiums zu erwerben. Die Bücher wurden durch Handtransport von Schülern in die Fichtnergasse getragen. Dieser Zuwachs und der alte vorhandene Bücherbestand waren aber dann durch eine rigorose Kontrolle seitens der britischen Besatzungsmacht bedroht. Der englische „Kulturoffizier“ – eine Dame – wollte zuerst alle Bücher, die den Stempel mit dem nationalsozialistischen Hoheitszeichen trugen – auch griechische und lateinische Lexika –, ausscheiden. Erst als es Professor Holeschofsky gelang, durch geschicktes Vorlegen einer Shakespeare-Ausgabe ihr die Unsinnigkeit dieses Vorgehens zum Bewußtsein zu bringen, war die Bibliothek gerettet.

Im Jahre 1948 trat das Gymnasium mit einer Reihe von künstlerischen Veranstaltungen wieder an die Öffentlichkeit. Den Auftakt bildete eine Schülerakademie am 5. Mai. Die musikalische Leitung lag in den Händen des damaligen Musikprofessors Friedrich Rohacek, der das Schulorchester und einen Schülerchor aufgebaut hatte und damit in die Fußstapfen von Schulrat Langer getreten war. Unter den Mitwirkenden sind Professor Franz Cerny (Violine) und der damals an der Schule tätige Turnlehrer Professor Gernot Schindler (Viola) sowie zwei ehemalige Schüler, die die Musikakademie besuchten, Hans Merinsky (Klarinette) und Hubert Koller (Cello) hervorzuheben. Aufgeführt wurden Stücke von Händel, Bach, Beethoven, Mozart, Schubert und Schumann, ferner eine Komposition Professor Rohaceks in Uraufführung und schließlich Volkslieder aus Österreich.

Am 8. Mai 1948 fand die etwas verspätete Feier zum fünfzigjährigen Bestehen der Schule statt, zu der etwa 400 Personen erschienen, darunter viele ehemalige Schüler. Der Maturajahrgang 1923 feierte gleichzeitig sein 25. Matura Jubiläum und beschloß, korporativ dem Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiunis beizutreten. Die Feier verlief sehr würdig. Der Festprolog war von Professor Dr. Josef Feiks gedichtet, der durch seine literarische Tätigkeit (Schauspiele und Romane) und als Mitglied des Penklubs bekannt ist. Von den musikalischen Darbietungen scheint mir die Aufführung eines Werkes von Johann Langer „Erntefeld“ erwähnenswert. Dem hoch-betagten Musiker war es vergönnt, dieser Aufführung an der Stätte seines langjährigen Wirkens beiwohnen zu dürfen. In einem Brief an Hofrat Stadlmann, der unter den Akten des Vereines der Freunde sich vorfindet, bedankt er sich dafür: „Gestatten Sie mir, dem Lehrkörper und dem Komponisten und musikalischen Leiter Herrn Rohacek dafür, daß ich die erhabene 50-Jahr-Feier des Hietzinger Gymnasiums miterleben durfte, meine tiefgefühlte Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Mit großer Freude konnte ich die Wahrnehmung machen, daß noch immer außer Gesang auch Orchester- und Kammermusik in so hoher Vollendung gepflegt werden.“ Die Festreden hielten Direktor Hofrat Stadlmann und Direktor Johann Merinsky. Die Rede Sladlmanns, aus der an früheren Stellen schon mehrmals zitiert wurde, enthielt auch Worte des Gedenkens an den ehemaligen Schüler Dr. Jakob Kastelic (Maturajahrgang 1915), der als Mitglied der Scholzgruppe ein Opfer der Henker des Dritten Reiches geworden ist. Aus der Rede von Merinsky möchte ich einen Passus wiedergeben, der ein hohes Lob auf seine Lehrer darstellt und von großer Dankbarkeit zeugt: „Wer das Glück hatte, Lehrern zu lauschen, die zur Beherrschung ihres Lehrstoffes noch ihre Begeisterung, ihre ganze Persönlichkeit herschenkten und so den Keim für alles Schöne und Wunderbare legten, was unsere Welt zu bieten hat, der kann wahrhaftig sagen, daß ihm ein kostbares, unveräußerliches Gut zuteil wurde, das ihm keine Macht der Welt streitig machen oder plündern kann.“

Am 12. und 13. Mai 1948 folgten der 50-Jahr-Feier zwei Abende mit der Aufführung des Nestroystückes „Nur keck“ und am 5. und 6. November spielte die 8. Klasse den „Eulenspiegel“ von Nestroy. Zu Weihnachten 1949 erlebten die Professoren, die Witwen der verstorbenen Lehrer und die Schulangestellten eine freudige Überraschung. Der ehemalige Schüler Hans Altmann (Maturajahrgang 1933), der sich schon 1948 mit einer großen Zuckerspende eingestellt hatte, ließ diesen aus den Vereinigten Staaten je 3 1/2 m Kleiderstoff bester Qualität als Geschenk zugehen.

Am Ende des Jahres 1949 trat Direktor Hofrat Stadlmann in den Ruhestand. Er behielt, wie seinerzeit Kukutsch, die Obmannstelle des Vereines der Freunde und damit Kontakt mit der Schule. Sein Nachfolger als Leiter der Schule wurde Professor Eugen Mitter, der in seinem letzten Dienstjahr stand und dem der Titel Direktor verliehen wurde.

Nach der Pensionierung Mitters, Ende 1950, wurde Professor Friedrich Heger, der in den Dreißigerjahren Erziehungsleiter an der Bundeserziehungsanstalt in Breitensee gewesen war, zum Direktor des Hietzinger Gymnasiums ernannt. Er begann seine Direktionstätigkeit mit einigen Neuerungen. Nach fast 20 Jahren wurden wieder Mädchen am Hietzinger Gymnasium aufgenommen, und zwar eine erste Vollmädchenklasse mit 37 Schülerinnen. Am 24. Oktober 1951 wurde die „Schulgemeinde“ wieder gegründet, Klassensprecher gewählt und Professor Bum zum Vertrauenslehrer erkoren. Besonders dankenswert ist, daß Direktor Heger die vom Verein der Freunde schon 1949 erfolgte Anregung zur Wiederherausgabe von gedruckten Jahresberichten aufgriff. Nach der langen Unterbrechung von 32 Jahren erschienen nun wieder regelmäßig Jahresberichte.

Die Tätigkeit der neubegründeten Schulgemeinde erstreckte sich zu¬nächst auf die Hochwasserhilfe für Holland durch Sammlung von Kleidern und Geld (2278 Schilling) und dann auf die Herausgabe einer Schülerzeitung. Ihre Gründung wurde von Direktor Heger in einem Geleitwort der ersten Nummer sehr begrüßt, da sie alle Mitglieder der Schulgemeinde über das Leben in den 16 Klassengemeinden unterrichtete und eine gute Zusammenarbeit in der Schulgemeinde herbeiführe. Die Schülerzeitung existierte während der ganzen Direktionszeit Hofrat Hegers und erfreute sich auch der Mitarbeit des Elternvereines und vieler Lehrer, besonders Professor Webers und Wolfrings. Die Zeitung wies in diesen Jahren ein gewisses Niveau auf, diente nicht nur der Unterhaltung und Förderung verschiedener Hobbys (Briefmarken, Sport usw.), sondern in manchen Artikeln auch der Bildung und der Erörterung ernster Fragen und regte zu Diskussionen an, die von Professor Bum geleitet wurden. Auch Hofrat Stadlmann bediente sich dieses Blattes, um als Obmann des Vereines der Freunde des Hietzinger Gymnasiums den Schülern die Bedeutung und die Leistungen dieses Vereines nahezubringen und die Abiturienten zum Beitritt aufzufordern.

Am 16. November 1951 wurde in feierlicher Weise in einer Festsitzung der Schulgemeinde der 70. Geburtstag von Direktor Hofrat Stadlmann begangen. Die 8. Klasse gab dabei die Absicht kund, nach Abschluß der Matura ihren geschlossenen Beitritt zum Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums zu vollziehen. Am 25. November spielte diese Klasse Schillers Räuber im Theatersaal in der Wittegasse, da der Festsaal das dafür erforderliche Bühnenpodium damals noch nicht besaß. Erst zwei Jahre später erhielt der Festsaal des Gymnasiums eine Bühne, die im Juni 1954 erstmals ihrer Bestimmung diente, als Künstler des Wiener Burgtheaters, Frau Berghöfer und die Herren Eybner und Wawra, Szenen aus Raimundstücken aufführten.

1954 und 1956 traten zwei Lehrer in den Ruhestand, die beide genau 40 Jahre am Hietzinger Gymnasium unterrichtet hatten, der Germanist Oberstudienrat Dr. Fritz Löhner und der Physiker Oberstudienrat Dr. Gustav Rickert. Beide haben ihre enge Verbundenheit mit der Schule und dem Lehrkörper auch nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bis auf den heutigen Tag aufrechterhalten.

Im Schuljahr 1957/58 hatte die Schülerzahl des Hietzinger Gymnasiums den bisher höchsten Stand erreicht. In 25 Klassen wurden 691 Schüler, davon 207 Mädchen unterrichtet. Die Schülerlade mußte ihren Leihbücherstand dementsprechend erhöhen, was Professor Lederer, der ihre Betreuung übernommen hatte, auch gelang. 465 in diesem Jahr angekaufte Bücher steigerten den Gesamtbestand auf 14.500 Bände.

In den Jahren von 1950–1962 haben jeden Sommer 30–40 Schüler des Hietzinger Gymnasiums an den bekannten Studien- und Pilgerreisen teilgenommen, welche Professor Beck veranstaltete. Die Gruppe der Hietzinger Gymnasiasten erfüllte dabei wichtige organisatorische Aufgaben und half dadurch entscheidend mit, vielen tausend jungen Menschen billig den Genuß der zu ihrer Bildung wesentlich beitragenden Reisen zu verschaffen.

Am 1. April 1958 hat der Tod Hofrat Heger mitten aus seiner Tätigkeit gerissen. Er starb an einem Krebsleiden. Am 9. April wurde er auf dem Hietzinger Friedhof unter Teilnahme aller Lehrer und Schüler beerdigt. Nach kurzer provisorischer Leitung durch den Senior des Lehrkörpers Professor Hubert Richter wurde mit Beginn des Schuljahres 1958/59 Dr. Hans Kriegl zum Direktor ernannt.

Im Schuljahr 1959/60 erfolgte zum erstenmal die Verleihung vom Verein der Freunde gestifteter Goldnadeln an Maturanten, welche alle Klassen mit sehr gutem Erfolg absolviert und die Matura mit Auszeichnung bestanden haben. Es sind seither 23 Goldnadeln verliehen worden. Im Jahre 1962 stiftete der Verein der Freunde des Hietzinger Gymnasiums anläßlich des 80. Geburtstages Hofrat Stadlmanns einen Stadlmannfonds, aus welchem in den folgenden Jahren jeweils 5 Schüler mit einem Betrag von 500 Schilling beteilt werden konnten. Hofrat Stadlmann wurde zum Ehrenvorsitzenden des Vereines erhoben, zum Obmann Direktor Merinsky und zum Ohmannstellverlreler Direktor Kriegl gewählt. Am 8. August 1964 ist Hofrat Stadilmann im Alter von 83 Jahren gestorben. Auch er liegt im Hietzinger Friedhof beerdigt.

Im gleichen Sommer, in welchem der Mann starb, der schon 1929 begonnen hatte, sich für die bauliche Erweiterung der Schule einzusetzen, wurde endlich mit dem Um- und Ausbau der Schule begonnen. Diese Bauarbeiten nahmen mehr Zeit in Anspruch als der Neubau vor 70 Jahren. Es war eine böse Zeit für Schüler und Lehrer, und manche Fächer, wie Leibeserziehung, Kunsterziehung und Musik hatten am meisten zu leiden; sie wurden aber durch besonders schöne Räumlichkeiten, die ihnen jetzt zur Verfügung stehen, entschädigt.

Die besten Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung der Schule in der Zukunft sind somit gegeben. Die kommenden Schüler- und Lehrergenerationen werden es aber trotzdem nicht leicht haben, wenn sie gegenüber den Leistungen der vergangenen 70 Jahre nicht abfallen wollen. Schon bei der 50-Jahr-Feier hat Direktor Stadlmann in einer stolzen Heerschau eine große Anzahl bedeutender Männer aufgezählt, welche das Hietzinger Gymnasium hervorgebracht hat. Ihre Zahl ist inzwischen beträchtlich angewachsen. Es würde den Rahmen der kurzen Schulgeschichte überschreiten, wollte ich auf die Namen und Leistungen dieser vielen Natur- und Geisteswissenschafter, Schauspieler, Schriftsteller, Techniker, Ärzte, Minister und hohen Staatsbeamten, Juristen, Kaufleute und Industriellen, Priester und Lehrer näher eingehen. Der Verein der „Althietzinger“ ist damit beschäftigt, eine Liste der Anschriften und Berufe aller ehemaligen Schüler zusammenzustellen.

Prof. Dr. Ernst Nowotny

Diese Schulgeschichte wurde im Jahresbericht der „Fichtnergasse“ 1966/67 veröffentlicht. Heutige Darstellungen zu diesem Gymnasium fußen in der Regel auf dieser Arbeit von Prof. Nowotny. Auf der Internetseite der Althietzinger wurde die Chronik von 1967 bis 1987 weitergeführt.

übertragen von hojos
im Februar 2017

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