Hietzings historisches Erbe im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Demolierung seit 1945

Lichtbilder-Powerpoint-Vortrag des Netzwerkes Denkmalschutz
21.10.2010

Im Rahmen des dritten und letzten Teiles ihrer Vortragsreihe zeigten Claus Süss und Markus Landerer das Schicksal des kulturellen Erbes in den Katastralgemeinden Hietzing und Schönbrunn. Anhand zahlreicher typischer Beispiele, die von der Villa Beer über die Villen Primavesi und Schratt, dem Verschwinden des Heurigen in der Altgasse 16 bis zum Schloss Schönbrunn reichten, wurden vergangene und aktuelle Veränderungen im historischen Stadtbild aus der Sicht des Denkmalschutzes kritisch beleuchtet. Rudolf Wawra fungierte als Gastgeber des Bezirksmuseums Hietzing.

Der etwa 1 1/2 stündige Vortrag spannte seinen Bogen von den Zerstörungen durch Bombentreffer im Jahr 1945 bis heute. Während in der harten Nachkriegszeigt breiter Konsens über den Wiederaufbau des kulturellen Erbes bestand, veränderte sich dies ab den späten 1950er-Jahren dramatisch. Die öffentliche Hand erwies sich oft untätig und willfährig und es waren in erster Linie Bürgerinitiativen und private Investoren, die eine noch dichtere Verbauung und den Erhalt der noch bestehenden historischen Bausubstanz in die heutige Zeit retteten. Es ist das Selbstverständnis mancher dieser Investoren, dass privates Eigentum an solchen Kulturgütern auch eine hohe Verantwortung der Öffentlichkeit gegenüber beinhaltet.

Die Einrichtung der Schutzzonen Ende der 1970er-Jahre war und ist ein schwaches Instrument, selbst der Denkmalschutz unterwirft sich immer wieder dem Drängen der Spekulation. Entgegen den oft üppigen Studien, eilfertigen Beteuerungen und veröffentlichten Konzepten lässt der praktische bauliche Wildwuchs kaum ein städteplanerisches Konzept erkennen. Das ist deutlich am brutalen Hochhausbau selbst in sensiblen Zonen zu sehen.

Aus der Bezirkspolitik war mit Ausnahme von Gerhard Jordan von den Grünen niemand gekommen. Statt zu hören, was die Umwelt lebenswert macht und wie Kultur zu bewahren ist, wird offensichtlich das Schönreden potemkinscher Dörfer (wozu in Ober St. Veit die Schweizertalstraße 4 und die Einsiedeleigasse 4 gehören) bevorzugt, mit gelegentlicher Verwunderung über das wachsende Proteststimmenpotential.

Markus Landerer und Claus Süss gründeten 1999 das ”Netzwerk Denkmalschutz“, das sich im Internet als Plattform und Diskussionsforum für Denkmalschutz und Denkmalpflege in Österreich versteht (www.denkmalschutz.at). 2008 waren sie Mitbegründer des Vereines Initiative Denkmalschutz, eines unabhängigen Vereines für den Schutz bedrohter Kulturgüter  (www.initiative-denkmalschutz.at).

Eine weitere interessante Information: Auf der Internetseite des Bundesdenkmalamtes ist seit heuer eine vollständige Liste der denkmalgeschützten Bauwerke abrufbar: http://www.bda.at/downloads/

 

hojos
22. Oktober 2010

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