Das rauhe Leben

Autobiografischer Roman des Arbeiterdichters Alfons Petzold, 1882 - 1923. Alfons Petzold wohnte im Vorschulalter kurz in Ober St. Veit.
1932

Der Arbeiterdichter Adolf Petzold wurde im heutigen 15. Bezirk geboren: "So kam der 24. September des Jahres 1882 heran. Meine Eltern bewohnten einen hölzernen Gartenpavillon, der zu einem uralten Wiener Haus in der Stadiongasse, jetzt Robert-Hammerling-Gasse, in Fünfhaus gehörte." Die heutige Adresse des Geburtsortes ist Robert-Hammerling-Gasse 28 in Rudolfsheim-Fünfhaus. Die erste Kindheit bis über das zweite Lebensjahr verbrachte Alfons Petzold in Penzing. Dann zog die Familie, die auf der Suche nach geschäftlichem Erfolg und erträglicher Lebensführung schon viel herumgekommen war, nach Szegedin in Ungarn. Der zunehmende Deutschenhass und das Herannahen des schulpflichtigen Alters von Alfons veranlassten die Familie 1887 zur Rückkehr nach Wien. Die ersten Monate verbrachten sie in Ober St. Veit und zogen dann nach Lerchenfeld, wo Alfons mit der Schule begann.

Die wenigen Absätze in seinem Roman, die sich auf Ober St. Veit beziehen, lauten:
"Wir zogen in eine Haus in Ober-Sankt-Veit, das damals noch ein Wiener Vorort war. Es lag ganz im Grünen versteckt und war von einem großen Garten umgeben, der an den Park eines Frauenklosters grenzte. Ging man ein paar Schritte weiter, so sah man sich bald mitten in busch- und blumenreichen Auen, durch die die Wien floss, zu jener Zeit noch ein klarer, munterer Gebirgsfluss, im dem es unzählige Fischlein aller Art gab.
Im Vordertrakt des Hauses wohnte die Familie eines Hauptmannes mit einem gleichaltrigen Söhnchen. Wir waren beide bald unzertrennliche Spielkameraden und hatten als dritten im Bunde den Burschen des Hauptmannes, der sich mit uns unterhielt, wenn es ihm nur seine Zeit gestattete.
So sprangen wir bald im Garten umher, bald im Stall, der eine Seite des Hofes einnahm und wo sich die Pferde des Hauptmannes befanden. Der Höhepunkt unserer Glückseligkeit wurde erreicht, wenn uns der Bursche auf die Pferde setzte und diese mit uns zur Schwemme in die Wien führte.
Nicht geringer war meine Freude, wenn ich mit der Mutter zur Taufpatin fahren durfte, die im dritten Bezirk wohnte. An einem solchen Tag setzten wir uns schon am frühen Morgen in den engen, achtsitzigen Stellwagen und fuhren wohl zwei Stunden lang bis an die Mariahilferlinie. Dort stand mitten in buschigen Gärten, an den Linienwall angelehnt, ein Gasthaus, "Zur alten Hühnersteige" genannt, wo wir unsere zerschüttelten Glieder zusammenklaubten und unbeschreibliche Würsteln mit Kren aßen, von denen das Paar fünf Kreuzer kostete. ..."

In der Jugend somit recht behütet, musste er im eigenständigen Leben alles versuchen, um wenigstes der ärgsten Not zu entfliehen. Er war Taglöhner, Laufbursche, Bäckerlehrling, Schuhmacherlehrling, Aushilfskellner, Austräger, Schneeschaufler, Hilfsarbeiter, Metalldreher, Gipsschleifer, Fensterputzer und dazwischen immer wieder ohne Arbeit. Doch er überwand alles Elend und die gnadenlose Härte der Menschen dem Schwachen gegenüber. Den Aufstieg aus dieser trostlosen Enge verdankte er vor allem seinem unsersättlichen Drang nach Wissen und Bildung. Die Aufmerksamkeit und ein Brief Franz Karl Ginzkeys waren der Meilenstein auf dem Weg zum weisen Dichter mit tiefem sozialen Empfinden.

Alfons Petzold starb in Kitzbühel am 26. Jänner 1923.

Quellen:
Petzold, Alfons: Das rauhe Leben, Roman eines Menschen. Im Verlag "Das Bergland-Buch", Deutsche Vereins-Druckerei A.G. Graz, 1932.

hojos
im Juni 2009

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