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Die Wien
Vom Kaiserbrünndl bis zur Donau
Josef Holzapfel
Coverbild:
Öffentlicher Einzug Ihrer Königlichen Hoheit der Durchlauchtigsten Prinzessin Braut von Parma
Anno 1760
Die Wien
Vom Kaiserbrünndl bis zur Donau
homedia
Überarbeitung und Digitalisierung einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2014
Weitere Aktualisierungen sind in Arbeit
Stand Jänner 2026
Medieninhaber: homedia Josef Holzapfel, 1130 Wien
Copyright: Josef Holzapfel, 1130 Wien
Gestaltung: Josef Holzapfel, 1130 Wien
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Josef Schöffel, der Retter des Wienerwaldes. Denkmal über dem Wienfluss am Fuß des Schöffelsteins bei Purkersdorf, vis-a-vis der Deutschwald-Marienkapelle. Ohne ihn gäbe es keinen Wienerwald und damit wohl auch keinen Wienfluss.
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Die zugehörige Literaturliste ist auf der Internetseite www.1133.at / Bericht Nr. 817 aufrufbar.
Einleitung
Trotz seiner Unscheinbarkeit bei normaler Wasserführung war der Wienfluss, die Wien, zu allen Zeiten ein bedeutender Faktor in der strukturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der anrainenden Regionen. An seinen Ufern können alle Phasen der Siedlungsentwicklung nachvollzogen werden, von der Hütte bis zum imperialen Schloss, ebenso wie jene der wirtschaftlichen Entwicklung, vom Jagdgebiet und der Landwirtschaft bis hin zur Industrie.
Die Wien repräsentiert zudem in trefflicher Weise die „Unschuld vom Lande“ (Wickendorf), die von der Stadt verdorben und dafür verachtet wurde. Seit langer Zeit leben wir in Wien nicht mehr mit dem Fluss, sondern neben dem Fluss. Er wird nicht mehr als lebendes Gewässer wahrgenommen, sondern weckt als überdimensionierte, schwer zu überquerende Betonrinne eher negative Assoziationen, die durch seine Nähe zur Kanalisation noch verstärkt werden.
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Die Wien im Stadtpark mit Stadtparkbrücke und dahinter Kleiner Ungarbrücke, fotografiert am 14. Oktober 2013
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Fischen unterhalb der Radetzkybrücke im Mündungsbereich des Wienflusses. Ein Foto vom 14. Oktober 2013
Am Wienfluss lässt sich somit exemplarisch nachvollziehen, wie unsere Gesellschaft mit ihren Ressourcen umgeht. Dennoch blieb die Wien – im Gegensatz zu den anderen fließenden Gewässern im Stadtgebiet – großteils ein offener Fluss. Dies verdankt sie ihrem zeitweisen Anschwellen nach heftigen Regengüssen oder während der Schneeschmelze sowie dem knappen städtischen Budget. Heute begünstigt ihre Offenheit die Abkehr vom Gedanken einer totalen Verstädterung und ermöglicht die Wiederkehr des Gewässers in seiner Funktion als Freiraum. In diesem Sinne kann von einem Fluss „mit Wiederkehr“ gesprochen werden.
Für mich hat diese Wiederkehr bereits vor langer Zeit stattgefunden, denn die Wien ist in ihrem wieder erschlossenen Bereich zum geduldigen Begleiter auf meinen Trainingsläufen sowie auf dem ersten oder letzten Teil so mancher Radtour geworden. Ihr Wasser wirkt dabei als bemerkenswerter Katalysator, der den Lärm der nahen Wientalstraßen aus dem Naturerlebnis ausblendet. Die Wien ist zu meinem Lieblingsfluss geworden.
Mit diesem Werk möchte ich möglichst alle Aspekte der Wien über ihren gesamten Verlauf und ihre gesamte nachvollziehbare Geschichte hinweg fundiert, prägnant, reich bebildert und vor allem leicht verständlich darstellen. Die gegenwärtige Wiedergeburt des Flusses erlaubt es, über eine reine Geschichtsbetrachtung hinaus auch aktuelle Aspekte einzubeziehen. Vielleicht gelingt es auf diese Weise, den Wienfluss stärker als „unsere Wien“ in den Köpfen der Anrainer zu verankern.
Fluss der Kontraste
Die Wien trägt ihren kurzen Namen erst ab dem Zusammenfluss von „Dürrer Wien“ und „Kalter Wien“ in Pressbaum. Die Quelle der Dürren Wien ist das etwa 520 Meter hoch gelegene Kaiserbrünndl am Nordosthang des Kaiserbrunnberges südlich von Rekawinkel. Der zweite Quellbach bringt das Wasser der bei Pfalzau zusammenfließenden Bäche „Pfalzauer Bach“ und „Kalte Wien“. Der Pfalzauer Bach kommt aus mehreren Gräben südlich des Kaiserbrunnberges, die Kalte Wien kommt aus mehreren Gräben an der Nordseite des Hengstlberges. Dieser Zubringer wurde früher er auch „Große Wien“, „Grotte Wien“ oder „Weiße Wien“ bezeichnet.
Der Hengstlberg bildet gemeinsam mit anderen östlich und westlich gelegenen Bergen die Wasserscheide zur Schwechat. Fährt man dieser Wasserscheide entlang rund um das gesamte Einzugsgebiet des Wienflusses, so umkreist man ein Gebiet von etwa 230 Quadratkilometern. Der Kultur nach können in diesem Einzugsgebiet drei Gebiete beschrieben werden. Erstens als größtes Gebiet das meist hügelige und manchmal bergige Gelände der Quellengebiete und Zuflüsse im Wienerwald. Diese Seitengebiete sind steil und dicht bewaldet oder als Wiesen kultiviert. Hier hat der Wienfluss meistens noch seinen natürlichen Verlauf. Zweitens die in den ebeneren Bereichen des Wienflusses und seiner größeren Zubringer im Wienerwald gelegenen Siedlungsgebiete und die Randgebiete Wiens. Hier haben der Hochwasserschutz und die Landgewinnung häufig zu steilen, befestigten Böschungen und harten Verbauungen geführt. Drittens das dicht bebaute Stadtgebiet mit vollständiger Regulierung des Flusses.
Da die Böden in den Einzugsgebieten (Kalkmergel, Tonmergel und Sandstein, die typischen Gesteine der Flyschzone) überwiegend wasserundurchlässig sind, reagieren die Wien und ihre Zubringer sehr rasch auf Niederschläge: Bei starkem Regen schwellen sie schlagartig an, und kurz andauernde, aber mächtige Hochwässer machen die Gerinne zu reißenden Wildbächen. Nach aktuellen Statistiken beträgt die mittlere Wasserführung des Wienflusses nur rd. 1,2 Kubikmeter pro Sekunde, zur Zeit der stärksten Niederschläge kann er aber zum reißenden Strom mit über 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde werden.
Auf seinem Weg bis zur Mündung in den Donaukanal fließen dem Wienfluss von links über die vielen kleinen, meist trockenen Gräben hinaus der
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Zwei Quellbäche, die Dürre und die Kalte Wien,
vereinen sich in Pressbaum zur Wien.
1 - Das Kaiserbrünndl
2 - Der Zusammenfluss von Dürrer und Kalter Wien
3 - Der Wienerwaldsee
4 - Der Alois-Czedik-Steg
5 - Zusammenfluss von Mauerbach und Wien nach den Rückhalteanlagen bei Auhof
6 - Die Hadikgasse überquert den Wienfluss über dem Nikolaisteg
Weidlingbach, der Tullnerbach, der Große und Kleine Steinbach, der Gablitzbach, der Wurzbach, der Mauerbach, der Halterbach, der Rosenbach, der Ameisbach und nach dessen Umleitung auch der Ottakringerbach zu und von rechts der Brentenbach, der Wolfsgrabenbach, der Dambach, der Deutschwaldbach, das Rotwasser, der Grünauerbach, der Hirschenbach, der Marienbach und der Lainzerbach. Die Zuflüsse im Stadtgebiet münden aber nicht mehr direkt in die Wien, sondern in die sie begleitenden Sammelkanäle. Die Mündung der Wien in den Donaukanal liegt ca. 157 Meter über dem Meer, somit fällt sie während ihres rd. 34 Kilometer langen Laufes vom Kaiserbrünndl bis zur Mündung bei der Urania, wovon ca. 16 Kilometer auf das Bundesland Wien entfallen, um rund 363 Meter.
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Das Einzugsgebiet des Wienflusses. Diese vereinfachte Darstellung zeigt den Wienfluss mit seinen wesentlichen Zubringerbächen. Sie erklärt auch, warum nicht die längere Kalte Wien, sondern das aus der Hauptrich
tung des Flusslaufes kommende Kaiserbrünndl als Quellbach bezeichnet wird. Nicht eingezeichnet sind die Zuläufe in Wien (Rosenbach, Ameisbach, Marienbach, Lainzerbach), weil sie nicht in den Fluss, sondern in die begleitenden Sammelkanäle münden.
7 - Das regulierte Bett bei Hietzing
8 - Die erste Beton-Gewölbebrücke vor Schönbrunn
9 - Beginn der Einwölbung beim Rüdigerhof
10 - Beim Naschmarkt
11 - Im Stadtpark
12 - Die Mündung bei der Urania
Die Wien ist somit ein Fluss der Kontraste wie nur wenige andere: Sie beginnt beim Kaiserbrünndl als schwaches Gerinne und wird bald zu einem natürlicher Waldbach. Sie bleibt dies auch nach dem Zusammenfluss von Dürrer und Kalter Wien. Im weiteren Verlauf werden die menschlichen Eingriffe häufiger und stärker und erleben im Bereich des Stadtparks einen Höhepunkt der städtischen Inbesitznahme. Die folgenden Fotos sollen diese Kontraste zeigen.
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Das Kaiserbrünndl am Nordosthang des Kaiserbrunnberges wird als der Ursprung des Wienflusses betrachtet, doch beginnt hier nicht der eigentliche Wienfluss, sondern die „Dürre Wien“.
In Dürrwien kreuzt sie auch die 2. Wiener Hochquellenwasserleitung und fliest erstmals in einem Stück regulierten Bachbettes. Die Wasserleitung unterquert in einem Dücker das Tal samt Straße und Dürrer Wien.
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Bei Dürrwien gleich neben Pressbaum ist die Dürre Wien schon ein richtiger Waldbach. Sie fließt aber noch völlig unreguliert durch nahezu unberührte Natur. Nur ein paar Wege und Brücken kreuzen sie. Im ebener gewordenen Gelände ist sogar Platz für ein paar Mäander.
Der Zusammenfluss von Kalter und Dürrer Wien in Preßbaum. Ab hier heißt der Fluss einfach „Die Wien“. Auf diesem Foto sieht man, dass die Kalte Wien (von links kommend) der wasserreichere Fluss ist. Die Kalte Wien ist mit einer Länge von 5,69 km auch der längere Zubringer. Trotzdem gilt die Dürre Wien als namengebender Hauptquellbach, weil sie die Laufrichtung in der Region vorgibt. Im Unterschied zur Dürren Wien hatte die Kalte Wien auch zahlreiche andere Namen: Grotte Wien, Weiße Wien etc.
Manchmal drängen die Häuser und Straßen knapp an den Fluss, dann wieder treten sie weit zurück. Das vorwiegend natürliche Flussbett wird daher auch im Wienerwald immer wieder von Uferverbauungen begleitet.
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Die ersten Meter der Wien nach dem Zusammenfluss zeigt die erste Brücke und die konträren Ufergestaltungen der links und rechts anliegenden Privatgründe. Ca. zwei Kilometer sind es noch bis zum Beginn des Wienerwaldsees.
Der über einen Kilometer lange Wienerwaldsee bei Tullnerbach nimmt auch den Wolfsgrabenbach auf und unterstützt auf natürliche Weise die Hochwasserrückhaltung. Wunderbar in die grünen Hügel des Wienerwaldes eingebettet erfreut er mit seinem Wasser uns seiner Vegetation Mensch und Tier.
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Der Wienfluss hinter dem Restaurant Staubmann. Nach dem Wienerwaldsee passiert er Untertullnerbacher und Neupurkersdorfer Gebiet mit der Richter-Minder-Siedlung, der Postsiedlung und dem Rechenfeld. Diese Schwelle hinter dem Gasthof Staubmann zeigt die Stelle des einstigen Prager Wehrs, von dem das Wasser für das Deutschwaldbad und die Prager Mühle abgeleitet wurde.
Auf den knapp sechs Kilometern vom Wienerwaldsee bis zum Zusammenfluss mit dem Gablitzbach bei Purkersdorf ist er relativ naturnahe wie hier bei Purkersdorf. Siedlungen und der Straßenbau führen jedoch immer wieder zu hohen Böschungen.
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Blick vom Alois-Czedik-Steg flussaufwärts nach Westen. Auch auf den ca. zweieinhalb Kilometern von der Einmündung des Gablitzbaches bis zum Alois-Czedik-Steg, der ersten Brücke auf Wiener Gebiet, verändert sich der Fluss kaum. Wie in Purkersdorf kommt auch hier die Westbahn ganz nahe an den Fluss.
Der Alois-Czedik-Steg. Von ihren insgesamt rund 34 Kilometern fließt die Wien 16,15 km durch das Gebiet des Bundeslandes Wien. Ca. einen Kilometer nach dem Alois-Czedik-Steg beginnen die zwei Kilometer langen Regulierungsanlagen.
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Die Rechenanlage vor dem Hauptwehr bei Mariabrunn. Seit dem Ausbau der Rückhaltebecken im Jahr 1997 fließt die Wien durch alle Staubecken und vereinigt sich erst nach deren Ende mit dem Mauerbach.
Die Natur scheint in den Rückhaltebecken – hier das Rückhaltebecken VI – unberührt zu sein und gleicht einer Idylle.
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Der Hirschenauerbach ist der letzte Zufluss an der rechten Seite der Wien. An dieser Stelle fließt er aus dem Lainzer Tiergarten kommend unter der Wientalstraße hindurch in das flussabwärts gesehen letzte Haltebecken. Die folgenden Zuflüsse werden in den Wiental-Sammelkanal geleitet.
Der Umlaufgraben entlang der Haltungen III bis VII ist durch eine solide Mauer von den Haltebecken getrennt und weitgehend renaturiert. Der in ihm fließende der Mauerbach vereinigt sich erst am Ende Stauanlagen mit dem Wienfluss.
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Blick vom Weg auf dem Damm zwischen Haltebecken und Umlaufgraben zurück nach Mariabrunn.
Der Turm rechts markiert das Ende der Rückhalteanlagen. Er ist ein funktionsloses architektonisches Element. Von Weidlingau bis zur Kennedybrücke wird der Fluss vom sogenannten „Wiental-Highway“ (ein Rad- und Fußweg) begleitet.
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Ein Blick zurück zum Zusammenfluss von Wien und Mauerbach. Wie der Umlaufgraben ist auch dieser Bereich weitgehend renaturiert.
Am Ende der Staubecken quert die verlängerte Hadikgasse den Wienfluss. Die rd. 1,5 Kilometer von hier bis zur Zufferbrücke behält der Fluss mit seinem trapezförmigen Querschnitt und den beiderseitigen, teilweise bewachsenen Uferböschungen noch etwas von seinem Talcharakter. Bis zur Kennedybrücke in Hietzing sind es rd. 4,5 Kilometer und weitere rd. 4,5 Kilometer bis zum Beginn der Einwölbung beim Rüdigerhof vor dem Naschmarkt.
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Ruhet sanft. Im Zuge der Regulierungsarbeiten war die Sohle des Gerinnes vom Umlaufgraben bis zur Badhausbrücke mit Steinquadern und -platten befestigt und weiter stadteinwärts betoniert worden. Mit Ausnahme der renaturierten Bereiche ist das so geblieben. Die verwendeten Steine waren verschiedenster Herkunft, manchmal wurden sogar Grabsteine eingearbeitet.
Bald folgt eine dichte Brückensequenz wie sonst nirgends entlang der an sich brückenreichen Wien. Zuerst der Park&Ride-Zubringer, dann die wuchtige Stahlkonstruktion der U-Bahn-Brücke (auch: Stadtbahnbrücke) und schließlich ganz hinten, mit dem Steinpfeiler in der Flussmitte, die Zufferbrücke.
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Blick von der Zufferbrücke flussabwärts. Ab der Zufferbrücke wird der Querschnitt des Flussbettes rechtsufrig durch die nahezu senkrechte Mauer zur Stadtbahn (heute U4) eingeengt. Bald schwenkt der Fluss von der Mitte nach rechts in eine der Mauer entlangführende Künette. Anstelle der heutigen Wohnbauten standen am rechten Wienflussufer bis in die 1970er-Jahre die Gebäude der Ober St. Veiter Färberei Winkler & Schindler.
Der markante Blick von der Hietzinger Kennedybrücke flussaufwärts. Der Fluss ist über fast seine ganze Länge in Wien ein Grenzfluss und trennt die Bezirke 3, 4, 5, 12 und 13 im Süden von den Bezirken 1, 6, 15 und 14 im Norden. Die Grenze liegt aber nicht wie üblich in der Flussmitte, sondern am südlichen, hier im Bild linken, flussabwärts gesehen also rechten Rand des Flussbettes.
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Bis Hietzing überspannen nur Stahl- oder Stahlbetonkonstruktionen die Wien. Hier vor Schönbrunn wölbt sich mit der Schönbrunner Schlossbrücke die erste der im Zuge der Regulierung gebauten und weitgehend einheitlich gestalteten Betongewölbe-Brücken über den Fluss.
Blick von der Schönbrunner Schlossbrücke zur Schönbrunner Brücke. Ab der Kennedybrücke wird auch das linke Ufer durch eine hohe Stützmauer begrenzt und die Kämpferansätze begleiten das Flussbett auf beiden Seiten. Mit der Schönbrunner Brücke verlässt der Wienfluss die Parklandschaft um Schönbrunn und erreicht das besonders dicht verbaute Stadtgebiet.
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Die Fabriksbrücke mit der dahinterliegenden und zur Überbauung verbreiterten Lobkowitzbrücke im Bereich der Meidlinger-Hauptstraße. Wirtschaftliche und andere Begierden kümmern sich wenig um alte Ideen oder wichtige Funktionen der Wientalschneise. Wo immer die Politik es zulässt, werden möglichst voluminöse Funktionsbauten errichtet.
Beim Rüdigerhof verschwindet der Wienfluss und bald auch die U-Bahn-Trasse in die Unterwelt. Gut sichtbar ist hier das ab der Schönbrunner Brücke den Flussverlauf prägende Stadtbahngeländer: eine stilisierte Sonne in einem Kreis, aus dem vier Streben zu den Ecken eines Quadrates weisen, die Handschrift Otto Wagners, der für die architektonische Gestaltung des Stadbahnbaues verantwortlich zeichnete.
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Blick über die Einwölbung im Bereich des Naschmarktes.
Diese Häuserfront im Bereich des Naschmarktes vermittelt die Vorstellung von der geplanten Prachtstraße.
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Viele Architekten versuchten sich an der Gestaltung des durch die Einwölbung gewonnenen Karlsplatzes. Diese ehemalige Stadtbahnstation Otto Wagners ist mittlerweile ein Museum.
Am Beginn des Stadtparks verlässt die Wien das überwölbte Bett und tritt wieder ans Tageslicht. Hier entstand eine von Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer geschaffene symmetrische Anlage mit Promenaden mit großzügigen Sitzbereichen entlang des Flusses. Die Wienflusspromenade im Stadtpark wurde am 15. November 1906 eröffnet.
Ohmann liebte die Kontraste und der Herbst bringt sie in der Stadtpark-Promenade besonders schön zur Geltung: Der farbenfrohe Wilde Wein sticht dann aus allen Architekturelementen hervor und wetteifert mit den türkisfarbenen Keramikvasen in den Nischen.
Die Vasen wurden während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Als Geschenk der Wiener Hochschulen an die Stadt Wien wurden sie in den Jahren 1974/75 originalgetreu erneuert. In ihren speziellen Formen des Jugendstils bilden sie einen weiteren Kontrast zu den anderen Architekturelementen.
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Zahlreiche Stahlkonstruktion führen nach dem Stadtpark Straßen und Wege über den Fluss. Hier sogar in zwei Etagen: Der Zollamtssteg über der Zollamtsbrücke. Die Zollamtsbrücke verbindet die beiden Tunnelröhren der ehemaligen Stadtbahn, heute U-Bahn.
Bei der Urania mündet die Wien in den Donaukanal. Der Blick unter die Radetzkybrücke führt zur Zollamtsbrücke.
Von der Vorgeschichte
zur Geschichte
Archäologische Funde belegen eine Besiedelung des Wientals von der Jungsteinzeit an (ab dem 6. Jahrtausend vor Christus).
Mit den Römern gelangte auch der Wienfluss von der Vorgeschichte in die Geschichte, insbesondere durch einen während der Regulierungsarbeiten 1899 gefundenen Altarstein aus dem 3. Jahrhundert. Bis vor kurzem hielten Experten ihn für einen Beweis römischer Regulierungsversuche, weil sie in der teilweise unleserlichen Inschrift das Wort „naumachia“ (ungefähr für Wasserwerk) vermuteten und einen gehörnten Kopf als Symbol für den bezwungenen Wienfluss deuteten. Nach neuen Erkenntnissen symbolisiert der gehörnte Kopf jedoch die an der Donau besiegten „Barbaren“. Der Stein bleibt von hoher Bedeutung für den Wienfluss, denn er ist neben anderen Göttern auch dem „Fluvius Acaunus“ gewidmet. Dies war die damalige Bezeichnung für den Wienfluss, der auch als Personifizierung des lokalen (keltischen) Wassergottes galt.
Mit dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert n. Chr. legte sich wieder ein Jahrhunderte langer Schleier der Geschichtslosigkeit, also des Fehlens schriftlicher Aufzeichnungen, über die Region. Es war die Zeit der Völkerwanderung, von der auch das Wiental nicht unberührt blieb. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zwischen dem keltoromanischen Vedunia (Waldbach als Bezeichung auch für den Wienfluss) und dem späteren Wenia (althochdeutsches Wort für Wien) eine slawische Zwischenform gegeben hat.
Die älteste bekannte Nennung des Namens Wien ist in einer Zeile der Salzburger Annalen des Jahres 881 zu finden: „primum bellum cum Ungaris ad Uueniam “, übersetzt: „Erstes Gefecht mit den Ungarn bei (bzw. an der) Wien“. Die Fachwelt ist sich einig, dass Wien gemeint ist, kann aber nicht entscheiden, ob es sich um die Siedlung oder um den Fluss handelt, wobei der Fluss als die wahrscheinlichere Variante gilt. Sehr wohl scheint aber entschieden, dass die Stadt nach dem Fluss benannt ist und nicht umgekehrt. Gänzlich verworfen wurde die Ableitung des Namens von der Römersiedlung Vindobona.
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Sehr wohl scheint aber entschieden, dass die Stadt nach dem Fluss benannt ist und nicht umgekehrt.
Ein weiterer historischer Meilenstein ist die Godtinesfeld-Urkunde aus dem Jahr 1015. Ihr zufolge schenkte Kaiser Heinrich II. dem Domkapitel von Bamberg „30 königliche Hufen aus seinem Eigentum zu Godtinesfeld im Gaue Osterriche in der Grafschaft des Grafen Heinrich mit allem Zugehörigen, Knechten, Mägden, Hofstätten, bebauten und unbebauten Ländereien, Mühlen, Wasser und Wasserläufen“. Die Schenkung betrifft wahrscheinlich ein Gebiet, das sich vom heutigen Alt-Hietzing bis nach Ober St. Veit erstreckte.
Die Richtigkeit dieser Annahme vorausgesetzt, ist mit den Wasserläufen auch der Wienfluss und mit den Mühlen auch die spätere Feldmühle in Unter St. Veit gemeint. Natürlich handelt es sich um eine formelhafte Beschreibung der Örtlichkeit, doch sollte ihre Verwendung den realen Gegebenheiten vor Ort entsprochen haben. Die Feldmühle wurde bis 1591 als „Mühle im Gottesfeld“ bezeichnet, die heutige Feldmühlgasse erinnert an sie.
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Der Altarstein im Römermuseum am Hohen Markt. Neben anderen Göttern und Göttinnen ist er auch dem „Fluvius Acaunus“ gewidmet. Das war die damalige Bezeichnung für den Wienfluss, der auch als Personifizierung des lokalen (keltischen) Wassergottes galt.
Die im Staatsarchiv Bamberg verwahrte Godtinesfeld-Urkunde wurde im Jahr 1015 ausgestellt und enthält die bislang älteste schriftliche Benennung eines Gebietes im Bereich des Wienflusses oberhalb Hietzings bzw. Penzings.
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Ausschnitt aus der Erstnennung Wiens im Salzburger Annalenkodex. In der zweiten Zeile steht: „bellum cum Ungaris ad Uueniam“, übersetzt: „Gefecht mit den Ungarn bei (bzw. an der) Wien“.
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Die Wien auf Landkarten
Die frühesten kartographischen Darstellungen des Wienflusses finden sich auf den ältesten Plänen der mittelalterlichen Stadt Wien und betreffen naturgemäß nur den Verlauf in diesem Bereich. Schon der älteste Plan von Wien, der sogenannte „Albertinische Plan“ aus den Jahren 1421/22 zeigt auch den Wienfluss im Bereich der Stadtmauern.
Mit der allmählichen Ausdehnung der dargestellten Bereiche auf die Vorstädte und Vororte, die dann im 18. Jahrhundert auch eine zufriedenstellende Genauigkeit erreichen, erweitert sich die erfasste Fließstrecke des Wienflusses. Eine der ersten Karten, die den Wienfluss in seiner ganzen Länge zeigen, ist die Österreich-Karte des 1585 veröffentlichten „Mercator-Atlas“. Die Entwicklung der kartografischen Darstellungen, die unter Erzherzogin Maria Theresia nicht mehr nur militärischen, sondern auch steuerlichen Zwecken zu dienen begannen, erreichte mit den Franziszeischen Katasterplänen, der Urmappe zu den späteren Katasterplänen, ab 1819 ihren Höhepunkt. Diese zeigen natürlich auch den Verlauf des gesamten Wienflusses in hinreichender Genauigkeit.
Verschiedene Anlässe wie Projektplanungen und Darstellungen einzelner Herrschaftsbereiche lieferten auch schon früher recht genau Pläne von einzelnen Wienfluss-Abschnitten, wie etwa die Brequin-Zeichnungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Dieser Ausschnitt aus der Reproduktion des Planes der Stadt Wien von M. Bonifatius Wolmuet aus dem Jahre 1547 zeigt den Bereich westlich des Stubentors mit dem damals noch fließenden Mühlbach und einer Mühle an der „Landesstrohs“, der späteren Landstraße. Am Ufer des Wienflusses, dem „Ochsenn Kies“ weiden Rinder.
Der Albertinische Plan von Wien, entstanden um 1421/22, hier eine Kopie aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ist einer der ältesten Stadtpläne überhaupt. Manche Details bleiben in ihrer Deutung zweifelhaft. Zu erkennen ist aber der Wienfluss ab dem Heiligengeistspital und zwei Brücken, die sich zur Elisabethbrücke und zur Stubenbrücke weiterentwickeln sollten. © HMW, Inv.Nr. 31.018
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Diese kolorierte Handzeichnung von Leander Anguissola und Johann Jacob Marinoni aus dem Jahr 1704 ist die erste Darstellung, die auch die Vorstädte zeigt. Schön hebt sich der beim Gumpendorfer Wehr den Wienfluss querende Mühlbach ab. Die Fläche vor den Basteien ist unverbaut, alle mittelalterlichen Mühlen waren von dort verschwunden.
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Die 1585 veröffentlichte Österreich-Karte aus Gerhard Mercators „zeitgenössischer Geografie“, für die erstmals auch er Name „Atlas“ verwendet wurde, ist eine der ersten Karten, die den Wienfluss in seinem gesamten Verlauf zu zeigen versuchen. Erstmals sind auf ihr auch Orte wie St. Veit an der Wien eingetragen, wenn auch nicht an der richtigen Seite der Wien. © Österreichische Nationalbibliothek
Ein geometrischer Plan des Wienflusses von Jean Baptiste Brequin de Demenge aus dem Jahr 1783 (WStLA, Pläne und Karten, P1 255). Dieser Ausschnitt zeigt den Verlauf der Wien und einen Regulierungsvorschlag bei Schönbrunn und Meidling. Auch der aus Schönbrunn kommende Mühlbach und die Rote Mühle sind schön eingezeichnet.
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Ein Ausschnitt aus der Huber‘schen Szenografie (1769–1774) mit dem Wienfluss von der Linie (etwa dem heutigen Gürtel) stadteinwärts. Mit ihr und des als Grundlage dienenden Nagl‘schen Planes wurde erstmals auch ein kommerzielles Interesse verfolgt. Ab etwa 1780 führt die Privatkartographie zu einer umfangreichen Kartenproduktion für Wien. Diese Vogelschau zeigt zwar noch einen breiten, verästelten Fluss, aber schon eine enorme Erweiterung des verbauten Gebietes.
Topohydrografische Karte 1788. Zu einer Zeit, als der Ausbau der Wasserwege vorangetrieben wurde, gab es auch Kanalprojekte im Bereich des Wienflusses. Dieser Plan zeigt projektierte Wasserstraßen von Hietzing nach dem Süden und eine zweite von Purkersdorf parallel zum Wienfluss über einen Hafen etwa beim Westbahnhof weiter stadteinwärts. Verwirklicht wurde dann 1795/97–1803 der Wiener-Neustädter-Kanal.
© Opll/HMW
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Der nach Kaiser Franz benannte Franziszeische Katasterplan 1819 ist der erste vollständige österreichische Liegenschaftskataster und bildet die Grundlage der späteren Grundbücher. Dieser Ausschnitt zeigt Dürrwien und den Quellbereich der Dürren Wien, der damals schon Kaiserbrunnberg genannt wurde.
Die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme 1875 zeigt für Gumpendorf bereits ein durchgehend städtisches Bild mit weitgehend regulierter Wien und ohne Mühlbäche.
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Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Notwendigkeit einer exakten Landesaufnahme für militärische Zwecke deutlich und 1764 von Maria Theresia angeordnet. Österreich unter der Enns wurde von 1773 bis 1781 aufgenommen (Josephinische Landesaufnahme). Dieser Ausschnitt beschreibt den Fellinggraben als den Ursprung der Wien. Tatsächlich ist er nur einer von vielen Zubringern zur Kalten Wien.
Die Wien in alten Ansichten
Der Gegenstand früher Malerei waren biblische, mythologische oder geschichtliche Themen sowie Heiligenbilder, Portraits und Stillleben. Landschaftszenen dienten vorwiegend der Gestaltung des Hintergrundes und hatten nur in Ausnahmefällen topografischen Wert.
Die erste topografisch informative Ansicht Wiens mit dem Wienfluss ist die Tafel „Die Flucht nach Ägypten“ des Schottenaltars. Sie entstand um 1470 und zeigt im Hintergrund die Stadt Wien mit der Wieden. Ein weiteres bedeutendes Dokument des spätmittelalterlichen Wien ist die Rundansicht des Nürnberger Malers, Druckers und Verlegers Niclas Meldemann. Dieses historische Schlachtengemälde zeigt die Stadt inklusive Wienfluss während der Türkenbelagerung 1529 aus der Vogelschau und reicht bis an die heutigen Grenzen der Stadt. Ähnlich zeigt der Wolmuet-Plan der Befestigungen Wiens aus dem Jahr 1547 den Bereich zwischen Stadtmauern und Wienfluss.
Viele der Orte entlang des Wienflusses nennen einen Kupferstich von Georg Matthäus Vischer (1626–1696) aus der „Topographia Austriae Inferioris“ als ihre erste bildliche Darstellung. Die ersten Ansichten entstanden in den 1670er-Jahren.
Diese Ansichten herrschaftlicher Besitztümer stellten auch die Umgebung genauer dar, doch erst im 18. Jahrhundert wurde auch die Landschaft selbst zum Hauptthema in der Malerei. Im Wiener Raum waren es vor allem die 1773 gegründete Akademie der bildenden Künste, in der sich eine eigene Landschaftsklasse etablierte, und ihre Vorläufer, die hervorragende Landschaftsmaler hervorbrachten. Das untere Wiental wurde eine beliebte Kulisse für das damals geförderte Zeichnen nach der Natur. Der obere Wienfluss lag abseits der großen Wanderrouten dieser Zeit und blieb ein seltenes Motiv. Wienfluss-Bilder gibt es von Jakob und Rudolf von Alt, Johann Adam Delsenbach, Josef Fide-Fußnecker, Joseph Heideloff, Laurenz Janscha, Joseph Orient, Tobias Raulino, Franz Josef Sandmann, Emil Jakob Schindler, Johann Varrone etc. und von zahlreichen moderneren Künstlern. Große Verbreitung fanden die Werke von Kupferstechern wie Carl Schütz und Johann Andreas Ziegler. Sie vervielfältigten hervorragende Werke anderer Künstler oder waren selbst Maler. Meist kolorierte Ansichtenfolgen aus der näheren und weiteren Umgebung von
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Das untere Wiental war eine beliebte Kulisse für Naturmalereien im 18. und 19. Jahrhundert.
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Der Altar des Wiener Schottenmeisters im Schottenstift entstand von 1469 bis 1480 und zeigt die erste topografisch richtige Ansicht der Stadt Wien. Dieser Ausschnitt hält hinter der heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten die von einem einfachen Stadtzaun mit Bollwerken umgebenen Häuser der Wieden und kurze Abschnitte des Wienflusses fest. © Bezirksmuseum Wieden
Vom Stephansturm aus gesehene Rundansicht der Stadt Wien zur Zeit der ersten Türkenbelagerung 1529, geschaffen 1530 vom Nürnberger Verleger Niclas Meldemann. Dieser Ausschnitt zeigt den später zum Donaukanal ausgebauten Donauarm mit der einmündenden Wien und der Steinernen Brücke vor dem Stubentor. © HMW, Inv.Nr. 48.068
Wien erschienen zuerst um 1795 bei F.X. Stöckl, dann bei Artaria in Wien. Die ersten fotografischen Wienfluss-Ansichten stammen aus den 1870er-Jahren.
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Wien in Oostenreyk. Ein unbezeichneter kolorierter Stich in der Manier Jacob Hoefnagels von 1609. Die erste topografisch brauchbare Gesamtansicht Wiens. Die Ansicht aus dem Norden zeigt links einen Teil des Wienflusses mit der Steinernen Brücke beim Stubentor und im Hintergrund vor dem Kärntner Tor. Das Glacis vor den Stadtmauern ist noch besiedelt, der damals vermutlich noch existierende Mühlbach ist nicht zu sehen. © Österreichische Nationalbibiliothek, KS Alter Bestand 7.A.169
Der kaiserliche Lust- und Tiergarten Schönbrunn in einem Kupferstich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672. Er zeigt noch das 1642 von der Witwe Kaiser Ferdinand II. errichtete Lustschloss. Den Wienfluss stellt Vischer wie üblich zwischen Baumreihen dar.
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Das Schloss Hundsturm und Kirche St. Ägyd auf einem Kupferstich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672. Durch die Bildmitte zieht der unverbaute Wienfluss, um den Hügel der Kirche St. Ägyd windet sich der Mühlbach auf dem Weg von der Kirchenmühle zur Dorotheermühle.
Kirche und Kloster Mariabrunn auf einem colorierten Kupferstich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672. Unterhalb der Klosters vereinigen sich Mauerbach und Wienfluss.
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Eine Vogelschau der Stadt Wien von Nordwesten vor 1683. Detail aus dem Kupferstich von Joseph Mulder nach dem Stadtbild des niederländischen Malers Folbert van Alten Allen. In der Bildmitte ist die dreibogige „Steinerne Brücke“ über den Wienfluss zu sehen. Das Glacis ist schon weitgehend frei von Verbauung. © HMW, Inv.Nr. 19.512
Eine Ansicht der Stadt Wien vor dem Kärntnertor, Kupferstich und Radierung nach Johann Adam Delsenbachs Original vom Jahr 1719. Im Vordergrund die Steinerne Brücke und weiter Flussabwärts ein Holzsteg über den Wienfluss. Das freie Festungsvorfeld wurde unter anderem für den Heuverkauf genutzt. © HMW, Inv.Nr. 105.998
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Eine Gesamtansicht von Wien aus dem Süden. Im Vordergrund der Wienfluss mit der steinernen Brücke. Paris, Gilquin et Dupain o. J. ca. 1850. Stahlstich von Lebelle, koloriert. Viele Ansichten wurden von einem weit entfernten Künstler auf Basis von mehr oder minder genauen Vorlagen erstellt. Das Ergebnis konnte dementsprechend ungenau und in vielen Details verzerrt sein.
Ein Gemälde von Hans Knoll aus dem Jahr 1938, mit Öl auf Leinen gemalt nach einem Aquarell von Joseph Orient, „Das Wiental bei Meidling und Schönbrunn, 1740. Links ist Meidling zu sehen, in der rechten Bildhälfte das Schloss Schönbrunn, Hietzing und Ober St. Veit. © Bezirksmuseum Meidling
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Dieser kolorierte Kupferstich von Johann Ziegler zeigt den Blick über das noch unverbaute Glacis und den Wienfluss zum heutigen 4. und 6. Bezirk im Jahr 1780. In der Bildmitte ist die Steinerne Brücke über den links tief eingefurchten Wienfluss und dahinter der Miethauskomplex „Freihaus“ abgebildet. Links des Freihauses sind das Haus „Zum goldenen Ochsen“ und dahinter der Turm der Paulanerkirche zu sehen, rechts im Hintergrund hebt sich die Gumpendorfer Pfarrkirche St. Ägidius über den Wienfluss und davor liegt rechts des Wienflusses der Vorstadtteil „An der Wien“ mit der Laimgrubenkirche St. Josef. © HMW, Inv.Nr. 64.267
Dieser kolorierte Kupferstich Johann Zieglers zeigt die gleiche Ansicht wie oben etwa 12 Jahre später. Nach den Hochwasserkatastrophen in diesem Jahrhundert war der Fluss 1787 erstmals reguliert worden. Das Flussbett wurde vertieft und geebnet, die zerklüfteten Ufer aufgeschüttet und mit Weiden bepflanzt. Das Freihaus in der Bildmitte war aufgestockt worden. © HMW, Inv.Nr. 15433
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Eine Ansicht des Dorfes Hütteldorf um 1780. Kolorierte Radierung nach einer Darstellung von Laurenz Janscha im Verlag F.X. Stöckl. Im breiten Tal findet der Fluss bereits viel Platz zum Mäandern. Ganz links die Nikolaikapelle hinter der Mauer des Tiergartens. © Christian Nebehay
Dieser Stich Lorenz Janschas zeigt einen Blick das Wiental hinunter mit St. Veit um 1780. Über den Fluss führt der Hackinger Steg mit den links anschließenden Gebäuden der Hackinger Mühle.
© Christian Nebehay
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Die Wien mit Karlskirche und k. k. polytechnischem Institut um 1830. Der Wienfluss zeigt noch ein recht natürliches Bild, war aber schon stabilisiert und die Uferböschungen bepflanzt.
© Christian Nebehay
Das Kaiserlich Königliche Schauspielhaus an der Wien in einem kolorierten Stich des Artaria Verlages. Im Vordergrund markiert die Holzböschung zum Wienfluss die Grenze zwischen mondänem Leben und einfachem Volk. © Bezirksmuseum Mariahilf
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Diese vermutlich von der Karolinenbrücke aufgenommene Ansicht des Stadtparks um 1890 zeigt auch die im Jahr 1900 erneuerte Stubenbrücke. © Österreichische Nationalbibliothek
Der Wienfluss 1894 vor der Regulierung mit einer Ansicht stadtwärts gegen die Kettenbrücke. Dieser Bereich ist heute eingewölbt. © Österreichische Nationalbibliothek
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Der Wienfluss vor 1900. Dieses Foto zeigt den Stadtpark mit der Karolinenbrücke, der Vorgängerin des Stadtparksteges, von der Tegetthoffbrücke aus gesehen. Diese Ansicht entspricht Rudolf Alts Aquarell „Der letzte schöne Baum an der Wien“
© Bezirksmuseum Mariahilf
Der Wienfluss um 1900 knapp vor den Regulierungsarbeiten. Von der Secession aus ist in Richtung Wiedner Hauptstraße der Obstmarkt, das Freihaus und die alte Bärenmühle mit dem Schikanedersteg über den Wienfluss zu sehen. © Österreichische Nationalbibliothek
Das Leben am Fluss
Früher war der Wienfluss einer der Mittelpunkte des täglichen Lebens. Hier weideten Tiere, hier wurde gefischt, in seinem Wasser wurde die Wäsche gewaschen, an bestimmten Stellen wurden die Pferde gereinigt und gekühlt. Wer Zeit hatte, kam hierher, um sich zu erholen oder Leute zu treffen, und die Kinder fanden einen unerschöpflichen Freiraum.
Im 18. Jahrhundert begann man mit Flussverbauungen und Vertiefungen, u.a. durch die Schottergewinnung, den Uferbereich auch oberhalb der Stadt zu verändern. Die Siedlungen und Betriebe entlang der Wien wurden dichter und der Fluss als wichtiger Wasserlieferant musste gleichzeitig alles abtransportieren, was die Menschen weghaben wollten. Schon 1772 soll der Stadtrat den Fleischhauern verboten haben, auf dem Glacis ihre Schafe, Schweine und Ochsen weiden zu lassen, nur blieb diese Verordnung jahrelang unbeachtet. 1830 entwässerte fast ein Drittel der Häuser und Betriebe innerhalb des Linienwalls – das ist etwa der heutige Gürtel – über die Haus- oder Straßenkanäle in die Wien. Zusammen mit dem beim Getreidemarkt einmündenden Ottakringerbach floss beinahe die Hälfte der Brauchwässer und Fäkalien in den Fluss. Gleichzeitig entwickelten sich ein steigendes Bewusstsein und erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Schmutz und Krankheitserregern.
Aus diesem Grund mag es erstaunen, dass trotz der abnehmenden Attraktivität des Flusses an seien Ufern die schönsten Bauwerke entstanden. Dieser Gegensatz beginnt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Bau der Karlskirche, doch angesichts der noch vergebenen Fischereirechte waren die damaligen sanitäre Bedenken wohl übertrieben. Aber auch später, als der Wienfluss längst als Synonym für „Kloake“ und „Gestank“ galt, entstanden Gebäude wie der Kursalon (1865–67) und wenig später das Musikvereinsgebäude und das Künstlerhaus. Grafik und Malerei ignorierten diesen Kontrast und stellten die Prachtbauten samt Elisabethbrücke in eine idyllischere Flusslandschaft, als sie tatsächlich war. Es rückten aber auch gesellschaftliche Kontraste eng aneinander, denn im Gestrüpp des Flussbettes bewegten sich die einfache Leute und auf den Prachtstraßen wenige Meter daneben spazierte die schöne Gesellschaft.
Doch gänzlich ging der Freizeitwert des Flusses niemals verloren. Ein schönes Zeugnis dieses trotz des längst evidenten Müllproblems beliebten
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Im 18. Jahrhundert entwickelten sich ein steigendes Bewusstsein und erhöhte Aufmerksamtkeit gegenüber Schmutz und Krankheitserregern.
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Spielplatzes lieferte im Jahr 1914 der Publizist Richard Genthner: „Du liebe Zeit! Was hat der unter dem Straßengrund verschwindende Bach unserer Jugend nicht alles an Unterhaltung geboten. Da war vor allem schon das Herumgatschen mit bloßen Füßen in der braunen Brühe, auf der die Schaumblasen in großen Flocken träge dahinglitten. Auf der schottrigen Sohle des Flussbettes gab es allerlei zu finden: Bunte Glastrümmer, schillernde Reste von Muschelschalen in den bizarrsten Formen, Abfälle der Perlmutterknopfdrechslerei, Reindeln, Häferln, alte Gießeimer, die man noch zu allem möglichen brauchen konnte, Rudimente von Hüten, zermörserte Regenschirmgestelle, Kleiderfetzen, Ofenroste."
Eine Zäsur für das Leben am Fluss war die durchgängige Regulierung in Wien. Innerhalb der heutigen Kennedybrücke war er praktisch nicht mehr zugänglich, außerhalb waren Verbotsschilder aufgestellt, diese erwiesen sich jedoch als wenig wirksam und dem steinernen Flussbett verblieb ein gewisser Erholungswert. An manchen Stellen wurde bis in die Nachkriegszeit gebadet, im Haltebecken VII war sogar ein richtiges Schwimmbad eingelassen und an anderen Stellen waren Sportplätze vorgesehen.
Im Wienerwald blieb dem Wienfluss diese radikale Veränderung erspart. Doch auch hier rückte ab dem 19. Jahrhundert, vor allem aber mit der Erschließung des Gebietes durch die Westbahn ab 1858, die Verbauung durch Siedlungen und Straßen immer näher an den Fluss. Die Sommerfrischler badeten gerne, taten dies aber weniger in aufgestauten Bereichen, sondern in den entlang des Flusses entstehenden Freibädern. In fast allen Ortschaften von Penzing bis Pressbaum, auch in Gablitz und Mauerbach, wurden solche Bäder angelegt, und einige von ihnen bestehen heute noch.
Zurück nach Wien: Im eingewölbten Bereich und den Begleitkanälen war es nicht so ruhig, wie die Schöpfer erwartet hatten. Mit der kilometerlangen Einwölbung wurde der Wienfluss vor allem im Bereich des Karlsplatzes zu einem unterirdischen Stadtraum, wie es ihn in Wien vorher nicht gegeben hatte. Es entstand eine Stadt im Untergrund, ein Zufluchtsort und Versteck für Obdachlose, Ausgegrenzte und Kriminelle. Mit der Zeit verdichtete sich der Wienflusstunnel symbolisch zur Ikone des unterirdischen Wiens und der unterirdischen Stadt an sich.
Die Schlussszene des um 1950 gedrehten Filmklassikers „Der dritte Mann“ machte die Wiener Kanalisation und den überwölbten Wienfluss – also gerade das, was man quasi als Unterseite der Stadt nicht unbedingt zu Gesicht bekommen sollte – mit einem Mal weltberühmt.
Endlich am Ziel der Radtour, dem Kaiserbrünndl, dem Anfang des Wienflusses. Foto vom März 2015
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Die Marmortafel oberhalb des Quellausganges mit der Erinnerung an den hohen Besuch. Diese Tafel mit dem Porträt der Kaiserin Elisabeth ließ der Verschönerungsverein Pressbaum erst in jünger Zeit anbringen.
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Rast am Kaiserbrünndl ca. 1913. Die Quelle war 1888 von Preßbaumer Bürgern in Naturstein gefasst worden. Das bronzene Fischmaul war vom Chefmodelleur des Wiener Hauptmünzamtes Josef Prinz aus Anlass des 25-jährigen Bestandes der Quellfassung hinzugefügt worden.
© Heimatmuseum Pressbaum
Einweihung der Neufassung des Kaiserbrünndls im Jahr 1957. Das markante Fischmaul war verschwunden, dafür wurde auf einer Marmortafel über der Quelle an den Besuch der Kaiserin Elisabeth am 23. April 1882 erinnert. Der Berg wurde aber schon früher Kaiserbrunnberg genannt.
© Heimatmuseum Pressbaum
Herrn Bodensteiners Badeanstalt in Pressbaum im August 1911. Diese Sommerbäder an der Wien von Pressbaum bis Penzing waren vor allem eine Folge des durch die Westbahn geförderten Sommerfrischebetriebes und daher Gründungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Wasser bezogen sie direkt aus der Wien oder aus einem Mühlbach. Für das Pressbaumer Bad gab es schon 1877, offensichtlich als Folge des Erwerbes durch Herrn Bodensteiner, ein Renovierungsansuchen. Damit könnte es das älteste Sommerbad im Wiental sein. Mit den Stangen am Schwimmbadrand wurden die Schwimmschüler an der Leine gehalten. © Heimatmuseum Pressbaum
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Im Pressbauer Bad gab es auch Kabinen mit beheizbaren Wannenbädern. Sie wurden 1893 errichtet, dieses Foto stammt ca. aus dem Jahr 1950.
© Heimatmuseum Pressbaum
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Das Pressbaumer Bad nach dem Umbau 1963. Im Jahr 1962 hatte die Gemeinde das Bad vom Verschönerungsverein übernommen. Ab 1967 wurde das nach wie vor aus dem Wienfuss genommene Wasser mit einer Kieselfilteranlage gereinigt. © Heimatmuseum Pressbaum
Das Pressbaumer Bad in einem aktuelleren Foto. Heute wird das Bad mit Wasser aus der zweiten Hochquellenwasserleitung befüllt. © Heimatmuseum Pressbaum
Es gab viele Raststätten eine davon war das Kaffe-Restaurant Micka am Wienerwaldsee. Diese Ansichtskarte mit Poststempel 8. September 1940 zeigt, dass damals auch Bootsfahrten am See möglich waren. © Stadtarchiv Purkersdorf
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Das 1913 gesetzte Kress-Denkmal erinnert an den Flugpionier Wilhelm Kress, der am Wienerwaldsee den ersten bemannten Motorflug verwirklichen wollte. Das Wolfsgrabental im Hintergrund war noch von keiner Autobahnbrücke überspannt. 1973 wurde das Denkmal an seinen heutigen Standort versetzt. © Verlag Villa Wiental – Räume für Träume. Mag. Dieter Halama
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Das Wasserflugzeug (der Drachenflieger) von Wilhelm Kress während einer der Probefahrten im Jahr 1901. Leider berührte ein Flügel das Wasser und der Flieger versank im See. So waren es die Brüder Wright, die 1903 den ersten Motorflug schafften.
Wilhelm Kress vor seinem Drachenflugzeug am Wienerwaldsee, 1901. Er erfand die heute noch verwendete Knüppelsteuerung und hielt weitere Patente. © Technisches Museum Wien
Die große Fläche des sauberen Wienerwaldsees war auch bestens für die Eisgewinnung geeignet.
© Stadtarchiv Purkersdorf
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Ein größeres Wehr wie hier das Prager Wehr vor Purkersdorf erlaubte sogar eine kalte Dusche.
© Verlag Villa Wiental – Räume für Träume. Mag. Dieter Halama
Diese Ansicht von Mariabrunn um 1790 zeigt das ab dieser Höhe flach werdende Wienfluss-Bett mit dem ursprünglichen Leben am Fluss. In solchen Talweitungen konnten sich viele Auen bilden. Die Namen Auhof, Zum Wolfen in der Au, Weidlingau, Grünauergraben erinnern an diese Wälder. Gezeichnet von Lorenz Janscha und gestochen von Johann Ziegler. © Archiv Pfarre Mariabrunn
Auch diese Ansicht vom Wiental gegen das Hackinger Schloss und Ober St. Veit um 1800 gibt einen weiteren Eindruck von der Weite der Flussebene und dem landwirtschaftlichen Leben am Fluss. Von Laurenz Janscha mit Pinsel und Tusche laviert und leicht aquarelliert. © Christian Nebehay
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Das Hütteldorfer Bad auf zwei Ansichtskarten. Oben das Schwimmbecken mit den Umkleidekabinen. Die Freibäder dieser Epoche waren alle sehr ähnlich gestaltet. Das Gebäude im Hintergrund besteht heute noch. Unten das Sonnenbad. © Archiv Königstein
Das 1917 eröffnete Kinderfreibad Hütteldorf war das erste Kinderfreibad der Stadt Wien. Es war in das unterste Anhaltebecken VII eingelassen. Foto um 1925. © SPÖ Wien
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Das Antonia-Bad
in Gablitz. Es liegt fast völlig vom Mäandernden Gablitzbach umgeben. Die Bezeichnung „Familienbad“ unterstreicht die gemütliche Atmosphäre.
© Heimatmuseum Gablitz
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Der Badebetrieb im regulierten Wienfluss. Das Wehr oberhalb der Brauhausbrücke bildete einen für den Badebetrieb bestens geeigneten Staubereich, der auch noch in den 1940er- und 1950er-Jahren genützt wurde. © Bezirksmuseum Penzing
Ein Blick vom Wehr bei der Brauhausbrücke flussaufwärts. © Bezirksmuseum Penzing
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Kinder am Wienfluss. Titelbild der Wochenzeitschrift „Der Kuckuck“, Nr. 19/29
vom 11. August 1929 © Vorwärts-Verlag
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Die Wienfluss-Rivera im Kuckuck. „An unserem Wienfluss stehen heute noch Tafeln, die das Baden verbieten, die es allen strenge untersagen, in das hohe steinerne Bett der Wien hinabzusteigen. Stärker aber als alle diese Verbotstafeln ist das Badebedürfnis der Menschen geworden. Zwischen Hütteldorf und Hietzing hat sich an den Ufern der Wien ein buntes Badeleben entwickelt, das keine Obrigkeit mehr unterbinden könnte. ...heute sind es schon ganze Familien, die samt und sonders ihren Sonntag, ihre freien Wochentagsstunden am Wienfluss verbringen.“ © Vorwärts-Verlag
Die Wienfluss-Rivera. Die Rutschbahn darf in keinem „modernen Bad“ fehlen. © Vorwärts-Verlag
Der Vienna City Marathon führte eine Zeit lang den Wienfluss hinauf bis nach Hacking
© Robert Schaidl
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Eine seltene Ansichtskarte, die an das ehemalige Penzinger Bad, das unterste Freibad am Wienfluss, erinnert.
Das Gumpendorfer Wehr um das Jahr 1890. Die bis dahin durchgeführten Regulierungen hatten den Fluss schon deutlich verändert, er war aber ein Aufenthaltsraum der Bevölkerung geblieben. © Bezirksmuseum Wieden
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Die 1902/03 von den Architekten Ohmann und Hackhofer an der Wienflusspromenade im Bereich des Kinderparks errichtete einstige Milchtrinkhalle. Treppen und Öffnungen in der Wienflussmauer führten hinunter zum Wienfluss. Der Fluss konnte hier aufgestaut und in der kalten Jahreszeit das Eislaufen ermöglicht werden.
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Der Bereich zwischen Staubmühle und Stubentorbrücke im Jahr 1895. Wo der Wiener Neustädter Kanal in die Wien mündete, spielten gerne Kinder. Über dem Zufluss waren schon die Geleise für die Regulierungsarbeiten gelegt und die ersten Arbeiter rückten ins Bild. © Wien Museum, Moritz Nähr
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Das Leben im Fluss
Über das Leben im Wienfluss ist in der frühen Literatur nur wenig überliefert. Die vorhandenen Texte folgen jedoch einem ähnlichen Tenor: Der Fluss war einst reich an Fischen und Flusskrebsen und die Fischerei stellte einen bedeutenden Erwerbszweig dar. Mit der zunehmenden Siedlungstätigkeit im Wiental, insbesondere jedoch durch die Ansiedlung wassergebundener Gewerbe wie Gerbereien und Färbereien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, verschlechterte sich die Wasserqualität massiv. Die Verschmutzung führte dazu, dass Fische und Flusskrebse ausstarben und die Fischerei zu Beginn des 19. Jahrhunderts keine Rolle mehr spielte. Im Abschnitt zwischen Meidling beziehungsweise Sechshaus und der Mündung in den Donaukanal dürfte es bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts keine Fischerei mehr gegeben haben.
Weiter flussaufwärts sowie in den Zubringerbächen konnten sich Teile der Flussfauna länger erhalten. Charakteristisch waren hier vor allem kleinwüchsige Fischarten wie Schmerlen, Elritzen und Koppen; Leopold Fitzinger erwähnt in seinem Beitrag zur Landeskunde Österreichs unter der Enns (1832) auch den Steinbeißer. Strömungsberuhigte Kolke in fischfreien Oberläufen der Bäche boten zudem ideale Lebensräume für Larven, etwa jene des Feuersalamanders.
Im Buchprojekt des Zentrums für Umweltgeschichte „Wasser Stadt Wien“ werden die Lebensräume in den Flüssen und Bächen des Wienerwaldes ebenfalls beschrieben. Demnach waren die Tier- und Pflanzengesellschaften des Wienerwaldes bereits ursprünglich weniger vielfältig als jene der Donau. Insbesondere die dichte Bewaldung der schmalen Bachoberläufe reduzierte die Sonneneinstrahlung und begünstigte die Ausbildung einer spezifischen Fauna.
Eine massive zoologische Zäsur mit langfristigen, irreversiblen Auswirkungen stellte die durchgehende Regulierung des Unterlaufs der Wien um 1900 dar. Die ursprünglichen städtebaulichen Ambitionen, etwa die Anlage eines Prachtboulevards, wurden durch den Ersten Weltkrieg gestoppt, spätere verkehrsorientierte Projekte, soweit sie den Fluss direkt betroffen hätten, ebenfalls nicht umgesetzt. Die Verlängerung der Westautobahn führte schließlich „nur“ zur Versiegelung der Flussufer auf bei
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den Seiten. Dennoch blieb die biologische Verbindung zur Donau dauerhaft unterbrochen: Die glatte, eingeengte Rinne und die Einwölbungen boten weder Flora noch Gewässerfauna geeignete Lebensräume.
Ein anschauliches Beispiel für die Folgen dieser Regulierung liefert die Nase (Chondrostoma nasus), ein karpfenartiger Fisch, der früher im Wienfluss massenhaft vorkam und als wichtiger „Brotfisch“ galt. Seine Frühjahrswanderung zur Laichzeit in den Wienfluss und dessen Oberläufe wurde durch die Verbauung unmöglich gemacht. In der Folge verschwand die Nase vollständig aus dem Wienfluss und ist dort bis heute nicht wieder aufgetreten, obwohl weiter flussaufwärts durch Renaturierungsmaßnahmen wieder attraktive Lebensräume für die Gewässerfauna geschaffen wurden.
Somit bestehen die Barrieren im Unterlauf nach wie vor, dennoch hat sich durch diese Renaturierungsmaßnahmen die Grenze zwischen relativ gesunden und weiterhin lebensfeindlichen Habitaten deutlich stadteinwärts (nach unten) verschoben. Derzeit liegt diese Grenze oberhalb des obersten Überlaufs aus den Begleitkanälen unterhalb der Hütteldorfer Brücke (Einlauf des Rosenbaches). Ab diesem Punkt flussaufwärts treten keine wesentlichen Verunreinigungen mehr auf und oberhalb der Brauhausbrücke gibt es auch fast keine Versiegelung des Flussbodens mehr. Oberhalb der Kielmannseggbrücke war die Wien schon immer relativ naturnah geblieben, von den Begradigungen für die Westbahn abgesehen.
Diese ökologische Teilung des Flusses spiegelt sich auch in der bis heute betriebenen Fischerei wider. Für den Angelsport am Wienfluss ist organisatorisch der VÖAFV zuständig, der 1921 als „Verband der deutschösterreichischen Fischereivereine“ gegründet wurde. Zu den derzeit rund 80 Fischereirevieren zählen in Wien – jeweils mit eigenen Vereinen – das Revier Wienfluss (von der Hütteldorfer Brücke bis zur Landesgrenze) einschließlich des Mauerbaches sowie in Niederösterreich das Revier Wienerwaldsee und Wienfluss mit seinen Nebenbächen. Als im Wiener Abschnitt vorkommende Fischarten werden Aitel, Bachforelle, Barsch, Hecht, Karpfen und Regenbogenforelle genannt; für Niederösterreich werden zusätzlich Barbe, Brachse, verschiedene Weißfischarten, Schleie, Wels und Zander angeführt. Dieser Fischbestand wird allerdings durch regelmäßiges Nachbesetzen mit Jungfischen beeinflusst. An anderer Stelle werden zudem Elritzen, Gründlinge, Schmerlen und Koppen erwähnt.
Der Fischereiverband weist zugleich auf aktuelle Gefährdungen des Fischbestandes hin. Dazu zählen Prädatoren wie Reiher, Kormorane und Fischotter, die Auswirkungen der Klimaerwärmung mit Niedrigwasserständen und steigenden Wassertemperaturen sowie die Belastung durch Abfälle.
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Jenseits des Fischbestandes unterliegt auch die übrige Flussfauna einem stetigen Wandel. Ein markantes Beispiel ist der Signalkrebs, der ab den 1970er-Jahren aus Kalifornien importiert wurde. Als Erstbesiedler renaturierter Lebensräume erweist er sich häufig als erfolgreicher als heimische Arten. Das Aussterben des einheimischen Steinkrebses wird jedoch auf die vom Signalkrebs eingeschleppte Krebspest zurückgeführt.
Die Steinfliegenart Isogenus nubecula wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien noch als „allgegenwärtig“ beschrieben; heute gilt sie hier als ausgestorben.
Mittlerweile liegen zahlreiche weitere Studien vor, die sich im Rahmen von Projekten der BOKU, der Wiener Magistratsabteilung 45 oder anderer Institutionen mit dem ökologischen Zustand des Wienflusses und seiner Organismen befassen und somit auch Auskunft über den Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen geben können. Zuletzt wurde im Landesmonitoring Wien 2024 der ökologische Zustand an zwei Probenstellen (Ludwigsgasse und Retentionsbecken IV) untersucht. Beide Screenings weisen auf ein recht naturnahes artenreiches Fließgewässer (laut Gutachten jedoch von „mäßigem Zustand“) mit moderater Dichte ihrer Individuen hin. Am häufigsten waren die Larven von Eintagsfliegen, Weichtiere (Schlammschnecken und Erbsenmuscheln) und Strudelwürmer vertreten, darüber hinaus die Larven von Köcherfliegen, Wenigborster (wasserlebende Verwandte des Regenwurms), Flohkrebse, Wasserkäfer und andere Tiere, mit niedriger Häufigkeit die Larven von Steinfliegen. Die vorhandenen Algengemeinschaften belegen einen guten, jedoch etwas zu nährstoffreichen ökologischen Zustand.
Eine stark belaichte Laichbürste im Mündungsbereich des Wienflusses. Dabei handelt es sich um ein 2021 gestartetes Projekt der Wiener Magistratsabteilung 45 – Wiener Gewässer, die zum Laichen fehlenden Pflanzen künstlich zu ersetzten. Auch im Bericht 2023 wurde ein hohes Potential an laichwilligen Phytophilen Cypriniden (Karpfenfische) im Mündungsbereich des Wienflusses festgestellt. Karpfenfische sind Fischarten wie Aitel, Barben, Brachsen, Giebel, Nasen und Karpfen, die im Frühjahr Laichgewässer mit viel Unterwasserpflanzen = Phyto aufsuchen, um ihre Eier an den Pflanzen abzulegen). Temporär hielten sich hunderte bis tausende Aitel, Barben, Brachsen, Giebel, Lauben Nasen, Nerfling und Karpfen Individuen im Mündungsbereich auf und auch die Raubfischarten Flussbarsch und Hecht konnten 2023 beobachtet werden. Ein Weiterkommen flussaufwärts ist jedoch ausgeschlossen. Dieses Foto zeigt den Laich des Jahres 2023, auch in diesem Jahr konnten Schwärme von Jungfischen im Umkreis der Bürsten beobachtet werden. © DWS Hydro-Ökologie Technisches Büro für Gewässerökologie und Landschaftsplanung
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Ein Flussbarsch
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Ein Hecht, gefangen im Wienerwaldsee © FV Wienerwald
Der Aitel, auch Eitel, Döbel oder Alet, ist einer der karpfenartigen Fische. © FV Wienerwald
Signalkrebse breiteten sich in den letzten Jahren in immer mehr Wienerwaldbächen aus. Sie profitierten am schnellsten von der Renaturierung. © FV Wienerwald
Die Steinfliege kam noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien häufig vor, heute sind sie und ihre Larven am Wienfluss kaum noch zu finden. © MA 45
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Auch Graureiher halten sich seit der Renaturierung wieder gerne am Wienfluss auf, vor allem nahe der Mündung des Halterbachs. © MA 45
Der Verkehrsweg
Der Wienfluss und sein Tal bilden eine bedeutende Strukturlinie, die schon aus ihren natürlichen Gegebenheiten heraus vielerlei Arten von Transport ermöglicht. Das beginnt mit den jährlich rund 26,5 Mio. Kubikmeter Wasser, die der Fluss vom Wienerwald zum Donaukanal transportiert. Mit dem Wasser werden verschiedenste Materialien vom Geschiebe bis zum entwurzelten Baum nach unten geführt. Der Fluss ist aber auch ein (durch den harten Ausbau allerdings weitgehend unterbrochener) biologischer Verbindungsweg zwischen Wienerwald und Donau und Wanderweg verschiedenster Tierarten im und außerhalb des Wassers. Darüber hinaus ist das Wiental eine für die Durchlüftung der Stadt wichtige (durch den Baudruck allerdings gefährdete) Frischluftschneise in Hauptwindrichtung.
Aber auch für den Menschen ist das Wiental ein Hauptverkehrsweg. Schon die Funde aus der Urgeschichte belegen den Felskegel des Gemeindeberges in Ober St. Veit als günstigen Siedlungsort, weil er die Überwachung des Weges durch das Wiental ermöglichte. Diese wichtige Ost-West-Verbindung etablierte sich nördlich des Wienflusses und entspricht im Wesentlichen von der Mariahilfer Straße ausgehend der heutigen Linzer Straße bis Purkersdorf. Ab dem 9. Jahrhundert entstanden an dieser Linie die Ansiedlungen Purkersdorf, Weidlingau, Hadersdorf, Hütteldorf, Baumgarten und Penzing. Von Purkersdorf gibt es in den verschiedenen Epochen unterschiedlich intensiv genützte Verbindungen durch den Wienerwald Richtung St. Pölten, eine folgte dem Wiental über Tullnerbach, Rekawinkel und weiter über Neulengbach, die andere führte über Gablitz und Ried. Dem ersten Straßenzug dürften die Römer gefolgt sein, dem zweiten die ersten deutschen Kolonisten. Dieser Weg wurde im 16. Jahrhundert zur Reichsstraße und diente später auch der Post als Hauptverbindung in den Westen Österreichs. Allerdings waren die Verkehrswege in schlechtem Zustand und trotz zahlreicher Bestrebungen blieb es vor allem der Regierungszeit Kaiser Karls VI. vorbehalten, den Kunststraßenbau zu fördern. 1725 wurde eine Brücke bei Purkersdorf geschlagen und 1726 holte man für den Ausbau der Poststraße den Rat des berühmten Baumeisters Jakob Prandtauer ein. 1731 war die Strecke durch den Wienerwald fertiggestellt.
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Dem einen Straßenzug dürften die Römer gefolgt sein, dem anderen die ersten deutschen Kolonisten.
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Teilweise rückte die 1858 in diesem Bereich eröffnete Westbahn sehr nahe an den Fluss. Ihre Dämme kamen in Teilabschnitten einer Regulierung gleich, bei Purkersdorf ersetzte sie einen Nebenarm der Wien und manchmal wurde der Fluss sogar verlegt. Die Westbahn führt durch das enge obere Wiental Richtung Neulengbach.
Auch der Fluss selbst wurde vom Menschen als Transportweg genutzt. Im Zuge der Kolonisation des Wienerwaldes ab ca. 1650 wurden Fachleute aus dem Westen in den Wienerwald geholt, um das Holzschwemmen auf den Flüssen und Bächen durch den Bau der erforderlichen Klausen (Stauanlagen) zu ermöglichen. Damit wurde der Holztransport aus den entlegenen und unwegsamen Waldgebieten erleichtert. 1688 wurde unter der Anleitung des aus Ischl berufenen Zimmerers Georg Redenbacher oberhalb von Purkersdorf ein „wasserclaus und rechengebäu“ („Rechenfeld“) errichtet. Diese Anlage wurde 1754 aufgelassen, aber die Rechenfeldstraße in Purkersdorf ist Zeuge dieser früheren Nutzung des oberen Flusslaufes.
Die Stadtentwicklung und die steigende Mobilität im 20. Jahrhundert rückten die Verkehrswege immer näher an den Fluss und teilweise auf Einwölbungen sogar über den Fluss. Der Massenverkehr begann mit der im Zuge der Regulierung errichteten Wiener Stadtbahn. Dass die Straße entlang dieser Achse statt zu einer Prachtstraße eher zur „Rückseite der Stadt“ mit reiner Verkehrsfunktion und wenig ambitionierter Architektur verkam, lag neben wirtschaftlichen Gründen vor allem am ausufernden motorisierten Individualverkehr mit direktem Anschluss an die Westautobahn. Die Jugendstil-Häuserzeile im Bereich des Naschmarktes und andere Farbtupfer im Grau dieser Verkehrshölle sind die verbliebenen Ansätze der einstigen Ambitionen.
Mitschuldig an der Randexistenz des Wienflusses in Wien ist aber auch die unzureichende begleitende Kanalisation, die bei Regen zum Überlaufen in den Fluss neigt. Damit ist der Wienfluss nach wie vor auch ein Transportwweg für Wiener Abwässer. Trotzdem wird das Wiental als Freiraum neu entdeckt, die wassernahen Wege werden zunehmend ausgebaut und vom Publikum angenommen. Mittlerweile kann man mit wenigen Unterbrechungen von Purkersdorf bis Hietzing entlang des Flusses radeln.
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Mit dem Wasser transportiert der Wienfluss auch sein Geschiebe, das sich an Stellen mit geringerer Fließgeschwindigkeit ablagert. Die markanteste dieser Ablagerungen befand sich an der Mündung vis-a-vis der Urania. Ende der 1920er-Jahre entschloss man sich, diese Anlandung zu befestigen. Dieses Foto aus dem August 1929 zeigt die Vorbereitungsarbeiten. © MA 45
Pilotierungsarbeiten in der Wienflussmündung im September 1929. Sie dienten der Befestigung der Stelle, an der der Wienfluss permanent Material ablagerte. © MA 45
Die mit einer Kaimauer befestigte Anlandung Ende der 1930er-Jahre. Sie wurde nach Ministerialrat Imanuel Herrmann, dem Erfinder der Postkarte, Herrmannpark benannt.
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Der Franziszeische Katasterplan um 1820. Südwestlich von Purkersdorf sind die Rieden „Im Mühlfeld“ und „Im Rechen“ eingezeichnet. Das Holzschwemmen wurde zwar schon 1754 eingestellt, doch die ehemalige Rechenanlage und der Platz für die Holzlagerung ist im eingezeichneten Verlauf des Wienflusses noch erkennbar. Ein Seitenarm des Flusses zweigt vor der Anlage links zu einem Wehr ab, von dem ein System von Mühlbächen zur Stieglmühle (später Pragermühle) führt.
Diese Abbildung einer Rechenanlage an einem Haus in der Rechenfeldstraße in Purkersdorf und der Name der Rechenfeldstraße sind die letzten Zeugen des Schwemmbetriebes am Wienfluss.
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Die Dampfeisenbahn auf der Westbahnstrecke entlang des Wienerwaldsees.
© Verlag Villa Wiental - Räume für Träume. Mag. Dieter Halama
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Ein Autobus der „Wienerwald-Kraftwagen-Verkehrsgesellschaft Wanas“ aus Purkersdorf. Er fährt gerade von „An der Stadthütte“ den Wienerwaldsee entlang nach Wolfsgraben. Das Foto entstand in den 1930er-Jahren. © Verlag Villa Wiental - Räume für Träume. Mag. Dieter Halama
Der Meilenstein nach St. Pölten. Er steht vor dem 1786 gebauten Mauthaus in Purkersdorf und gibt die Entfernung nach St. Pölten auf zwei Wegen an: sechs Meilen auf der alten Reichsstraße und fünf Meilen auf der jüngeren Verbindung über Neulengbach. Eine österreichische Postmeile sind ca. 7,6 Kilometer.
Die Wientalstraße auf der rechten Seite des Wienflusses mit der Auhofbrücke. Damals gab es die Schnellstraßen auf Betonrampen noch nicht, doch schon in den Jahren 1934 bis 1937 wurde die Verkehrsachse entlang des Wienflusses bis Schönbrunn als Schnellstraße ausgebaut und praktisch zur verlängerten Westautobahn. © Österreichische Nationalbibiliothek
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Der Bau der Brücke für die Hadikgasse über den Wienfluss im Jahr 1966. Im Hintergrund ist der Abschlussturm der Rückhalteanlagen beim Auhof zu sehen. © Wiener Stadt- und Landesarchiv
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Ein weiteres Foto über den Bau der Brücke für die Hadikgasse über den Wienfluss aus dem Jahr 1966, diesmal vom Nikolaisteg stadteinwärts fotografiert. © Wiener Stadt- und Landesarchiv
Dieses ebenfalls im Jahr 1966 aufgenommene Foto zeigt die aufwändig betonierte Auskragung der linken Wientalstraße, und zwar den Abschnitt vom Hackinger Steg stadteinwärts. Zu sehen ist noch das 1966 durch einen Neubau ersetzte eiserne Tragwerk © Österreichische Nationalbibiliothek
Ein Blick von der Lothringerstraße auf den Karlsplatz über einen Teil der als Prachtstraße geplanten Einwölbung des Wienflusses um 1910. Damals konnte man noch ungestört die Prachtbauten entlang dieser Straße genießen. Heute herrscht auch hier dichter Verkehr. © HMW 242.796
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Bis in die 1960er-Jahre wurden gesammelte Schneemassen durch geöffnete Kanalgitter auf Brücken in das Flussbett geleert. Damit soll aber der Beton beschädigt worden sein. Die Ablagerung der Lkw direkt im Flussbett war auch später noch üblich. © Bezirksmuseum Penzing
Furten und Brücken
Die Überquerung der Wien erfolgte ursprünglich durch Furten an seichten Stellen. Fuhrwerke mussten sich bis in die 1830er-Jahre mit den Furten begnügen, die bis dahin errichteten Holzstege waren Fußgehern vorbehalten. An zwei Stellen gab es schon im Mittelalter steinerne Brücken: ab 1404 die Steinerne Brücke beim Kärntnertor, die 1854 (bis zur Regulierung 1897) durch die Elisabethbrücke ersetzt wurde, und ab 1402 die Steinerne Brücke beim Stubentor, wo sich heute die Stubenbrücke befindet.
Dem steigenden Bedarf folgend wurden die Holzstege im 19. Jahrhundert zu Brücken aus Eisen oder Stein erweitert. Zum Beispiel wurde der Holzsteg im Bereich der heutigen Lobkowitzbrücke 1820 durch eine hängende Drahtbrücke ersetzt. Diese erwies sich aber als untauglich und wurde 1837 durch die sogenannte Eisenbogenbrücke, kurz Eiserne Brücke, ersetzt. Der erste, der über diese Brücke fuhr, war der damalige Regierungsvertreter Fürst August Longin von Lobkowitz, nach dem sie benannt wurde. Sie war von einer Aktiengesellschaft erbaut worden, die für jedes Stück Schlacht- oder Zugvieh, das die Brücke passierte, eine Maut (ein bis zwei Kreuzer) einhob. Das Recht hierzu blieb bis 1877 bestehen, als die Brücke zum öffentlichen Gut erklärt wurde. Anlässlich der Regulierung der Wien wurde sie 1898 abgerissen und durch eine neue ersetzt, die auch das Stationsgebäude Meidlinger Hauptstraße der neuen Stadtbahn trug.
Ab 1895 wurden fast alle steinernen, eisernen und hölzernen Brücken in Wien der Regulierung geopfert. Im Bereich der damaligen Kaiser-Franz-Joseph-Brücke (heute: Kennedybrücke) bis zur Johannesgasse wurden alle notwendigen Straßenüberführungen als gewölbte Betonbrücken hergestellt, um sie in die geplante Einwölbung integrieren zu können.
Einige der alten Brücken wurden oberhalb der Hietzinger Brücke wieder aufgestellt. St.-Veit-Brücke (ehem. Kaiser-Franz-Joseph-Brücke), Baumgartenbrücke (ehem. Lobkowitzbrücke), Braunschweigbrücke (ehem. Kaiser-Joseph-Brücke) und Badhaussteg (ehem. Wackenroder Steg) sind heute noch in Verwendung, die anderen wurden in den 1960er-Jahren durch Spannbetonbrücken ersetzt.
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Für jedes Stück Schlacht- oder Zugvieh, das die Brücke passierte, wurde eine Maut (ein bis zwei Kreuzer) erhoben.
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Eine Ansicht Wiens mit der 1854/55 gebauten Radetzkybrücke von Rudolf von Alt, um 1870. Sie folgte der 1851 durch ein Hochwasser zerstörten hölzernen Weißgerberbrücke als letzte Wienflussbrücke vor der Mündung in den Donaukanal. Eine hölzerne Brücke bestand hier schon im 15. Jahrhundert, überliefert sind Umbauten im Jahr 1804 und Ende der 1820er-Jahre. Im Zuge der Wienflussregulierung wurde die oben abgebildete Radetzkybrücke durch eine Eisenbrücke ersetzt. © Christian Nebehay
Der Zollamtssteg und die schräg darunter liegende Zollamtsbrücke der Stadtbahn um 1901. Diese Brückenkombination folgte im Zuge der Regulierung des Wienflusses und des Baus der Stadtbahn einem 1868 eröffneten hölzernen Steg. Letzterer war einem 1849 weiter oben hergestellten und durch das Hochwasser 1851 weggerissenen Steg gefolgt.
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Die 1397–1404 errichtete Steinerne Brücke beim Stubentor. Sie wird in dieser Rundansicht von der Türkenbelagerung 1529 erstaunlich realitätsnah dargestellt.
Stadtansicht 1559 von Hanns Sebald Lautensack. Der Untergang des Assyrerkönigs Sennacherib vor Jerusalem wird hier vor den Toren Wiens allegorisch für die Türkenbelagerung dargestellt. Der 1530 begonnene Umbau der Stadtbefestigung ist fortgeschritten. Links der Predigerturm, rechts die Stubenbrücke über den Wienfluss. © HMW
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Die Stubenbrücke vor Beginn der Regulierungsarbeiten. Ihr markantes Äußeres verdankt sie den 1827 durch einen Anbau hergestellten Fußwegen. Damals wurde die Brücke zur Verbesserung der Zufahrt zur damaligen Hauptmauth am linken Ufer verkürzt und hatte dann statt der ehemaligen acht nur mehr sechs Brückenpfeiler.
Ein Blick gegen die Vorstadt Landstraße im Jahr 1780 von der heutigen Ecke Stubenring/Weiskirchnerstraße aus. Zu sehen sind in der Bildmitte ist die Stubenbrücke über den Wienfluss, dahinter das Invalidenhaus und daneben die Elisabethinenkirche, die Nikolaikirche (1783 abgebrochen) und die Rochuskirche. © HMW
Die neue Stubenbrücke um 1901
Die Brücken im Stadtpark sind hinsichtlich ihrer Lage und ihrer Benennung schwer nachvollziehbar. Ursprünglich gab es zwischen Stubenbrücke und der späteren Schwarzenbergbrücke (früher Mondschein Brücke) nur eine Brücke über den Wienfluss und zwar in Verlängerung des Weges vom Karolinentor über das Glacis in Richtung heutige Salesianerstraße. Sie ist in alten Plänen nicht oder als Karolinen Brücke bezeichnet. 1850 wurde der alte Holzsteg durch eine gemauerte Bogenbrücke ersetzt, diese. Diese wurde fast umgehend durch das Hochwasser vom 18. Mai 1851 zerstört. 1857 wurde an dieser Stelle die auf der folgenden Seite abgebildete Eisenbrücke eröffnet. In den 1860er-Jahren entstand im Zuge der Stadterweiterung der Bedarf einer befahrbaren Brücke an dieser Stelle. Im Zuge der Errichtung des Stadtparks wurde die Eisenbrücke abgetragen und weiter unterhalb, in der Mitte des Stadtparks gegenüber dem Hauptmünzamt, wieder aufgestellt. In den damaligen Projektbeschreibungen wurde die Brücke Giselabrücke genannt, 1865 jedoch vom Gemeinderat die bisherigen Bezeichnung Karolinen Brücke festgelegt. Im Zuge der Wienflussregulierung wurde die Konstruktion in gehobener und neu fundierter Weise erhalten. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde sie 1949 durch ein Provisorium ersetzt, das mit der Bezeichnung Stadtparksteg in Verwendung blieb.
Die anstelle der abgetragenen Karolinen Brücke etwas weiter flussaufwärts im Verlauf der Johannesgasse errichtete Fahrbrücke wurde zunächst Johannesbrücke, bald aber Tegetthoffbrücke genannt. Sie wurde von 1870 bis 1972 als Eisenbrücke ausgeführt. Sie musste der Einwölbung des Wienflusses, die bis zum Beginn des Stadtparks reicht, weichen, ihr Tragwerk wurde für die Ungarbrücke verwendet.
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Die Karolinenbrücke nach Beendigung der Regulierungsarbeiten um 1901. Die Regulierungsarbeiten hatte sie mit geringfügigen Änderungen überstanden, im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört. Die 1949 als Provisorium errichtete Holzbrücke wurde Stadtparksteg genannt. Der 1987 von Hermann Czech gestaltete Neubau behielt diesen Namen.
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Eine Ansicht der Karolinenbruecke im Stadtpark vor Beginn der Regulierungsarbeiten. Die 1857 nach dem Neville-System gebaute Eisenbrücke war vor dem Karolinentor der Stadtmauer eingesetzt. Nach der Schleifung der Basteien wurde sie als erster Stadtparksteg wiederverwendet und ab 1872 Karolinenbrücke genannt.
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Öffentlicher Einzug des französischen Botschafters Marquis Mirepoix in Wien am 12. Oktober 1738. Der Prunkwagen des Botschafters passiert gerade die Steinerne Brücke über den Wienfluss vor dem Kärntnertor. Die Gouache von Johann Gfall mit dem Einzug der Prinzessin Maria Isabella von Bourbon-Parma im Jahr 1760, der ebenfalls über diese Brücke führte, zeigt das Coverbild dieses Buches.
Diese steinerne Brücke dürfte schon im 13. Jahrhundert errichtet wurden sein. Ursprünglich hatte sie neun Bögen, die späteren Abbildungen zeigen jedoch nur mehr sechs Bögen, die anderen drei auf der Stadtseite wurden Zuge von Uferregulierungen verschüttet. Schließlich wurde auch ein Wehr angebracht, um Wasser zum Betrieb der Werkstätten der k. k. Münze im Stadtgraben leiten zu können. Beschädigungen durch Überschwemmungen, vor allem jene in den Jahren 1784 und 1839, machten kostspielige Reparaturen notwendig und schließlich stellte sich die Frage eines Neubaus. Darüber hinaus wurde eine Verbreitung notwendig. Ab 1845 wurde diesbezügliche Projekte entworfen und im folgenden Jahr eines genehmigt, doch führten die Verhältnisse des Jahres 1848 zu neuerlichen Verzögerungen in den fortgeschrittenen Vorbereitungsarbeiten. Doch bald wurde klar, dass der große Wagen- und Personenverkehr eine breitere Brücke dringend erfordert und die alte Brücke nicht mehr restauriert werden konnte. Nach einigen Maßnahmen zur Kostenreduktion wurde der Neubau 1849 durch den Gemeinderat der Stadt Wien genehmigt. Die alte Brücke wurde am 16. September 1850 abgesperrt und mit dem Abbruch begonnen.
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Eine Ansicht der Elisabethbrücke mit Karlskirche um 1895 in einer Fotografie von Johann Stauda
Die Elisabethbrücke um 1890 flussaufwärts fotografiert. Fotografie von Johann Stauda © HMW, Inv.Nr. 32.529
Die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau der Brücke wurden Anfang September 1850 begonnen, durch das Hochwasser vom 18. Mai 1851 jedoch unterbrochen und erst im Oktober desselben Jahres wieder aufgenommen. Das Hochwasser war so gewaltig, dass es die neue gemauerte Brücke am Wasserglacis mitgenommen hatte. Dennoch wurde der Bau in geplanter Weise fortgeführt, allerdings mit einer tiefer gelegten Fundierung. Am 23. April 1854 erfolgte die Eröffnung für den öffentlichen Verkehr, und zwar mit dem feierlichen Einzug der Allerdurchlauchtigste Kaiserbraut. Dieses Ereignis gab der Brücke den Namen „Elisabethbrücke“. Die Kosten des Baues beliefen sich auf 416.000 Gulden.
Das Theater an der Wien mit der Schikaneder Brücke (Schikandersteg) im Jahr 1880 in einem Aquarell des aus Mailand stammenden Landschaftsmalers Johann Varrone (Giovanni Varoni, 1832–1910).
© Bezirksmuseum Wieden
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Die Elisabethbrücke 1888, Aquarell und Deckfarbe von Johann Varrone. Diese beliebte Darstellung mit der Karlskirche im Hintergrund nützt das malerische Zusammenspiel von natürlicher Flusslandschaft und charakteristischer Architektur. © HMW, Inv. Nr. 242.944
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Die Leopoldsbrücke 1888, ebenfalls ein Aquarell des aus Mailand stammenden Landschaftsmalers Johann Varrone © Bezirksmuseum Wieden
Die Rudolfsbrücke im Jahr 1888, ebenfalls in einem Aquarell von Johann Varrone
© Bezirksmuseum Wieden
Die Brücke über den Wienfluss, die Stadbahn und die Gumpendorfer Zeile knapp nach der Fertigstellung. Hinter der Brücke ist der 1912 abgebrochene Behälter des Gaswerks Gaudenzdorf zu sehen.
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Der Holzsteg und die Furt bei der heutigen Kennedybrücke. Bleistiftzeichnung von Franz Barbarini. Vom Penzinger Ufer aus reicht der Blick über die Furt neben dem Holzsteg und durch die heutige Hietzinger Hauptstraße bis zur Pfarrkirche Maria Hietzing. © HMW, Inv.Nr. 45.251
Die Brücke zwischen Hietzing und Penzing um 1840. Rechts ist das Scheysche Stiftungshaus zu sehen.
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Die Hietzinger Brücke mit der Station Hietzing im Jahr 1961 kurz vor der ersten grundlegenden Veränderung. Sie sollte nach dem Endausbau der von Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer gestalteten Einwölbung das flussaufwärtige Portal der Einwölbung darstellen und war deshalb so reich ausgestaltet. Bis heute erhalten geblieben sind nur der 1899 im Jugendstil erbaute Otto-Wagner-Hofpavillon (Gebäude mit Kuppel) und die beiden Bronzeplastiken (Kronen tragende Adler) links und rechts auf der Brücke über den Wienfluss. Von den beiden Majestäts-Monogrammen darunter ist eines im Bezirksmuseum Hietzing ausgestellt. © Bezirksmuseum Hietzing
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Die Hietzinger Brücke 1965 in einer Radierung von U. F. Dworschak (1896–1985)
Blick über die Franz Carl-Brücke um 1898. Links ist das Mühlenwirtshaus vor den Schloten der Färberei Seidel zu sehen. Rechts schließen die später in die Färberei integrierte Lederey und über der Straße die Seifenfabrik mit angebautem Arbeiterwohnhaus an. © Archiv Klötzl
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Die Lithographie von Tobias Dionys Raulino um 1820 zeigt den Hackinger Steg und die Furt davor. Am Ufer sind zwei Gebäudeteile der Hackinger Mühle zu sehen (die eigentliche Mühle mit Mühlbach und die Lederei waren dahinter) und rechts anschließend das große und das kleine Gebäude beiderseits des Torbogens waren der bis 1877 gehaltene letzte Besitz des Deutschen Ordens in Hacking mit dem herrschaftlichen Wirtshaus. Rechts davon beginnt die Druckfabrik. © Bezirksmuseum Penzing
Die Kielmannseggbrücke in Weidlingau. Dieses Foto aus dem Jahr 1901 zeigt den Bau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Brücke. © Stadtarchiv Purkersdorf
Die Kielmannseggbrücke im Jahr 1931 © Stadtarchiv Purkersdorf
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Eine Ansicht des Vorgängers des heutigen Alois-Czedik-Steges ungefähr zur Zeit der Regulierungsarbeiten. Dieser Fußgeherübergang ist flussabwärts gesehen die erste Brücke auf Wiener Boden.
© Bezirksmuseum Penzing
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Die Belastungsprobe der Wienflussbrücke bei der Mostschank, dem späteren Lindenwirt in Purkersdorf. Die Belastungsprobe fand am 6. Oktober 1880 statt. Per Holzlatte wurde die Senkung der Konstruktion gemessen. © Stadtarchiv Purkersdorf
Diese Brücke über den Wienerwaldsee querte den See knapp nach der Einmündung des Wienflusses. Heute bestehen nur mehr Reste der gemauerten Pfeiler. © Verlag Villa Wiental - Räume für Träume. Mag. Dieter Halama
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„Die Kirche in Gablitz“ Nach der Natur gezeichnet von J.J. Kirchner, veröffentlicht 1874 in der „Neuen Illustrirten Zeitung“ Nr. 16. Das Bild zeigt unter der Kirche das unter Denkmalschutz stehende Haus Bachgasse 5 (ehemalige Mühle) in Gablitz und die Furt durch den Gablitzbach.
Die Mühlen
Die früheste Nutzung der Kraft des Wassers erfolgte durch Mühlen. Zu ihrem effizienten Betrieb waren Wehre zum Aufstauen des Flusses und davon abgeleitete Mühlbäche notwendig. Diese Mühlbäche waren meist ausgebaute Seitenarme des Wienflusses und konnten sehr lange sein. Man kann sogar behaupten, dass alle Mühlen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Wien von einem einzigen Mühlbach betrieben wurden, der sich vom Mariabrunner Wehr bis zum Donaukanal erstreckte. An den vier weiteren Wehranlagen, die es gab (das Wehr bei der heutigen Preindlgasse, das Große oder Meidlinger Wehr, das Steinerne oder Gumpendorfer Wehr und ein Wehr nahe der Innenstadt) wechselte er bloß die Flussseite. Alle Mühlen des Wienflusses waren somit „in Serie“ geschaltet und niemals parallel, und jeder Müller wachte eifersüchtig, dass nichts abgezweigt wurde. Nur zwei Ausnahmen sind bekannt: Vom 1793 errichteten Gaudenzdorfer Wehr unterhalb des Meidlinger Wehrs wurde Wasser nach links zur Pfeifferschen Lederfabrik geleitet, und die 1803 errichtete Neumühle in Ober St. Veit hatte einen eigenen, bei Hacking abgeleiteten Mühlbach. Eine 1780 aufgelassene „Gaudenzdorfer Mühle“ (CNr. 127 bzw. später Steinhagegasse 9) kann hier nicht eingedordnet werden.
Über das Alter der Mühlen kann nur spekuliert werden, doch ist davon auszugehen, dass sie schon in der frühen karolingischen Siedlungstätigkeit eine Rolle spielten. Während der intensiven Besiedelung im 11. und 12. Jahrhundert war es das Grafengeschlecht der Formbacher auf Stift Göttweig, das eine Siedlungsbewegung von St. Pölten bis Purkersdorf und durch das Wiental führte. Bis zum Aussterben ihres Geschlechts Mitte des 12. Jahrhunderts wird ihnen Besitz an beiden Ufern der Wien bis östlich von Gumpendorf zugeschrieben. Erst dann wurden die Babenberger zur bestimmenden Kraft im Wiental. Die ersten Urkunden, die einen Mühlbach und Mühlen vor der Stadt bestätigen, stammen aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie beurkunden in weiterer Folge eine führende Stellung der Heiligengeistmühle des Heiligengeist-Spitals in der Nähe der späteren Bärenmühle.
Die Mühlen und ihre Standorte haben sich im Laufe der Zeit verändert. Manche wurden nach Zerstörungen wieder aufgebaut, andere aufgegeben. Die Ursachen waren vielfältig. Überschwemmungen zerstörten die
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Es ist davon auszugehen, dass die Mühlen bereits in der Karolingerzeit eine Rolle spielten.
teuren Wehre, Kriege und Brände die Mühlen. Auch die Namen der Mühlen konnten sich über die Jahrhunderte mehrmals ändern. Sie wurden ja oft nach ihren Besitzern oder nach ihren Pächtern benannt und diese wechselten eben häufig.
Die Zählung der Mühlen an der Wien zu einem bestimmten Zeitpunkt wird durch die vielen Änderungen erschwert. Anton Schachinger zählt in seinem Buch über den Wienerwald für das 17. Jahrhundert 16 Mühlen auf, davon eine in Purkersdorf, eine in Gablitz (am Gablitzbach), eine in Hadersdorf (am Mauerbach), eine in Hacking, eine am Gluthafen, eine in Hütteldorf, eine in Baumgarten und neun Mühlen weiter stadteinwärts. Für Preßbaum wird um 1830 eine Hammerschmiede genannt. Zählt man die im Franziszeischen Katasterplan eingezeichneten Mühlen, kommt man alleine auf dem Gebiet des heutigen Wien auf die Zahl 14.
Die schwankende und durchschnittlich geringe Wasserführung der Wien setzte der Größe der Mühlen mit zwei oder drei Gängen (das ist die Anzahl der Mahlwerke, in der Regel ident mit der Anzahl der Mühlräder) eine natürliche Grenze und nur zwei Mühlen dürften über vier Gänge verfügt haben: die Bärenmühle und die Hietzinger Mühle. Damit waren sie mit den meisten Mühlen im Wienerwald vergleichbar, doch an der Schwechat standen Mühlen mit bis zu sechs und an der Leitha mit bis zu zehn Gängen und mit dementsprechend höherer Produktionsleistung.
Auch der ursprüngliche Zweck der Mühlen, nämlich Getreide (laut Hans Sachs‘ Versen aus dem 16. Jahrhundert auch Hirse, Erbsen, Stockfisch und Gewürze) zu mahlen, dehnte sich mit der zunehmenden Gewerbetätigkeit auf den Nicht-Lebensmittel-Bereich aus. Genannt werden der Betrieb von Schmiedehämmern und Schleifsteinen, das Schleifen von Holz und anderer Materialien und Stampfmühlen.
Eine Mühle erledigte aber nicht nur ihre jeweilige Hauptaufgabe, sondern war oft Ausgangspunkt einer weitergehenden Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung. Die Mühlbäche und Mühlen brauchten Holz und technische Einrichtungen, also siedelten Händler und Handwerker in ihrer Nähe. Das Getreide musste angeliefert werden, also mussten die angrenzenden Verkehrswege inklusive der Stege dafür geeignet sein. Es musste ausreichende Lagermöglichkeiten für das angelieferte Getreide geben, also wurden entsprechende Nebengebäude errichtet. Die Kunden mussten oft lange warten, bis sie an der Reihe waren, also entstanden Gasträume. Die Gäste hatten Durst und Hunger, also wurde Bier gebraut und ausgeschenkt (aber auch Wein) und es entstanden Wirtshäuser. Im Laufe der Zeit entstanden auf diese Art ganze Siedlungen und Orte um eine Mühle. Als Beispiel kann die kleine Gemeinde Mühlfeld angeführt werden, die sich um die Schleifmühle bildete.
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Die Mühlen waren oft Ausgangspunkt einer weitergehenden Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung.
Doch auch die Ära der Wassermühlen ging zu Ende. Der erste Mühlbach und seine Mühlen fielen den wachsenden Verteidigungsanlagen Wiens zum Opfer. Nach der Ersten Türkenbelagerung 1529 wurden nicht alle wieder aufgebaut, nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 war die der Heiligengeistmühle folgende Bärenmühle (abgesehen von der später entstandenen Staubmühle bei der Stubenbrücke) die unterste Mühle an der Wien. Das eigentliche Mühlensterben begann mit der übermächtigen Konkurrenz durch die mit Dampfmaschinen betriebenen Großmühlen. Der oft monatelange Stillstand der Mühlen wegen Wassermangels am Anfang des 19. Jahrhunderts tat sein Übriges. Dass die Rolle der Wien als Mühlwasser zu Ende ging, störte aber eher nur die romantischeren Gemüter, denn die meisten Bewohner hielten die Mühlbäche mit dem Wasser der verschmutzen Wien für gesundheitsschädlich und befürworteten deren Zuschüttung. Der gewonnene Platz und das wegfallende Verkehrshindernis waren willkommen. Folgerichtig wurde im vom Hochwasser arg gezeichneten Jahr 1847 der Gumpendorfer Mühlbach und 1856 der Wiedner Mühlbach aufgelassen und die Mühlenbesitzer bekamen Entschädigungen. Das nahe Gaudenzdorfer Wehr bestand bis zum Hochwasser 1875.
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Diese Zeichnung ca. aus dem Jahr 1781 zeigt die Nutzung des Wienflusses und seiner Nebenflüsse durch Mühlen. Es sind auch Teiche und ehemalige Klausen eingezeichnet. © WStLA
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Einen langen Existenzkampf führten einzelne Anrainer der Mühlbäche von Hütteldorf bis Hietzing, obwohl das Wehr bei der heutigen Preindlgasse schon im Katasterplan 1819 nicht mehr eingezeichnet war. Zunächst bekamen die Feldmühle in Unter St. Veit und die Faistmühle in Hietzing das Wasser von dem bei Hacking abgeleiteten neuen Werkskanal der 1803 gegründete Neumühle in Ober St. Veit. Als der versandete, wurde im Bereich des alten Wehres sogar eine Trogbrücke errichtet und das Wasser des jenseitgen Mühlbaches über die Wien herübergeholt. 1884 wurde ein langwieriger, vor allem von der Faistmühle in Hietzing betriebener Streit über die Reparatur der Strecke vom Durchlass unter der Westbahn bis herüber geführt.
Mit der Regulierung um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert verschwand auch diese Trogbrücke. Die Ursache ist allerdings unbekannt, denn das wegfallende Mariabrunner Wehr wurde durch Ableitungen aus der Wien und aus dem Mauerbach ersetzt und der obere Mühlbach durch Hütteldorf und Baumgarten blieb bestehen. In den 1920er-Jahren bestand allerdings nur mehr der Hütteldorfer Teil des Mühlbaches bis zum Halterbach und nur mehr das Hütteldorfer Bad dürfte sein Wasser verwendet haben.
Nach dem Ende der Mühlen blieb die Stadt reich an Hinweisen auf diese, z.B. in der Wieden, wo die Mühlgasse den Verlauf des Mühlbaches nächst dem noch bestehenden Gebäude der Heumühle in das Stadtbild zeichnet und Wehrgasse, Heumühlgasse und Schleifmühlgasse eng beieinander liegen. Mit der Eingemeindung der Vororte nach Wien sind diese Hinweise aber weniger geworden, schließlich durfte es im erweiterten Wien jeden Straßennamen nur einmal geben. Die heutige Ullmannstraße etwa hieß einst – wie viele andere Gassen auch – Mühlbachgasse.
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Die einstige Hammerschmiede in Pressbaum, hier in einem Bild von Joseph Heideloff. Mit Bewilligung des Waldamtes wurde sie 1738 von Ferdinand Mahl an der Mündung des Saubaches erbaut. Das Werk fiel dem Bau der Westbahn 1856/58 zum Opfer. Heute ist dort die Klostergasse schräg unter dem Bahndamm. Johann Kolb, Bürgermeister von 1850–1864 bzw. 1870–1872, war letzter Hammerschmied. Hergestellt wurde alles, was Waldarbeiter benötigten (Äxte, Sensen, Sicheln etc.). © Heimatmuseum Pressbaum
Das Wienflusswehr (Pragerwehr) in Purkersdorf im Bereich des Gasthofes Staubmann. Die Ableitung des Mühlbaches befand sich ganz rechts. Sein Wasser füllte das Deutschwaldbach (heute: Purkersdorfer Bad) und lieferte die Kraft für die Prager Mühle gleich daneben. © Stadtarchiv Purkersdorf
Der Neubau des Prager Wehrs im Dezember 1911 (Foto oben) und im September 1912 mit Pilotierungsarbeiten (Foto unten) © Stadtarchiv Purkersdorf
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Das Prager Wehr in Purkersdorf während eines kleines Hochwassers am 25. Mai 1912 vom linken Ufer aus gesehen (Foto oben) und vom rechten Ufer aus gesehen (Foto unten). Im Vordergrund des Fotos unten befindet sich auf der linken Seite der Abfluss des Mühlbaches zum Deutschwaldbad und zur Prager Mühle. © Stadtarchiv Purkersdorf
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Die Gebäude der Pragermühle an der Deutschwaldstraße in Purkersdorf um 1910. Den Namen hatte die Mühle nach dem Eigentümer Wenzel Prager, der von 1867 bis 1891 mit drei Unterbrechungen Bürgermeister von Purkersdorf war. Nach einen früheren Betreiber hieß die Mühle auch Stieglmühle. Hinter der Mühle ist die Marienkapelle zu sehen. © Stadtarchiv Purkersdorf
Die Marienkapelle in Purkersdorf in den 1930er-Jahren. Hier wurde das heute über dem Altar der Pfarrkirche zu sehende Gnadenbild aufbewahrt. Vor der Kapelle ist der Eingang zum ehemaligen Deutschwaldbad zu sehen. Es bestand schon vor 1900 und wurde durch den Wienfluss gespeist.
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Die Prager Mühle auf einer Ansichtskarte kurz vor dem Abriss 1959. Gemeinsam mit der Marienkapelle musste sie der neuen Umfahrungsstraße (Tullnerbachstraße) weichen. Die Marienstatue aus dem 18. Jahrhundert an der Außenwand der Mühle wurde vermutlich von einem Kartäusermönch aus Mauerbach geschaffen. Die Statue wurde nach der Restaurierung 1964 bei der Pfarrkirche aufgestellt.
Die heutige Deutschwald-Marienkapelle und links dahinter die neuen Gebäude auf dem Areal der Pragermühle. Die neue Kapelle wurde als Erinnerung an die 1959 abgebrochene Barockkapelle gebaut und 1965 eingeweiht. Der eingemauerte Grabstein erinnert an den Müllermeister Johann Denkh.
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Schräg hinter dem Areal der Prager Mühle erinnert ein Privathaus an den Mühlenstandort.
Das Modell des Wientals im Bezirksmuseum Penzing zeigt die Ableitung des Mühlbaches bei Mariabrunn vor der Regulierung. Unterhalb der Kirche und dem ehemaligen Kloster Mariabrunn ist der Zusammenfluss von Wien und Mauerbach dargestellt und gleich danach das Wehr mit der Ableitung des Mühlbaches.
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Die Forstakademie in Mariabrunn auf einem Holzstich nach einer Zeichnung von J. Brunner. Eine seltene Ansicht, die auch das Mariabrunner Wehr zeigt.
Der Mühlbach beim Linienamt in der Linzer Straße. Dieses Gewölbe und der Graben davor sollen die Reste des ehemaligen Mühlbaches sein. Der Mühlbach verlief um das Linienamt zur Glutmühle.
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Die Glutmühle war die am Wienfluss höchstgelegene Mühle Wiens. So präsentierte sich der Vorhof und das Einfahrtstor der Glutmühle in der Uttendorfgasse 11 in den 1930er-Jahren. Zu dieser Zeit war der Mühlenbetrieb längst eingestellt. © Karl Fischer
Blick in den Innenhof des Hauses Uttendorfgasse 11. Im Jahr 2013 wurde auch der letzte Bauteil dieser Mühle abgebrochen. Der Name des Kleingartenvereines Glutmüllerwiese erinnert an das Areal um die ehemalige Glutmühle © Karl Fischer
Auf dem Weg von der Glutmühle floss der ehemalige Mühlbach auch durch das Areal des Miller-Aichholz-Schlössls. Steinbrücken überquerten ihn. Dieses gemauerte Geländer hat bis heute überlebt und schmückt ohne weitere Funktion den heutigen Park des Europahotels. Das Gelände um den ehemaligen Mühlbach ist längst eingeebnet.
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Der Rest des einstigen Mühlbaches im Park des Miller-Aichholz Schlosses, fotografiert im Jahr 1996.
© Archiv Klötzl
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An dieser Stelle floss in den 1930er-Jahren der Mühlbach in den Halterbach. Der von links kommende Mühlbach floss unter dem Halterbach hindurch, um sich erst nachher mit diesem zu vereinigen. Kurz vor dem Zusammenfluss überquerte der Halterbach demnach den Mühlbach auf einer künstlichen Brettersohle. Es war dies offensichtlich die einfachste Lösung zur Beendigung des früher weiter zur Hütteldorfer Mühle fließenden Mühlbaches.
Der Mühlbach auf dem Weg von Hütteldorf zur Hackinger Mühle um 1825. Links im Hintergrund die Hütteldorfer Brauerei, rechts die Kirche und im Vordergrund der Mühlbach. © Bezirksmuseum Penzing
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Die Hütteldorfer Bauerei um 1880. Aus der Mühle in Hütteldorf ging nach Erhalt der Brauberechtigung die Hütteldorfer Brauerei hervor. Auf dieser Darstellung unterquert der Mühlbach das Brauereigelände und fließt dann offen Richtung Hackinger Mühle. © Bezirksmuseum Penzing
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Dieser kolorierte Stich zeigt rechts die von einer Mauer umgebene Hackinger Mühle um 1800. Schon sehr früh (1684) wird bei der Mühle eine „Lederey“, also eine vorindustrielle Ledererzeugung, genannt. Allmählich entstand hier – wie bei anderen Mühlen auch – eine Gewerbeansiedlung bis hin zur Färberei Seidel. Ab 1848 diente die Mühle als Laub-, Holz- und Materialstampfmühle. Am Fuß des Hagenberges sind das Schloss Hacking und rechts zum Fluss hin das Dorf Hacking zu sehen.
Das Wehr beim heutigen Preindlsteg. An dieser Stelle „überquerte“ der Mühlbach den Wienfluss. Dieser Ausschnitt eines Aquarells von F. A. Gruß, das im Zuge der Projektierung der Maria-Theresien-Straße erstellt wurde, zeigt die Situation im Jahr 1762. Von der Herrschaftlichen Mühle in Baumgarten kommend fließt der Mühlbach von links in die aufgestaute Wien und auf der anderen Seite setzt er seinen Weg zur Feldmühle fort. Das Wehr verschwand um die Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert; der rechtsseitige Mühlbach und die weiter oben 1803 entstandene „Neumühle“ bezogen dann ihr Wasser von einer Ableitung bei Hacking. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte eine Trogbrück die Verbindung mit dem Baumgartner Mühlbach wieder her.
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Diese Ansicht zeigt rechts die Feldmühle und im Hintergrund Kirche und Schloss St. Veit und Schloss Hacking. Der sichtbare Weg ist die heutige Auhofstraße als damals wichtigste Verbindung nach Hietzing, der Bach davor ist der von der Feldmühle weiterfließende Mühlbach. © HMW
Die Trogbrücke im Jahr 1898. Sie hatte das ehemalige Wehr ersetzt und führte den Mühlbach in der Höhe Preindlgasse über den Wienfluss. Mühlen waren zu dieser Zeit keine mehr in Betrieb, die Trogbrücke aber hatte trotz der bereits weit fortgeschrittenen Regulierungsarbeiten bis dahin überlebt. Danach ist sie nicht mehr nachgewiesen.
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Die Feldmühle nördlich der Auhofstraße, vis-á-vis der Feldmühlgasse in einem Einreichplan aus dem Jahr 1898. Ihre urspünglichen Namen „Mühle im Gottinesfeld“ oder „Gottesfeldmühle“ weisen auf eine bereits im 11. Jahrhundert an dieser Stelle bestehende Mühle hin. Der Plan zeigt die Mühlengebäude an beiden Seiten des Mühlbaches (Grundstücksnummern 245/1 und 246/3). Links die Geleise der Verbindungsbahn.
© Archiv Klötzl
Das Bild unten zeigt den Einreichplan zu einem 1863 geplanten, aber nicht gebauten maschinellen Antrieb für die Hietzinger Mühle. Eingezeichnet sind der Mühlbach, die Radstube und rechts das Wohngebäude Konskriptionsnummer 33 (heute Lainzer Straße 10). Das Wohngebäude besteht heute noch.
© Familie Pelikan
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Dieses Foto zeigt das ehemalige Wohnhaus der Hietzinger Mühle. Der Fassade sind die zahlreichen Umbauten in den über 300 Jahren ihres Bestandes anzusehen. In alter Zeit hieß die Mühle „Mühle im Gern“ (Gern für Zwickel zwischen heutiger Lanzerstraße und heutiger Auhofstraße), später Faistenmühle. Rechts schließt der 1820 errichtete Zubau an (gelb gestrichen).
Eine Ansicht des 1820 errichteten Zubaus zum Wohngebäude der Mühle, fotografiert 1939 vom Zugang aus der Hietzinger Hauptstraße. Die Terrasse kam 1868 hinzu, damals war die Mühle noch in Betrieb. Den Zugangsweg pflastern einige der alten Mühlsteine.
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Der Werkskanal wurde vor der Errichtung des Zubaus zum Wohnhaus eingewölbt; nach Schließung der Mühle geriet er in Vergessenheit. Vor einigen Jahren wurde er wiederentdeckt und das Gewölbe unter dem Stiegenhaus aufgebrochen.
Der Mühlbach unter dem Haus Lainzerstraße 10 ist an beiden Seiten abgemauert und dient jetzt als Keller. Gemeinsam mit dem Mühlbachrest neben dem Linienamt an der Linzerstraße ist er der letzte Zeuge der früher von Mariabrunn bis zum Donaukanal führenden Werkskanäle.
Die Hietzinger Mühle war bis 1886 in Betrieb. Damit hielt sie von allen Mühlen an der Wien den Betrieb am längsten aufrecht. Einige Schilder erinnern an sie und zeugen auch von der Verwendung des Gebäudes nach der Schließung der Mühle.
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Für die Nachfahren der letzten Müllersfamilie Petter waren die Stapel mit alten Mühlsteinen ein beliebter Spielplatz. Das Foto stammt aus den Jahren 1964/65. © Familie Pelikan
Die erste bildliche Darstellung der Hietzinger Kirche aus dem Jahr 1662 zeigt auch den Mühlbach im Bereich der heutigen Hietzinger Hauptstraße. Bis 1512 floss er zur dann verödeten Schleifmühle „zunegst des prikhls gegen der martersäulen“ und dann durch den kaiserlichen Tiergarten nach Meidling. An der Stelle der Schleifmühle steht heute das Kaiserstöckl. © Bezirksmuseum Hietzing
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Der Wienfluss von Schönbrunn bis zur Mollardmühle im Brequin-Plan aus 1755 (nicht genordet). Der von der Hietzinger Mühle kommende Mühlbach floss bis vor das Meidlinger Wehr. Die Kattermühle bei Schönbrunn soll bis 1570 bestanden und bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts als Königliche Mühle fortgelebt haben. Vor dem Meidlinger Wehr bestand noch die Rote Mühle.
Das Theresienbad in Meidling um 1850. Vor der Schlossanlage ist der Wienfluss mit interessanten Details abgebildet. Rechts das Meidlinger Wehr vor dem der Mühlbach durch die heutige Ullmannstraße nach Gumpendorf abgeleitet wurde und links der Steg in der Nähe der späteren Lobkowitzbrücke. Das Boot im viel zu seichten Wienfluss hat wohl nur dekorativen Charakter.
© Bezirksmuseum Meidling
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Ausschnitt aus dem Franziszeischen Katasterplan 1819 mit dem Mühlbach von der Linie bis zum Gumpendorfer Wehr. Eingezeichnet sind die Mollardmühle (früher „Mühle in Gumpendorf“, Pierpreuerin, seit 1680 als Gewürz- und Krätzmühle betrieben, die Dominikanermühle (früher Kutermühle), die Kirchenmühle (auch Anger- oder Aumühle) bei der Kirche zu St. Ägyd und die Dorotheermühle (auch Stampfmühle, Perman-Mühle und zuletzt Hofmühle), sie lebt in der Hofmühlgasse fort.
Die Kirchenmühle in Gumpendorf auf dem Plan von Daniel Huber, 1774. Sie lag unterhalb der Dominikanermühle und lag gleich hinter dem Friedhof der alten Gumpendorfer Pfarrkirche. Die Hölzerne Brücke überquerte auf ihrer Höhe die breite, in mehreren Armen fließende Wien.
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Die Hofmühle um 1780. Aus ihrer alten Bezeichnung Stampfmühle wird abgeleitet, dass sie die einzige Mühle am Wienfluss war, die schon in früher Zeit nicht mahlte sondern stampfte. Der letzte bedeutende Besitzer war der ab 1826 nachweisbare Karl Hof. Er ist möglicherweise für den letzten Namen der Mühle verantwortlich. Links im Hintergrund ist der Wienfluss zu sehen und am gegenüberliegenden Ufer die Pfarrkirche St. Josef in Margarethen (Sonnenhofkirche). © Bezirksmuseum Mariahilf
Ausschnitt aus dem Fraziszeischen Katasterplan 1819 mit dem Mühlbach vom Gumpendorfer Wehr bis zur Bärenmühle. Eingezeichnet sind die Heumühle (auch Steinmühle), die Schleifmühle (um die Mühle entwickelte sich die kleine Gemeinde Mühlfeld) und die Bärenmühle (Nachfolgerin der Heiligengeistmühle). Oberhalb der Heumühle soll es eine Hundsmühle gegeben haben.
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Modell der alten Heumühle im Bezirksmuseum Wieden. Es wurde von Ing. Alfred Nußgruber, der das Bezirksmuseum Wieden von 1983 bis 1989 leitete, angefertigt. © Bezirksmuseum Wieden
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Die brennende Heumühle im Meldemann-Plan 1529. Sie wurde 1539 wiedererrichtet.
© Wien Museum
Zwei vergleichbare Ansichten der Heumühle: oben in einer im Bezirksmuseum Wieden ausgestellten Kohle/Rötelzeichnung von Ludwig Zenk aus dem Jahr 2005. Die Mühle hatte 1856 mit der Zuschüttung des Mühlbaches ihre Funktion verloren, wurde in der Folge als Werkstätte genutzt und geriet zunehmend in Vergessenheit. Die Bausubstanz verfiel. Unten in einem Foto vor der Restaurierung
© Bundesdenkmalamt
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Das Innere der Heumühle während der Restaurierung im Jahr 2008. Diese bemerkenswerte Holzkonstruktion geht auf die letzte große bauliche Veränderung von 1815 bis 1818 zurück. In dieser Bauphase entstanden auch die für Mühlen ungewöhnlichen Kielbogen- bzw. Spitzbogenfenster.
© Bundesdenkmalamt
Die restaurierte Heumühle im Hof der Adresse Schönbrunnerstraße 2, fotografiert am 12. Dezember 2013. Das Gebäude wurde 2008 in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt restauriert. Es soll der älteste erhaltene Profanbau Wiens sein, die Grundmauern stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert und das Mauerwerk aus dem 16. Jahrhundert.
Die Schleifmühle im Jahr 1867. Der Name Schleifmühle ist seit 1580 belegt, als in dem Gebäude die erste österreichische Waffenschleif- und Poliermühle eingerichtet wurde; sie blieb aber auch eine Getreidemahlmühle. Im Volksmund war sie auch als „Mühle in der Froschlacke“ bekannt. 1660 wurde die Mühle sogar zum Adelssitz erhoben und die jeweiligen Besitzer nannten sich „Edle von Mühlfeld“. Sie waren natürlich selbst keine Müller, sondern verpachteten das Gewerbe. Die Mühle wurde 1786 an die Stadt Wien verkauft und war bis zur Zuschüttung des vom Gumpendorfer Wehr abgeleiteten Mühlbaches im Jahr 1856 in Betrieb.
© Bezirksmuseum Wieden
Der Innenhof der Schleifmühle um 1870. © Bezirksmuseum Wieden
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Ein Artikel im „Neuigkeits-Welt-Blatt“
vom 5. Jänner 1895.
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Die Bärenmühle, unten im Huber-Plan 1770, erscheint in den Freihaus-Komplex integriert. Sie wurde auch Heiligengeistmühle bezeichnet, da der Mühlschlag, das Recht die Mühle zu betreiben, von der alten Heiligengeistmühle auf diese übertragen wurde. Auch ihr Betrieb endete mit der Zuschüttung des Mühlbaches 1856.
Das nach der Bärenmühle benannte Gebäude im Jahr 1925, als es längst keinen Mühlenbetrieb mehr gab. Auch das ein seiner Stelle von 1937–1938 errichtete Wohnhaus behielt den Namen Bärenmühle. Der Durchgang von der Operngasse zum Naschmarkt heißt Bärenmühldurchgang. © Bezirksmuseum Wieden
Eine Tafel mit Steinrelief am 1937 erbauten Haus Operngasse 18 erinnert an die Sage vom Bärenkampf. Die Sage erzählt: Im Jahre 1660 wurde der Besitzer der Mühle von einem Bären überfallen und von seinem Knecht, der durch das Fenster der Mühle gesprungen war, gerettet. Die Mühle war laut dieser Inschrift bis 1866 in Betrieb.
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Der Wolmuet-Plan aus dem Jahr 1547 zeigt auch den zwischen den Türkenbelagerungen abhanden gekommenen Mühlbach mit der Spitalsmühle (links) und der Würzburgermühle (rechts). Die Spitalsmühle stand lange Zeit im Besitz des Heiligengeistspitals oder wurde von ihm betriebenen. 1684 musste sie vermutlich als letzte der Mühlen vor der Stadt dem Bau von Verteidigungsanlagen weichen. Die Würzburgermühle war unter anderem auch als Radaunermühle und Paradeismühle bekannt (Lohrmann). Alle im Wolmuet-Plan dargestellten Mühlen wurden nach der Türkenbelagerung 1529 wieder aufgebaut. © Wiener Stadt- und Landesarchiv
Die Würzburger Mühle in einer anderen Version des Wolmuet-Planes.
© Wiener Stadt- und Landesarchiv
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Das unterste Stück des Mühlbaches im Wolmuet-Plan mit der Mühle „bei dem Schlifstein“ als letzte Mühle vor dem Wiener Arm der Donau. Bereits seit spätestens 1453 gehörte eine Schmiede mit Hammer und Schleifstein zur Ausstattung der Mühle (Lohrmann). © Wiener Stadt- und Landesarchiv
Der Meldemann-Plan gibt einen Eindruck von Größe und Bedeutung der Spitalsmühle zur Zeit der ersten Türkenbelagerung 1529. © Wien Museum
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Diese Grafik zeigt eine Rekonstruktion von Wien im Jahr 1529 mit der um 1200 errichteten alten Stadtmauer und seinen befestigten Vorstädten, entnommen aus: Severin Hohensinner: Wild, aber nicht ursprünglich. Wiens Gewässer vor 1683. In: Wasser Stadt Wien. Eine Umweltgeschichte. Hg. vom Zentrum für Umweltgeschichte, Universität für Bodenkultur Wien. S. 44–63.
Diese Grafik zeigt noch einen sehr ursprünglichen Wienfluss mit zeinen zahlreichen Verästelungen, die teilweise auch als Mühlbach Verwendung fanden und im Laufe der Zeit zur Werkskanälen verengt wurden. Eingezeichnet sind alle Mühlen von der Hofmühle, der letzten Mühle vor dem Gumpendorfer Wehr bis zur untersten Mühle des Wienflusses, der Mühle „bei dem Schlifstein“. Der Ottakringer Bach war bereits in die Wien umgeleitet. Mangels genauer Kenntnis der Lage der Siedlungsflächen und Befestigungen sind sie hier nur schematisch dargestellt.
Die Wien mit der erst 1819 gebauten Staubmühle unterhalb der Stubentorbrücke. Der Antrieb erfolgte nicht durch das Wasser der Wien, sondern durch den 1797 bis 1803 gebauten Wiener Neustädter Kanal, der eine gleichmäßige Wasserführung aufwies. Nach dem Brand vom 13. Jänner 1883 wurde die Mühle nicht wieder aufgebaut. © Petermann
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Eine Grafik aus der selben Quelle wie zuvor mit der Situation um 1683. Bis dahin existierte am Glacis
noch ein Rest des Mühlbachs, der zum Wienfluss abgeleitet wurde. Von den ehemals vier Mühlen bestand damals nur noch die Spitalsmühle nahe der Wasserkunstbastei. Auf der Wieden ist die Heiligengeistmühle an jenem Mühlbach zu sehen, der vermutlich beim Bau des Freihauses Mitte des 17. Jahrhunderts reguliert worden war.
Das Gewerbe
Für die frühen Gewerbe waren die Donau und selbst ihr Nebenarm in Stadtnähe, der spätere Donaukanal, unnötig groß und sie bevorzugten die Bäche im Stadtbereich, vor allem den Unterlauf des Alserbaches. Nach der Einwölbung dieser Gewässer in der Inneren Stadt zogen die wasserbedürftigen Gewerbe an die Wien. Im Vorfeld der Befestigungsanlagen Wiens, das nach der Belagerung 1529 von Gebäuden freigehalten werden sollte, wurden die Handwerker, die für ihr Gewerbe Wasser benötigten, vom Bauverbot ausgenommen. Es können aber nicht viele gewesen sein, denn glaubt man dem Schriftsteller und Stadtreporter Johann Pezzl, nützten gegen Ende des 18. Jahrhunderts nur ein paar Hundert am Fluss wohnende Wäscherinnen, die Fiaker (zur Pferdeschwemme) und ein paar Mühlen das Wasser der Wien.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Färber, Bleicher, Lederer, Appreteure, Seifensieder, Stärke- und Farbenmacher, die alle viel Wasser brauchten, zunahmen, entstand in der bis dahin noch sehr ländlichen Gegend ein dichtes Nebeneinander verschiedenster Gebäude. In unterschiedlicher Qualität gebaute und regellos nahe den Ufern stehende Wohn- und Nutzbauten samt den mancherorts errichteten Kaimauern ergaben einen ziemlich desolaten Gesamteindruck. Die Dampfmaschinen, die zum Hauptantriebsmittel wurden, ließen die Schornsteine wachsen, die das Gewerbebild dieser Zeit prägten.
Bald wurden die Betriebe vom eigenen Bedarf nach besseren Plätzen mit besserem Wasser und von der wachsenden Stadt weiter flussaufwärts gedrängt. Vor allem in den Orten des heutigen 12. und 15. Bezirks entstanden geradezu industrielle Ballungszentren.
An der Spitze dieser Wanderung flussaufwärts sind die Wäschereien auszumachen, denn die mochten es gar nicht, wenn die ihnen anvertraute Wäsche mal blau und mal rot leuchtete. Sie brauchten aber nicht nur sauberes Wasser, sondern auch eine saubere „Hängestatt“ zum Aufhängen der Wäsche, denn die Wiener Kunden liebten den würzigen Duft der sauberen Wäsche. Schließlich wurde sogar in der Pressbaumer Region für Wiener Kunden gewaschen. Die Verschmutzung des Wassers vertrieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch schon stadtentferntere
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Das flussaufwärts wandernde Gewerbe schuf ein dichtes Nebeneinander verschiedenster Gebäude.
Wäscher, z. B. die in Unter St. Veit vorherrschenden Pferdehaarwäscher. Ein Gutachten des niederösterreichischen Landessanitätsrates ergab, dass auch dort die Aufrechterhaltung der Wienflusswäscherei aus sanitären Gründen nicht mehr zu vertreten war und es folgte ein Erlass der nö. Statthalterei vom 23.11.1872 mit einem endgültigen Verbot. Als die verschiedenen Wasserleitungen gebaut wurden, konnten die Betriebe allmählich auf das Wasser des Wienflusses verzichten.
Bei einzelnen Mühlen siedelten sich schon früher und unabhängig von der Gewerbewanderung flussaufwärts Betriebe an, wie etwa die Lederei bei der Hackinger Mühle, die schon 1684 genannt wird.
Im Bereich des Wienerwaldes war die Holzwirtschaft mit begleitenden Tätigkeiten, wie der Kohlenbrennerei, dominierend. Manche dieser Tätigkeiten, wie das Zerstampfen der Holzkohle als Bestandteil der Pulvererzeugung, nützten auch die Kraft des Wassers, zum Beispiel des Rotwassers im heutigen Lainzer Tiergarten. Der Name des Pulverstampftores weist heute noch auf diese Tätigkeit hin.
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Am 5. Jänner 1895 schrieb das „Neuigkeits-Welt-Blatt“: „Das vorliegende Gebäude, an dessen Demolierung eben gearbeitet wird, gehörte ursprünglich zur Schleifmühle und figurierte als Waschhaus, indem man bis zum Jahre 1858 den hier vorüberfließenden Mühlbach zu diesem Zwecke benützte.“
Der Ratzenstadl im Magdalenengrund. Ausschnitt aus einem drei mal drei Meter großen Modell, das der Maler Anton Bienert um das Jahr 1900 schuf. Das Modell blieb erhalten und ist heute im Bezirksmuseum Mariahilf ausgestellt. Auch hier war die „Henckstatt“ ein gewohnter Anblick.
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Der Eisendrahtsteg in Gaudenzdorf bei Wien. Dieses Stimmungsvolle Bild aus dem Jahr 1829 zeigt Wäscherinnen bei der Arbeit. Es dauerte nicht mehr lange, bis ihnen die Gerber und Färber auch dort das Wasser streitig machten.
Die Wäscherei in der Weidlingbachstraße in Pressbaum. Manche Zeitzeugen erinnern sich an ihre Großeltern, die Wäsche aus Wien im Fluss wuschen, an der frischen Luft trockneten und zu Fuß nach Wien lieferten. Nicht alle konnten sich die Fahrt mit der Westbahn leisten.
© Heimatmuseum Pressbaum
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Eine Wäscherin am Halterbach. Ein romantisches Bild des Wiener Landschaftsmalers Kletzinsky um 1835. Im Hintergrund ist die Hütteldorfer Kirche zu sehen. © Bezirksmuseum Penzing
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Eines der wenigen Fotos, das Wäscherinnen am Wienfluss zeigt, fotografiert Höhe Christkindlwald am 13. August 1902. © Stadtarchiv Purkersdorf
Die Zuckerfabrik in der Auhofstraße. Ein Aquarell von Studenten des Polytechnikums um das Jahr 1850. Ersichtlich ist die Gebäudefront zur Auhofstraße.
Blick vom 1969 abgebrochenen Kobinger-Steg flussabwärts. Im Hintergrund die Kaiser-Joseph-Brücke als damalige Gürtel-Verbindung. Dieses Aquarell von Ferdinand Weckbrodt gibt einen guten Eindruck von der flussnahen gewerblichen Verbauung um das Jahr 1890. © HMW, Inv.Nr. 8.865
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Die Familie des Gründers der Färberei Winkler & Schindler in einer Fotografie aus dem Jahr 1890. Der aus Mähren zugewanderten Alois Winkler gegründete 1863 eine Färberei am Gaudenzdorfer Gürtel und ist ein gutes Beispiel für die Wanderung der Betriebe flussaufwärts. 1870 errichtete er im damals noch dörflichen Ober St. Veit neue Fabrikationsanlagen, diese Firma wurde dort zu einem der wichtigsten Arbeitgeber. © Familie Winkler
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Die Belegschaft der Färberei Winkler & Schindler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In der ersten Reihe sitzt der Firmengründer Alois Winkler (7. von rechts). © Familie Winkler
Ein Foto eines der Nähsähle aus der Zeit, als es bei Winkler & Schindler eine Konfektionsabteilung gab. In ihr wurden vor allem Uniformen für die Armee hergestellt. Das Foto stammt vermutlich aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. © Familie Winkler
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Der Bau des neuen Filterturms in einem Gemälde von Adalbert Pilch. Der Blick zeigt vom Hietzinger Kai über die Fabriksanlage. Im Hintergrund hebt sich schemenhaft die Ober St. Veiter Kirche ab.
© Familie Winkler
Der neue Filterturm der Färberei Winkler & Schindlerersetzte in den 1950er-Jahren den alten Schlot. Er war mit Glaselementen verkleidet und während der Nacht von innen beleuchtet. In beeindruckender Weise wurden damit vor allem die durch die Westeinfahrt nach Wien kommenden Menschen auf die Industrie Ober St. Veits aufmerksam gemacht.
© Familie Winkler
Die Färberei Winkler und Schindler in einem Foto aus den 1930er-Jahren. Es zeigt den damals über den Wienfluss führenden Winkler-Steg und den für Fabriken dieser Zeit unabdingbaren Frabriksschlot. Heute steht an dieser Stelle der Käthe-Leichter-Hof.
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Färberei Seidel neben der einstigen Hackinger Mühle. © Archiv Klötzl
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Das Hochwasser
Bei heftigen Regengüssen in seinem Einzugsgebiet im Wienerwald oder bei extremem Tauwetter kann der Wienfluss von einem unscheinbaren Gerinne zu einem reißenden Fluss mit einem Wasserdurchfluss von über 400 Kubikmeter pro Sekunde anschwellen. Verantwortlich dafür sind die geologischen Verhältnisse im Wienerwald, die das Regen- und Schmelzwasser nicht in den Boden sickern sondern rasch abfließen lassen. Bis zur Regulierung 1894–1902 konnten diese Hochwässer verheerende Auswirkungen haben. Das ursprünglich flache Querprofil mit niederen Uferbereichen machte die angrenzende Gegend zum Überschwemmungsgebiet. In der Ebene standen Tümpeln und Lacken wie zum Beispiel die im 17. Jahrhundert nächst der Schleifmühle gelegene Froschlacke und das in manchen Bereichen angesammelte Geschiebe begünstigte Verästelungen und sogar Änderungen des Flussverlaufes. Die Folge waren mehr oder minder große Inseln, von denen manche sogar bebaut waren, wie etwa der Conradswörth (Gegend des Freihauses).
Schon in frühester Zeit rückte die Bebauung in die Überschwemmungsgebiete vor und die Hochwässer hatten dementsprechende Folgen. In manchen Beschreibungen werden verheerende Überschwemmungen sogar mit dem Verschwinden ganzer Dörfer in Zusammenhang gebracht, zum Beispiel mit den nahe Meidling gelegenen Orten Hohensunsdorf, Meinhartsdorf und Chatternberg. Letzteres soll an der Stelle des heutigen Schlosses Schönbrunn gelegen sein. Aber, wie so vieles in der älteren Geschichte, sind auch das nur Vermutungen und es könnten genauso die Scharen des ungarischen Königs Matthias Corvinus um 1485 oder die Türkenbelagerung 1529 für das Verschwinden dieser Orte verantwortlich gewesen sein.
Doch ist die Geschichte des Wienflusses auch reich an gesicherten Überlieferungen von unzähligen Überschwemmungen, die bis weit zurück ins Mittelalter reichen. Aus dem Jahr 1295 wird von einem großen Hochwasser berichtet, das das Bürgerspital und die vor diesem gelegene Brücke überflutete und die Pfründner in ihren Betten zu schwimmen begannen. Im Juni 1774 drangen die Fluten der Wien bis in die Küchen von Schönbrunn. Am 29. Juli 1785 stieg der Wienfluss ganz unvermutet so hoch über seine Ufer, dass alle Gegenden an beiden Seiten auf eine Höhe von „acht
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Bei starkem Regen schwellen die Wien und ihre Zubringer schlagartig an und können zum reißenden Strom werden.
bis neun Schuhen“ überdeckt waren. Bäume, Stege, Brücken, Hütten und selbst gemauerte Häuser wurden fort- und die Wehre in Stücke gerissen. Besonders schlimm waren die Überschwemmungen um die 1850er-Jahre. Das verheerende Hochwasser im Jahr 1847 wurde nur noch das Hochwasser am 18. Mai 1851 übertroffen, das bis auf zehn Meter stieg und alle Brücken und Stege wegriss oder beschädigte. Dieses Hochwasser war mit einer berechneten maximalen Abflussmenge von rund 600 Kubikmetern pro Sekunde letztendlich auch die Referenz für die um 1900 durchgeführte Regulierung im Wiener Gebiet.
An der Pegelstation Kennedybrücke werden die Wasserstände seit 1904 beobachtet. Das stärkste Hochwasser in diesem Zeitraum dürfte am 11. Mai 1951 gemessen worden sein, blieb aber weit unter den historischen Höchstständen. Der niedrigste gemessene Pegel wurde am 15. Dezember 1974 mit ca. einem Zentimeter beobachtet, das entspricht einem Durchfluss von einigen Litern pro Sekunde.
Für die Retentionsbecken in Auhof wurde ein HQ 100 von 335 Kubikmeter pro Sekunde und ein HQ 1000 von 475 Kubikmeter pro Sekunde errechnet (Grossinger). Für die Mündung beim Donaukanal wurden 520 bzw. 635 Kubikmeter pro Sekunde errechnet. Durch die 1997 ausgebauten Retentionsbecken in Auhof und die natürliche Rückhaltewirkung des Wienerwaldsees soll die Hochwasserspitze im gesamten Verlauf unterhalb der Rückhaltebecken auf 380 Kubikmeter pro Sekunde gehalten werden können.
Die schreckliche Überschwemmung des Wienflusses am 29. Juli 1785 auf einem Kupferstich von L. Hochleittner, L. Der Blick geht vom Kärntnerthor gegen die Vorstädte Wieden und Wien. © Österreichische Nationalbibiliothek
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Hochwasser unter der der Stadtbahnbrücke neben dem Zollamtssteg auf in einem Foto vom Mai 1951
© MA 45
Die Mündung des Wienflusses bei Hochwasser im Mai 1951. © MA 45
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Während der Regulierungsarbeiten wurde am 29. Juli 1897 vom Hochwasser Bauholz mitgerissen. An einigen Stellen wie hier vor der Kettenbrücke bildet es eine gefährlichen Staudamm. Von den zu Hilfe geeilten Pionieren lag es an Leutnant Körner, dem späteren Bundespräsidenten, und einem Freiwilligen, die Verklausung freizusprengen. © HMW, Inv.Nr. 16246/4
Ein Riss in der Wienflussmauer oberhalb der Nevillebrücke. Als Schadensursache wird Hochwasser angegeben. Das Foto stammt aus dem Jahr 1951. © MA 45
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Hochwasser beim Amtshaus für den 13. und 14. Bezirks am 1. Juli 1975. An diesem Tag wurde an der seit 1904 beobachteten Pegelstation Kennedybrücke mit ca. 260 Zentimetern der dritthöchste Wasserstand gemessen, das entspricht einem Durchfluss von ca. 230 Kubikmeter pro Sekunde. © MA 45
Schäden nach dem Hochwasser vom 19. Mai 1940. Oberhalb der Braunschweigbrücke wurde ein rd. 10 Tonnen schweres zusammenhängendes Stück Bruchsteinpflaster mit Betonunterlage herausgerissen und mit der Oberfläche nach unten auf die Sohle gelegt. © MA 45
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Reparaturarbeiten unterhalb der Zufferbrücke nach Schäden aus dem Hochwasser vom 19. Mai 1940.
© MA 45
Schäden nach dem Hochwasser vom 19. Mai 1940. Bei der St. Veit-Brücke entstand eine Auskolkung bis 1,7 Meter und eine Unterwaschung bis zu zwei Meter. Das Hochwasser am 31. Mai 1940 vergrößerte die Bauschäden. © MA 45
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Reparaturarbeiten zwischen Baumgartenbrücke und Braunschweigbrücke. Hier versursachte das Hochwasser vom 19. Mai 1940 eine 40 Meter lange und bis zu 3 Meter tiefe Auskolkung. © MA 45
Reparaturarbeiten oberhalb der Braunschweigbrücke nach den Schäden durch das Hochwasser vom 19. Mai 1940 © MA 45
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Ein Hochwasser in den 1970er-Jahren oberhalb des Nikolaisteges © MA 45
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Das Ende der Rückhalteanlagen bei Hochwasser. © MA 45
Hochwasser beim Sperrwerk nahe Mariabrunn. Der Einsatz dieses Sperrwerkes wurde ursprünglich bei 400 Sekunden-Kubikmeter (heute bei etwa 380 Kubikmeter pro Sekunde) geplant. Diese Menge soll seit der Regulierung nur einmal erreicht worden sein und daher blieben die Schleusen auch bei diesem Hochwasser geöffnet. Bei höherem Wasserzulauf wäre das Sperrwerk betätigt und das Wasser nach Füllen der Haltung II über das Wehr zur Haltung III und die folgenden Rückhaltebecken geleitet worden. Die letzte Beckenfüllung soll beim Hochwasser im April 1951 erfolgt sein. © MA 45
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Der Schwimmrechen oberhalb des Sperrwerks, fotografiert 1955. Zwischen dem feststehenden eisernen Rechen war ein Schwimmrechen eingesetzt. Drei eiserne Schwimmkörper hielten ihn auf der Höhe des Wasserspiegels. Der Zweck war, den Rechen bei steigendem Wasserspiegel vor der Verklausung zu bewahren.
© MA 45
Der Schwimmrechen von der anderen Seite. Fotografiert am 21. April 1955 © MA 45
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Das Hochwasser vom 1. Juli 1975. In sämtlichen Wehrmauern sind Durchlässe. Durch sie kann das Wasser in nächste Haltung abfließen, bevor die Wehrkrone erreicht wird. Sie bewirken bei fortgesetzter Erhöhung des Wasserstandes einen Gegendruck von der anderen Seite. Die flussabwärts gerichteten Durchlassöffnungen des letzten Wehres besitzen „Stauklappen“. Sie sollen ein Rückfluten des Wassers aus dem Wienbett in die letzte Haltung VII verhindern. © MA 45
Hochwasserschäden bei Hadersdorf nach dem Hochwasser vom 19. Mai 1940. © MA 45
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Überschwemmung der Wiesen am Ende der Wintergasse in Purkersdorf in einem Foto von Franz Effenberger. Zu sehen ist auch ein Zug der Westbahn, dahinter zum Sanatorium gehörige Gründe.
© Stadtarchiv Purkersdorf
Die Postsiedlung in Neupurkersdorf während des Hochwassers am 20. Mai 1940. Nach schweren Regenfällen war der Wasserspiegel im Wienerwaldsee so stark angestiegen, dass das Wehr geöffnet werden musste. Foto Posch © Stadtarchiv Purkersdorf
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Die Regulierung
Das erste bekannte Regulierungsprojekt für die Wien stammt aus dem Jahr 1713 und zielte auf eine punktuelle Flussbegradigung im Unterlauf zwecks Hochwasserschutzes ab. Die ersten umfassenden Sanierungsprojekte legten in den Jahren 1781 und 1783 Wilhelm Beyer, Architekt und „Hofstatuarius“, und Jean-Babtiste Brequin, Ingenieur und Hofmathematiker, vor.
All diese Pläne gelangten ebenso wenig zur Ausführung wie zahlreiche Ideen und Entwürfe in den nächsten hundert Jahren. Darunter waren auch atemberaubende Ansätze wie die Schiffbarmachung des Wienflusses oder die Ableitung zum Liesingbach. Die notwendige Verbesserung der Verkehrsverbindungen in Wien ließ die Flussregulierung oft nur zu einem Teilaspekt größerer Konzepte zur Errichtung von Stadtbahnen oder Straßen werden.
Von einem ersten tatsächlichen Eingriff wird als Reaktion auf das Hochwasser vom 5. Juni 1741 berichtet. Auf Befehl Maria Theresias sollen noch im selben Jahr „die vorzüglichsten Quellen des Wienflusses und der einmündenden Wildbäche“ abgeleitet worden sein. Die Überschwemmungen konnten damit wohl nicht gezähmt werden, doch das Wasser dieser Zuflüsse scheint gefehlt zu haben, denn schon im Folgejahr wird erstmals von einer üblen Ausdünstung berichtet.
Eine erste Regulierung wurde 1787 vorgenommen. Die zerklüfteten Ufer des Wienflusses wurden begradigt und mit Weiden bepflanzt, das Bett streckenweise vertieft und geebnet. Diesen Eingriff bestätigt auch der Vergleich der Kupferstiche von Johann Ziegler aus den Jahren 1780 und 1792 um den Bereich der Elisabethbrücke.
Eine Stabilisierung der Flusssohle inklusive Bepflanzung der Ufer von der Stubenbrücke bis zur Hundsturmer Linie ist für die Jahre 1814 bis 1817 überliefert. Verschiedenste Maßnahmen im Laufe des 19. Jahrhunderts betrafen auch die Abschnitte im Bereich der Vororte und darüber hinaus.
Nach der zunehmenden Verschmutzung des Flusses durch die Abwässer des Gewerbes und der Haushalte war die Cholera-Epidemie 1830/31 der
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Die Regulierungsarbeiten dauerten von 1894 bis 1902.
letzte Anstoß für den Bau zweier Sammelkanäle, die das Groß der Abwässer direkt in den Donaukanal leiten sollten. 1839 wurden sie auf beiden Seiten des Wienflusses fertig gestellt und in den 1850er-Jahren auch die Kanäle der Orte außerhalb der Linien bis Schönbrunn eingebunden. Der sanitäre Zustand der Wien besserte sich aber nur teilweise, denn bei starkem Regen flossen die Sammelkanäle über und die wachsenden Vororte weiter außerhalb entsorgten ihre privaten und gewerblichen Abwässer nach wie vor in die Wien.
1882 fasste der Gemeinderat einen Beschluss zur Wienfluss-Regulierung inklusive Errichtung einer Stadtbahn entlang der Wien. Die konkrete Ausführung konnte aber erst 1892 – nach der Eingemeindung der anliegenden Vororte – gesetzlich beschlossen werden (RGBl. Nr. 109 vom 18. Juli 1892). Die entsprechenden Pläne des Wiener Stadtbauamtes stammten aus dem Jahr 1891 und beinhalteten den Umbau und die Erweiterung der Sammelkanäle, die Errichtung von großen Rückhaltebecken beim Auhof und die durchgehende Regulierung des Wienflusses inklusive der Befestigung des vertieften Flussbettes und des rechtsseitigen Ufers durch eine Mauer, die auch die Trasse der Stadtbahn sicherte. Die ebenfalls vorgesehene teilweise Einwölbung stand unter anderem in Zusammenhang mit dem Projekt einer repräsentativen Wientalstraße. Da die Straße am linken Ufer abzurutschen drohte, entschloss man sich 1897 den eigentlich erst für später geplanten Bau der linken Ufermauer vorzuziehen.
Die tatsächlichen Regulierungsarbeiten begannen 1894 mit der Erweiterung der vorhandenen Cholerakanäle und wurden 1902 beendet, manche Arbeiten wie die Ausgestaltung im Stadtpark erst danach. Die Fundamente für die Einwölbung wurden wie geplant zwischen Hietzing und dem Stadtpark errichtet. Die Einwölbung selbst sollte in einem ersten Schritt nur von der Elisabethbrücke bis zur Schwarzenbergbrücke reichen und wurde im Zuge der Ausführung sukzessive auf die Strecke von der Leopoldsbrücke (Höhe Schleifmühlgasse) bis zum Stadtpark erweitert. Die Verlängerung der Wienflusseinwölbung von 1913 bis 1915 bis zur Magdalenenbrücke (Rüdigerhof) wurde dem erweiterten Naschmarkt gewidmet. Die Fortsetzung der Einwölbung Richtung Hietzing fiel dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Über die Otto Wagner‘schen Beiträge hinaus geben die Anlagen und die reiche Dekoration von Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer einen Eindruck von der unrealisiert gebliebenen Idee einer Prachtstraße.
Die Eröffnung der ersten Stadtbahnstrecke erfolgte 1898/99. Unabhängig von der Regulierung in Wien wurde bis 1897 der Wienerwaldsee als Nutzwasserreservoir für die Wientalwasserleitung und als Rückhaltebecken errichtet.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der bestehende Hochwasserschutz als unzureichend beurteilt, weil der Rotwassergraben und der Grünauerbach die Retentionsbecken in Auhof bei Hochwasser vorzeitig
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gefüllt hätten und die Regulierung des Beckenbetriebes nicht mehr den aktuellen Verhältnissen entsprach. Ein extremes Hochwasser hätte zur U4 überschwappen und in weiterer Folge sogar in die U1 eindringen können. Im Jahr 1997 wurde die Funktionsweise des Hochwasserschutzes an die derzeitigen bzw. prognostizierbaren hydrologischen Verhältnisse angepasst. Unter anderem wurden das Wehr I zwischen Haltebecken II und III um 2,07 Meter erhöht, alle Wehre in den Becken geöffnet und mit je zwei Schützenverschlüssen ausgestattet und moderne Wasserstands- und Durchflussmesssysteme eingebaut. Der Verschluss im obersten Wehr I (zwischen Haltebecken II und III) wird bei einem Abfluss von über 30 Kubikmeter in der Sekunde geschlossen, was zur Ableitung des Wienflusses in den Umlaufgraben und zur Freihaltung der dahinterliegenden Rückhaltebecken führt. Ab einer Abflussmenge von 380 Kubikmeter pro Sekunde wird mit dem computergesteuerten Retentionsbetrieb und der Füllung der Rückhaltebecken begonnen.
Das heutige Fassungsvermögen der Auhofbecken und des Wienerwaldsees zusammen beträgt rund 2,7 Millionen Kubikmeter. Damit kann das Hochwasser ca. sieben Stunden lang um 100 Kubikmeter pro Sekunde verringert werden.
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Das Extrablatt vom 25. November 1887 gibt einen guten Eindruck von der damaligen Einstellung zum Wienfluss und den kolportierten Vorstellungen von der Prachtstraße.
Der Wienerwaldsee, früher Wolfsgrabenreservoir oder Stauweiher nächst Tullnerbach genannt, mit dem Damm und den Schleusenanlagen am 18.8.1928 bei geringem Wasserstand. Er wurde etwa gleichzeitig mit der Regulierung des Wienflusses in Wien angelegt. Sein Hauptzweck war die Versorgung des Westens von Wien mit Nutz- und Trinkwasser. Das Wientalwasserwerk in Purkersdorf lieferte zunächst ausschließlich Nutzwasser. Nach der Übernahme durch die Wiener Wasserwerke wurde bis 2004 auch Trinkwasser für die Stadt Wien und die dazwischen liegenden Gemeinden gewonnen.
© Stadtarchiv Purkersdorf
Im Jahr 2003 lieferte das Wientalwasserwerk rd. 3.5 Mio. Kubikmeter Wasser oder 2,34 Prozent des im Jahr 2003 insgesamt geförderten Trinkwassers. Als Gründe für die Einstellung der Wasserentnahme wurden die Kosten der steigenden Qualitätsanforderungen und die Erhaltung doppelter Leitungssysteme genannt. Um sich zukünftige Nutzungen offen zu halten, ist der Bereich um den Wienerwaldsee aber nach wie vor ein Wasserschutzgebiet. Dieses Foto vom 16. Juni 2013 zeigt links den Damm.
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Dieser Plan zeigt die Nutzwasserversorgung Wiens durch die Wientalwasserleitung und die Hochquellenleitung. Von den vier geplanten Stauweihern für die Wientalwasserleitung in einem Gesamtniederschlagsgebiet von rd. 110 Quadratkilometern kam nur das Wolfgraben-Reservoir zur Ausführung. Es sammelte das Wasser des Wienflusses oberhalb Tullnerbachs mit einem Einzugsgebiet von rd. 54 Quadratkilometer. Die Becken im Dammbachgraben, bei Gablitz und in Mauerbach wurden nicht realisiert.
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Ein Teil des Schleusenbereiches im Wienerwaldsee. Der Wienerwaldsee wird seit der Einstellung der Wassergewinnung und der Fertigstellung notwendiger Umbauten von der MA 45 nur mehr als Hochwasserrückhaltebecken genutzt. Die technischen Einrichtungen zur Steuerung des Wasserstands wurden entfernt und das Stauziel verringert, aber schon das Rückhaltevermögen aufgrund der natürlichen Veränderungen des Wasserstandes entspricht etwa dem Fassungsvermögen aller Rückhaltebecken in Wien.
Nach der Schleusenanlage wird die Wien wieder in ihr natürliches Bett geleitet. Das Betriebsgebäude des ehemaligen Wasserwerkes in Untertullnerbach wird heute von der MA 31 als Betriebsleitung für die Zweite Wiener Hochquellenleitung genutzt.
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Ein Lageplan der Wasserhaltungen beim Auhof. Vorbecken (Halung II), Umlaufgraben, Verteilungswerk, Sohlenabstürze, Brücken etc. sowie die Anlagen am Mauerbach wurden im April 1895 begonnen und in zwei Jahren beendet. Die übrigen Becken entstanden von Ende 1897 bis und Ende 1899. Zusammen hatten die Sammelbecken einen Fassungsraum von 1,6 Millionen Kubikmetern. Bei einem damals kalkulierten maximalen Zulauf von 210 Sekundenkubikmetern wären sie in zwei Stunden gefüllt gewesen. In dieser Zeit sollte die Flutwelle ihren höchsten Stand überschritten haben (Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts).
Ein kolorierter Holzschnitt nach einer Originalzeichnung von Moritz Ledeli um 1895: 1) Trockenbagger bei Haderdorf Weidlingau. Für den enormen Erdaushub standen drei große Lübecker Trockenbagger mit je 40 PS zur Verfügung. 2) Bau der Quaimauer bei St. Veit. 3) Die Erdarbeiten bei Mariabrunn.
4) Abendmahl italienischer Arbeiter.
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Die Regulierungsarbeiten bei Mariabrunn. Für den Erdtransport standen fünf Lokomotiven und 135 Lowries von je drei Kubikmetern Fassungsraum auf 8.500 Metern Rollbahngleisen zur Verfügung. Der Erdaushub wurde auf der Weidlingauer Wiese (damals Lainzer Tiergarten, heute der Bereich südlich des Auhofcenters), abgelagert. Brauchbarer Sand und Schotter aus dem Wienflussbett wurden für Bauzwecke verwendet. © Bezirksmuseum Penzing
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Der Bau des Einlaufwerkes im Jahr 1897
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Die Inbetriebnahme des neuen Wienfluss-Sperrwerks in Hadersdorf am 5. Mai 1956. Die Gemeinde Wien hatte den Umbau der originalen Schleusen veranlasst, weil das ursprüngliche Sperr- und Verteilungswerk schwerfällig im Betrieb war und verschiedene Mängel aufwies. Die veraltete Verschlusskonstruktion mit 12 Windwerken erforderte zur Bedienung 24 Männer und bei raschem Eingreifen oft die Assistenz der Feuerwehr. Die neue Schützenanlage wird jetzt durch Betätigung eines Druckknopfes durch einen Mann bedient. Die Baukosten des Sperrwerkes betrugen 750.000 Schilling. © MA 45
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Das Sperrwerk bei Mariabrunn, fotografiert von Franz Matzka am 2. März 1968. Zu diesem Zeitpunkt flossen Wienfluss und Mauerbach in den Umlaufgraben. Bei einem Wasserzulauf von über 400 Kubikmetern pro Sekunde traten die beiden eisernen Schleusen des Sperrwerkes in Aktion, um das Wasser im Vorbecken dahinter (Haltung II) aufzustauen. Bei entsprechend hohem Wasserstand floss das Wasser über das Wehr des Vorbeckens in die darunter liegende Haltung III. Auf diese Weise sollten sich sukzessive und selbsttätig auch die Haltungen III–VII füllen und nach dem Abschwellen der Flut durch deren Schleusen in den Umlaufgraben entleert werden. © Stadtarchiv Purkersdorf
Der Maschinenraum des Sperrwerks nach dem Umbau im Jahr 1956. Er hat sich bis heute nur wenig verändert, der Denkmalschutz ließ nur die Ergänzung um notwendige Sicherheitseinrichtungen zu. © MA 45
Das Maschinenhaus von außen mit großem Rechen und Wehrmauer zwischen Haltung II und III von außen. Heute fließt der Wienfluss nicht mehr durch das Sperrwerk in den Umlaufgraben, sondern wird durch alle Sammelbecken geleitet. Erst danach vereinigt er sich mit dem durch den Umlaufgraben kommenden Mauerbach. Die aus Beton hergestellte Wehrmauer zwischen Haltung II und III wurde 1997 um rund zwei Meter erhöht und wie in alle nachgereihten Wehrmauern mit eigenen Schleusen samt Bediengang und Bedienhütte ausgestattet. Darüber hinaus wurde das Bodenniveau zwischen dem Hauptwehr unter dem Maschinenhaus und dem Rechen um ca. einen Meter angehoben, um den Wienfluss abzulenken und in seinen neuen Verlauf durch die Anhaltebecken zu zwingen.
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Das Sperrwerk und die Einmündung des Mauerbaches von Osten, fotografiert am 5. März 2014. Die Niveauanhebung zwischen Sperrwerk und großem Rechen machte das mit Steinen belegte Gefälle nach den Schleusen notwendig. Der Umlaufgraben und die Rinne des Mauerbaches wurden renaturiert, die Staustufe am Ende des Mauerbachs entfernt. Heute fließt nur mehr der von rechts kommende Mauerbach in den Umlaufgraben.
Das Wehr mit Holzsteg am Anfang der Regulierungsstrecke in Weidlingau während der Bauzeit, fotografiert am 18. Februar 1897. Wegen der bestehenden Wasserrechte musste das alte Wehr bei Mariabrunn durch andere Einrichtungen ersetzt werden, um den bestehenden Mühlbach zu erhalten. Da die Regulierungseinrichtungen kein Wehr unterhalb des Zusammenflusses von Wien und Mauerbach erlaubten, mussten zwei Staustufen errichtet werden: eine am Ende des Mauerbaches gleich neben dem Sperrwerk (siehe Foto weiter oben) und das in diesem Foto ersichtliche am Beginn der Regulierungsstrecke der Wien unterhalb der späteren Kielmannseggbrücke. Der von hier abgeleitete Kanal führte zum Mauerbach um von dort gemeinsam mit dem Wasser des Mauerbaches zum bestehenden Mühlbach. Auch das Weidlingauer Wehr wurde im Zuge der Renaturierung eingeebnet, die technischen Einrichtungen bestehen noch.
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Das eingeebnete Grundwehr, fotografiert am 10. September 2013
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Das 1902 fertiggestellte Aufsichtsgebäude in Hadersdorf-Weidlingau. Die unmittelbare Überwachung und den Hochwasserdienst besorgten zwei Revisoren, vier Assistenten und fünf Aufseher. Ein Revisor, ein Assistent und ein Aufseher wohnten hier und waren daher ständig vor Ort. Eine eigene Telephon- und Telegraphenleitung zwischen dem Rathaus und der Feuerwehrzentrale sowie zwischen der Mündung des Wienflusses in den Donaukanal, Weidlingau, Tullnerbach und Breitensee ermöglichten mit ihren zahlreichen Sprechstellen und Stationen eine sichere Ansagung des Hochwassers und eine rasche Verbindung mit allen Funktionären.
Im Zuge der Verbesserungarbeiten ab 1997 wurde alle Wehrmauern mit diesen Schleusen ausgestattet.
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Blick über die Haltung IV und das Wehr zur Haltung III Richtung Mariabrunn. Aufgenommen vom Brückenweg auf dem Damm zwischen den Haltungen IV und V. Er verbindet Wolf in der Au mit Auhof. Mit der Durchleitung des Wienflusses durch den Überschwemmungsbereich wollte man die Bildung einer natürlichen Aulandschaft begünstigen. Diese ist bisher nicht entstanden, den Großteil der Flächen bedecken nach wie dichtes Schilf, das allmählich vom Springkraut durchsetzt wird.
Das Ende der Stauanlagen mit dem Abschlussturm von Osten im Jahr 1901. Links des Abschlussturmes das untere Wehr der Haltung VII und rechts der Umlaufgraben mit dem vereinigten Wienfluss und Mauerbach. Heute wird die Wien durch die Stauanlagen geleitet und fließt erst nach dem Abschlussturm mit dem Mauerbach zusammen. © Die Wasserversorgung etc., Stadtbauamt 1901
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Blick durch die Wolf-in-der-Au-Brücke nach Mariabrunn. Diese Steinbogenbrücke über den Umlaufgraben überquert gemeinsam mit dem Damm zwischen Halterung IV und V und der Auhofbrücke die Regulierungsanlagen und verbindet Wolf in der Au mit dem Auhof. Die Öffnung in der Trennungsmauer links ist eine Schleuse zur Entleerung der Sammelbecken dahinter.
Die Einmündung des Halterbaches während der Regulierungsarbeiten um 1896. Die Versicherung der Flussstrecke vom Hütteldorf-Bad bis zur Badhausbrücke und die Auspflasterung der Sohle von der Verbindungsbahnbrücke abwärts bis zur Badhausbrücke wurde in der Zeit vom März 1900 bis Mai 1901 und die Sohlenpflasterung von der Verbindungsbahnbrücke aufwärts bis zum Hütteldorf-Bad vom Mai bis Oktober 1902 fertiggestellt. © Österreichische Nationalbibliothek
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Für die Auspflasterung der Sohle wurde die verschiedensten Steine verwendet. An manchen Stellen auch alte Grabdenkmäler.
Skizze des Einwölbungsprofils mit 21 Meter Spannweite. Auf der Länge von 6,8 Kilometern von der Kaiser Franz Josefs-Brücke (heute Kennedybrücke) flussabwärts bis zum Stadtpark wurde die Ufermauern für eine Einwölbung gemacht. Als Anforderung an das Einwölbungsprofil wurde ein Wasserdruchlass von 600 Kubikmeter pro Sekunde festgesetzt. In den Jahren 1882 und 1886 durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen hatten diesen Wert als Höchstwassermenge ermittelt und daraus ergaben sich je nach Gefälle die Spannweiten der einzelnen Einwölbungsprofile. Als Norm galt eine Hochwasserlinie von mindestens 1,7 Meter unter dem Scheitel der Gewölbeleibung. Tatsächlich wurden in zwei Etappen von bis 1903–1906 der Bereich vom Stadtpark flussaufwärts bis zur Schleifmühlgasse (Leopoldsbrücke) und von 1913–1915 zusätzlich der Bereich bis zum Rüdigerhof (Magdalenenbrücke) eingewölbt. Beim ehemaligen Gumpendorfer Schlachthaus (Margaretengürtel) wurde eine zusammenhängende Einwölbung in einer Länge von etwa 350 m, beim Schönbrunner Schloss eine solche von 100 m Länge durchgeführt. Die dadurch verfügbar gewordenen eisernen Brücken gelangten meist stadtauswärts wieder zur Aufstellung. Die Widerlagsmauern sind hauptsächlich aus Beton hergestellt, die Trennungsmauer zur Wientallinie der Stadtbahner auf der rechten Seite und die Stützmauern bis zum Straßenniveau in den offenen Bereichen sind als Bruchsteinmauerwerk ausgeführt. Die Sohle des Flussbettes wurde mit Beton gesichert, das Gewölbe in Portlandzementstampfbeton hergestellt. (Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts)
Westansicht der Kaiser Franz Josefs-Bruecke zwischen Hietzing und Penzig um 1905. Sie sollte nach dem Endausbau der von Friedrich Ohmann und Josef Hackhofer gestalteteten Einwölbung das flussaufwärtige Portal der Einwölbung darstellen und wurde deshalb so reich ausgestaltet.
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Die Regulierungsarbeiten im Abschnitt Meidling mit Blick auf die alte Lobkowitzbrücke um 1898. Sie wurde durch eine breitere Überbauung samt Haltestellengebäude ersetzt. © Bezirksmuseum Meidling
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Bau der Stadtbahnbrücke in Gaudenzdorf 1897. Die Arbeiten von Hietzing bis zum Schikanedersteg wurden Mitte August 1895 begonnen und Ende 1899 fertiggestellt. Auch hier waren gigantische Erdmassen, Mauerwerk, Sand und Schotter zu bewegen. Eine doppelgleisige Rollbahn mit 90 cm Spurweite und 32 km Länge von Weidlingau bis zum Schikanedersteg und weitere neun Lokomotiven mit 290 Lowries ermöglichten dies. © HMW, Inv.Nr. 37.862/1
Die Stadtbahn nach der Elektrifizierung 1924/25 vor der Wientalbrücke
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Die Regulierungsarbeiten zwischen ehemaligem Schlachthof und ehemaligem Gaswerk Gaudenzdorf. An der Stelle des Schlachthofes steht heute u. a. das große Gebäude der Berufsschulen Mollardgasse. © Bezirksmuseum Meidling
Die Stadtbahn um 1915 © Österreichische Nationalbibliothek
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Regulierung und Einwölbung des Wienflusses im Bereich der Sezession. Ein Foto aus dem Jahr 1898. © HMW, Inv.Nr. 94.600/400a
Der Karlsplatz während der Regulierungsarbeiten 1897 in einer Fotografie von Moriz Nähr. Im Vordergrund die Elisabethbrücke knapp vor ihrem Abbruch, der am 20. November 1897 begann. Davor die Notbrücke, die sie während der Bauarbeiten ersetzte. © HMW Inv.Nr. 34.187
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Die Arbeiten am Portal zum Stadtpark mit Leergerüst. Hier musste wegen der geringen Konstruktionshöhe statt des üblichen Betongewölbes ein Klinkergewölbe errichtet werden. Im Bereich der Elisabeth- und der Schwarzenbergbrücke wurden wegen des Zeitdrucks Ziegelgewölbe mit Klinkerleibung ausgeführt. (Die Wasserversorgung etc., Stadtbauamt 1901)
Verlegung des Flussbettes bei der Stubentorbruecke, fotografiert am 11. Oktober 1898.
© Bezirksmuseum Hietzing/Perhab
Die Radetzkybrücke Ende Mai 1897. Bis hierher reichten die Geleise der Rollbahn.
© Bezirksmuseum Hietzing/Perhab
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Die Bäche unterhalb des Halterbaches und des Hirschenbaches, wie hier der von links kommende Rosenbach, münden in diese Sammelkanäle. Doch funktioniert die Trennung des Abwassers vom Wasser der Wien nur bei normaler Wasserführung, denn das Abwasser fließt bei Trockenwetter nur knapp unter der Überlaufschwelle und wird schon bei geringem Niederschlag in die Wien entlastet.
Ein Ausschnitt aus dem Übersichtsplan der Entwässerungsanlagen in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Sammelkanäle entlang des Wienflusses befinden sich meist unter den das Ufer begleitenden Straßen. Sie wurden bereits 1894, also noch vor der Wientalregulierung, als Erweiterung der alten Cholerakanäle hergestellt.
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Die Mündung eines Überlaufes in das Wienflussbett. Die Forderung des Umwelt- und Wasserwirtschaftsfonds, dass mindestens 80 % der Schmutzfracht einer biologischen Reinigung einer Kläranlage zuzuführen sind, wird bei Regen klar verfehlt. Über den 2006 in Betrieb gegenommen Entlastungskanal hinaus gibt es daher Überlegungen, auch das Wasser der äußeren Wiener Bäche von der Kanalisation zu trennen und direkt in die Wien zu leiten.
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Der unterirdische Wienfluss im Bereich des Knotens Friedrichstraße.
Die Überfallkammer als ein Teil des Knotens Friedrichstraße © Wien Kanal
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Die Ueberfallkammer während des Baus um 1900
Der Wientalsammler Entlastungskanal (WSKE) wurde 2006 in Betrieb genommen und ist mit seinem Durchmesser von 8 Metern ein von Rüdigerhof bis zur Urania reichender unterirdischer Stausee. Er hat ein Fassungsvermögen von 110.000 Kubikmeter und soll das Überlaufen von Mischwasser aus dem Stadtgebiet in den Wienfluss vermindern. © Wien Kanal
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Über die Verbesserungen hinaus erfordert der Zustand der über 100 Jahre alten Strukturen an vielen Stellen aufwendige Sanierungsarbeiten.
Die Sanierung der Trenn- und Wehrmauern um die Rückhaltebecken beim Auhof begann im Februar 2024. Das Foto oben zeigt den Umlaufgraben am 15. November 2024, das Foto unten
am 20. Juli 2025.
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Ein Fluss mit Wiederkehr
Während früher die Verdrängung des Flusses aus dem Stadtbild angestrebt wurde, bezeichnete der Stadtentwicklungsplan von 1984 das Wiental als wichtige Grünverbindung. Direkt am Wasser sollte eine hochwertige Fuß- und Radverbindung geschaffen werden, die mehrere attraktive Grünräume vom Stadtpark über den Auer-Welsbachpark und Schönbrunn bis zum Wienerwald inklusive Lainzer Tiergarten verbindet und „Hot-Spots“ wie den Karlsplatz und den Naschmarkt einbindet. Voraussetzung wäre aber eine Sanierung bzw. Umgestaltung vor allem des innerstädtischen Bereiches inkl. durchgängigem Entlastungskanal und Öffnung einiger inadäquat genutzer Einwölbungen.
1991 präsentierten interdisziplinäre Arbeitsgruppen ein neues Gestaltungskonzept. Darin wurden gravierende Bestandsmängel (ungenügende Hochwassersicherheit, unterdimensionierte Sammelkanäle, bedingte Standsicherheit von Stützmauern, mangelhafte Gewässerökologie) festgestellt und Sanierungsgrundsätze festgelegt, die unter anderem die Erhaltung des offenen Talcharakters der Wien und die Gestaltung des Flussraumes als Freizeitraum enthielten.
Begonnen wurde 1997 mit der Verbesserung und Revitalisierung der Rückhalteanlagen in Auhof, am Mauerbach und am Wienerwaldsee und einem gänzlich anders ausgeführten Entlastungskanal nur im innerstädtischen Bereich. In diese Ausbaustufe fiel auch die Renaturierung des Umlaufgrabens mit dem Mauerbach und des Wienflusses oberhalb der Rückhaltebecken. Natürlich ist es eine Herausforderung, harte Bachverbauungen durch natürliche Flusslandschaften zu ersetzen. Im Rahmen einer kurzen Bauperiode soll ein Stück Natur geschaffen werden, das in Stabilität und biologischem Wert einem in Jahrhunderten gewachsenem Flussverlauf gleichkommt, den Denkmalschutz respektiert und den Hochwasserschutz gewährleistet.
2003 folgte die naturnahe Umgestaltung des restlichen Wiener Flussverlaufes mit einem 100 Meter langen Teilprojekt unterhalb des Hackinger Steges. Von Weidlingau bis zur Kennedybrücke wurde ein „Wiental-Highway“als gemeinsam zu benützender Fuß- und Radweg gebaut. Die wieder begrünten und zugänglich gemachten Teile des Wienflusses zei
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Seit Ende der 1990er-Jahre bilden Teile des Wienflusses ein beliebtes Naherholungsgebiet.
gen eine erfreuliche Entwicklung von Flora und Fauna und bilden einen an schönen Tagen fast überlaufenen Naherholungsraum. Die wieder durchfluteten Rückhaltebecken sind wohl ein wertvolles Biotop, aber noch weit von der ursprünglich gewollten Aulandschaft entfernt.
Die räumlichen Qualitäten des kanalisierten Flussbettes und des unterirdischen Flusskanals werden von abenteuerlustigen Einzelgängern, für die das Betreten der Anlagen oft Geheimtipp und Mutprobe gleichzeitig war und ist, bis hin zu findigen Eventveranstaltern genutzt. Es entstand sogar ein Verein zur Pflege der Unterwelten, der erfolgreich Fackeltouren durch Wiens Unterwelt organisierte. Diese Renaissance endete teilweise durch Verbote im Zusammenhang mit dem Bau des Entlastungskanals. Das Unterweltenfieber aber blieb und wird heute mit der sogenannten Dritte-Mann-Tour befriedigt.
Eine flussnahe Fuß- und Radverbindung bis in die Stadt ist allerdings wegen Unrealisierbarkeit bzw. Unwirtschaftlichkeit außer Sichtweite.
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Freizeit am Wienfluss. An vielen Stellen oberhalb von Weidlingau konnte sich der Wienfluss bis heute eine natürliche Umgebung erhalten und lockt zu vielerlei Freizeitaktivitäten.
In Zusammenarbeit der Universität für Bodenkultur Wien (Arbeitsbereich Ingenieurbiologie und Landschaftbau) und dem Magistrat Wien (MA 45-Wasserbau) wurde im März 1996 im oberen Bereich des Umlaufgrabens eine weltweit einzigartige ingenieurbiologische Versuchsstrecke eingerichtet. Unterstützt durch Versuchsflutungen und natürliche Hochwässer konnten langjährige wissenschaftlich fundierte Untersuchungen an ingenieurbiologischen Bauweisen, zur Belastbarkeit von Pflanzen an Fließgewässern und zur Auswirkung der Vegetation auf die Gerinnehydraulik durchgeführt werden. Dadurch konnten wichtige Erkenntnisse für zukünftige naturnahe Verbauungen von Fließgewässern gewonnen werden. Oben die Versuchsstrecke gesehen durch das rechte Hauptwehr und unten von der anderen Seite während des Abbaus im Oktober 2013.
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Die Rückbauarbeiten unterhalb des Hackinger Steges. Sie erstreckten sich über eine Länge von etwa 100 Metern. Der neue Wienfluss sollte dem ursprünglichen Projekt zufolge über weite Strecken eine naturnahe Ausgestaltung von Flußsohle und Uferbereich mit differenziertem Längsverlauf erhalten.
© MA 45
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Die rückgebaute Stelle unterhalb des Hackinger Steges, fotografiert am 22. September 2013.
Die Naturnahe Gestaltung des Wienflusses zwischen Nikolaisteg und Halterbach dauerte von Oktober 2013 bis März 2014. Studenten der BOKU vervollständigten die ingenieurbiologischen Maßnahmen. Das Foto entstand am 11. März 2014.
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Ein Blick stadteinwärts zur Nikolaibrücke am 22. September 2013. Hier hatte die Vegetation einen Teil des harten Flussbettes zurückerobert und schon vor der Renaturierung zum Verweilen gelockt.
Längst haben auch andere Bewohner den neuen Naturraum wiedererobert.
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Ein Fototermin am 20. März 2014. Umweltstadträtin Ulli Sima, Gemeinderat Rüdiger Maresch und Gerald Loew, Leiter der Abteilung Wiener Gewässer, bei symbolischen Arbeiten.
„Es gab Hochwasser und wir hauten uns rein“. Den Wienfluss unterhalb der Kennedybrücke freizeitmäßig zu nutzen, bedarf schon einer gehörigen Abenteuerlust. Diese Leute in ihren Kajaks hatten sie am 24. Juni 2009. Hier bewältigten sie die Passage beim Kaiserpavillon. © Wolfgang Höfler
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Immer seltenere Freuden: Schleifen am zugeforeren Wienfluss. © Stockinger Hans
Die Dritte-Mann-Tour. Heute der Top-Hit im Angebot von Wien-Kanal.
Eine der vom „Verein zur Pflege der Unterwelten“ veranstaltete „Fackeltour durch Wiens Unterwelt“.
© Peter Ryborz
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Die Wien in Literatur und Liedern
Die frühesten überlieferten Nennungen des Wienflusses sind in alten Urkunden oder sonstigen Aufzeichnungen zu finden, dienten aber nur der Lokalisierung des beschriebenen Ereignisses. Der Fluss selbst ist vor allem wegen seiner katastrophalen Hochwässer oder wegen der Mühlen an seinem Verlauf in das frühe Schrifttum eingegangen. Ein schönes Beispiel ist das Mühlenbuch aus dem Jahr 1661, in dem die Mühlen auch der Flüsse des „Viertl under Wienner Waldt“ aufgenommen wurden.
Die große Flut an Darstellungen zum Wienfluss begann im Kraftfeld städtebaulicher und sanitärer Überlegungen. Begonnen hat dies mit den Regulierungsentwürfen des „Statuarius“ Wilhelm Bayer und des „Magistrat-Sanitatis“ Bock im Jahr 1713. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts soll der Sanitätsbeamte der Stadt das Wohnen am Wienfluss für schädlich erklärt und den Ausdünstungen des Wassers an den häufig auftretenden „Fäulungsfiebern“ und anderen epidemischen Krankheiten Mitschuld gegeben haben. Der Wiener Arzt Theodor Mühlibach machte 1815 in seiner Studie „Wien von seiner übelsten Seite betrachtet“ den Alserbach und den Wienfluss für die Verderbnis der Luft und damit – nach der damaligen Miasmenlehre – für die hohe Sterblichkeit in der Stadt mitverantwortlich. Die Fülle der Projektarbeiten explodierte nach der Ausschreibung 1872 und konzentrierte sich mit der definitiven Planung auf das Stadtbauaumt. Es gibt aber auch festgehaltene Äußerungen beruflich nicht mit diesen Themen befasster Persönlichkeiten wie etwa Ciacomo Casanovas, der während eines seiner Wien-Besuche gegen Ende des 18. Jahrhunderts über die Kloake der Wien lästerte.
Aus gänzlich anderen Motiven beschäftigte sich Franz de Paula Gaheis in seinem 1794 erschienenen Büchlein „Spazierfahrten in die Umgebung Wiens, den Freunden des ländlichen Lebens gewidmet“ u. a. auch mit dem Wiental und seinen Bewohnern. Im Biedermeier des 19. Jahrhunderts (siehe Adolf Schmidl, „Wien’s Umgebungen auf 20 Stunden im Umkreis“ ab 1835) und verstärkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen romantische Zeitströmungen, die verbesserte Reisemöglichkeit, kulturelle und wissenschaftliche Interessen und das Schulwesen den Wienfluss betreffende Beiträge der verschiedensten Art entstehen. Schließlich berichteten Zeitungen ganz aktuell und mit breiter Streuung
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über alle nur denkbaren Aspekte. In neuerer Zeit ist der Wienfluss Gegenstand einer Fülle von Arbeiten verschiedenster Instanzen. Dazu zählen die vielen Heimatbücher, Veröffentlichungen zu Spezialthemen, Diplom- bzw. Masterarbeiten und Dissertationen, (Projekt)Darstellungen von Wiener Magistratsabteilungen und sogar Berichte des Rechungshofes.
Somit sind es Beiträge zur Stadtentwicklung, heimatkundliche Aufsätze und Reiseberichte aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die Wienflussbezogene Literaturlisten dominieren. Meist sind sie regional oder fachlich sehr spezialisiert und nur selten geben sie einen Überblick über den gesamten Verlauf und zu allen Aspekten des Flusses. Was die Beschreibung des Flusses selbst betrifft, standen seine negativen Seiten, eben seine Verschmutzung und die Hochwassergefahr, im Vordergrund und die am häufigsten zitierten Stellen sind kritische Worte und Spottgedichte.
Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts schrieb der Schriftsteller und Stadtreporter Johann Pezzl: „So viel ist gewiss, dass dieses ungebärdige Flüsschen bisher der Stadt mehr Schaden als Vorteil zugezogen hat. Die geringen Vorteile, welche es gewährt, bestehen darin, dass ein paar hundert daran wohnende Wäscherinnen sein Wasser benützen; dass es ein paar Mühlen treibt, und den Fiakern aus jener Gegend zu Pferdeschwemme dient. Dagegen hat es Schaden, zu Hunderttausenden (Gulden) an Wert schon angerichtet. Bei dem Schmelzen des Schnees, bei plötzlichen Wolkenbrüchen, bei anhaltendem Regenwetter schwillt dieser Bach, den man in trockenen Sommertagen zu Fuß überschreiten kann, jählings zu einer verderblichen Höhe, überflutet die angrenzenden Dörfer und Vorstädte, füllt Keller, untergräbt Häuser, zerreißt Brücken und Stege, und richtet noch mancherlei Unheil an.“
Ein recht bekanntes Gedicht ist das des Dichters Gewey, das in der Sammlung „komische Gedichte über die Vorstädte Wiens“ im Jahr 1812 veröffentlicht wurde: „Was deine Nachbarn nicht im Hause dulden – Das dringen sie dir schmählich auf, – Du wirst oft lästig, ohne dein Verschulden, – Und olivefärbig ist dein Lauf. – Zum Höllenfraße ganz dich umzustalten – Vermaß dich dieser Frevler Hohn, – Du bist der Styx, der Phlegethon der Alten ...“
Divergierende Schriften, die von nüchterner Zustimmung bis zu wehnütiger Ironie reichten, häuften sich während der Regulierungsarbeiten in Wien.
Gustav Gugitz ist ein Beispiel für die nüchterne Seite: „Die Romantik unserer Wien, die in der letzten Zeit nur der goldenen Jugend Wiens zugute kam, ist nun freilich endgültig verschwunden und wir brauchen darob nicht allzu großes Leid zu tragen, weder über die Mühlen noch über die Wäschermädel. Die schönen stattlichen Boulevard, die nun an Stelle ihrer ausgewaschenen Ufer getreten sind, sind einer Großstadt entsprechender
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und die reizenden Promenaden, die längs des Sadtparks hervorgezaubert wurden, vereinen Kunst und Natur zu einem harmonischen Bild.“
Vertreter des denkmalpflegerisch engagierten Heimatschutzes tendierten zur anderen Seite und monierten noch ein Jahrzehnt später: „Der Wienfluss, dessen gesundheitsschädliche Düfte so geschmäht wurden, ist in einem Grab von Beton und Stein verschwunden und an seiner Stelle werden dem Götzen Verkehr Rauchopfer dargebracht, die gewiß nicht weniger gesundheitsschädlich sind.“
Das bekannteste Abschiedsgedicht ist aber dieses 1897 von Wickenburg geschriebene:
„Du kamst herunter vom Wienerwald,
Die reinste Unschuld vom Lande –
Die Großstadt hat dich verdorben bald,
Und schämt sich nun deiner Schande.
Leb‘ wohl mein Flüsslein, und füg‘ dich still,
Sie wollen Alt-Wien nicht mehr haben,
Und weil’s halt gar nicht sterben will,
So muss man’s lebendig begraben.“
Es war allerdings auch die Zeit, in der soziale Aspekte mit in den Fokus der Berichterstattung rückten. Der Journalist Emil Kläger beschrieb in seinen Vorträgen und in dem 1908 erschienen Buch „Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens“ auch das Elend in den „Quartieren im Wienkanal“. Der Sozialreporter Max Winter leitete sein berühmt gewordenes Buch „Im unterirdischen Wien“ mit einem Kapitel über die „Bewohner des Wienflusstunnels“ ein und zeichnete dabei ebenfalls ein Bild des Elends. Diese Sozialreportagen waren damals allerdings noch selten.
Die Stadt Wien ist auch reich an Sagen, doch die Zahl der den Wienfluss betreffenden Sagen ist gering. In der Hauptsache handelt es sich dabei um den Sagenkreis vom Wassermännlein, mit dem die tragischen Vorkommnisse während der Überschwemmungen verarbeitet wurden. Dieser Sagenkreis, der wohl auf ältere Vorlagen zurückgeht, erfuhr im 18. Jahrhundert, als die Wien besonders reißend geworden war, eine Erneuerung. Darin werden Aussehen und Lebensweise des Wassermännleins beschrieben und die Art und Weise, wie es seine Opfer fand.
Hier eine der Versionen dieser Sage:
In den Ortschaften nächst der ehemaligen „Linie“ erzählt man: Das Wassermännchen bewohnt die Stelle der ehemaligen Wehre abwärts von der Schönbrunner Brücke, wo ein Schleusenhäuschen steht. Seine Kleidung besteht aus einem grauen Rock mir blauen Knöpfen und gelben Beinkleidern. Seine Haare sind grün, glänzend und beständig naß. Den Tag über schläft es in seinen unterirdischen Gemächern, über die das Wasser rieselt. Nach dem Gebetläuten kommt es hervor und lauert. Gerät nun ein Mensch in seinen Bereich, so zieht es behende einen goldenen Kamm aus der linken Rocktasche und kämmt sich die Haare. Hat es dies getan, so ist gemeiniglich der Mensch schon verloren, und nur durch schnelle Geistesgegenwart gelingt es ihm, sich zu retten. Springt er nämlich über die Wagengeleise, so hat das Wassermännchen keine Macht mehr über ihn und zornig taucht es unter, daß die Wellen über ihn zusammenspritzen.
Ein Kürschnermeister von Gaudenzdorf, der weit umher als der beste Schwimmer bekannt war, ging mit seinen zwei Gesellen nach dem Ave Maria an die Wien hinab, um zu baden. Er war der erste im Wasser und zeigte seinen Gesellen, die sich noch nicht ausgezogen hatten, allerlei Schwimmkünste. Auf einmal packte ihn das Wassermännchen beim Fuß und ersäufte ihn im Wasser. Die Gesellen entflohen, ihre Kleider im Stich lassend, und erzählten das traurige Ereignis.
Es gibt weitere Geschichten über oder im Zusammenhang mit dem Wienfluss: die Namensgebende Legende über die Bärenmühle oder die Geschichte über die Bestrafung einer überheblichen Wäscherin, die es ablehnte, dem Wind zur Besänftigung ein kleines Opfer zu geben. Doch gemessen an der Bedeutung des Wienflusses sind es erstaunlich wenige.
Es dürfte nur ein Lied geben, das den Wienfluss zumindest in der ersten Strophe positiv besingt: Der Wienfluss der ist meine einzige Freud‘! Ein Couplet aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit Text und Musik von A. Randl, gesungen von der Soubrette Clotilde Kowala. Hier die ersten beiden Strophen:
Die Donau die wurde in Versen bedacht,
der Strauss hat darüber an Walzer gemacht,
die Donau die Blaue so heisst‘s im Gedicht,
a schöneres Wasserl das giebt‘s amal nicht,
doch ich hab‘ a ganz and‘re Meinung davon,
die Wien ist mir lieber seit langer Zeit schon,
d‘rum sagt‘ ich es immer und sag‘ es noch heut‘,
der Wienfluss der ist meine einzige Freud‘
der Wienfluss der ist meine einzige Freud‘.
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Wie ich hab‘ die Schul g‘stürzt als ganz kleiner Knab‘,
ging ich schon voll Freuden im Wienfluss hinab,
da hätten‘s mich einmal nur schleifen seh‘n soll‘n,
denkt hab‘ ich mir, d‘Schul soll der Teufel halt hol‘n.
Im Sommer hab‘ ich mich bei‘m Wienfluss erfrischt,
dort hab‘ ich tagtäglich zehn Stunden lang g‘fischt,
d‘rum sag‘ ich es immer und sag‘ es noch heut,
der Wienfluss der ist meine einzige Freud,
der Wienfluss der ist meine einzige Freud‘.
Die folgenden Strophen, in denen sehr ironisch auf den Duft und die Wasserqualität eingangen wird, können nicht mehr als Loblied bezeichnet werden. Im zweiten bekannten Lied mit dem Wienfluss als Hauptgegenstand, „Alter Wienfluss pfürt die Gott!“ von Franz Scherer und Josef Hornig, wird der Wiefluss gar nicht wehmütig in sein steinernes Grab entlassen.
Eine Handvoll weiterer Volkslieder aus dem 19. Jahrhundert, die durch die „Flugblätter“ dokumentiert sind, nennt den Wienfluss nur in einzelnen Strophen und spielt dabei meist auf seine negativen Seiten wie seinen „Geruch“ an. Das Wienerlied des 20. Jahrhunderts übsersieht den Fluss gänzlich. Eine genauere Beschreibund der Wienfluss-Lieder inklusive einiger Tonaufnamen enthält die Internetseite www.1133.at / Bericht 855.
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„Alter Wienfluss pfürt di‘ Gott!“ Ein Notenblatt aus dem 19. Jahrhundert.
Zum Abschluss ein romantisches Bild:
Der letzte schöne Baum an der Wien. Aquarell von Rudolf Alt aus dem Jahr 1895. Im Hintergrund ist die ehemalige Karolinenbrücke im Stadtpark zu sehen. © Akademie der bildenden Künste Wien, Kupferstichkabinett
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