Grenzsteine in der Region

inkl. Auflistung und Beschreibung bekannter Herrschaftszeichen und Fotografien zugehöriger Objekte
03.12.2014

Grenzen gibt es von Alters her. Oft fallen sie mit natürlichen, nur schwer überwindbaren Hindernissen wie Bergkämmen oder Flüssen zusammen, manchmal dienen markante natürliche Punkte (z. B. ein Felsen oder eine Eiche, von dessen altslawischer Bezeichnung auch das Wort Grenze stammen soll) als Anhaltspunkt für Grenzverläufe, später auch vom Menschen geschaffene Einrichtungen wie gesetzte Bäume, Furchen, Gräben, Wälle und Mauern, Holzpflöcke und eben auch Grenzsteine. Mehr zu den Grenzen und der Entwicklung ihrer Kennzeichnung erfahren Sie u. a. unter http://de.wikipedia.org/wiki/Grenze.

Heute sind Grenzsteine überall zu finden. Sie markieren Staats-, Landes- und Gemeindegrenzen, Gerichtsgrenzen, die Grenzen von Fluren und Waldbeständen, die Abschnitte von Fischgewässern und vieles mehr. Sie stehen aber nicht nur an gültigen Grenzverläufen, sondern überall im Lande als Zeugen vergangener Herrschaftsstrukturen. Sie sind meist unauffällig und werden kaum beachtet, doch für den Kundigen sind sie steinerne Geschichtsbücher. Sie sind mit dem Boden verbundene Kleindenkmäler und in verschiedener Art geschützt, manche von ihnen stehen sogar unter Denkmalschutz. Trotzdem werden sie immer weniger. Viele wurden schon vor dem Ersten Weltkrieg entfernt und sind zu Pflastersteinen geworden, andere mussten dem wachsenden Siedlungsdruck weichen oder wurden von schwerem Gerät überfahren.

Historische Grenzsteine gibt es in den verschiedensten Formen, es gab keine fixe Regelung für ihre Gestaltung und auch nicht für ihre Beschriftung. In unserer Region haben sie meist einen rechteckigen Grundriss mit abgerundetem oder flachem Kopf und sind aus lokaler Gesteinsart. Auf dem Kopf ist oft der Verlauf der Grenze durch eine Kerbe eingemeißelt. Auf den beiden flachen Seiten sind die Anfangsbuchstaben, Wappen oder Symbole der Eigentümer jener Gebiete, denen die jeweilige Seite zugewandt ist. Manchmal blieb die Rückseite leer und der zweite Anlieger verwendete einen eigenen Stein. Oft wurden diese Zeichen durch die Jahreszahl der Grenzbegehung und die Nummer des Steines ergänzt. Die Nummer konnte auch auf der Schmalseite angebracht und für beide Anlieger ident oder unterschiedlich sein. Die Lage der Grenzsteine wurde auf verschiedene Art und Weise gesichert, oft legte der "Feldschieder" Scherben aus beständigem Material, sogenannte "(stumme) Zeugen" ganz tief in das Loch, ehe er den Stein setzte.

Grenzsteine soll es bei uns ab dem 14. Jahrhundert gegeben haben, ihre "Glanzzeit" hatten sie im 17. und 18. Jahrhundert, als manche von ihnen zu wahren Kunstwerken gerieten. Ab dem 19. Jahrhundert wurden sie wieder einfacher und meist nur mit den Initialen der Eigentümer versehen.

Anlass zum Setzen der Grenzsteine waren Änderungen in den Eigentumsverhältnissen, Änderungen der Grenzverläufe, der Ersatz abhanden gekommener Grenzmarken, gemeinsame Grenzbegehungen aus verschiedenen Anlässen etc. Beispielsweise wurden im Wienerwald im 16. Jahrhundert mehrere Anläufe zur Grenzbeschreibung und Ausmarkung unternommen, aber erst 1573 mit einer Grenzbeschreibung im Waldbuch abgeschlossen. 1622 folgte eine weitere und von 1674 bis 1678 die im Leopoldinischen Waldmarkbuch niedergelegte. Die meisten damals gesetzten Steine tragen das Jahr 1677. Weitere häufige Steine zeugen von der Ausmarkung unter Maria Theresia von 1777 bis 1778.

Die Grenzbeschreibung Ober St. Veits im Franziszeischen Kataster 1819/20 nennt neben älteren Steinen viele Grenzsteine aus dem Jahr 1818, die offensichtlich für diesen Anlass gesetzt wurden.

Quellen:
Knapp, Elisabeth: Steinerne Zeugen. Über die historischen Grenzsteine des 17. und 18. Jahrhunderts in Mauerbach. In: Mauerbacher Beiträge Nr. 16, Hrsg. von Karl Fahringer. Mauerbach: Selbstverlag der Marktgemeinde 2009.
Philippi, Nikolaus: Grenzsteine in Deutschland. Entstehung und Geschichte der Grenzsteine als Steinerne Zeugen in Wald und Flur. Bad Langensalza: Verlag Rockstuhl 2010.

hojos
Wien, im Dezember 2014