Wohnhausanlage Afritsch
Alban-Berg-Weg 1–11, 2–14
Bauzeit: 1963-65
Bauträger: "Volksbau" Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgenossenschaft m.b.H.
Planung: Roland Starzen, Traude und Wolfgang Windbrechtinger
Geländeform: Hügelkuppe des Küniglberges, Aufschüttung und Planierung des nach N, O und S leicht abfallenden Hanges
Objektanzahl: 43 Einfamilienhäuser
Typen: 3 Typen der Atrium-Einfamilienhäuser (für Familien mit ein, zwei oder drei Kindern)
Gartengröße: ca. 500 m2
Gemeinschaftseinrichtungen: Garagen und Autoabstellplätze
Baumaterial: Ziegel, Beton, Holz
Verkehrserschließung: öffentlich: Autobus zum U-Bahnnetz; in der Anlage: Gehweg (Alban-Berg-Weg)
Typologie: Teppichsiedlung
Erhaltungszustand: gut, Atrien z. T. überbaut
Anmerkungen: Privatbesitz
Baugeschichte
Am Osthang des Küniglberges, neben dem ORF-Zentrum, ist eine der jüngsten Siedlungen des 13. Bezirks zu finden: die nach dem Wiener Kommunalpolitiker und Innenminister benannte Wohnhausanlage Josef Afritsch. Sie wird auch "Siedlung Alban-Berg-Weg" genannt, weil dieser quer durch die gesamte Anlage führt und sie in einen Ost- und Westteil trennt.
Entworfen wurde die Siedlung von Architekt Roland Starzen. Da er noch vor der Erledigung dieses Auftrages bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte, wurde das Architektenehepaar Traude und Wolfgang Windbrechtinger von der Planungsgesellschaft "Projektbau" beauftragt, das Bauvorhaben zu vollenden. In den Jahren 1963-65 wurde die Siedlung errichtet. Bauherr war die "Volksbau" Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgenossenschaft m.b.H., die zu Beginn der sechziger Jahre das damals noch unbebaute Areal zu günstigen Konditionen erworben hatte.
Das rautenförmige Grundstück umfaßt eine Fläche von 150 m x 140 m (Garagen und Autoabstellplätze ausgenommen). Da die Hänge des Küniglberges für die geplante Siedlung zu steil verliefen, entschloß man sich, eine nach Norden, Süden und Osten hin leicht abfallende Ebene aufzuschütten und zu planieren, um die einzelnen Parzellen möglichst eben zu gestalten, was eine effizientere Ausnutzung der vorhandenen Grundfläche durch die Bewohner ermöglicht. Die Siedlung wurde somit auf dem Niveau der Hügelkuppe errichtet. Dieser Standort hat den Nachteil, daß die 43 Einfamilienhäuser zur Gänze einem bisweilen starken Wind ausgesetzt sind. Da dies im besonderen die Nutzung der Gärten durch die Bewohner negativ beeinflußt hätte, entschloß man sich, am Westrand, also auf der Seite der Kuppe, schützende mehrgeschoßige Wohnhäuser zu errichten. "Zeittypisch ist die Kombination mit dem Geschoßbau, der als 'Windschutz' motiviert wurde, vermutlich aber eher das Risiko einer neuen Wohnform halbierte."[1]
Die gesamte Anlage ist verkehrsfrei. Gegen die Straßen (Elisabethallee, Wattmanngasse, Würzburggasse) schirmen Bäume und Sträucher, eine Mauer sowie Garagen und Autoabstellplätze die Siedlung ab. Der öffentlich zugängliche Alban-Berg-Weg bildet den Hauptzugang zu den in Zeilen angeordneten bungalowartigen Einfamilienhäusern, die über Privatwege zu erreichen sind. Diese Zugänge sind durch versperrte Gittertüren gegen den öffentlichen Weg hin abgeschlossen. Die Gartenzäune sind relativ niedrig gehalten und aufgrund der dichten Begrünung oft schwer auszumachen.
Bis auf eine Ausnahme, das Lebensmittelgeschäft Anker, besteht keine Möglichkeit zur Nahversorgung. Eine Buslinie mit nahe gelegener Station bildet aber eine gute Verkehrsverbindung zur Kennedybrücke und somit zum U-Bahnnetz.
Aufgrund der soliden Ausführung sind die einzelnen Häuser noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Bis heute waren keine Großreparaturen notwendig. Allerdings setzte sich die Idee der Atrien nicht bei allen Bewohnern durch. Viele von ihnen bauten im Laufe der Jahre den Hof zu einem zusätzlichen Wohn- oder Arbeitsraum um. Der Grund dafür scheint primär darin zu liegen, daß auch ohne Innenhof ausreichend Ruhe und Individualität gewährleistet sind.
Auffallend ist die sehr geringe Fluktuation der Bewohner. Beinahe alle in den sechziger Jahren eingezogenen Familien bewohnen auch heute noch diese Siedlung.
Baubeschreibung
Insgesamt können je nach Größe drei Typen von Einfamilienhäusern unterschieden werden. Die Objekte wurden demnach für Familien mit ein, zwei oder drei Kindern konzipiert. Jedes Haus verfügt über Vorzimmer, Abstellraum, Bad, WC, Küche, Eßnische, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer für Eltern und ein bis drei Kinderzimmer. Die Häuser sind nicht unterkellert und verfügen auch über keinen Dachboden.
Den relativ hohen Bekanntheitsgrad verdankt die Siedlung ohne Zweifel den für sie charakteristischen Atriumhöfen. Jedes Haus ist so geplant, daß jeweils das Elternschlafzimmer sowie die Kinderzimmer an einem Innenhof angeordnet sind. Diese Räume sind somit optimal gegen Lärm und Einsicht von außen geschützt. Absolute Ruhe sollte durch diese Konzeption gewährleistet werden.
Jedes Haus verfügt über einen ca. 500 m2 großen Garten, dessen besonders dichte Bepflanzung mit Bäumen, Sträuchern und Hecken auffällt. Sie wurde von den Architekten mitgeplant. Ziel war es, auch den Garten von Lärm, Einblick durch Nachbarn und Fußgänger gänzlich abzuschirmen. Durch Maßnahmen wie diese wurde es möglich, trotz komprimierter Bebauung des Areals den individualistischen Charakter der Siedlung zu bewahren. Ein gemeinschaftlicher Vorgartenstreifen für jeweils drei Häuser rundet das Erscheinungsbild der einzelnen Objekte ab.
Als Baumaterialien fanden vor allem Beton, Ziegel und Holz Verwendung. Die leicht abfallenden Blechdächer bestimmen in hohem Maße das Aussehen der Siedlung.
Das Haus Alban-Berg-Weg 1 wurde 1995 abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Er fügt sich trotz unterschiedlicher Formensprache unauffällig in die Siedlung ein, variiert die Themen "ebenerdiges Siedlungshaus" und "Abgeschlossenheit der Privatsphäre" und interpretiert den Wohnhof neu.
Alban-Berg-Weg 1
Antonio Germano, 1995
Baugeschichte
Dieses einzige selbständig geplante Einfamilienhaus des jung verstorbenen Architekten A. Germano entstand in intensiver Zusammenarbeit mit den Auftraggebern. Die Form des Grundrisses orientiert sich am Altbau, dessen Grundfläche nach allen vier Himmelsrichtungen hin vergrößert wurde. Eine Kelleranlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die im ursprünglichen Siedlungshaus nicht integriert war, wurde in den Neubau miteinbezogen und für Kellerräume und die Garage mit Zufahrt von der Wattmanngasse adaptiert.
Baubeschreibung
Der an der Eingangsseite schlicht und introvertiert wirkende Baukörper verschließt sich wie die übrigen Häuser der Siedlung dem Betrachter. Lediglich der an der Längsseite über Stufen führende Zugang öffnet die Wand durch eine relativ breite Nische, die als Witterungsschutz dient.
Die Gartenseite hingegen wirkt offen und einladend. Der Wintergarten – als Übergang zum Wohnhof – wie auch die Vergrößerung der Fensterflächen durch die erkerartigen, winkelförmigen Auskragungen schaffen im Inneren des Gebäudes eine helle und freundliche Atmosphäre.
Das Entrée wird durch eine Lichtkuppel erhellt, der Wohnraum und die zu ihm hin geöffnete Küche sind um einige Stufen erhöht. Dieser sensible Übergang vom Vorraum zum Wohnbereich wird noch zusätzlich durch bis zur Decke reichende Glaswände und eine zweiflügelige Glastüre markiert. Ein gleichsam im Weg stehender Rundpfeiler (ein Diskussionspunkt während der Planungsphase) wirkt wie eine Bremse, verhindert ungestümes Vordringen.
Bäder und Garderoben liegen an der "abweisenden" Seite des Hauses; Wohn-, Arbeits- und Schlafräume sind zum natürlichen Licht, zum Gartenhof hin ausgerichtet.
[1] Achleitner: Österreichische Architekten. Bd. III/2. S. 30.