Siedlung Hagenberg

Erzbischofgasse, Himmelhofgasse, Hagenberggasse

Bauzeit: 1954-56
Bauträger: "Vindobona" Gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft m.b.H.
Planung: Rudolf Münch
Geländeform: NO-Hang
Objektanzahl: 20 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 142 Wohnungen
Typen: Dreispänner, Vierspänner
Gartengröße: allgemein zugängliche Grünfläche (ca. 13 500 m2)
Gemeinschaftseinrichtungen: Kinderspielplatz, Waschküche, vier Garagen, Autoabstellplätze
Baumaterial: tragendes Mauerwerk: Mantelbeton; Decken: Betonfertigteil
Verkehrserschließung: öffentlich: Autobus; innerhalb der Anlage: verzweigte Gehwege
Typologie: Wohnsiedlung
Erhaltungszustand: gut, 1983 renoviert
Anmerkungen: infolge der Mehrfamilienhäuser und des Fehlens individuell nutzbarer Gärten nur bedingt als Siedlung zu bezeichnen

Baugeschichte

Die drückende Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg und die damit zusammenhängenden langen Wartezeiten auf eine Gemeindewohnung veranlaßten einige Angestellte und Mitarbeiter der Wiener Städtischen Versicherungsanstalt, die Initiative für die Gründung einer gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft zu ergreifen.

Die sog. "Vindobona" Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft war dann tatsächlich in der Lage, mit finanzieller Unterstützung der Versicherung, welche langfristige Kredite gewährte, die Siedlung am Hagenberg zu errichten. 60% der Baukosten wurden durch ein Darlehen des Bundes-Wohn- und Siedlungsfonds, 30% durch ein Darlehen der Gemeinde Wien und 10% durch Eigenmittel der Bewohner gedeckt.

Die Anlage entstand auf einer Grundstücksfläche von ca. 17 000 m2, auf der sich vorher Wiesen und Schrebergärten befunden hatten. Nur 20% der Grundfläche wurden verbaut, der Rest ist eine von Erschließungswegen durchzogene Grünzone, die allerdings nicht als zu den jeweiligen Wohnungen gehörender Gartenbereich benützt werden kann.

So bescheiden diese Wohnhausanlage für h. Verhältnisse anmuten mag, sie bedeutete in der Nachkriegszeit für viele Menschen die Erfüllung eines Traumes: helle, trockene Wohnungen, die mit dem Komfort von eingebauter Küche, Bad und eigenem WC ausgestattet waren und in herrlicher naturverbundener Umgebung lagen.

Baubeschreibung

Die Siedlung besteht aus 20 zweigeschoßigen, unterkellerten Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 142 Wohnungen. Die einzelnen Baublöcke sind so angeordnet, daß trotz der NO-Hanglage für alle Wohnungen möglichst gute natürliche Lichtverhältnisse gegeben sind. Dies gelang auch durch Wohnungsgrundrißlösungen, die zum Teil die gesamte Hausbreite umfassen und damit Lichteinfall von zwei Seiten ermöglichen.

Als Gemeinschaftseinrichtungen wurden in der Mitte der Anlage ein Kinderspielplatz sowie eine Waschküche eingerichtet.

Die zwei Haustypen mit je sechs bzw. acht Wohnungen sind in drei Fällen in Reihe verbunden, wobei der relativ lange Block durch geringes Versetzen in der Längsachse wie auch durch einen schwachen Knick in derselben etwas variiert wird.

Die schlichte Quaderform der mit gering geneigten Satteldächern gedeckten Häuser wird durch etwas vorgesetzte Eingangs- und Stiegenbereiche, die ursprünglich in der Komplementärfarbe der Fassadenfarbe gehalten waren sowie durch bisweilen angesetzte Balkone gegliedert. Die Schmalseiten der Häuser erhalten durch jeweils zwei kleine Rundfenster zur Dachdurchlüftung belebende Akzente.

Die alte Farbgebung in Ocker, Grün und Rostbraun war vor der Renovierung 1983 intensiver und führte zur volkstümlichen Bezeichnung "Papageiendörfl". Übrigens wurde auch die schon 1913-15 entstandene Ostmarksiedlung (-> Ostmarksiedlung) wegen ihrer variantenreichen Farbgebung einiger Baudetails in der Umgangssprache so genannt.

Die Grundrisse der relativ kleinen Wohnungen sind bis auf geringe Abweichungen um die Querachse des Hauses und um das sich dort befindende, zentral gelegene Stiegenhaus gespiegelt. Die Abweichungen betreffen u. a. das schon erwähnte Übergreifen einzelner Wohnungsteile in den jenseits der Längsachse gelegenen Bereich. Dadurch wurde es in Verbindung mit den zwei Haustypen möglich, vier verschieden große Wohnungen zu entwickeln: 22 Wohnungen weisen 35 m2 mit je einem Zimmer und Nebenräumen auf, 58 Wohnungen je 44 m2 mit einem Zimmer, Kabinett und Nebenräumen, 40 Wohnungen je 48 m2 mit zwei Zimmern und Nebenräumen. 22 Wohnungen besitzen eine Grundfläche von 60 m2 und bestehen aus je zwei Zimmern, einem Kabinett und Nebenräumen. In einigen Fällen besteht der Nachteil, daß das Bad nicht vom Vorraum sondern von der Küche bzw. von einem Wohnraum aus betreten werden muß. Dadurch war es allerdings möglich, in diesen Wohnungen einen Abstellraum einzuplanen.

Im Wohnzimmer sind Parketten gelegt, in den anderen Wohnräumen und in den Nebenräumen befindet sich ein Terragomme-Fußboden. Fenster- und Türstöcke sind aus Metall. Die Küchen wurden in der Art der damals hochmodernen "amerikanischen Einbauküchen" eingerichtet. Die einzelnen Wohnungen sind mit einer gasbefeuerten Warmwasserumlaufheizung ausgestattet.

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

Übertragen von hojos
im September 2026