Werkbundsiedlung

Jagdschloßgasse, Veitingergasse, Woinovichgasse, Jagicgasse, Engelbrechtweg

Bauzeit: 1930-32
Bauträger: Heimbauhilfsaktion der Gemeinde Wien
Gesamtplanung: Josef Frank
Geländeform: nach NW ansteigend
Objektanzahl: 70
Typen: ebenerdige, zwei- und dreigeschoßige Reihenhäuser, zwei- und dreigeschoßige gekuppelte Typen, freistehende Einfamilienhäuser, Sondertypen
Gartengröße: im Durchschnitt ca. 200 m2
Gemeinschaftseinrichtungen: keine
Baumaterial: Ziegel, Kellerdecken aus Beton, Zwischendecken: Beton- oder Holztramdecken
Verkehrserschließung: öffentlich: Straßenbahn, Autobus; innerhalb der Anlage nach städtebaulichen Überlegungen bewußt gesetzte öffentliche Platz- und Wegsituationen
Typologie: Mustersiedlung
Erhaltungszustand: 1982-85 vorbildliche Renovierung der meisten Häuser
Anmerkungen: teilweise Privatbesitz

Baugeschichte

"Das Ziel des Werkbundes ist es, die handwerkliche Arbeit zu veredeln und sie mit Kunst und Industrie zu verbinden (...). Der Bund will eine Auswahl treffen unter dem Besten, was Kunst, Industrie, Handwerk und die aktiven handwerklichen Kräfte hervorbringen, er will die in der Welt der Arbeit bestehenden Bemühungen um Qualitätsarbeit koordinieren; er ist Sammelpunkt für alle, die fähig und gewillt sind, Qualitätsarbeit zu leisten (...)."

Dies sind zentrale Sätze aus den Statuten des Deutschen Werkbundes, der 1907 von einer Gruppe von Künstlern, Architekten, Journalisten, Kritikern und Fabrikanten gegründet wurde. Gründungsmitglieder waren u. a. Josef Olbrich, Josef Hoffmann und Peter Behrens. Die Gründung des Österreichischen Werkbundes erfolgte wie die einiger anderer nationaler Werkbünde mehrere Jahre später, nämlich 1912/13. Seine erste intensive Arbeitsperiode erstreckte sich von der Gründung bis zur Kölner Werkbundausstellung 1914, bei der seine Exponate einen großen Erfolg errangen. Der Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrach abrupt die Arbeit des Österreichischen Werkbundes, und nach Kriegsende gelang es nicht, an die kurze fruchtbare Schaffensperiode von 1913/14 anzuschließen. Wegen der drückenden Arbeitslosigkeit bestand kein allzugroßes Interesse an einer Industrialisierung des Bauens und des Kunsthandwerkes. Erst 1929 setzte der Österreichische Werkbund unter der Leitung von Josef Frank seine Tätigkeit fort.

Bei der Jahresversammlung 1929 in Breslau hatte der Deutsche Werkbund die von einer österreichischen Delegation, zu der u. a. Josef Frank, Oswald Haerdtl und Walter Sobotka gehörten, ausgesprochene Einladung zur Jahresversammlung 1930 in Wien "mit freudiger Zustimmung"[1] angenommen. Aus diesem Anlaß plante der Österreichische Werkbund eine Reihe von großangelegten Veranstaltungen, deren Hauptprogrammpunkt eine zu errichtende Werkbundsiedlung sein sollte. Ein wesentlicher Impuls für dieses Vorhaben war die durch den Deutschen Werkbund angeregte und von der Stadt Stuttgart finanzierte Weißenhofsiedlung, die in den Jahren 1926/27 errichtet worden war. Unter der künstlerischen Gesamtleitung Mies van der Rohes hatte die damalige Avantgarde der Architekten aus Deutschland und den Nachbarländern, u. a. Peter Behrens, Le Corbusier, Walter Gropius, J. J. P. Oud, Bruno und Max Taut, 60 Wohneinheiten in gemischter Bauweise geschaffen. Der einzige Österreicher, Josef Frank, hatte ein zweigeschoßiges Doppelhaus gebaut.

Da sich die Errichtung der Wiener Werkbundsiedlung verzögerte, stand die Ausstellung "Vorbildliche Gaststätten" unter der Leitung von Josef Hoffmann im Mittelpunkt der Wiener Tagung 1930. Gegen Ende des folgenden Jahres wurde "Der gute, billige Gegenstand" vorgestellt; 1932, zum 20-jährigen Jubiläum des Österreichischen Werkbundes, konnte schließlich die Internationale Werkbundsiedlung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Nach internen Auseinandersetzungen, nicht zuletzt aber auch aufgrund politischer Spannungen, gründeten Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister und andere den "Neuen Werkbund"; jedoch weder der "alte" noch der "neue" Werkbund traten im weiteren besonders in Erscheinung.

Die Baugeschichte der "Internationalen Werkbundsiedlung Wien 1932" ist stark von den Bauprogrammen der Gemeinde Wien, nicht zuletzt aber auch von technischen Problemen beeinflußt. Im wesentlichen lassen sich Planung und Errichtung der Siedlung in drei Phasen gliedern.

"Die Siedlung war zunächst für einen Baugrund an der Triester Straße geplant. Ihr erstes Programm war, sie im Rahmen der Wohnbautätigkeit der Gemeinde Wien zu errichten. Es sollten innerhalb dieses Rahmens neue Typen des Kleinhauses und des Stockwerkhauses gezeigt werden."[2] Das Projekt bezog sich in Straßenführung und Baumassengliederung auf die von Franz Schuster und Franz Schacherl 1923/24 errichtete Siedlung "Am Wasserturm". Die Gemeinde Wien hatte zunächst, d. h. vor allem in den Jahren 1918-23, großes Interesse an der Mitarbeit profilierter Architekten für ihre umfangreichen Wohnbauprojekte gezeigt: Adolf Loos entwarf ein Terrassenhaus mit etwa 100 teilweise zweigeschoßigen Wohnungen, mit Hochstraßen als Kommunikationsebenen für die Bewohner und vielen anderen ungewöhnlichen Einrichtungen, Oskar Strnad plante eine Wohnanlage mit Terrassenhäusern und Hochhäusern in gemischter Verbauung, Peter Behrens, Josef Frank, Josef Hoffmann und Oskar Strnad entwarfen gemeinsam eine Wohnhausanlage. Nur dieser letzte Vorschlag wurde - allerdings in reduzierter und veränderter Form - in der Werkbundsiedlung realisiert. Die anderen Entwürfe gelangten nicht zur Ausführung. So wurde auch die Möglichkeit nicht genützt, die errichteten "Wohnmaschinen", die üblichen Gemeindebauten, mit Stockwerkhäusern im Rahmen einer Gartensiedlung zu vergleichen. "Dieses Projekt wurde aus verschiedenen Gründen (...) fallengelassen", steht im Katalog der Siedlung.

"Das zweite Projekt wurde wohl für die gleiche Baustelle bearbeitet, war aber schon für die Heimbauhilfsaktion der Gemeinde Wien bestimmt, die auf dem Erbbaurecht gegründet ist"[3], d. h. es wurde mit den im Projekt verbliebenen Einfamilienhäusern eine andere Bevölkerungsschicht als ursprünglich vorgesehen angesprochen, da sich die finanziellen Anforderungen eines Eigenheimes wesentlich von jenen eines zu mietenden Hauses unterscheiden. Der Raumbedarf war für Mittelstandsfamilien mit zwei bis drei Kindern und Hausmädchen ausgelegt. "Dieses zweite Projekt wurde bis zur Baureife durchgearbeitet, mußte aber ebenfalls aufgegeben werden, weil die Umgebung des Terrains inzwischen in einer Weise verbaut wurde, welche die Anlage einer Kleinhaussiedlung in ihrer Nachbarschaft nicht geeignet erscheinen ließ. Es wurde das neue Grundstück in Lainz bestimmt, das mit dem bisherigen (...) keinerlei Ähnlichkeit hat."[4]

Diese Verlegung der Siedlung an die Peripherie von Wien, 20 Gehminuten vom nächsten öffentlichen Verkehrsmittel entfernt, inmitten von Feldern und einigen Villen bedeutete eine wesentliche Verminderung der Wirkungsmöglichkeit dieses Projekts, das hier weit ab von allen vergleichbaren Anlagen realisiert werden sollte. Dazu kam noch eine starke Erhöhung des Baupreises durch die ungünstigen Bodenverhältnisse. Der ursprüngliche Baugrund an der Triester Straße wäre ein ebenes, trockenes, rechteckiges Gelände gewesen, das eine Aufschließung ohne Rest und Zwickelflächen ermöglicht hätte. Hier in Lainz lag ein dreiecksförmiger Bauplatz in einem nach Osten geneigten Geländeeinschnitt, der einen äußerst hohen Grundwasserspiegel und teilweise sogar offenes Gerinne aufwies. Es mußten rund drei Meter aufgeschüttet werden, und die meisten Häuser wurden unterkellert, was ursprünglich ebenfalls nicht vorgesehen war. Außerdem war man gezwungen, die Erschließung und die Organisation einiger Häuser zu ändern. Dazu Josef Frank: "Die Häuser, deren Pläne nun bereits vorlagen, wurden nun auf den neuen Grund übertragen, was bei der Vielfältigkeit der Formen individuelle Rücksichtnahme auf jedes einzelne Objekt notwendig machte. Da es sich aber durchwegs um Typenhäuser handelt, so mußte ihre Verwendung an jeder beliebigen Baustelle möglich sein, was durch geringfügige Abänderungen auch durchwegs erreicht wurde. (...) Unter diesen Voraussetzungen hat die Siedlung ihre jetzige Gestalt erhalten. Sie hat deshalb nicht die Form einer geplanten, einheitlichen Siedlung, sondern eher die einer gewachsenen."[5] Dennoch gelang J. Frank mit der Anordnung der Objekte und der Koordinierung der verschiedenen Vorstellungen der beteiligten Architekten eine auch vom städtebaulichen Standpunkt aus zufriedenstellende Lösung. Dies zeigt sich vor allem bei der Weg- und Platzanordnung. Unverkennbar bleibt jedoch, daß die Präsentation von einzelnen oder in Reihen erstellten Haustypen ein vordergründiges Motiv der Siedlung darstellt.

"Der Österreichische Werkbund müßte eigentlich 'Wiener Werkbund' heißen. Sicher wurde auch in einigen Bundesländern der Werkbundgedanke aufgenommen (oder übernommen), aber die Auseinandersetzungen, soweit man sie so bezeichnen kann, passierten in Wien."[6] So gesehen erscheint es natürlich, daß vorwiegend in Wien tätige Architekten von Josef Frank, der für die gesamte Organisation verantwortlich zeichnete, zur Mitarbeit eingeladen wurden. Auch die beiden beteiligten Auslandsösterreicher stammten aus Wien und hatten hier studiert. "Man hat aus Prinzip keine von den Architekten eingeladen, die bei der Stuttgart-Ausstellung mitgearbeitet haben, aus dem Grund, man solle auch anderen modernen Architekten die Möglichkeit geben, etwas zu tun."[7] Aus dem Ausland wurden lediglich Jacques Groag (Frankreich), Gabriel Guevrekian (Persien), Hugo Häring (Deutschland), André Lurçat (Frankreich) und Gerrit Rietveld (Holland) eingeladen. Neben den Auslandsösterreichern Richard Neutra und Arthur Grünberger finden sich unter den insgesamt 32 Architekten berühmte Namen wie Anton Brenner, Max Fellerer, Josef Frank, Oswald Haerdtl, Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister, Ernst Lichtblau, Adolf Loos, Ernst A. Plischke, Otto Niedermoser, Margarete Schütte-Lihotzky, Oskar Strnad, Hans A. Vetter.

Insgesamt wurden 33 Haustypen entworfen, von denen 22 als Reihenhaustypen, sieben für gekuppelte Verbauung, drei als Einzelhaus- und eine als Sondertype geplant wurden. Von den insgesamt 70 Häusern wurden 53 in Häuserzeilen zusammengefaßt, 14 stehen paarweise, und nur drei wurden freistehend errichtet.

Die gesamte Siedlung ist in zwei Bereiche zu gliedern: in den "Ring" rund um den "Hauptplatz" - eine Erweiterung der Woinovichgasse, die quer durch die Siedlung führt - und in den "Halbring", der von den Häusern und Häuserzeilen entlang der Veitingergasse und der Jagdschloßgasse gebildet wird. Zwischen diesen beiden Bereichen sind Einzel- und Doppelhäuser angeordnet. Zwölf der Häuser sind ebenerdig, 37 haben ein Erd- und Obergeschoß, die restlichen 21 weisen ein Erd- und zwei Obergeschoße auf. Bei elf der 70 Häuser war eine Unterkellerung nicht notwendig, bei allen anderen erwies sie sich als unumgänglich. Die Wohnfläche der einzelnen Objekte liegt zwischen 57 m2 und 125 m2, meistens aber um 75 m2; die Grundstücke sind im Durchschnitt etwa 250 m2 groß.

Aufgrund der Verlegung des Bauplatzes kam es, um die Steigerung der Kosten ein wenig abzufangen, zu einer von der gemeindeeigenen Firma GESIBA verordneten Vereinheitlichung der Bauausführung, was den Wünschen einiger Architekten wie Richard Neutra und Hugo Häring widersprach. Die Fundamente bzw. Keller wurden meist aus Ziegelvollmauerwerk, seltener aus Stampfbeton, die Wände aus 32 cm starkem Ziegelmauerwerk errichtet. Isoliert wurde mit einer fünf Millimeter starken Bitumenschicht, die man im Kellerfußboden und in den Kellerwänden durch eine Juteeinlage verstärkte. Die Kellerdecken bestehen aus Beton-, die Zwischendecken wurden als Beton- oder Holztramdecken erstellt. Der Verputz erfolgte außen mit Quarzsand, innen in der üblichen Art (grob, fein). Die Außenwände waren weiß bzw. in verschiedenen Pastelltönen gehalten. Das Farbkonzept entwarf László Gábor, Maler und geschäftsführender Sekretär des Werkbundes. In die Häuser von André Lurçat (Objekte 25-28) wurden Wendeltreppen aus Steinstufen mit Eisengeländern eingebaut, in die anderen meist Holzstiegen. Am häufigsten war Normalofenheizung geplant, die Installation von Zentralheizungen war möglich.

Im Herbst 1930 wurde mit dem Bau der Siedlung begonnen; am 4. 6. 1932 konnte die Ausstellung "Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932" eröffnet werden. Der Besuch von über 100 000 Interessenten innerhalb von acht Wochen sowie die sehr positive Beurteilung durch die internationale Fachpresse zeigen den beachtlichen Erfolg.

Die Heimbauhilfsaktion der Gemeinde Wien, von der die Errichtung der Werkbundsiedlung finanziert worden war, sah vor, daß die Häuser zum Kauf in Baurecht bestimmt waren, d. h., sie konnten erworben werden, wobei jedoch die Grundstücke in Händen der GESIBA als dem Vertreter der Gemeinde Wien verblieben. Das Baurecht wurde den Baurechtswerbern bis zum Jahr 2000 gewährt. Bei Vertragsabschluß war eine Anzahlung von 40% des Kaufpreises zu erlegen, der Rest war bei 4% Zinsen in längstens 15 Jahren zu bezahlen. Die Häuser kosteten zwischen 25 000 S und 65 000 S. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Monatslohn betrug damals 220 S. Kurz nach Ausstellungsende waren 14 Häuser verkauft. Mehr Interessenten fanden sich jedoch auch dann nicht, als die Zahlungsbedingungen erleichtert wurden.[8] Schließlich übernahm 1939 die Gemeinde Wien die verbliebenen 56 Häuser in ihre Verwaltung und vermietete sie.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte ein Bombenangriff die Häuser von Hugo Häring (4, 5), Oskar Strnad (13, 14) und Walter Sobotka (29, 30). Roland Rainer errichtete 1951/52 an der Stelle des Hauses 4 (Engelbrechtweg 8) und Rudolf Dinner 1951 an der Stelle des Hauses 5 (Engelbrechtweg 10) je ein Einfamilienhaus. Die Häuser 13 und 14 (Engelbrechtweg 5, 7) wurden 1952/53 durch ebenerdige Einfamilienhäuser von Friedrich Pangratz ersetzt. Wo einst die Häuser 29 und 30 (Veitingergasse 95, 97) gestanden waren, wurde von der Gemeinde Wien 1956/57 ein dreigeschoßiges Miethaus mit sechs Wohnungen nach Plänen von Heinrich Reitstätter gebaut.

All den zum Teil sehr verschiedenen Haustypen ist die besondere Beachtung der Verbindung von Haus und Garten, Innen und Außen gemeinsam. Was immer die Architekten an Ideen einbrachten, der harmonischen Eingliederung der geschaffenen Räume in ihre natürliche Umgebung wurde besonderes Augenmerk geschenkt. Wohnwert entsteht hier auch aus der Begegnung der Natur mit den Bedürfnissen des Menschen, der sich in seine Umwelt eingliedert, sie zugleich aber vereinnahmt. Daß dies auf sehr bewußte und dennoch behutsame Weise möglich ist, kann aus den ausgewählten Beispielen abgelesen werden.

Bei der Verwirklichung des Siedlungsvorhabens hat sich aber darüber hinaus gezeigt, wie Ideologie und Theorie des Werkbundes durch Lösungsversuche einiger Architekten, gleichsam durch "Modelle im Maßstab 1:1"[9], erprobt wurden. So sehr heute diese Proben in den meisten Fällen als erfolgreich bestanden erkannt werden, so sehr verwundert es, daß diese Anlage mit ihren Beiträgen zum Thema Siedlungshaus so lange keinen bedeutenden Einfluß auf das Baugeschehen der letzten Jahrzehnte in Österreich fand - und dies, obwohl gerade bei dieser Siedlung in zahlreichen Beispielen Klarheit und Sauberkeit der vom Inhalt begründbaren und verstehbaren Form erkennbar sind, die "Konzentration menschlicher Arbeit auf das radikal nackte Schöne - damit Verzicht auf das Allegorisieren des Schönen (z. B. im Ornament) (...)"[10] gegeben ist.

Erst seit kurzem scheint man wieder auf diese hervorragenden Beispiele phantasievoller, ökonomischer und im guten Sinn bescheidener Architektur zurückgreifen zu wollen. Man erkennt die geglückte Synthese von einem Minimum an Raumaufwand und dem Optimum an Wohnlichkeit, letztlich aber auch von ausgeprägtem Individualismus und Gemeinschaft.

Die Siedlung steht als Ensemble seit 1978 unter Denkmalschutz. Anläßlich ihres 50-jährigen Jubiläums beschloß die Gemeinde Wien 1982 die Renovierung. 1985 konnten die mit großer Sorgfalt durchgeführten Arbeiten, die unter der Leitung von Adolf Krischanitz standen, abgeschlossen werden. Bei dieser Gelegenheit wurden viele kleine Veränderungen, die von Mietern vorgenommen worden waren, soweit wie möglich rückgängig gemacht und der ursprüngliche äußere Gesamteindruck der Siedlung, die sich lange Zeit in einem ziemlich desolaten Zustand befand, wiederhergestellt. In der ehemaligen Trafostation neben dem Haus von Josef Frank befindet sich seit der Renovierung ein kleines Museum mit Foto-, Plan- und Textinformationen über die Siedlung.

Die nun folgende kurze Darstellung einzelner im Rahmen der "Internationalen Werkbundausstellung Wien" gezeigter Haustypen kann nur eine Auswahl bieten, die keine Wertung beinhalten soll.

[1] Dreibholz: Die Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932. S. 41.
[2] Frank: Die Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932. Ausstellungskat. S. 7.
[3] Ebda. S. 7.
[4] Ebda. S. 8.
[5] Ebda. S. 8.
[6] Achleitner: Der Österreichische Werkbund und seine Beziehungen zum Deutschen Werkbund. In: Burckhardt: Der Werkbund in Deutschland, Österreich und der Schweiz. S. 102ff.
[7] Brief von Dagmar Grill an Hermann Czech vom 1. 8. 1970.
[8] "Der Bau von Einfamilienhäusern war für die damalige Notzeit ein Luxus, auch wenn sie sehr klein waren." In: Uhl: Moderne Architektur in Wien. S. 47.
[9] Krischanitz/Kapfinger: Die Wiener Werkbundsiedlung. S. 7.
[10] Ebda. S. 11.

Baubeschreibungen

Haus 12
Woinovichgasse 32

Josef Frank

Josef Frank, dem die Leitung der gesamten Anlage anvertraut war, errichtete selbst nur ein Haus in dieser Siedlung. Die Wohnfläche von 100 m2 war für drei bis vier Personen geplant. Es ist dies eines der wenigen Häuser, das nur freistehend und nicht reihen- oder zumindest paarweise gebaut werden kann. Josef Frank variierte hier seinen 1927 für die Stuttgarter Weißenhofsiedlung entwickelten Raumtypus.

Wenn es auch von der Woinovichgasse her so scheint, als wäre ein Kubus mitten in die Grundfläche gesetzt worden, so ändert sich dieser Eindruck mit dem Betreten des seitlich am Grundstück vorbeiführenden Engelbrechtweges. Von hier aus erkennt man, daß eine Hälfte des Obergeschoßes als Terrasse dient. Dadurch öffnet sich das sonst eher geschlossen wirkende Gebäude zum Garten hin.

Die Verbindung Haus - Garten ist besonders betont: Nach Süden schließt eine große, dreiflügelige Glastüre den Wohnraum zum Garten hin, zugleich scheint aber eine schattenspendende Pergola diesen langgestreckten zentralen Raum im Freien fortzusetzen und so eine Einheit Wohnraum - Wohngarten herzustellen. Von diesem zentralen Raum aus sind alle anderen Teile des Hauses zugänglich, die Küche ebenso wie die beiden durch das Bad getrennten Schlafräume und auch die offen geführte Stiege in das zweite Geschoß. Von der Küche kann der Ausgang erreicht werden, ohne daß man den Wohnbereich berührt.

Die beiden Wohnräume im Erdgeschoß und im ersten Stock sind von Süden, die Schlafräume von Osten belichtet. Der Wohnraum im Erdgeschoß besitzt ein zweites Fenster, das nach Norden gerichtet ist, sodaß die Möglichkeit der Querbelüftung besteht. Im Nordteil des Wohnraumes ist auch der Eßbereich gedacht, da sich hier ein Durchgang zur Küche befindet. Ebenso wie dieser Zentralraum durch die Laube gleichsam nach außen verlängert ist, setzt ihn die Stiege nach obenhin fort, wodurch der Eindruck eines langen, relativ schmalen Raumes (sieben Meter lang, drei Meter breit) gemindert wird. Das symmetrische Konzept des Erdgeschoßgrundrisses läßt feine Abweichungen erkennen; so sind z. B. Türen und Fenster neben die Raumachsen gerückt.

Das Obergeschoß besteht aus einem in W-O-Achse gelegenen Wohn- bzw. Atelierraum mit an der Südseite vorgelagerter Terrasse sowie aus einer Kammer. Beide Räume sind ausschließlich von Süden her belichtet. Die Terrasse erhält durch den etwas vorspringenden Kamin einen plastischen und farblichen Akzent.

Die Ausstellungsmöblierung sollte improvisiert und frei wirken und stand im Gegensatz zu den klar definierten und eingepaßten Einrichtungen von A. Loos und H. Kulka.

Westlich vom Haus, mit diesem durch einen Bogen verbunden, befindet sich die ehemalige Elektrizitätszentrale der Siedlung (heute Foto-, Plan- und Textinformation über die Siedlung). 

Häuser 13, 14
Engelbrechtweg 5, 7

Oskar Strnad

Zu den Häusern, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, zählen u. a. die beiden von Oskar Strnad errichteten. Die Gebäude waren spiegelbildlich zueinander geplant; man hätte die Reihe endlos fortsetzen können. Für den ersten Bauplatz in der Triester Straße sollten nicht nur zwei, sondern vier Häuser errichtet werden, um die Rhythmik der so entstehenden Häuserzeile noch stärker zur Geltung zu bringen. Mit besonderer Sorgfalt scheint der Architekt die Übergänge von außen nach innen behandelt zu haben: Das Eingangspodest war seitlich geschützt und überdeckt; von diesem Windfang aus waren Küche und Keller direkt zu erreichen, ohne daß man den Wohnbereich störte. Vom Vorraum aus betrat man im rechten Winkel zur Eingangsachse den Wohnraum bzw. den Aufgang zum Obergeschoß. Der Weg vom Eingang bis zum Wohnzimmer war fünfmal geknickt und führte stufenweise aus dem Dunkel ins Licht. Der Wohnraum, der parallel zur Eingangsachse lag, führte geradewegs in den Garten. Der Eßplatz im nördlichen Teil dieses Raumes wurde von einem Fenster, das gleichzeitig die Querbelüftung des Zimmers erlaubte, belichtet und war mit der Küche mittels einer Durchreiche verbunden.

Der Übergang vom Wohnraum in den Garten wirkte besonders harmonisch durch die Rundung der Außenmauer, die allmählich zu einer von der Terrasse des Obergeschoßes überdeckten Loggia und weiter in den Garten führte. Dadurch schien das Haus dem Garten entgegenzustreben, sich in ihm gleichsam fortzusetzen.

Das Bad im Erdgeschoß war sowohl vom Vorraum als auch von einem ebenfalls nach Süden gerichteten Zimmer zu betreten.

Im Obergeschoß befanden sich zwei weitere Räume sowie eine teilweise überdachte Terrasse. Gegenseitige akustische Störungen der Häuser wurden durch die spiegelbildlichen Anordnungen vermieden.

Neben den gelungenen Übergängen von außen nach innen zeichneten sich die Häuser vor allem durch kurze Verkehrswege aus, durch die viel Stellfläche gewonnen werden konnte.

Auf den Fundamenten der beiden Häuser wurde nach dem Krieg ein ebenerdiges Einfamilienhaus in Holzbauweise errichtet. 

Häuser 35, 36
Veitingergasse 107, 109

Ernst A. Plischke

Einer der jüngsten unter den Architekten der Werkbundsiedlung 1932 war der Wiener Ernst A. Plischke, der die Häuser 35 und 36 entwarf. Diese beiden äußerst komplexen Bauten zählen zu den am interessantesten durchgestalteten. Von der Straße fallen die schmalen Fensterbänder sowie der vorspringende Quader, in dem sich Windfang und Stiege befinden, auf. Im Inneren sind die einzelnen Funktionsbereiche durch Niveauunterschiede und daraus resultierende verschiedene Raumhöhe auch optisch deutlich getrennt. Das eine Stufe unter dem Eingangsniveau liegende Wohnzimmer mit Möglichkeit zur Querbelüftung öffnet sich nicht direkt zum Garten, sondern zu einem seitlich vorgelagerten, von der Terrasse des Obergeschoßes überdeckten Platz im Freien, von dem aus einige Stufen hinunter in den Garten führen. Diese Situation ergibt an der Gartenfassade eine interessante Auflockerung der Fläche.

Die Möblierung des Wohnraumes mußte aufgrund des hohen Anteiles der Verkehrsflächen sehr sparsam und vor allem entlang der Wände erfolgen. Badezimmer und WC sind auf einem eigenen Niveau zwischen Wohn- und Schlafbereich untergebracht, sodaß Gäste die private Sphäre nicht stören, vor allem aber ist der Weg zu Bad und WC vom Wohnbereich einerseits und vom Schlafbereich andererseits in etwa gleich lang.

Bei additiver Anordnung der Häuser entsteht vor allem an der Gartenseite durch den plastischen, zweifach von Loggia und Terrasse ausgehöhlten Baukörper eine rhythmisierte Häuserzeile. Es kommt allerdings zu gegenseitigen akustischen Störungen - das Bad liegt nur etwas versetzt neben dem Schlafzimmer des Nachbarn - , die bei gespiegelter Reibung nicht auftreten würden.

Dieses Haus beeindruckt sowohl außen durch die gelungenen Maßverhältnisse der einzelnen Bauteile und deren Beziehung zueinander als auch innen durch phantasievolle und funktionsgerechte Gestaltung. 

Häuser 41, 42
Jagdschloßgasse 88, 90

Ernst Lichtblau

Die beiden Häuser von Ernst Lichtblau unterscheiden sich vor allem in den Erdgeschoßlösungen. Eines war als Reihenhaus, eines für gekuppelte Bebauung gedacht. Durch die verschiedene Lage der Eingänge mußten auch die Stiegenaufgänge in das Obergeschoß unterschiedlich angeordnet werden: Konnte im Haus 42 die Stiege in den Wohnraum einbezogen werden, so mußte sie im Haus 41 vom Vorraum aus an der Wand geführt werden. Dadurch blieb dem Architekten genug Raum, hier eine vom Wohnraum nur durch verschiebbare Glaseisenwände getrennte Wohnküche, deren Kochnische durch einen Vorhang verschließbar war, zu planen. Im Haus 42 ist die Küche vom Wohnraum getrennt angeordnet; dieser ist dafür um einen Erker erweitert. Im Obergeschoß beider Häuser sind drei Räume und ein Bad auf ähnliche Weise um einen Vorraum gruppiert. 

Häuser 61, 62
Woinovichgasse 2, 4

Margarete Schütte-Lihotzky

Die einzige Frau, die an diesem Projekt des Österreichischen Werkbundes beteiligt war, lebte während der Planung nicht in Wien und konnte daher weder auf Ausführung noch auf Ausstellungsmöblierung Einfluß nehmen. Der Entwurf für die beiden Reihenhäuser, die zu den kleinsten Objekten der Siedlung gehören, war ein einfach konzipierter Kubus von etwa 6 m Seitenlänge, der sich durch kompakt angeordnete Funktionsgruppen auszeichnet.

Von entscheidender Bedeutung ist der Wohnraum, dessen relative Größe zwangsläufig auf Kosten der übrigen Räume erreicht wurde. Um das Volumen des im Wohnraum liegenden Aufganges in das Obergeschoß möglichst klein zu halten, wurde eine industriell gefertigte und in jeder Länge zuschneidbare Wendeltreppe verwendet. Von diesem Wohnraum aus sind alle anderen Bereiche - Küche, Schlafräume, Garten - einfach erreichbar, die Verbindungen sind sehr kurz. Der Balkon ist vom größeren der beiden Schlafzimmer zugänglich. Von einer Dachterrasse sah die Architektin wegen unzulänglicher Isolierbarkeit ab. 

Häuser 23, 24
Jagicgasse 8, 10

Clemens Holzmeister

Die Häuserzeile, die den "Hauptplatz" der Werkbundsiedlung, die Erweiterung der Woinovichgasse, gegen Osten abschließt, präsentiert eher konventionelle Vorschläge zum Thema "Einfamilienhaus mit Garten".

Zwei dieser acht Bauten stammen von Clemens Holzmeister. Ein subtil gestalteter Eingang - über drei Stufen erreicht man ein Podest, das Basis einer zum Teil mit Glasdach abgedeckten Pergola ist - führt in den Vorraum. Die Funktionen Schlafen und Wohnen sind stockwerkweise getrennt: Vorraum mit Treppenansatz in den ersten Stock, Küche, WC und Wohnraum liegen im Erdgeschoß, zwei Schlafräume und Bad befinden sich im Obergeschoß. Der Wohnraum ist durch eine Stufe bzw. durch den in der Mitte des Raumes befindlichen Kamin in den Wohn- und einen wenig belichteten Eßbereich geteilt. Vor allem im Obergeschoß sind Einbaumöglichkeiten vorgesehen. Sie waren wegen der minimierten Raumgrößen - die verbaute Fläche beträgt nur 35 m2 - dringend notwendig; außerdem sind die Möblierungsmöglichkeiten wegen des großen Flächenanteiles der Verkehrswege einigermaßen eingeschränkt. Trotz der Raumprobleme - die Gesamtbreite des Hauses mißt nur vier Meter, die Wohnfläche beträgt 56 m2 - gelang es Clemens Holzmeister in diesem Bau, die Anforderungen an die notwendigsten Bereiche ohne einschneidende Beschränkungen zu erfüllen. 

Häuser 19, 20
Woinovichgasse 24, 26

Walter Loos

Ebenfalls nur vier Meter breit sind die beiden Häuser von Walter Loos, die kleinsten und billigsten der Anlage, welche allerdings im Verhältnis zu ihrem Ausmaß die größte Wohnfläche der gesamten Siedlung aufweisen (33 m2 verbauter Grund, 53 m2 Wohnfläche). Eine sehr kluge und geschickt geplante Raumaufteilung ermöglicht eine geradezu perfekte Nutzung des Bauvolumens und erzielt mit einfachsten Mitteln die größte Wirkung.

Vom Vorraum führen drei Stufen hinauf in den trotz der relativ geringen Ausmaße großzügig wirkenden Wohnraum, von dem aus alle Bereiche des Hauses erreicht werden. Über eine offene Stiege gelangt man in den Schrankflur des Obergeschoßes (Abb. 686), der ebenso wie das Bad zwischen den beiden Schlafräumen liegt. Auffallend sind die durchgehenden Fensterflächen im Wohnraum und in den Schlafräumen, die allerdings die Möblierungsmöglichkeiten einschränken. 

Häuser 25-28
Veitingergasse 87, 89, 91, 93

André Lurçat

Vom Franzosen André Lurçat stammen die wohl auffälligsten Bauten der Werkbundsiedlung, Häuser mit je 68 m2 Wohnfläche. An der Straßenseite treten halbzylinderförmige Stiegenhäuser aus den - abgesehen von Fensterschlitzen zur Querentlüftung - glatten Wänden hervor. Der Keller, als Funktionseinheit mit dem Garten aufgefaßt, ist auf Erdgeschoßniveau gehoben. Ursprünglich war eine Hälfte dieses Geschoßes als überdeckter Platz im Freien ausgeführt; wegen zu starker Luftbewegungen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Bereich geschlossen.

Die gesamte Eingangszone mit ihren hohen, kahlen Mauern vermittelt nicht den üblichen Eindruck des Vorgartens eines Siedlungshauses.

Wohnbereich, Küche und WC befinden sich im ersten, zwei Schlafräume und das Bad im zweiten Geschoß. Haus 25 besitzt zusätzlich noch eine teilweise überdachte Dachterrasse, von der auch die angrenzenden Flachdächer begehbar sind. Die Erschließung der Häuser durch gewendelte Steinstiegen, die jeweils übereinanderliegende, zentral gelegene Vorräume miteinander verbinden, verkürzt die Verkehrswege. Allerdings erscheint den Bewohnern das vor allem durch die Verlegung der Küche und des Wohnbereiches in den ersten Stock vermehrt notwendige Stiegensteigen ermüdend.

Der Entwurf läßt eine additive Anordnung beliebig vieler Häuser ohne gegenseitige akustische Störungen zu; im Norden, zur Straße hin, würde dann eine durch die Stiegenhäuser rhythmisierte Häuserzeile entstehen.

Die Gartenfront wirkt nüchtern und kühl, die Fensterbänder mit guter Lichtführung und passiver Solarenergienutzung tragen nur wenig zur Auflockerung der Südfassade bei.

Der nicht ausgeführte Möblierungsplan von Lurçat beinhaltete u. a. ausklappbare Betten, um Platz zu sparen und die Schlafräume am Tag als Wohnräume nützen zu können.

Einige der Bewohner der Werkbundsiedlung empfinden diese Bauten als Fremdkörper innerhalb der Gesamtanlage. 

Häuser 67, 68
Woinovichgasse 10, 12

Gabriel Guevrekian

Die dreigeschoßigen Zwillingshäuser 67 und 68 des persisch-französischen Architekten Gabriel Guevrekian, der 1921 Schüler Oskar Strnads an der Wiener Kunstgewerbeschule war, sind in ihren Grundzügen den Häusern Lurçats ähnlich: Der "Keller" mit Vorraum, Dienstmädchenzimmer und Waschküche befindet sich auf Gartenniveau, der relativ großzügige Wohnraum und die Küche liegen im ersten, der Schlafbereich im zweiten Obergeschoß. Das Wohnzimmer besitzt zusätzlich zu einem Fensterband im Süden ein Nordfenster, durch das die Querbelüftung des Raumes, der vom Stiegenaufgang durch eine Schiebetüre getrennt ist, möglich wird. Das Bad befindet sich im zweiten Stock, im Erdgeschoß ist zusätzlich ein WC eingerichtet.

Die Hälfte des Erdgeschoßes dient als überdeckter Sitzplatz im Freien. Dadurch entstehen zwar Heizprobleme für den darüber liegenden Wohnraum - es gewinnt jedoch der gesamte Bau, der sonst recht wuchtig wirken könnte, an Leichtigkeit. Dieses scheinbare Abheben vom Boden läßt an manche Bauten Le Corbusiers denken, beispielsweise an seine Villa Savoie in Poissy. Die spiegelbildliche Anordnung der beiden Häuser vermeidet gegenseitige Lärmbelästigung.

Die Möblierung stellt kein großes Problem dar, da die Verkehrsflächen vor allem auf den Stiegenaufgang reduziert sind; Einbaumöglichkeiten sind im Schlafbereich vorgesehen. Ein Teil der ursprünglichen Möblierung stammt von Miklos Velits.

Im Gegensatz zu allen anderen Architekten, die sich um einen fließenden Übergang von Wohnraum zu Wohngarten bemühten, scheinen A. Lurçat und G. Guevrekian den Wohnbereich deutlich vom Garten trennen zu wollen. Sie suchen den Garten als Alternative, nicht als Ergänzung zum Haus; er soll unabhängig benützt werden können. Sanitäre Anlagen auf Gartenniveau verstärken diesen Eindruck. Es sind dies die einzigen Beispiele innerhalb der Siedlung, bei denen sich der Wohnraum nicht auf Gartenniveau, sondern im ersten Stock befindet. 

Im Zentrum der Werkbundsiedlung liegen die Häuser von Gerrit Th. Rietveld und Adolf Loos. Diese Architekten errichteten jeweils vier Häuser an den Längsseiten des "Hauptplatzes". Ein auffallendes Merkmal dieser Bauten ist die ökonomische und dennoch phantasievolle und lebendige Gestaltung der inneren Struktur, vor allem durch teilweises Versetzen der Geschoßebenen, was u. a. verschieden hohe Räume innerhalb eines Geschoßes ermöglicht.

Beide Haustypen haben zwar eine relativ geringe verbaute Fläche (46 m2 bzw. 47 m2; durchschnittlicher Wert in der Siedlung: 51 m2), ihre Wohnflächen (101 m2/94 m2; Schnitt in der Siedlung: 78 m2) und Kubaturen (478 m3/469 m3; Schnitt in der Siedlung: 377 m3) reichen jedoch weit über die Aufgabenstellung des Werkbundes hinaus. 

Häuser 53-56
Woinovichgasse 14, 16, 18, 20

Gerrit Thomas Rietveld

Der Holländer G. Th. Rietveld gestaltete einen dreigeschoßigen, unterkellerten Haustypus. Auffallend große Fensterflächen sowie die im obersten Stockwerk nach Norden und Süden weisenden Balkone, hinter denen der Baukörper ein wenig zurücktritt, prägen die äußere Erscheinung des Hauses. Der Bau verjüngt sich nach oben hin zu, ein optischer Effekt, der den Eindruck eines strengen Quaders vermeidet.

693

Der Übergang von außen nach innen erfolgt durch die geknickte Eingangsachse; das Eingangspodest ist durch einen Vorbau, in dem zum Teil der Vorraum liegt, gegen Westen geschützt. Der Wohnraum liegt in derselben Ebene wie der Vorraum, ist aber höher als alle anderen Räume des Erdgeschoßes. Diese Differenzierung der Höhen gemäß der Funktion der Räume ist nicht nur der Auffassung von Adolf Loos verwandt, sondern liegt auch den Ideen der "De Stijl"-Gruppe[1] über die plastische Gestaltung des Raumes nahe.

Die Verkehrswege sind im wesentlichen auf die gewendelte Treppe, die durch ein Fenster zum Wohnraum optisch erweitert und belichtet wird, reduziert. Das Bad befindet sich im Schlafbereich des ersten Stockwerkes, im obersten Geschoß sind - großzügig mit Fenstern versehen - ein Gästezimmer und ein Arbeitsraum untergebracht.

Auffallend ist der separate Kelleraufgang zum Garten, vom Wohnraum ist der Garten über einige Stufen erreichbar.

Die ursprüngliche Einrichtung von Rietveld bestand aus leichten, mobilen und zum Teil aus Stahlrohr gefertigten Möbeln, die ausreichend Bewegungsfläche freiließen. 

Häuser 49-52
Woinovichgasse 13, 15, 17, 19

Adolf Loos/Heinrich Kulka

Die spiegelbildlich gekuppelten, unterkellerten, dreigeschoßigen Häuser wurden von Adolf Loos unter Mitarbeit von Heinrich Kulka geplant. Von den ersten Plänen bis zur Ausführung dieser Doppelhäuser vergingen über zwei Jahre. Kulka stand in fernmündlichem und brieflichem Kontakt mit Loos, war aber aufgrund diverser Änderungen der Bauumstände gezwungen, mehrmals umzuplanen, wobei die Resultate nicht die Zustimmung von Loos fanden, der meinte: "Mein Bestreben, so billig als möglich für den kleinen Mann bauen zu können, wurde überall desavouiert."[2] Erst weitere Bemühungen von Kulka in einer fünften Planfassung führten zu einem Ergebnis, das Loos vorerst zufriedenstellte. Allerdings versuchte er noch durch Kurt Unger ein Alternativprojekt ausarbeiten zu lassen, für dessen Ausführungen es jedoch wegen der bereits begonnenen Bauarbeiten zu spät war.

Die vier Häuser besitzen auffallend große Fensterflächen sowie einen Balkon im obersten Geschoß, der teilweise die Terrasse und den Eingang, welcher von der Gartenseite erfolgt, überdeckt. Ein Windfang führt in den Vorraum. Von diesem aus gelangt man in die zwei Stufen tiefer gelegene Küche, die einen eigenen Ausgang in einen "Wirtschaftsgarten" besitzt, oder in das Wohnzimmer, das keine direkte Verbindung zum Garten aufweist. Dieser 4 m hohe Wohnraum, dessen Form sich einem Kubus nähert, besitzt einen offenen Stiegenaufgang zu einer Galerie, auf der sich ein Arbeitsplatz befindet. Der Wohnraum scheint in sich vollkommen abgeschlossen, da selbst das Fenster durch Sprossen vielfach unterteilt ist und seine Wirkung als große Maueröffnung daher geschwächt wird. Die Galerieebene ist über Küche und Speis gezogen. An einer Stelle öffnet sie sich in das Mädchenzimmer, welches ursprünglich im Erdgeschoß geplant war. Loos sah im Wohnraum unter dem Aufgang zur Galerie einen Eßplatz mit L-förmiger Bank vor; auf der sich erweiternden Galerie waren ein eingebauter Schreibtisch und Regale geplant. Von der Galerie aus gelangt man über eine schmale, gewendelte Treppe in das Obergeschoß, in dem sich Schlafräume und das Bad befinden. Die Häuser sind paarweise errichtet; eine geschlossene Reihe wäre eventuell möglich, Vorraum und WC im Erdgeschoß sowie der Gang im Obergeschoß wären dann allerdings nicht mehr natürlich belichtet.

Für die Ausstellung war eines der beiden Doppelhäuser von Loos, das andere von Kulka eingerichtet worden.

Die Häuser von G. Rietveld und A. Loos sind vom Raum- und Platzangebot her die großzügigsten der gesamten Siedlung; sie zählten auch 1932 zu den wenigen, die sofort - obwohl nicht allzu billig - verkauft werden konnten. 

Nur vier der 32 Architekten (A. Brenner, H. Häring, R. Neutra und J. Hoffmann) entwarfen ebenerdige Flachbauten für diese Siedlung: Im Katalog zur Werkbundsiedlung erläutern drei von ihnen ihre in beinahe allen Punkten übereinstimmenden Überlegungen, welche sie gerade diese Hausform wählen ließen: Jedes Treppensteigen erschwert die Haushaltsführung, daher sollen alle hauswirtschaftlich zusammengehörenden Räume in einer Ebene angeordnet werden, wie dies auch bei einer eingeschoßigen Mietwohnung der Fall ist. Eventuell notwendige Nebenräume wie Waschküche, Speisekammer und Abstellraum, hätten nach H. Härings Meinung in einem Kellergeschoß untergebracht werden können. A. Brenner hingegen plante hiefür einen straßenseitig anzugliedernden Wirtschaftstrakt, der jedoch wegen der Unterkellerung, die infolge der schlechten Bodenverhältnisse notwendig geworden war, und wegen der damit verbundenen Preissteigerung nicht ausgeführt werden konnte. Jedenfalls müssen die Wohnräume zum Garten, zur Sonne gelegen sein. Die gleichförmige Ausrichtung aller in dieser Form gebauten Häuser nach Süden und ihre Abgeschlossenheit nach den übrigen drei Seiten lassen den Garten als vor fremden Einblicken geschützten Aufenthaltsraum im Freien Wohnwert gewinnen. Ein Wohnhof als zusätzlicher "Wohnraum" ist bei L-förmigem Grundriß, wie er in den Häusern von A. Brenner (13 und 14) verwirklicht wurde, leicht möglich.

Vor allem R. Neutra, aber auch H. Häring und A. Brenner dachten an eine Industrialisierung des Wohnbaus, an die Möglichkeiten, die durch fabriksmäßige Herstellung einzelner Bauteile sowie einfacher und rascher Montage derselben am Bauplatz gegeben wäre. Solcherart in Serien hergestellte Kleinhäuser ermöglichen nämlich nicht nur eine Verbilligung des Siedlungsbaues, sondern verbessern auch die Qualität der Bauten: "Qualität (...) ist eine Funktion der Häufigkeit des Verbrauches und andauernder Preiserniedrigung. (...) Die industrielle Entwicklung hat an sich die Tendenz, das Wohnhaus der Massen mit immer gesteigertem Komfort auszurüsten, der mit Notwendigkeit alle, auch die besten Einzelerzeugnisse hinter sich läßt, indem er sie absorbiert (...). Die Wohnung (...) ist durch ihre funktionelle Durchbildung und die selbstverständliche Haltbarkeit ihrer Ausführung 'hochklassig' (...), der funktionelle Gütegrad (...) kann ohne technische Schwierigkeit (...) erhöht werden. Einige Kleinwohnungsblocks sind bereits den teuersten Appartements an Besonnung, Raumzusammenschluß, Durchlüftung und Grundflächenverteilung beträchtlich überlegen."[3]

Zugleich wird betont, daß "Häuser, die aus denselben Baueinheiten entwickelt sind, keineswegs einförmig zu wirken brauchen."[4] 

Häuser 15, 16
Engelbrechtweg 9, 11

Anton Brenner

Anton Brenner gestaltete im Bezug zum klassischen Atriumtyp seine ebenerdigen Reihenhäuser mit je 63 m2 Wohnfläche. Der Wohnraum und die beiden Schlafräume, die ebenfalls Wohnfunktion aufweisen, sind L-förmig um den Wohnhof, der mit Pergola, Blumenrabatten und Planschbecken ausgestattet ist, angeordnet. Im Sommer verlagert sich das Leben der Bewohner in diesen windgeschützten, uneingesehenen Raum, der hiemit beachtlichen Wohnwert gewinnt.

Sämtliche Teile des Hauses sind vom Wohnzimmer aus zugänglich, wodurch dieser Bau besonderen Einfluß auf seine Bewohner gewinnt: Die zentrale Lage dieses Raumes macht alle Bewegungen der Hausgemeinschaft sichtbar; eine Privatsphäre ist daher kaum gegeben. Die Raumanordnung zwingt zur Kommunikation.

Bad und Küche sind nach Norden, zur Straße, gerichtet. Ein ursprünglich geplanter Wirtschaftsflügel mit Garage, Waschküche und Lagerraum mußte aus finanziellen Gründen entfallen; der statt dessen errichtete Keller ist kein vollwertiger Ersatz. Die Stufen, welche der Architekt vermeiden wollte, führen nun von der Küche in das Untergeschoß.

Die Möbel Anton Brenners waren leicht transportabel und konnten auch im Freien verwendet werden. Einbaumöglichkeiten waren im ganzen Haus vorgesehen. 

Häuser 1-5
Veitingergasse 71, 73
Woinovichgasse 34
Engelbrechtweg 4, 6

Hugo Häring

Hugo Häring entwarf ebenerdige, gegen die Straße zu hermetisch abgeschlossene und zum Garten hin sich weit öffnende Haustypen mit 62 m2 bzw. 76 m2 Wohnfläche. Er versuchte, auch die Schlafräume Wohnwert gewinnen zu lassen, indem er sie nicht streng vom Wohnbereich trennte. Lediglich eine Schiebetüre, die teilweise sogar transparent ausgeführt ist, befindet sich zwischen dem Wohn- und Schlafraum; dadurch wird der Wohnraum optisch erweitert. Große Fensterflächen und Doppeltüren fördern die Verbindung von Innen und Außen, von Haus und Garten, ermöglichen aber auch die passive Nutzung der Sonnenenergie.

Die Entlüftung der im nördlichen Teil des Hauses angeordneten Wirtschafts- und Abstellräume ist ebenso wie deren Belichtung durch Oberlichten gegeben.

Für die Südfassade waren ursprünglich vorfabrizierte Fertigteile gedacht. Häring entwarf einen Raster, in welchem die einzelnen Vollelemente sowie Tür- oder Fensterteile je nach Bedarf hätten angeordnet werden können. Auch Erweiterungen des Haustypus wären innerhalb dieses Systems leicht möglich gewesen. Diese Vorstellungen konnten aber wegen der Vorschriften für die Bauausführung nicht verwirklicht werden. Die Dächer sind gegen die Nordseite leicht geneigt, die schräge Decke ist innen sichtbar.

Die Möblierungsmöglichkeiten sind vor allem durch die großen Fenster der Südwand, durch die Schiebetüren und durch den hohen Anteil an Verkehrsflächen sehr eingeschränkt. Häring sah leicht transportierbare, transparent wirkende und zugleich raumsparende Möbel vor, die teilweise auch für die Verwendung auf der Terrasse gedacht waren. Einbaumöbel waren nicht geplant.

Die Erschließung der einzelnen Häuser erfolgt bei den Objekten 1 und 2 von Norden und von der Straße, bei allen anderen durch den Wohngarten, dessen Intimität durch diese zusätzliche Funktion ein wenig gestört wird.

Eine Anordnung der Häuser in Reihe ist ohne gegenseitige akustische Störungen möglich.

Die Häuser 4 und 5 wurden im Krieg zerstört. An der Stelle des Hauses 4 errichtete 1951/52 R. Rainer, an Stelle des Hauses 5 1951 R. Dinner ein ebenerdiges Einfamilienhaus. 

Haus 47
Woinovichgasse 9

Richard J. Neutra

Der Auslandsösterreicher Richard J. Neutra - er lebte von 1926 bis 1969 in Los Angeles - plante für die Werkbundsiedlung ein freistehendes, ebenerdiges und unterkellertes Haus mit einer Dachterrasse, die über eine außen gelegene, eiserne Treppe zu betreten ist und auf der sich eine Pergola befindet, deren Gestänge als leicht angedeuteter Raum wirkt.

Im Haus, das 6l m2 Wohnfläche aufweist, sind die Funktionen Wohnen und Schlafen deutlich getrennt. Die Schlafräume sind minimal bemessen, der gewonnene Raum ist dem Wohnraum, der zu den größten (20 m2) innerhalb der Siedlung zählt, zugeschlagen. Die Fensterfront im Süden dieses Raumes schafft einen harmonischen Übergang zum Garten; ein Fenster im Norden ermöglicht die Querbelüftung. Außer dem Hauseingang neben der Küche bestehen Ausgänge vom Wohnraum auf die Terrasse und von einem Schlafraum in den Garten.

Die Möblierung der Schlafräume ist durch deren geringe Ausmaße und zum Teil durch Einbaumöbel weitgehend vorgegeben.

Das Haus war eines der ersten, das vermietet wurde. 1935 bezog Ferdinand Seyer, der als Baupolier der Firma Carl Korn an der Errichtung der Siedlung mitarbeitete, diesen Bau und übernahm die Funktion eines "Siedlungsaufsehers". 

Häuser 8-11
Veitingergasse 79, 81, 83, 85

Josef Hoffmann

Die Häuserzeile von Josef Hoffmann stellt zwei unterschiedliche, ebenerdige und unterkellerte Haustypen vor, die spiegelbildlich angeordnet sind (ABBA). Der Keller ist als über Niveau aufragendes Sockelgeschoß gebildet. Ein aus dem Hauskörper hervortretendes, kleinteilig verglastes Stiegenhaus läßt in Verbindung mit den horizontal gelagerten Baukörpern bei Anordnung mehrerer Häuser nebeneinander eine rhythmisierte Zeile entstehen. Die großzügige Verglasung des Stiegenhauses führt im Winter zu thermischen Problemen.

Der Grundriß des Wohngeschoßes wäre auch als Plan einer Stockwerkswohnung vorstellbar; Wohn- und Schlafräume stehen in keiner unmittelbaren Verbindung mit dem Garten, der nur durch den Vorraum und nach Überwindung eines Niveauunterschiedes erreichbar ist. Dies zeugt von einer Auffassung, die dem herrschaftlichen, vom Garten abgehobenen Wohnen verwandt ist.

Der größere Haustypus (Häuser 8, 11) mit 71 m2 Wohnfläche wird von einem im rechten Winkel zur Eingangsachse angelegten Stichgang erschlossen. Im Norden liegen Küche, Kammer und ein Schlafraum, im Süden der Wohnraum und ein mit ihm durch eine Türe verbundener weiterer Schlafraum.

Beim kleineren Haustypus (Häuser 9, 10) mit 57 m2 Wohnfläche ist der Stichgang auf eine kleine Erweiterung der Eingangsachse reduziert; der Wohnraum im Süden und der ihm anliegende Schlafraum im Norden sind fast gleich groß, sodaß der Schlafraum ebenfalls Wohnwert erhalten kann. Die Küche ist auch hier nach Norden gerichtet. Das Bad wird in allen Häusern über eine Dachluke belichtet und belüftet, das WC mit Rundfenster ist neben dem Gartenausgang angeordnet. Über das Stiegenhaus werden der Keller, der heute bei zwei Häusern teilweise als Garage dient, und die Dachterrasse erreicht.

Häuser 39, 40
Veitingergasse 115, 117

Oswald Haerdtl

Eine Sonderlösung stellen die beiden von Oswald Haerdtl geplanten Häuser dar. Sie befinden sich auf dem von Jagdschloßgasse und Veitingergasse eingeschlossenen Grundstück, dessen unregelmäßige Ausdehnung von der in spitzem Winkel geführten Grundform bestimmt wird.

Drei Stufen führen auf ein Podest vor den nach Nordwesten gerichteten Eingang des Hauses 117. Vom Vorraum erreicht man sowohl den Wohnraum als auch die Küche mit einer dahinterliegenden Kammer. Die Küche selbst ist wiederum direkt mit dem breiten, um die Ecke geführten Wohnraum verbunden. Er wird durch eine Metallsäule und die offen ins erste Geschoß führende Stiege charakterisiert. Das nach Südosten gerichtete Fenster belichtet einige Teile des Raumes nur unzureichend. Die drei Schlafräume und das Bad im ersten Obergeschoß werden von einer Wohndiele erschlossen; eine weitere Treppe führt in das Atelier mit angegliedertem Abstellraum. Es wird von drei Seiten belichtet und ist von einer Dachterrasse umgeben. Eine weitere Besonderheit des Entwurfes ist die in den Bau miteinbezogene Garage.

Dieses Haus, das mit 118 m2 die größte Wohnfläche bietet und zugleich das teuerste der gesamten Siedlung war, geht weit über die ursprünglichen Forderungen der Planer hinaus.

Der daneben ebenfalls von Haerdtl errichtete Bau Nr. 115 (Reihenhaustyp mit 68 m2 Wohnfläche) weist einen rechteckigen Grundriß auf, übernimmt aber Elemente des lagebedingt größeren Nachbarhauses.

Beide Häuser bilden in einem städtebaulichen Akzent den Abschluß der Siedlung gegen Nordwesten.

[1] Die "De Stijl"-Gruppe, eine Vereinigung von Malern und Architekten, formierte sich 1917 in Leiden. Die "Gestaltung" wurde von der klaren geometrischen Ordnung der Bilder von Piet Mondrian und Theo van Doesburg, aber auch vom Kubismus beeinflußt. Trennende Innenwände eines Hauses setzen sich der Idee nach im Außenraum, in dem als Kristall verstandenen universellen Raum, fort. In der Farbgebung beschränkte man sich zumeist auf die drei Primärfarben. Rietveld trat 1918 der "De Stijl"-Gruppe bei.
[2] Adolf Loos 1931 in einem offenen Brief an den Österreichischen Werkbund.
[3] Neutra: Wohnung, Industrie, Bedarf in USA. Kat. der Werkbundsiedlung 1932. S. 20ff.
[4] Häring: Der Flachbau. Kat. der Werkbundsiedlung 1932. S. 15f.

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

Übertragen von hojos
im September 2026