Malfattisiedlung
Franz-Schalk-Platz 1–15
Bauzeit: 1930-32
Bauträger: Reichsversicherungsanstalt
Planung: Siegfried C. Drach
Geländeform: Hanglage
Objektanzahl: 14 Reihenhäuser (Zweifamilienhäuser), 1 Einfamilienhaus
Typen: 1 Grundtype, jeweils zwei Zweifamilienhäuser gespiegelt aneinandergebaut, 1 freistehendes Einfamilienhaus
Gartengröße: 470 m2 - 520 m2, genaue Verteilung unter Mietern geregelt
Gemeinschaftseinrichtungen: Keine
Baumaterial: Ziegel, Beton, Stahl
Verkehrserschließung: öffentlich: Straßenbahn, innerhalb der Anlage keine Wege, Zufahrt: öffentliche Straße
Typologie: Wohnsiedlung, Reihenhaussiedlung
Erhaltungszustand: sehr gut; jegliche Veränderung muß vom Eigentümer (Pensionsversicherungsanstalt) genehmigt werden. Eigener Erhaltungsfonds
Anmerkungen: Anlage wurde nur teilweise gebaut. Das Gesamtvorhaben scheiterte an den wegen der relativ steilen Hanglage zu hohen Kosten.
Baugeschichte
Auf dem Grundstück der einstigen Malfatti-Villa bzw. der später dort errichteten Taussig-Villa entstand in den Jahren 1930-32 nach den Plänen von Siegfried C. Drach eine Siedlungsanlage aus 15 zweigeschoßigen Zweifamilienhäusern, von denen 14 zu zweit spiegelverkehrt aneinander gebaut sind, während eines (Nr. 1) als Einfamilienhaus abgesondert steht. Ursprünglich sollte auch der obere Teil des Grundstückes verbaut werden. Es waren insgesamt 29 Objekte geplant; doch wegen der teils steilen Hanglage im oberen Teil des Grundes und der damit verbundenen hohen Erschließungskosten entschied man, vorerst nur den unteren Teil des Gesamtvorhabens zu realisieren. Der unbebaute Grund wurde vorübergehend als Garten an die Hausbewohner verpachtet. Dieses Provisorium hat sich bis zum h. Tag erhalten.
Im Jahr 1938 wurde die Anlage von der Deutschen Wehrmacht requiriert und als Wohnstätte für Offiziere verwendet. Durch Bombenangriffe wurden einzelne Häuser, z. B. Nr. 5, schwer beschädigt. Der jetzige Eigentümer der Anlage, die Arbeiterunfallversicherung, sowie Banken und zahlreiche private Spender ermöglichten die Renovierung.
Die einzelnen Grundstücksparzellen weisen eine Größe von 470 m2 - 520 m2 auf. Insgesamt wurden vom Gesamtareal mit einer Fläche von 7433 m2 genau 1590 m2 verbaut. Im Jahr 1959 wurde der noch unverbaute obere Abschnitt in Grünland umgewidmet.
Baubeschreibung
Für den äußeren Eindruck der Anlage ist charakteristisch, daß alle Bauten zur Straßenseite einer Schutzfunktion entsprechend fast abweisend geschlossen, zur Gartenseite durch Balkone, Terrassen bzw. Vorbauten offener und differenzierter gestaltet sind. Die Flachdächer sind z. T. zu Terrassen ausgebaut. In den Kellergeschoßen liegen Garage, Koksraum, Waschküche, zwei Kellerräume und ein WC, sowie der Heizkessel für die beiden Wohnungen. Der Bau mußte unter strengen bauwirtschaftlichen Sparbedingungen finanziert werden.
Besonders bei der Ecktype wirken trotz der Vielfalt an plastischen Elementen die Geschlossenheit und Klarheit des kubischen Baukörpers überzeugend. Dieses Einfamilienhaus besteht aus sechs Zimmern mit Nebenräumen in zwei Wohngeschoßen sowie aus einer Waschküche und einem Hausgehilfenzimmer im Aufbau.
Die einzelnen Häuser entstanden aus einer Grundtype. Die beiden deckungsgleichen Wohnungen in Erdgeschoß und erstem Stock haben eine Grundfläche von je ca. 85 m2. Dazu kommen im Erdgeschoß eine 15 m2 große Terrasse mit Übergang zum Garten und im ersten Stock ein 8 m2 großer Balkon. Von ihm aus ist über eine Freitreppe die 22 m2 große Dachterrasse mit Planschbecken und Glaslaube erreichbar.
Die beiden an der Seite der Häuser unabhängig voneinander angelegten Wohnungseingänge führen jeder nach einem Windfang in einen Vorraum, von dem aus alle weiteren Räume erreichbar sind (Küche mit Einbaumöbel und Elektroherd, Bad, WC, nach Süden gerichteter Wohnraum, Schlafraum, ein weiterer Raum nach Süden sowie das Zimmer für die Haushaltshilfe). Der 26 m2 große Wohnraum ist durch ein 3,60 m breites Fenster und die Türe zur Terrasse bzw. zum Balkon besonders gut belichtet. Schlafraum, benachbartes Bad, Küche und der Raum für die Haushaltshilfe liegen nach Norden.
Die Ausstattung ist gediegen, jedoch ohne Luxus. Gebäudesockel, Stützmauern, Außenstufen, Terrassenpflaster und Gesimse sind in schalreinem, abgebürstetem Beton ausgeführt. Jedes Detail, wie Metallgeländer oder Windschutzwände aus Drahtglas, wirkt klar, überzeugend und zweckentsprechend. Drach schuf eine gut funktionierende "Wohnmaschine" à la Corbusier, aber mit mehr Charme und naturverbundener sowie in menschengerechter Dimension.