Siedlung „In der Hagenau“
sog. "Lainzer Cottage", "Beamten Cottage"
Adresse: In der Hagenau
Bauzeit: 1904
Bauträger: "Erster Wiener-Beamten-Bau-Verein"
Planung: Stadtbaumeister Carl Holzmann, Mitarbeit: Arch. Maschke
Geländeform: Gegen O und S leicht abfallend
Objektanzahl: 19, Typen: 4
Gartengröße: 50 m2 - 380 m2
Gemeinschaftseinrichtungen: ab 1907 Gemischtwarenhandlung (existiert seit 1980 nicht mehr)
Baumaterial: Ziegel
Verkehrserschließung: öffentlich: Autobus, in der Anlage: öffentliche Straße
Typologie: Reihenhaussiedlung
Erhaltungszustand: zum Teil renovierungsbedürftig
Anmerkungen: 2 Häuser durch Neubauten ersetzt
Baugeschichte
Der 1901 gegründete "Erste Wiener-Beamten-Bau-Verein" errichtete 1904 diese Siedlung in damals völlig freier Lage. Am Roten Berg befanden sich zu dieser Zeit noch Weingärten; durch die benachbarten Wiesen floß entlang der h. Gobergasse der Hagenbach.
Der Stadtbaumeister Carl Holzmann plante unter Mitarbeit von Architekt Maschke 19 Einfamilienhäuser entlang eines neu errichteten U-förmigen Straßenzuges in Reihen zu zwei, drei bzw. vier Häusern, wobei z. T. gespiegelte Anordnungen Verwendung fanden, dies allerdings häufig mit leichten Abwandlungen in den Fassadendetails.
Die Bewohner waren ursprünglich zumeist im öffentlichen Dienst stehende höhere Beamte mit kinderreichen Familien. In der Hagenau lebten anfangs ca. 100 Kinder; es gab Familien mit bis zu 17 Kindern.
Bisweilen wurde ein Geschoß der aus Parterre, Mezzanin und erstem Stock bestehenden Häuser vermietet, um Bauschulden leichter abzahlen zu können.
Infolge des Fehlens jeglicher Infrastruktur gab es in den Anfangszeiten der Siedlung gravierende Versorgungsprobleme, da die Lebensmittel zu Fuß von Ober-St. Veit über den Roten Berg transportiert werden mußten. In den ersten Jahren fehlte auch eine Wasserleitung. Allerdings war schon seit 1907 eine Gemischtwarenhandlung im Haus Nr. 2 untergebracht. Die erste Besitzerin des Geschäftes, Frau Anna Wimmer, wurde wegen ihrer viele Jahre hindurch engagierten Betreuung der Siedlergemeinschaft außerordentlich geschätzt.
Trotz des sozialen Zweckes dieser Siedlung verstanden sich die Bewohner als Villenbesitzer. Der Begriff "Villa" ist auch in den Originalplänen, z. B. bei Haus Nr. 8, festgehalten. Dem entspricht die ehemalige Bezeichnung "Beamten Cottage". Auch die Solidität der Bauweise, die Qualität der Ausführung sowie die großzügige Dimensionierung rücken den Anspruch der einzelnen Bauten in die Nähe von Einfamilienhäusern mit Villencharakter.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus Nr. 6 durch Bombentreffer schwer beschädigt. An seiner Stelle befindet sich ein Neubau. Nr. 29 wurde 1969 abgerissen und ebenfalls durch einen Neubau ersetzt.
1983 errichtete man am Haus Nr. 15 nach Plänen Gert M. Mayr-Kebers einen Terrassenvorbau.
Das Haus Nr. 9 wurde 1983/84 renoviert, wobei man sich um größtmögliche Authentizität bemühte.
Baubeschreibung
Das sich noch einigermaßen im Originalzustand befindende Haus Nr. 13 (einige Fenster wurden 1988 verändert) ist an der Außenseite in der durch ein Gesims nach oben abgeschlossenen Parterrezone glatt verputzt, während die Zone des Mezzanins und teilweise des ersten Stocks mit dekorativem Rauhputz versehen ist. Er reicht bis zum unteren Drittel der Fenster des ersten Stocks. Darüber läuft ein mehrfach zart gestuftes gemauertes Gesims, über welchem wieder glatter Putz bis zum gekehlten Dachgesims angebracht ist. Die Dächer weisen durchwegs eine relativ steile Neigung auf.
Der seitlich gelegene Eingang besteht aus einem auffallend gestalteten Portal mit gestufter Rahmung, deren schräg geführte Außenbegrenzung dem Tor trotz der geringen Ausmaße monumentalen Charakter verleiht. An der oberen Begrenzung der gestuften Rahmung liegen drei quadratische Mauerflächen, darüber befindet sich ein steiles Schindelvordach, das von zwei halb hervortretenden, gefäßartigen Zierformen flankiert wird. Die Belichtung der Eingangstüre ist mit ornamentierter Vergitterung versehen. Die etwas versenkten Fenster sitzen auf gemauerten, glatten Sohlbänken; an ihrer Oberseite sind sie links und rechts von je einer schwach hervortretenden quadratischen Mauerfläche flankiert. Die Fensterflügel sind durch Sprossen vielfältig gegliedert.
Der äußere Gesamteindruck wird einerseits durch das Vorherrschen der Vertikalen bestimmt. Sie äußert sich in der relativen Höhe der dreigeschoßigen Häuser, aber auch in den zur Straße gerichteten Giebeln der Dachausbauten, die durch Attikagestaltungen besonders betont sind. Andererseits zeigen die einzelnen Häuser eine eigenwillige Mischung aus romantisch-pathetischen Formelementen, z. B. bei den Eingängen, sowie aus solchen des Jugendstiles, wie sie besonders an Balkongittern und spannungsreichen Wand- und Fenstergliederungen zu bemerken sind.
Die äußerlich einheitlich gestalteten vier Haustypen weisen Wohnflächen von ca. 180 m2 bis ca. 240 m2 auf. In manchen Häusern befanden sich mehrere getrennte Wohnungen. Die fehlende Unterkellerung wird durch das zumeist etwas unter dem Straßenniveau liegenden Parterre ausgeglichen, das sowohl für Wohnzwecke als auch für Küche, Waschküche bzw. Abstellräume verwendet wird. Mezzanin und erster Stock beinhalten verschiedene Wohn- und Schlafräume. Später wurde in manchen Fällen das Dachgeschoß für Wohnzwecke ausgebaut. Alle Häuser besaßen von Beginn an innen liegendes WC; in einigen war auch schon ursprünglich ein Bad eingerichtet. Die Gediegenheit der Ausstattung zeigt sich u. a. in den in allen Wohnräumen verlegten Parkettböden. Ursprünglich wurden die Häuser durch Kachelöfen beheizt.
Einen Bezug zum Freien stellen die variationsreich angeordneten Erker, Veranden und Balkone her. Jedem Haus ist ein Garten in der Größe von 50 m2 bis 380 m2 zugeordnet.