Villa Baumann

Anton-Langer-Gasse 3

Max Fabiani, 1898

Baugeschichte

1894 kaufte der k. k. Hofuhrmacher Friedrich Baumann von Michael Bruckner den nahe der Verbindungsbahn gelegenen Baugrund. Ein Jahr später ließ er hier nach Entwürfen von Johann Nepomuk Scheiringer, der maßgeblich an den Planungen für das Versorgungsheim Lainz und das Krankenhaus Lainz beteiligt war, ein Gartenhaus errichten. Der Holzbau auf gemauertem Sockel war ursprünglich an der rechten Grundgrenze wesentlich tiefer im Garten geplant worden, wurde dann aber relativ nahe an der Anton-Langer-Gasse (bis 1895 Parkgasse) aufgestellt. Die Vorderfront der Gartenseite war fast völlig verglast, wobei das im oberen Teil befindliche halbkreisförmige Fenster mit radialen Sprossen auffällt. Es steht in Gegensatz zu der übrigen, dem Heimatstil verpflichteten Gestaltung des Baues.

Friedrich Baumann war auch der Auftraggeber für das zweigeschoßige Einfamilienhaus, welches 1898 nach Plänen von Max Fabiani[1] durch Stadtbaumeister Friedrich Stagl auf gleicher Höhe mit dem Gartenhaus errichtet wurde. Beide Gebäude verband eine verglaste Wand in Traufenhöhe des Gartenhauses.

1907 kam es unter Karl Wolffhardt jun., der 1901 das Haus gekauft hatte, zu einer Erweiterung. Hiefür lagen bereits im Kaufjahr Pläne von Stadtbaumeister Martin Leopold vor, die allerdings erst sechs Jahre später und in reduzierter Form verwirklicht wurden. Im Erdgeschoß des 3,9 m langen und 4,6 m breiten Anbaues lag ein Dienerzimmer, im ersten Stock ein Kabinett; das Dachgeschoß wurde um einen Bodenraum erweitert. Ebenfalls 1907 kam es aufgrund der Erweiterung zum Abriß des 1895 gebauten Gartenhauses.

1924 errichtete man anstelle des Holzzaunes eine Einfriedungsmauer, in die an der abgerundeten Ecke Anton-Langer-Gasse/Eduard-Jaeger-Gasse auf der Gartenseite eine gemauerte Sitzbank integriert wurde.

1956 erfolgte nach Plänen Hans Horneks ein Dachausbau für eine zweite Küche, 1964 wurde ein gemauerter Windfang angebaut.

Baubeschreibung (Originalzustand)

"Wegen großer Kinderzahl möglichst viele Räume, ein getrennt vermietbares Obergeschoß, knappester Gesamtaufwand (11 000 fl.) war das Programm für diese Villa. Das Programm wurde erschöpfend gelöst, das Object ist in leichtem Putzbau ausgeführt. Holz- und Eisenbestandtheile intensiv farbig gehalten und durch einfachen Gesamtaufbau harmonisch in die landschaftliche Umgebung hineingepaßt."[2]

Der hoch und schmal wirkende Bau mit relativ steilem Satteldach besticht durch feine Details, die den eher konventionellen Grundkörper beleben. Das in das Dachgeschoß reichende Stiegenhaus ist außen deutlich ablesbar; der vorspringende Bauteil wie auch die an der Gartenseite angesetzte Holzveranda mit Stiegenabgang und der an einer Längsseite vorkragende Erker erweitern den rechteckigen Grundriß.

Die Straßenfassade wird durch die in Wellenform kunstvoll gesetzten und dunkel bzw. hell gefärbten Wandschindeln wie auch durch ein die Madonna darstellendes Relief aus Sandstein belebt. Es ist verdacht und ruht auf einer Holzkonsole, in deren Abstufung die Struktur der Schindelwand übernommen wurde. Das Relief bestand bis 1937. Die Schindelwand ist über Eck geführt und überzieht - in Gestaltung und Färbung angepaßt - die linke Seitenfassade in der Breite von ca. einem Meter.

Die Stirnfassade gegen den Garten (Abb. 136) ist durch verschiedene Putzarten und -schichten gestaltet und zeigt links und rechts neben dem Fenster des ersten Stockes, aber auch im darüberliegenden Bereich Baummotive in der Art der Secessionsarchitektur J. M. Olbrichs. Die darunterliegende, ebenfalls in rauhem und glattem Putz gehaltene Zone in Fachwerkart wie auch die Holzbalkengliederung im Giebelfeld und an der Schmalseite gegen die Eduard-Jaeger-Gasse zu sind wiederum Zitate aus der Heimatarchitektur. Auch der Abgang durch die Veranda in den Garten zeigt dieses stilistische Spannungsfeld von Historismus und Secession: Fachwerk und aus Metall geformtes, gewelltes Stiegengeländer. Die Traufen mit ihren dekorativen Endstücken in der Art von Wasserspeiern sind ein weiteres belebendes Detail. Leider ist diese ursprüngliche Gestaltung nur mehr zum Teil erhalten - darüber hinaus lassen die Schwarzweißfotos aus der Zeit um 1900 die sparsam und gezielt eingesetzte Farbigkeit nur erahnen.

Der Eingang liegt an der rechten Seitenfront und führt direkt in das Stiegenhaus, in welchem man über einige Stufen das Parterreniveau erreicht. Von dem über 30 m2 großen Speisezimmer gelangt man einerseits in den Garten, andererseits in ein langgestrecktes Zimmer, an das Bad und WC grenzen. Der Grundriß des ersten Stockes ist in großen Zügen mit dem des Erdgeschoßes ident. Die Küche befindet sich laut Auswechslungsplan vom 24. 7. 1898 im Souterrain und erhält durch ein hoch gesetztes Fenster natürliches Licht. In der ersten Planversion befand sie sich im Erdgeschoß an der Stelle des kleineren Zimmers. Im Dachgeschoß liegen zwei Wohnzimmer und ein Bodenraum.

Dieses Haus steht sowohl durch die angestrebte Raumökonomie als auch durch die sehr bewußte Bedachtnahme auf Kostenminimierung im Gegensatz zur herkömmlichen Vorstellung von dem Begriff "Villa". Der Architekt selbst wählte jedoch diese Bezeichnung für das Haus.

[1] Obwohl im Bauakt keine Belege für die Planung durch Fabiani gefunden werden konnten, ist er begründet als Planverfasser anzunehmen. Darauf verweist nicht nur die Qualität des Entwurfes, sondern auch eine Dokumentation des Baues mit seiner Namensnennung in der Zeitschrift "Der Architekt" (Der Architekt. V. 1899. S. 10). In diesem Zusammenhang danken wir sehr für den freundlichen Hinweis durch Herrn Dipl.-Ing. Dr. Bruno Maldoner.
[2] Der Architekt. V. 1899. S. 10.

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

Übertragen von hojos
im September 2026