Villa Malfatti / Villa Taussig

Franz-Schalk-Platz

Villa Malfatti: um 1830, abgetragen 1892
Villa Taussig: Karl König, 1894, abgetragen 1931

Baugeschichte Villa Malfatti

Auf dem gegen Hietzing abfallenden Gelände des Küniglberges ließ sich der kaiserliche Leibarzt Dr. Johann Malfatti, Edler von Montereggio (1775-1859), um 1830[1] eine palaisartige Villa erbauen. Vor dieser Anlage stand hier seit 1780 ein Landhaus des Engländers Beert, welches 1788 in den Besitz des spanischen Gesandtschaftssekretärs Lellis kam, der es an Probst Eberl verkaufte. 1812 kam das Haus an den Grafen Franz Palffy, der die gesamte Anlage "auf einen hohen Grad von Vollkommenheit brachte, und dem Publikum öffnete"[2]; 1818 pachtete es der englische Gesandte Lord Steward.

Malfatti war der Begründer der k. k. Gesellschaft der Ärzte (1837), war Leibarzt des Herzogs von Reichstadt und betreute 1827 auch Ludwig van Beethoven.

Das Gebäude stand inmitten eines Parks, in welchem sich auch Obstbäume befanden. 1847-52 führte Malfatti in seinem Garten erfolgreiche Experimente[3] zur Bekämpfung der Kartoffelkrankheit durch. Der geschlossene, z. T. von einer Mauer umgebene Grundbesitz erstreckte sich bis zum h. ORF-Gelände. Die Villa stand bis 1892.

Baubeschreibung Villa Malfatti

Über diesen Villenbau existieren leider nur wenige Informationen. Der Ortsplan von 1869 zeigt einen Hauptbau mit zwei Seitenrisaliten sowie zwei Nebengebäude. Einen ungefähren Eindruck der Außenansicht vermittelt die aus dem Jahr 1830 stammende Lithographie von Tobias Dionys Raolino.

Adolf Schmidl beschreibt 1835 die Anlage: "Es ist eines der wenigen [Gebäude] um Wien, welches durch Lage und Bauart dem in etwa entspricht, was man in Italien Villa zu nennen gewohnt ist (...). Ein schattiger Fahrweg führt um den Hügel herum zu dem Gebäude, welches gegen eine kleine Terrasse eine Sala terrena bildet, die aber gegen die Unbilden unseres unitalienischen Klimas mit Glaswänden verwahrt ist."[4]

Frédéric Chopin, der bei Malfatti 1831 zu Gast war, schilderte in einem Brief seine Eindrücke über die Villa: "Eine gewaltige Menge fremder Zuhörer auf der Terrasse lauschte diesem Konzert. Der Mond schien herrlich, die Fontänen spielten, der wundervolle Duft der herausgestellten Treibhausblumen erfüllte die Atmosphäre, kurz: eine bezaubernde Nacht, ein entzückender Ort. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schön gebaut der Salon ist, in dem gesungen wurde, riesige Fenster, von oben bis unten geöffnet, gehen auf die Terrasse, von der aus man ganz Wien sehen kann; überall Spiegel und wenig Licht. Das links angrenzende längliche Vorzimmer verlieh dem ganzen Appartement ein gewaltiges Ausmaß. Die Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit des Hausherren, die Eleganz, der Wohlstand, der dort herrschende Esprit und das vorzügliche Abendessen hielten uns sehr lange zurück, erst gegen Mitternacht bestiegen wir die Wagen und fuhren nach Hause."[5]

[1] Die Datierung bei Richard Groner: Wien, wie es war (unter "Küniglberg"), ist mit 1837 unrichtig, da Adolf Schmidl, in seinem bereits 1835 erschienenen 1. Bd. von "Wien's Umgebungen" die Villa beschreibt. Außerdem muß der Bau anläßlich des 1831 erfolgten Besuches von F. Chopin bei J. Malfatti bereits existiert haben.
[2] Weidmann, Carl Franz: Wien's Umgebungen, S. 109f.
[3] Malfatti, Johann: Beseitigung der Kartoffelkrankheit durch Veredelung ihrer Race. Wien 1853.
[4] Aus: Schmidl, Adolf: Wien's Umgebungen. 1. Bd. S. 113.
[5] Brief Frédéric Chopins an seine Familie. Wien. 16. (?) 7. 1831. Aus: Kobylanska, Krystyna: Frédéric Chopin. Briefe. S. 122.
Villa Taussig, Hauptansicht. Franz-Schalk-Platz / Gloriettegasse 47–49 (ehem. Küniglberg 1). Tafel 13 aus: Bauten und Entwürfe von Carl König, hg. von seinen Schülern, 1910 (Erscheinungsjahr) © Wien Museum Inv.-Nr. 105880/14, CC0
<p><b>Villa Taussig, Hauptansicht</b></p><p>Franz-Schalk-Platz / Gloriettegasse 47–49 (ehem. Küniglberg 1). Tafel 13 aus: Bauten und Entwürfe von Carl König, hg. von seinen Schülern, 1910 (Erscheinungsjahr)</p><p><i>&copy; Wien Museum Inv.-Nr. 105880/14, CC0 </i></p>

Baugeschichte Villa Taussig

Die Villa Malfatti, der damals größte Privatbesitz in Hietzing, wurde 1891 von den Erben an den Generaldirektor der Bodencreditanstalt Theodor Ritter von Taussig[1] (1849-1909) verkauft. Dieser ließ den Bau 1892 abreißen und ein Gartenpalais nach den 1894 erstellten Plänen des Architekten Karl König errichten. Die großzügige Anlage war mit den damals neuesten technischen Errungenschaften ausgestattet. Die von der öffentlichen Versorgung unabhängige Wasser- und Energiezufuhr erfolgte durch ein Pumpwerk (das Wasserreservoir dafür befand sich auf dem Gipfel des Küniglberges) bzw. durch einen 1894 installierten Generator. Dieser stand im Keller des Gärtner- und Portierhauses und wurde durch einen 25 PS starken Ottomotor betrieben.

Zu der Liegenschaft gehörten neben dem Hauptbau ein Portier- und Gärtnerhaus sowie ein Kutscher- und Stallgebäude. Innerhalb der weitläufigen Gartenanlage befanden sich zwei Bassins, eine Wettersäule und eine Manege (sie ist in einem Lageplan[2] eingezeichnet; ob sie tatsächlich existierte, ist nicht belegbar).

Der Hauptbau stand hangwärts oberhalb der Häuser Nr. 12, 13, 14 und 15 der 1930-32 von der Arbeiterunfallversicherung errichteten Malfattisiedlung (-> Malfattisiedlung). Der h. Baumbestand an dieser Stelle ist weniger als 50 Jahre alt; die Grundfläche der Anlage ist noch erkennbar. Die Villa Taussig wurde 1931 abgerissen. Heute erinnern nur mehr das Kutscherhaus und das Portiergebäude an diese glanzvolle, auf Repräsentation angelegte Architektur der Gründerzeit.

Baubeschreibung Villa Taussig

Der Außenbau erinnert entfernt an die ca. 10 Jahre früher gebaute Hermesvilla im Lainzer Tiergarten. Ähnlichkeit besteht aber auch in den der Symmetrie verpflichteten Grundrissen, wobei bei der Villa Taussig Achsenverschiebungen die Strenge auflösen.

Die Fassaden im späthistoristischen Stil zeigten eine hauptsächlich der französischen Renaissance verpflichtete Formensprache. Die unregelmäßig gegliederte Hauptfront besaß einen von zwei Seitenrisaliten mit verschieden hohen Turmaufsätzen flankierten Mittelteil. Diese Anordnung verweist auf barocke Gestaltungsprinzipien. Auf der rechten Seite schloß sich ein Nebentrakt an, welcher unter anderem Küche, Speisekammern und die Dienstbotentreppe beinhaltete.

Die lebendige Dachlandschaft war von Türmchen und Attikaaufsätzen geprägt. Die Türme standen im Sinne eines romantischen Rückblicks in der Tradition mittelalterlicher Burganlagen und dienten der Verbesserung der Aussicht, welche schon durch die erhöhte Lage des Baues angestrebt wurde.

Der Kern der Anlage war quadratisch. Die Hauptfront, zwei im rechten Winkel an sie anschließende Seitenflügel sowie an der Südseite Arkadengänge und das Gewächshaus im ersten Stock umschlossen einen rechteckigen Hof, in welchen die polygonale Ausformung der Haupttreppe hineinragte. Die Hanglage erforderte Terrassen im Norden und Osten und war der Grund für eine teilweise Unterkellerung. 1907 wurde der Vorkeller zu einem Eiskeller ausgebaut.

An der Westseite lag die Einfahrt in den Hof des Hauptgebäudes, der ein Ausfahrtstor an der gegenüberliegenden Seite entsprach. Die Einfahrt war als oktogonaler Raum ausgebildet, in dem man bequem aus dem Wagen aussteigen konnte. Von hier aus gelangte man zur sechseckigen Eingangshalle und von dieser in den über 20 m langen Salon oder Empfangssaal. Er gab die Zugänge zum Herrenzimmer, zum Billardzimmer sowie zu den beiden repräsentativen Räumen an der Hauptfront, dem Speisezimmer und dem Tanzsaal, frei. Erkerformen und Ausgänge auf die Terrassen und in den Wintergarten bestimmten ihren Charakter. Im Osten schloß sich an die Seitenfront eine Kegelbahn an. Am südlichen Ende des Westflügels führte ein separater Aufgang zum Glashaus.

Vom Empfangssalon gelangte man über eine großzügig angelegte dreiarmige Treppe in das Obergeschoß. Kleinere Raumeinheiten, durch Vorräume und relativ schmale Gänge erreichbar, verwiesen auf den privaten Charakter dieses Bereiches. Hier waren Schlafräume, Bäder und Toiletteanlagen sowie einige Gäste- und Dienerzimmer untergebracht.

Ein Gang im Ostflügel mündete in das Gewächshaus, welches sich gegen den Hof in einen Arkadengang und durch zwei Ausgänge gegen Süden auf eine Terrasse öffnete, die durch eine 8 m hohe Mauer begrenzt war. Sie diente als Abstützung des ansteigenden Hanges.

Von einem Vorraum im ersten Stock gelangte man über eine Treppe in den im NO gelegenen Turm, der einen beeindruckenden Fernblick ermöglichte. 1906 erfolgte der Ausbau zweier Giebelzimmer im Dachboden.

Der variantenreiche Grundriß und die Darstellung eines Teiles der Innenräume im Schnitt AB lassen auf repräsentative und mit hohem handwerklichen Aufwand ausgeführte Details der Innenarchitektur schließen.

[1] "(...) der hervorragendste Mann, der je im österreichischen Bankwesen tätig war (...)." Aus: Ludwig von Mises: Theorie des Geldes und der Umlaufmittel. Stenographische Protokolle über die vom 8. - 17. 3. 1892 abgehaltenen Sitzungen der nach Wien einberufenen Währungsenquetecommission. 2. Aufl. Wien: 1924. S. 188.
[2] Publiziert in: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Bd. II. S. 437. Abb. 691.
Villa Taussig. Lage- und Kanalplan, 1896 © MA 37, Baupolizei
<p><b>Villa Taussig</b></p><p>Lage- und Kanalplan, 1896</p><p><i>&copy; MA 37, Baupolizei</i></p>
Villa Taussig, Gartentor. Franz-Schalk-Platz / Gloriettegasse 47–49 (ehem. Küniglberg 1) © WStLA Fotoarchiv Gerlach FC1 04019M v3.
<p><b>Villa Taussig, Gartentor</b></p><p>Franz-Schalk-Platz / Gloriettegasse 47–49 (ehem. Küniglberg 1)</p><p><i>&copy; WStLA Fotoarchiv Gerlach FC1 04019M v3.</i></p>

Kutscher- und Stallgebäude

Baubeschreibung

In dem dreiachsigen Bau befanden sich der Stall, die Wagenremise und die Kutscherwohnung. Der Grundriß ergab sich aus der Grundstücksform, welche an dieser Stelle einen spitzen Winkel aufweist. Nur der Wohntrakt ist unterkellert.

Im linken Flügel befand sich der Pferdestall mit fünf Boxen. Er war mit Entlüftungskaminen ausgestattet und, um Wärme zu gewinnen, teilweise in der halben Höhe gedeckt. Der Heuboden darüber war mit dem Stall durch eine Haferrutsche verbunden. Zur Brandbekämpfung waren auf dem Dachboden Wasserschläuche installiert.

Im mittleren Trakt war Platz für zwei Kutschen, später diente er als Garage für Automobile. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier Flaschenzüge für den Batteriewechsel bei den Elektroautomobilen eingebaut. Dieser Gebäudeteil hat auf den Schmalseiten pfeilergestützte freie Vorhallen. Im dritten, rechten Flügel befand sich die Wohnung für die Familie des Kutschers. Sie bestand aus Vorraum, WC, Küche, Schlafraum und einem ca. 25 m2 großen Wohnraum. In der Mansarde waren Räume für die Stallburschen eingerichtet. Auch hier befand sich ein WC.

In den achtziger Jahren wurde dieser Bau zum Teil renoviert und für Wohnzwecke adaptiert.

Portier- und Gärtnerhaus

Baubeschreibung

Als Pendant zum Kutscherhaus - die zum ehemaligen Tor gerichteten Fassaden sind gleich gestaltet - weist dieser zweiachsige Bau im Grundriß eine rechtwinkelige Verschneidung von zwei Rechtecken auf. Im Osten befindet sich eine Treppe in das Dachgeschoß sowie in den Keller.

Im Parterre wohnte der Portier, in der Mansarde der Gärtner. Die Erdgeschoßwohnung hatte Vorraum, WC, Küche und zwei Zimmer, die Mansarde Vorraum, WC und zwei weitere Räume. Im Keller befanden sich der Ottomotor mit Dynamo und der Zugang zu einem bereits früher existierenden Brunnen. Nach dem Bau der Malfattisiedlung wurde das Portierhaus Hausbesorgerwohnung. 1986/87 erfolgte eine Renovierung des Gebäudes sowie eine Adaptierung von einem Wohnhaus.

Am Äußeren der beiden beschriebenen Bauwerke fällt die Betonung der Ecken und Fensterumrahmungen sowie der Pfeiler durch in Abständen eingesetzte, sich von der glatten Mauerfläche abhebende und anders gefärbte Quader auf. Dieses Gestaltungselement fand auch am Parktor Verwendung. Das gemauerte Tor wies eine Wageneinfahrt und zwei Eingänge auf; sein repräsentativer Charakter wurde durch schmückende Elemente wie Obelisken, Giebel und kugelförmige Aufsätze betont.

<p><b>Villa Taussig</b></p><p>Kutscher- und Stallgebäude, Foto 1988</p><p><i>&copy; G. u. G. Schum</i></p>
<p><b>Villa Taussig</b></p><p>Portier- und Gärtnerhaus, Foto 1998</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Villa Malfatti</b></p><p>Kolorierte Lithographie von Tobias Raolino, um 1830</p><p><i>&copy; Dr. Burkhardt Ruckschcio</i></p>

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

Übertragen von hojos
im September 2026