Villa Faldi
Ghelengasse 6
26.09.2026
Matthäus Bohdal, zwischen 1878 und 1880
Baugeschichte
Der Baumeister M. Bohdal entwarf im Jahr 1875, in dem auch das Bauansuchen gestellt wurde, für Paulina Faldi eine klar konzipierte, völlig symmetrische Villa im klassizistischen Stil. Wegen der Hanglage ist in seinem Plan straßenseitig das Tiefparterre nur sehr nieder ausgebildet, während es an der Gartenseite ein komplettes Geschoß darstellt. Nach dieser Seite öffneten sich ursprünglich auch die Eingänge, die in Richtung Schweizertalstraße lagen (die Ghelengasse in der h. Form existierte zu dieser Zeit noch nicht). Dieser Plan, der an der späteren Straßenseite als Eckrisalite zwei offene Veranden mit Gartenabgängen und eine über die gesamte Längsseite reichende gerade Attika mit Vasenaufsätzen vorsah, wurde in dem frühestens 1878 erfolgten Bau insofern abgeändert, als an Stelle der Veranden fünfseitige, mit Glockendächern und Wasserspeiern versehene Erker gebaut wurden und in der Längsrichtung ein höheres, schwach geneigtes Satteldach gesetzt wurde. Hiedurch veränderte sich der ursprüngliche Charakter vor allem an der Straßenseite stark. Die an südliche Bauten erinnernde Leichtigkeit und Klarheit des Erstentwurfes bestand im ausgeführten Bau nicht mehr.
Die Besitzer wechselten in kurzen Zeitabständen; mit großer Wahrscheinlichkeit ließen entweder das Ehepaar Josef und Leopoldine Dürschner, welches 1878 durch Kaufvertrag im Grundbuch eingetragen ist, oder Dr. Carl Ritter von Zipperer und seine Frau Leopoldine (Grundbucheintragung 1880) das Haus erbauen.
Es war in der Mittelachse in zwei völlig idente, symmetrisch angelegte Wohnbereiche geteilt. Die beiden Eingänge in das Tiefparterre erfolgten durch die gartenseitig gelegene offene Veranda. Gänge führten zu den geraden, zweiläufigen Treppen wie auch zu den Küchen, Waschküchen und Kellerräumen. An die Küchen grenzte jeweils ein Zimmer, ein WC und ein weiterer Raum, der einen Ausgang in die offene Veranda hatte. Im Hochparterre lagen pro Wohnung drei Zimmer, ein ausgedehnter Salon mit Abgang in den Garten sowie ein an der Straßenseite gelegener Erker. Der von Gußeisenstützen getragene Balkon gegen den Garten war von beiden Wohnungen aus zugänglich.
Nach einer 1913 durchgeführten Adaptierung zu einem Einfamilienhaus wurden 1940 erneut zwei Wohnungen eingerichtet, 1959 hob man diese Teilung wieder auf.
Die Symmetrie der Straßenfassade ist durch den 1940 erfolgten linksseitigen Zubau einer Garage nicht mehr gegeben. Über ihr wurde 1947 ein Wohnraum errichtet.
Baubeschreibung
Das h. Aussehen erhielt die Villa durch einen 1913 erfolgten, von Hans Schneider geplanten Umbau. An der Straßenseite wurde dem zurückversetzten, vierachsigen Mittelteil im Erdgeschoß ein über zwei Achsen reichender Erker mit rechts liegendem Stiegenaufgang vorgebaut. Über ihm liegt ein etwas vertiefter, mit drei Fenstern versehener Aufsatz im Dachgeschoß mit fünfseitigem Glockendach. Die Erhöhung dieses Mittelteiles umfaßt auch die beiden benachbarten Achsen; die vertiefte Wand erhielt im Dachgeschoß zwei Fenster, der gesamte Mittelbereich wurde von einem Giebel abgeschlossen und betont hiemit stark die Gebäudemitte. An die ursprünglichen ringförmigen Reliefs in der glatten Mauerfläche über den Erdgeschoßfenstern erinnern die kreisförmigen Medaillons mit Puttidarstellungen über den gerade verdachten Seitenfenstern des Mitteltraktes. Über den drei Rundbogenfenstern des Dachgeschoßes befindet sich eine zwischen Ranken gelegte Kartusche. Diese Fensterzone ist nach oben mit einem Wellengiebel abgeschlossen.
An der Gartenseite wurde an Stelle des Balkons im ersten Stock eine geschlossene Veranda mit schrägen Seitenflächen eingebaut.
Der Umbau führte auch zu einer Veränderung der Stiegenanlage. In der ehemals rechten Wohnung wurde im Tiefparterre eine Hauswartwohnung eingerichtet, in der ehemals linken wurde die Waschküche zum Bad umgebaut. Im Hochparterre veränderte man einen Teil der Stiege zu einem Bad. Die übrige Raumstruktur blieb im wesentlichen erhalten. Das Haus war nun für eine einzige Familie adaptiert; im Dachgeschoß kam es zum Einbau eines Malateliers mit Erker, zu einer Garderobe sowie zur Errichtung von Gast-, Kinder- und Dienstbotenzimmern.
Im Inneren beeindrucken Details wie der 1913 umgebaute Stiegenaufgang, die Vertäfelung und der Kamin in einem Wohnraum oder die Glasfenster in einem Erker mit zum Teil bildlichen Darstellungen.
Im Vergleich zu anderen Villen aus der Gründerzeit wirkt dieser Bau intimer, er vermeidet auftrumpfende Selbstdarstellung.