Villa Wolter
Trauttmansdorffgasse 33
Carl v. Hasenauer, Adaptierung 1866
Arnold Heymann, Adaptierung 1878
Baugeschichte
Das Haus Trauttmansdorffgasse 33 steht in engem Zusammenhang mit dem Vorgängerbau des Hauses Gloriettegasse 10. Beide Gebäude wie auch das Haus Trauttmansdorffgasse 31 lagen ehemals auf einer Parzelle.
1866 kaufte Charles Graf O'Sullivan de Grass alle drei Häuser von Josefine Schwarz von Mohrenstern. Die Gebäude Trauttmansdorffgasse 31 und 33 waren ehemals bäuerliche Anwesen und wurden um 1800 errichtet.
1866 wurde das gegen Süden an das Haus Trauttmansdorffgasse 33 angebaute Stallgebäude nach Plänen, die bereits 1864 erstellt worden waren, zu einem Sommerwohnhaus umgestaltet. Den Umbau in der Art des Heimatstiles mit Fachwerk und Laubsägeornamenten führte Stadtbaumeister Eduard Kaiser nach Plänen Carl v. Hasenauers durch. An der Südseite sprang links ein Gebäudeteil risalitartig vor. Die giebelförmige Überdachung der Loggia im ersten Stock erhielt an der rechten Eingangsseite eine schmälere Entsprechung. Im Erdgeschoß war eine Rundbogenarkadenreihe vorgelagert, die im ersten Stock eine zum Teil verglaste Veranda trug.
1878 erfolgte durch Stadtbaumeister Arnold Heymann (er plante u. a. das 1907/08 errichtete "Hopfners Park-Hotel Schönbrunn") in Anlehnung an den Stil des umgebauten Stallgebäudes die Adaptierung des gesamten Hauses Trauttmansdorffgasse 33; das Haus Trauttmansdorffgasse 31 behielt seinen bäuerlichen Charakter bis heute (-> Bd. I, S. 20).
Die Villen Trauttmansdorffgasse 33 wie auch den Vorgängerbau des Hauses Gloriettegasse 10 bewohnte - mit Bevorzugung der Trauttmansdorffgasse - bis zu ihrem Tod die Burgschauspielerin Charlotte Wolter (1834-97), die seit 1875 mit Charles Graf O'Sullivan de Grass verheiratet war. Sie schloß sich begeistert der Sammelleidenschaft ihres kunstsinnigen Mannes an, sodaß die Innenausstattung der Villen von Gemälden und Skulpturen sowie von ausgesuchten Gegenständen des Kunstgewerbes geprägt war. Ein herausragendes Beispiel bildete das Gemälde Hans Makarts, Charlotte Wolter als Messalina darstellend. Zwei von Viktor Tilgner geschaffene Büsten der Schauspielerin standen in der Villa Trauttmansdorffgasse 33. "Die Maler Rahl, Matsch, Fux, Makart, Canon, Angeli, Gaul, der Bildhauer Tilgner verkehrten freundschaftlich in ihrem Hause. Sie malten die Wolter und entwarfen ihre Kostüme."[1]
1927 sollte das Gebäude demoliert werden, 1933 erfolgte eine Adaptierung, derzufolge im ersten Stock zwei Wohnungen eingerichtet und im Keller, Erdgeschoß und Dachgeschoß einige Veränderungen vorgenommen wurden.
Die Villa Trauttmansdorffgasse 33 wurde 1989/90 generalrenoviert, wobei das Äußere und die innere Grundstruktur im wesentlichen unverändert blieben.
Baubeschreibung Trauttmansdorffgasse 33
Im Zuge des Umbaues 1878 entstand eine zweite Einfahrt in den Hof. Die Straßenfassade erhielt durch das Kordongesims und durch die in relativ großer Entfernung darüberliegende Sohlbank eine starke Horizontalgliederung. Der an der rechten Seite liegende dreiachsige Gebäudeteil wurde in die nun relativ schlichte Fassadengestaltung miteinbezogen. Das Fachwerk wich dem in der übrigen Fassade des ersten Stockes verwendeten Wechsel von erhabenen und vertieften Mauerflächen, wobei die tiefer liegenden eine rötliche Färbung erhielten und in den oberen Bereichen mit gemalten Dekorationen und Masken geschmückt waren.
Die Südseite wurde ebenfalls schlichter gestaltet. Der Eindruck der Symmetrie wurde durch das Vorziehen der fünften Achse auf die Höhe der ersten verstärkt: es entstanden zwei Risalite, zwischen denen im ersten Stock statt der Veranda ein nur vom stark vorspringenden Dachgesims leicht überdachter Balkon mit Schmiedeeisengitter gesetzt wurde. Im Erdgeschoß entstand dadurch eine überdachte Terrasse. Die Arkadenreihe aus Holz wurde durch Gußeisenstützen ersetzt; die in der Mitte liegende Rundbogenstatuennische an der Mauerseite blieb bestehen. Dieser Fassadenzustand hat sich im wesentlichen bis heute erhalten.
An der Hofseite lag im ersten Stock ein über Eck gesetzter, aus Holz gebildeter Erker mit reicher Verzierung. Er besteht in schlichterer Form ebenfalls noch heute. 1894 wurde an dieser Seite im ersten Stock ein auf Metallstützen ruhender, aus Gußeisen gebildeter Wintergarten errichtet. Die ursprüngliche Planung sah eine dekorativere Gestaltung vor. Der darunterliegende Erdgeschoßbereich wurde 1900 geschlossen, wodurch eine Küche und einige Dienerzimmer entstanden.
Der Haupteingang an der Straßenseite führt in einen Vorbereich, von dem man über einige Stufen auf das Niveau des Hochparterres gelangt. Rechterhand kommt man durch eine dekorative Glastüre in die erst 1900 geschaffene Halle und in das anschließende Stiegenhaus mit gerader, dreiläufiger Treppe. Im Erdgeschoß dominiert der südseitig gelegene, heute ca. 60 m2 (ursprünglich ca. 42 m2) große Raum, der ehemalige Salon mit Kamin des ersten, 1866 erfolgten Ausbaues. Beim 1900 ausgeführten Umbau wurde dieser Raum zum Speisesaal, eine Zusammenlegung von zwei Räumen an der Straßenseite bildete dann den Salon. Im ersten Stock liegen straßenseitig vier Räume in Flucht, die Ostseite wird durch den Wintergarten bestimmt.
Baubeschreibung Gloriettegasse 10 (Vorgängerbau der h. Villa)
Die um 1815 errichtete Villa mit Hochparterre und ausgebautem Mansarddach wies an den Fassaden Stilelemente des Biedermeiers, wie die reliefierten Rundbogenlünetten über den Fenstern, auf. Leider ist von diesem Bau außer einem Kanalplan nur die Situation aus dem Jahr 1894 erhalten (siehe Plan oben). Sie zeigt eine erkerartige Erweiterung an der Gartenseite und den nach Abbruch eines Gebäudeteiles 1866 durch Carl v. Hasenauer ausgeführten linksseitigen Atelieranbau. Die noch existierenden Aufrißpläne dieses Anbaues machen den Versuch einer Angleichung an das bestehende Gebäude deutlich. Die gesamte Anlage wurde 1903 abgetragen und an ihrer Stelle 1903-05 durch Ernst v. Gotthilf die gegenwärtig bestehende Villa für Leopold Pollack errichtet; er besaß mit seiner Frau Mathilde das gesamte Anwesen seit 1899. Eine zentrale Halle mit aufwendig gestalteter Treppe erschließt die symmetrisch um die Mittelachse gruppierten Wohnräume.
Die neue Villa im neubarocken Stil ist ein Paradebeispiel für einen großzügig angelegten, repräsentativen Bau einer zahlungskräftigen Bevölkerungsschichte um die Jahrhundertwende in Wien.
Zu der Liegenschaft gehörte auch ein Glashaus, das bereits 1864 an der linken Grundgrenze in der Trauttmansdorffgasse 31 bestand. An seiner Stelle ließ Leopold Pollack durch Ernst v. Gotthilf 1899 ein neues Gewächshaus errichten, welches 1910 ebenfalls durch diesen Architekten erweitert wurde; er entwarf auch das 1901 gebaute und heute nicht mehr erhaltene Gartenhaus mit Kegelbahn. Das Glashaus besteht noch in leicht veränderter Form.
[1] Niederle, Berta: Charlotte Wolter. S. 16.