Villa Milton

Lainzer Straße 8

Josef Wenz, 1875

Baugeschichte

Der Baumeister Josef Wenz errichtete 1875 für die Familie von Gregorich (Gregurich), die damals auch Besitzer der Faistenmühle war, das Haus auf dem Areal der ehemaligen "Neuen Welt" (-> Bd. I, S. 178f).

Der zweigeschoßige Bau - in seiner Attika war die nach dem englischen Dichter gewählte Hausbezeichnung "Villa Milton" zu lesen - mit dreiachsigigem, vorspringendem Mittelteil und zwei stockwerkweise getrennten Wohnbereichen gehörte ab der Jahrhundertwende der Opernsängerin Minna Baumgartl. Für sie wurden 1902 durch Baumeister Ferdinand Seif im ersten Stock ostseitig eine Veranda und westseitig ein Erker angesetzt. Das Dach der nach vorne hin offenen Veranda wird von zwei Säulen getragen, in den geschlossenen Seitenflächen befinden sich Fenster (Abb. 48). Gartenseitig wurde eine Hausmeisterwohnung angebaut. 1917 erfolgte unter der gartenseitigen, offenen Veranda im ersten Stock der Einbau einer weiteren, geschlossenen Veranda im Erdgeschoß.

Baubeschreibung

Im Zuge der 1902 durchgeführten Erweiterungsarbeiten im ersten Stock entstand eine bemerkenswerte Innenausstattung auf hohem handwerklichen Niveau. Sie ist das Besondere an diesem Haus und umfaßt den Salon, das Speisezimmer, das Damenzimmer und die später geschlossene und zu einem Wintergarten veränderte Veranda. Von erlesener Qualität sind die kassettierten Decken in Salon, Speisezimmer und Damenzimmer (Abb. 49), wobei die Decke im Speisezimmer eine selten anzutreffende intarsierte Kehlung aufweist. Die eingebauten Schränke - in einem Eckkasten befindet sich eine Pendeluhr - und der über Eck gesetzte marmorverkleidete Kamin fügen sich in die vertäfelte Wand ein (Abb. 50). Details dieser Einrichtung bestehen aus historistischen Elementen, wie Säulen und Muschelformen, verweisen aber auch auf die damalige Moderne, den Jugendstil, der z. B. im Kamin, in der Uhr oder in der Gestaltung der Doppeltüre zum Ausdruck kommt.

Die dunkel gerahmte Glastüre in den Salon zeigt ein aus verschiedenen Gläsern gestaltetes florales Jugendstilornament; die Gläser der Blüten sind reliefiert. In den zum Teil mit Butzenscheiben versehenen Erkerfenstern des Damenzimmers sind Wappenmedaillons in Glasmalerei eingegliedert (Abb. 51). Die wieder der floralen Ornamentik des Jugendstiles entsprechenden Verandenfenster bestehen aus verschieden strukturiertem, gefärbtem Glas (Abb. 52). Leider sind weder Planer noch Ausführende dieser in gutem Zustand befindlichen Einrichtung bekannt.

Auch die im Hochparterre gelegene Wohnung, die lange Zeit zum Teil als Arztpraxis diente, zeigt Details von hoher gestalterischer und handwerklicher Qualität. Von dem möglicherweise ehemals als Empfangszimmer bzw. Bibliothek dienenden Raum mit erhöhtem Annex führt eine mehrteilige Glastüre, in die Wappen einer Studentenverbindung eingegliedert sind, zum Balkon. An den Eichenvitrinen fallen allegorische Figuren auf, die Künste und Wissenschaften versinnbildlichen. Die Kapitelle an der mit Holz verkleideten Laibung des Zuganges von der Bibliothek in den Annex sind mit korinthischen Blattmotiven geschmückt.

In dem erhöht gelegenen Schlafzimmer wie auch in der benachbarten Garderobe befinden sich aufwendig gearbeitete Stuckdecken.

Im ehemaligen Salon fand sich die Jahreszahl 1913 mit der Signatur "Arch. Hergesell".

<p><b>Villa Milton</b></p><p>Nach einem Aquarell von F. Sager, 1888. Der Eingang in die „Neue Welt“ ist noch ein Rest des Vergnügungsetablissements, das bis 1882 bestand.</p><p><i>&copy; Historisches Museum der Stadt Wien</i></p>

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

Übertragen von hojos
im September 2026