Villa Stein-Pollak
Braunschweiggasse 4 / Auhofstraße 16
Donat Woitak (Woita?) (?), um 1865, Adaptierung Eduard Frauenfeld & Berghof 1884
Baugeschichte
Um 1820 befanden sich auf dem Gebiet der späteren Villa Stein/Pollak ausgedehnte Gärtnereien. 1864 erhielten die Bauwerber Alois und Karolina Stein sowie David Pollak die Erlaubnis, auf der "ehemals Baron Eskelles-Realität"[1] nach Plänen des Stadtbaumeisters Donat Woitak Gärtnerwohnungen zu errichten, "(...) nachdem die Aussichtslinie aus der finsteren Allee des k. k. Schönbrunner Schloßgebäudes und auch sonst keine anderweitigen allerhöchsten Hofinteressen hiedurch berührt werden (...)."[2] 1866 wurde am nördlichen Rand des Gartengrundes ein kleines Glashaus erbaut.
Um 1865 ließen die drei Besitzer mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls nach Plänen Woitaks - sie sind leider nicht erhalten - auf dem Grundstück eine Villa errichten. 1874 kaufte der Baumeister und Architekt Ignaz Drapala die Liegenschaft und adaptierte ein Jahr später die Villa. Das Gebäude erhielt damals unter anderem eine neue, relativ unruhig und überladen wirkende Fassade.
1882 wurde an der rechten Grundgrenze ein Stall für sechs Pferde errichtet.
1884 ließ Wilhelm Prinz von Hanau, der die Villa im selben Jahr von Alexander Freiherr von Scholley gekauft hatte, erneut eine Adaptierung vornehmen. Er beauftragte damit die Architekten und Baumeister Eduard Frauenfeld & Berghof. Die damals erfolgte Umgestaltung der Fassaden hat sich bis heute erhalten. Eine Erhöhung des ersten Stockes und die stärkere Betonung des Mittelrisalites durch ein aufwendig gestaltetes Mansardfenster schufen nicht nur eine Verbesserung der Proportionen sondern verliehen dem Gebäude auch verstärkt den Charakter eines kleinen Palais (Abb. 37). Die Innenraumstruktur blieb gegenüber der Adaptierung durch Drapala im wesentlichen unverändert.
Im Zuge dieser Umbauten wurde an der h. Braunschweiggasse (ehemals Wiengasse bzw. Hügelgasse) im Stil des Hauptbaues ein Portierhaus errichtet.
1905 kaufte der Realitätenhändler Julius Frankl das Gebäude und ließ im Inneren erneut Umbauten ausführen; dabei wurden der gekurvte Stiegenaufgang durch eine mehrfach gewendete geradläufige Treppe ersetzt, die Veranden an der Ostseite des Erdgeschoßes beseitigt und im ersten Stock diverse Raumeinteilungen abgeändert. Die Pläne für diese Umbauten stammen von Stadtbaumeister Heinrich Kaiser.
1915 kaufte Karoline Tobisch den Besitz und ließ im selben Jahr im Portierhaus eine Garage für ein Elektromobil einbauen. Der von ihr beauftragte Baumeister Josef Sturany führte auch in der Villa diverse kleinere Umbauten durch (er vergrößerte das Vestibül sowie den Salon im Erdgeschoß gegen Süden durch Entfernung von zwei Pfeilern im verandenartigen Vorbau). Im Zuge dieser Änderungen erfolgte u. a. auch die Umgestaltung des Salons durch Wandvertäfelung mit dazwischenliegenden Stofftapetenfeldern und durch einen holzverkleideten Bogen (Abb. 38), der den Raum zum Erker hin öffnet. Die Ausstattung auf hohem handwerklichen Niveau stammt von Lorenz Bocatas (Signatur an einer Seitenwand des Salons).
1997/98 erfolgte eine dringend notwendig gewordene und mit großer Sorgfalt durchgeführte Generalrenovierung der Villa und des Portierhauses, das man für Wohnzwecke adaptierte.
Baubeschreibung (Zustand 1884)
Die symmetrisch gestaltete Südfassade (Abb. 37) zeichnet sich durch Ausgewogenheit und sparsame Dekoration aus; diese wurde lediglich in der dreiachsigen Mittelzone verstärkt eingesetzt, wo die klassische Formensprache barocken Elementen gegenübersteht. Die Parterrezone ist gebändert ausgebildet und scheint bis zu den Unterkanten der Fenster des ersten Stockes zu reichen, da die Fensterbänke durch ein zartes Gesims verbunden werden. Auf diese Weise wird die Überhöhung des ersten Stockes ausgeglichen. Die Dachgestaltung erinnert an französische Schloßarchitektur.
Der Haupteingang an der Gebäudemitte der Nordseite führt in das Erdgeschoß (Abb. 39), in einen schmalen Vorraum, von dem links der Stiegenaufgang (Abb. 40), rechts die Küche und in der Mittelachse der Salon erreichbar sind. Salon, angrenzende Zimmer und eine Veranda liegen in Flucht. Nordseitig befinden sich die mit der Küche verbundene Hausmeisterwohnung sowie eine zweite Veranda mit Verbindung zu einem Kabinett, von dem aus auch der Stiegenaufgang erreichbar ist.
Im ersten Stock (Abb. 41) liegen eine zweite Küche, zwei Salons - der große mit Balkon - und zwei Zimmer in Flucht sowie zwei weitere Zimmer und ein Kabinett.
Die Villa stellt sowohl durch ihr äußeres Erscheinungsbild als auch durch ihre innere Struktur ein typisches Beispiel einer Wohnkultur des Adels bzw. wohlhabenden Bürgertums dar, in der gehobene Ansprüche mit unaufdringlicher Großzügigkeit verwirklicht wurden.