Villa Mayer
Auhofstraße 11, Hietzinger Hauptstraße 38
1821/22
Baugeschichte
Der ehemals 1300 Quadratklafter (ca. 2200 m2) große Wiesengrund wurde 1798 von Alexander Brevillier zur Anlegung eines Gartens erworben. 1821 erhielt der damalige Besitzer Franz Graf Zischy de Vasonkoe die Bewilligung zur Errichtung eines Hauses. Im selben Jahr ist im Grundbuch der pensionierte k. k. Rittmeister Anton Mayer als Besitzer eingetragen. Er ließ die mit großer Wahrscheinlichkeit zu dieser Zeit noch im Bau befindliche Villa fertigstellen. Wieweit er Planänderungen vorgenommen hat, ist nicht mehr feststellbar. Bereits 1829 wurde das Gebäude zwangsversteigert.
In der Folge kam es zu häufigem Besitzwechsel. 1899 wurde unter dem Besitz von Friedrich Szarvasy von Rudolf Goebl eine Adaptierung und in ihrem Zusammenhang ein Terrassenanbau im Westen mit Zugang zum Garten durchgeführt. Zu dieser Zeit wurden auch der Säulenvorbau des Einganges und der darüberliegende Balkon wie auch die Balustraden über den im Norden und Süden vortretenden Mittelteilen geschaffen. In diesem Jahr bestanden an der Auhofstraße ein Glashaus und eine Waschküche, an der östlichen Grundgrenze ein ausgedehntes Stallgebäude (Abb. 19). Der Garten erstreckte sich zu dieser Zeit noch bis zur h. Braunschweiggasse. An ihr lag eine Kegelbahn. Im Garten stand an einem der geschwungenen Wege ein kleiner Pavillon.
1932 kam es zu weiteren Veränderungen, die das Innere des Baues betrafen; es wurde im Erdgeschoß ein Teil der ehemaligen Küche zu einem Bad und einem Dienerzimmer umgebaut. Die h. Gliederung des Bauinneren entspricht mit Ausnahme dieser Veränderungen in großen Zügen der Situation um 1900.
Baubeschreibung
Der feudal wirkende, wohlproportionierte, zweigeschoßige Bau ist unterkellert. Die Fassaden sind bis auf den zu nicht mehr feststellbarer Zeit (sicher vor 1899) erfolgten, einachsigen Anbau im Westen streng symmetrisch gehalten; sie weisen auf beiden Längsseiten mit
Ausnahme der im Norden bestehenden Eingangssituation idente Gestaltung auf. Der dreiachsige Mittelrisalit ist - im Süden zur Hietzinger Hauptstraße etwas schwächer - als vortretender Bauteil gegenüber den je zweiachsigen Seitenteilen abgehoben (Abb. 20). Er wird sowohl im Süden als auch im Norden von einer aus Steinbalustraden und einem vorgezogenen runden Mansardfenster gebildeten Attika abgeschlossen. Alle Fenster weisen gekröpfte Mauerumrahmungen auf, im ersten Stock des Mittelteiles sind sie noch zusätzlich mit Verdachungen in Gesimsform versehen. Die Abschlußkanten des Baues sind durch betonte Quaderung hervorgehoben. Das Kordongesims zwischen den Geschoßen wie auch das deutlicher hervortretende Dachgesims sind gekehlt ausgebildet.
Der im Norden befindliche Hauseingang wird von zwei dorischen Säulen flankiert, die einen mit Balustrade versehenen Balkon tragen. Ungewöhnlich sind die unterhalb der Schaftmitte angesetzten Säulenringe. Zwischen den Säulen befindet sich ein gemauerter Windfang mit Eingangstüre. Das Gebäude wird von einem Walmdach gedeckt.
Innenraumsituation von 1899
Der Eingang führt in einen schmalen Vorraum, von dem die ausgedehnte Küche und die gekrümmte Treppe in den ersten Stock wie verschiedene, mit großer Wahrscheinlichkeit zum Teil für Dienstboten bestimmte Wohnräume sowie das WC erreichbar sind. Im ersten Stock (Abb. 22) besteht gegen Süden die für die Bauweise des Biedermeier-Landhauses typische Zimmerflucht von großzügig bemessenen Wohnräumen. Die Fläche des mittig gelegenen Salons beträgt ca. 36 m2. Ein schmaler Gang, von dem unter anderem auch das Badezimmer erreichbar ist, verbindet den dreiachsigen Salon mit dem nördlich gelegenen Balkon über dem Eingangsbereich.