Villa Thienne de Rumbek (?)
Maxingstraße 24
Erster Bau 1797, Neubau um 1810, Abgetragen: 1951
Baugeschichte
1797 wurde auf dem betreffenden Grundstück von ca. 2300 m2 das Haus CN 65 für Georg und Catharina Lugler[1] errichtet. 1805 war Karl Graf von Thienne(s) de Rumbek(e) Besitzer der Liegenschaft.[2] Mit großer Wahrscheinlichkeit ließ er den Neubau errichten, denn dieser ist bereits auf dem Franziszeischen Katasterplan aus dem Jahr 1819 eingezeichnet.
1839 war Henriette Gräfin zu Eltz Besitzerin der Villa; für 1849 ist im Grundbuch Johann Finsterle (?) eingetragen.
Ab 1862 besaß Henriette Baronin Wiener von Welten (verheiratet mit Dr. Rudolf Ritter von Welten) die Liegenschaft. Sie ließ in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts einige Adaptierungen an einem Nebengebäude (Gärtnerei) sowie die Rekonstruktion des alten Gewächshauses an der rechten Grundgrenze durchführen.
1931 erfolgte ein Garageneinbau mit Tankstelle, 1938 wurden unter dem Besitz von Alma von Zsolnay Pläne für die Teilung des Hauses erstellt.
Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das Gebäude beträchtlichen Schaden, am 2. Oktober 1951 wurde die Genehmigung für den Abbruch erteilt; 1965/66 errichtete man die fünfgeschoßige Wohnhausanlage Maxingstraße 22-24, die sich zum Teil auf dem Areal des alten Baues befindet.
Baubeschreibung
Die um 1810 errichtete Anlage bestand aus dem von der Straße zurückversetzten unterkellerten zweigeschoßigen Hauptbau und den in geringem Abstand im rechten Winkel seitlich angefügten, bis zur Maxingstraße reichenden Flügeln der Nebengebäude. Ihre Straßenfassaden waren in Felder gegliedert und mit Flachgiebeln abgeschlossen. In dem von Haupt- und Seitentrakten gebildeten Vorhof befand sich ein Blumenrondeau, hinter dem der Zugang in den Haupttrakt lag. Das horizontal betonte Hauptgebäude wies straßenseitig eine streng gegliederte Fassade auf, in der die Fenster in schwach vertieften Feldern saßen. Bei geschlossenen Jalousien entstand eine fast plane, fein strukturierte Wand. Das Walmdach mit mittig gesetztem Uhrgiebel hob sich von ihr durch ein deutlich hervortretendes und von dicht gesetztem Gebälk getragenes Gesims ab. Die strenge klassizistische Fassade war um den gesamten Bau durchgehalten.
Auf der Straßenseite lag in der Mitte der Eingang, welcher durch eine von jonischen Säulen getragene Vorhalle betont war. Über ihm lag eine Terrasse. Auf einer Fotografie um 1900 (Abb. 13) sind Vorhalle und Terrasse dicht mit wildem Wein bewachsen.
Der betonten Eingangsseite entsprach an der Gartenfassade (Abb. 14) ein beide Geschoße umfassender vorgewölbter gekuppelter Salon, der einerseits durch Rechteckfenster im Untergeschoß, andererseits durch senkrecht gestellte Ovalfenster im Obergeschoß Licht erhielt. Dieser Raum mit Ausgang in den Garten zeichnete sich in der Kuppel durch Kassettierung oberhalb der Ovalfenster wie durch überaus fein ausgeführte Stuckarbeiten in Kuppel und Wand aus (Abb. 15). Über den Fenstern lagen in rechteckigen Feldern Reliefs, die mythologische Szenen aus der griechischen Antike darstellten. Die Zonen zwischen den Rechteckfenstern waren durch Pilaster, deren Kapitelle mit Figuren und Blattwerk geschmückt waren, gegliedert. Zwischen den mit Eierstäben gerahmten Ovalfenstern lagen Reliefs, die von Putten flankierte pflanzliche Motive darstellten. Allein dieser Ausstattung wegen ist die Abtragung des Gebäudes sehr zu bedauern.
Die Gliederung des Gebäudeinneren (Abb. 16) ist nur mehr aus einem Umbauplan aus dem Jahr 1938, der die Teilung des Hauses in zwei Wohnungen vorsah, ablesbar. Aus ihm wird der streng symmetrisch gehaltene Grundriß deutlich, der im Erdgeschoß von dem kreisrunden, gartenseitig gelegenen Salon dominiert war.
Von der überdachten Vorhalle gelangte man in einen Vorraum, der einerseits den Zugang zu den straßenseitig gelegenen Räumen und zum seitlich gesetzten Stiegenhaus, andererseits in den kreisrunden Salon ermöglichte. Von diesem waren die beiden gartenseitig angeordneten Räume zu erreichen.
Im ersten Stock (Abb. 17) war die Symmetrie des Erdgeschoßes durchgehalten; das Mittelzimmer hatte einen Ausgang auf die straßenseitig über der Vorhalle gelegene Terrasse.
Der Garten reichte ursprünglich bis zur Wattmanngasse.
[1] WStLA. Altes Grundbuch fol. 129
[2] Ebda. Fol. 128 und fol. 389