Die Himmelhofschanze und der Ober St. Veiter Schiclub

Die Anfänge des Skispringens

Die Ursprünge des Skispringens liegen in Skandinavien. Das erste bedeutende Skisprungereignis fand 1879 am Holmenkollen bei Oslo statt und machte die Sportart international bekannt. Seit 1924 gehört Skispringen zum Programm der Olympischen Winterspiele: zunächst auf der Normalschanze, seit 1964 auch auf der Großschanze, seit 1988 als Mannschaftsbewerb und seit 2014 kämpfen auch Frauen um olympische Medaillen.

Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Österreich gegründeten ersten Skivereine förderten die Verbreitung des Skispringens. Zunächst waren es jedoch vor allem die Sportler selbst, die einfache Schanzen aus Schnee sowie aus Holz oder Steinen errichteten, um ihre Sprungtechnik zu verbessern. Einen wichtigen Meilenstein stellte der Bau größerer Sprunganlagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar, etwa 1905 in Kitzbühel und 1908 in Innsbruck. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Skispringen zu einer festen Größe im österreichischen Wintersport. Kulm, Bischofshofen und Innsbruck wurden zu klingenden Namen, und im ganzen Land entstanden zahlreiche Schanzen.

Die erste Skisprunganlage im Wiener Raum war die 1929 fertiggestellte Schanze am Cobenzl. Nach ihrem Ausbau im Jahr 1933 wären Sprungweiten bis zu 65 Metern möglich gewesen. Der Schanzenrekord blieb jedoch bei 57 Metern, denn bereits nach den Wiener Meisterschaften im Februar 1934 setzte der politische Umbruch dem Sprungbetrieb ein Ende.

Etwa zur gleichen Zeit bestanden in Hadersdorf-Weidlingau zwei Schanzen. Die 1930/31 in Vorderhainbach nahe dem Gasthof Jägerwirt errichtete Buchbergschanze (K-Punkt 35 Meter) blieb auf das Eröffnungsspringen am 15. Februar 1931 beschränkt. Daraufhin entstand 1932/33 in unmittelbarer Nähe die größere „Wienerwaldschanze“. Nach einem Umbau in den Jahren 1935/36 lag ihr K-Punkt bei 70 Metern. Der Schanzenrekord von 65 Metern stammte allerdings bereits aus dem Jahr 1934. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage noch einmal in Betrieb genommen, jedoch bereits 1950 wieder abgetragen.

Im Wiener Umland gab es außerdem den Sprunghügel des Wiener Wintersportklubs in Kaltenleutgeben sowie eine Schanze in Pressbaum. Die Anlage in Kaltenleutgeben lag zwar etwas abseits und eignete sich daher weniger für Massenveranstaltungen, stand jedoch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zur Himmelhofschanze. Der populäre Skispringer Sepp Bradl trat in Kaltenleutgeben auf, während es am Himmelhof bei entsprechenden Ankündigungen blieb. Die Schanze in Pressbaum trat hingegen durch keine offiziellen Sprungveranstaltungen in Erscheinung.

Die Skisprungschanze am Himmelhof

Damit war die von 1949 bis 1978 benützbare Skisprungschanze am Ober-St.-Veiter Himmelhof über viele Jahre die einzige Skisprungschanze Wiens und zugleich das Zentrum des Wiener nordischen Skisports. Das folgende Foto lässt jedoch erkennen, dass ihre Beliebtheit auch auf andere Vorzüge zurückzuführen war.

Blick auf den Himmelhof von Nordosten. Ein Foto unbekannten Datums © Bezirksmuseum Hietzing
<p><b>Blick auf den Himmelhof von Nordosten</b></p><p>Ein Foto unbekannten Datums</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>

Dieses Foto zeigt den Himmelhof von der Hackinger Seite und macht seine charakteristische Struktur deutlich. Gut erkennbar sind die terrassenartige Gliederung der Hänge, die damals noch bestehende Sprungschanze, der Verlauf der Wege sowie die noch geringe Verbuschung und Bewaldung.

Die Stufen in den Hängen sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen landwirtschaftlichen Nutzung. Durch das Pflügen wurde das Erdreich kontinuierlich von den oberen Grundstücksbereichen hangabwärts verlagert und dadurch das natürliche Gefälle allmählich gemildert. Diese Bewirtschaftung dauerte bis zum Ende der 1940er-Jahre an. Die weitläufigen, baum- und buschfreien Wiesen, die lange Zeit von der Siedlungstätigkeit verschont blieben, ermöglichten jene intensive Nutzung für den Wintersport, die in zahlreichen zeitgenössischen Berichten erwähnt wird.

Bereits früh war die „Hackenbergwiese in der Nähe des Bahnhofes Hütteldorf-Hacking“ der Wiener Übungsplatz des 1900 von Mathias Zdarsky gegründeten „Internationalen Alpen-Ski-Vereines“ sowie weiterer regionaler Skikurse. Sie alle orientierten sich an der von Zdarsky entwickelten Skimethode mit Ski und Bremsstange. Dank der damals schneereichen Winter herrschte hier über viele Jahrzehnte ein reger Betrieb, der bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts anhielt.

Die steile Wiese mit ihrem herrlichen Blick über Wien bot zudem ideale Voraussetzungen für die bereits kurz nach dem Krieg geplante Skisprungschanze. Nach ihrer Errichtung entwickelte sie sich zu einem weiteren Anziehungspunkt für Wintersportler und Zuschauer gleichermaßen. „Wahnsinn!“ war ein häufig zu hörender begeisterter Ausruf, insbesondere der Skispringer. Keine der zuvor genannten älteren Schanzen verfügte über einen derart eindrucksvollen Standort; sie lagen sämtlich in schmalen, oft in den Wald geschlagenen Schneisen.

Eine eingehendere lokalhistorische Betrachtung des Himmelhofes findet sich im Bericht Nr. 74 auf dieser Plattform.

Ein Bericht des Fachwartes der Ski-Union-Wien vom 6. Jänner 1949

Nun ist es endlich so weit. Wiens neueste und allen Anforderungen gerechte Sprungschanze geht der Vollendung entgegen. Es war ein mühevoller Weg, den die Männer der Ski-Union Wiens gehe mussten, bis es überhaupt so weit kam, dass der Bau begonnen werden durfte. Es würde bestimmt zu weit führen, hier sämtliche Ämter und Instanzen anzuführen, die bremsend oder fördernd den Lauf dieses herrlichen Projektes beeinflussten. Tatsache ist, dass der Wunschtraum aller Wiener Skispringer, vor allem der des Nachwuchses, eine übungs- und konkurrenzfähige Schanze in Stadtnähe zu haben, von der Ski-Union verwirklicht wurde. Besonders wird sich die Jugend erfreuen, denn durch den Bau dieser Mittelschanze, die Sprünge bis zu 40 m Weite erlaubt, ist für den Springer Anfang und späterer Übergang zu Großschanzen geschaffen. Gerade diese Tatsache zeichnet die Anlage besonders aus. Der Anfänger hatte bisher kaum Gelegenheit, seine körperliche Befähigung unter Beweis zu stellen, kann man ihm doch nicht zumuten, gleich auf einer 70 m Schanze anzufangen. Die große Bedeutung, die diesem Bau zukommt, wird man erst in Jahren richtig ermessen können.

Es sind nur einige wenige Männer, die schon seit Monaten an der Vollendung dieses Werkes arbeiten. Aber unermüdlich sind sie bei jedem Wetter droben am Himmelhof, zehn Minuten von der Stadtbahnendstelle Hütteldorf, tätig. 300 Kubikmeter Erde wurden bisher für den Aufsprung und für den Auslauf bewegt. 20 m3 Holz waren notwendig für die Überbrückung des sogenannten „Buckels“, so nennt man den Teil zwischen Schanzentisch und Aufsprung, der später einmal durch natürliche Erdmasse ersetzt werden soll. Auch der Kampfrichterturm und die darunter befindliche Hütte, die zur Wartung der Anlage und bei Veranstaltungen zur Unterbringung der Presse, des Rundfunks und Schiedsgerichtes dient, verschlang eine gewaltige Menge Bauholz. Der Anlaufturm wird eine ungefähre Höhe von 10 m erreichen. Zirka 12 m3 Balken und Bretter mussten von der 500 m entfernten und 100 m tiefer gelegenen Straße emporgetragen werden.

Um die Tauglichkeit der Himmelhofschanze zu erproben, fand zu Neujahr ein Probespringen unter Beteiligung der besten Springer Wiens, aus der Steiermark und dem Salzkammergut statt. Die Sprungschanze, die von der Ski-Union-Wien unter den schwierigsten Bedingungen erbaut wurde, fand den großen Beifall bei sämtlichen Teilnehmern. Von der Güte der Schanze kann man insofern sprechen, dass sämtliche Sprünge gestanden wurden. Die besten Leistungen erzielten: Hans Rabensteiner (Hadersdorf-Weidlingau), Willi Leitgeb (St. Gilgen), Franz Hellepart (Mariazell) und Hans Friesbichler (Ski-Union-Wien).

Falls uns der Wettergott gnädig ist, wird am 9. Jänner 1949 um 14 Uhr den Wienern ein Skispringen auf obiger Schanze vorgeführt.

Der Fachwart der Ski-Union-Wien Karl Kerschbaumer

Das Eröffnungsspringen am 9. Jänner 1949

Der erste Vorsitzende der Ski-Union Wien, Dipl.-Ing. Paul May und der Sportwart Ing. Rudolf Schmidt luden zu diesem Eröffnungsspringen mit folgenden Vorgaben ein:

Die Nennungen waren bis Freitag, den 7. Jänner 1949 an die Ski-Union Wien, Wien, I., Dominikanerbastei Nr.6 zu richten. Startberechtigt waren sämtliche Mitglieder des Ö.S.V., des Askö, Naturfreunde und der Union (Jugend, Junioren, Allg. Kl. und Altersklassen).

Training war am Samstag den 8. Jänner von 10–16 Uhr und am Sonntag, den 9. Jänner 10–12 Uhr, der Beginn des Skispringens um 14 Uhr. Die Preisverleihung im Gasthof Auer war für 18 Uhr anberaumt. Das Springen soll gefilmt und vom Rundfunk übertragen worden sein.

Ob diese Veranstaltung tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht eruierbar. Jedenfalls habe ich keine diesbezüglichen Zeitungsmeldungen gefunden. Die Zeitung Wiener Montag vom 23. Jänner 1950 berichtete zu einem Eröffnungsspringen im folgenden Jahr:

Schanzenrekord am Himmelhof. Das erste Skispringen im Wiener Stadt­gebiet, lockte viele tausende Zuschauer auf dem Himmelhof, wo die Union ihr Eröffnungsspringen durch­ führte. Von den 20 Startern erwies sich der Waidhofner Herbert Strasser als
Tüchtigster, da er nicht nur den Sieg in der allgemeinen Klasse errang, sondern
mit 35,5 Metern auch einen neuen Schanzenrekord aufstellte.

Die Ergebnisse: Allgemeine Klasse: Strasser (Union Waidhofen) 35.5, 34.5, Note 228.4; Brauneis (Union Mitterndorf) 34, 35.5, 215.4; Altersklasse: Hellebort (Wintersportklub) 27, 25.5, 185; Jugend: Haberzettl (Union Wien) 27.5, 31, 198.6; Junioren: Friesenbichler (Union Wien) 27.5, 28.5, 188.7.

Veränderungen an der Sprungschanze

Die Zeitung Neues Österreich berichtete am 8. Dezember 1950 über einen Umbau der Skisprungschanze auf der Himmelhofwiese. Dabei wurde der Auslauf abgegraben und das Aushubmaterial rechtsseitig talwärts sowie nach vorne verlagert. Zudem verringerte man das für die erzielbaren Sprungweiten entscheidende Gefälle des Schanzentisches auf 11 Grad, wodurch Sprünge bis zu 35 Metern möglich wurden.

In den folgenden Jahren wurde die Schanze mehrfach verbessert und ausgebaut. Die markanteste Veränderung war vermutlich die Erhöhung des Sprungturms im Jahr 1952. Dadurch konnten Sprungweiten von rund 45 Metern erreicht werden, die sich durch Veränderungen in den folgenden Jahren nur mehr geringfügig steigerten.

Das größte Problem für den Besitzer der Schanze dürfte ihre abgelegene und meist unbewachte Lage gewesen sein. Immer wieder wurde Holz entwendet, und vor Beginn der neuen Saison waren umfangreiche Renovierungsarbeiten erforderlich.

Die erste Himmelhofschanze. © Bezirksmuseum Hietzing
<p><b>Die erste Himmelhofschanze</b></p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
Skispringen auf der Himmelhofschanze 1954. Nach dem Umbau zeigt sich die Sprungschatze gegenüber der ursprünglichen Konstruktion deutlich verstärkt und erhöht. © Bezirksmuseum Hietzing
<p><b>Skispringen auf der Himmelhofschanze 1954</b></p><p>Nach dem Umbau zeigt sich die Sprungschatze gegenüber der ursprünglichen Konstruktion deutlich verstärkt und erhöht.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>

20.000 Zuschauer beim Skispringen am Himmelhof

Die Österreichische Zeitung würdigte in ihrer Ausgabe vom 13. Jänner 1953 den großen Erfolg des am vorausgegangenen Sonntag auf der Himmelhof­schanze ausgetragenen Skispringens um die Wiener Meisterschaft:

Der Wiener Himmelhof war mit Menschenmassen überflutet, und mit mehr als 20.000 Zuschauern dürfte zweifellos ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt worden sein. Während der Anmarschweg noch relativ ungefährlich war, obwohl der Steg über den Wienfluß bei der Stadtbahnend­station Hütteldorf nicht gereinigt und das Begehen der Treppen mit Gefahren ver­bunden war, gestaltete sich der Abmarsch der Tausenden geradezu lebensgefährlich, da es die Gemeinde Wien nicht für notwendig erachtete, die Wege mit Sand zu bestreuen. So gab es zeitweise ein Massenrutschen auf den vereisten Wegen.

Sportlich gesehen war der Veranstaltung ein voller Erfolg beschieden. 49 Springer aus vier Bundesländern gingen über den Schanzentisch. Die Wiener Meisterschaft konnte Franz Rabensteiner vom Ski­klub Ober-Sankt Veit mit zwei Sprüngen von 36 und 36,5 m gewinnen. Haltungsmäßig gefielen jedoch die Vertreter aus den Bundes­ländern, insbesondere die Semmeringer Springer weitaus besser. Den Schanzenrekord von 37 m konnte der in der Gäste­klasse startende Semmeringer Springer Wenninger im zweiten Durchgang mit einem schönen Sprung einstellen. Den Sieg in der Gästeklasse errang allerdings der Semmeringer Heher mit zwei Sprüngen von je 36,5 m.

Die Ergebnisse: Rabenstelner (SK Ober-Sankt Veit, 36, 36.5. Note 214,9) 1, Dr. Seelig (Wintersportklub, 33,5, 33.5, 206,4) 2, Wieser (Polizei-SV, 34,5, 34,5, 203,4) 3, Wechter (Askö Purkersdorf, 33, 33,5. 200,9) 4, Jamnig (Skiunion, 30, 35, 199,1) 5. Gästeklasse: Heher (Semmering, 36,5, 36,5. 216) 1, Wenninger (Semmering, 34, 37, 212,5) 2, Hirsch (Waidhofen, 36, 33,5, 211,3) 3. Altersklasse I: Pollerus (Feuer­wehr, 35,5, 35,5, 210,9) 1. Jugendklasse: Krempke (Wintersportklub, 30,5, 32, 200,8) 1.

Skispringen auf der Himmelhofschanze. Ein Springer vom Schanzentisch in die Lüfte. © Archiv 1133.at
<p>Skispringen auf der Himmelhofschanze. Ein Springer vom Schanzentisch in die Lüfte.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Skispringen auf der Himmelhofschanze. Wenninger (Semmering) nahm den 2. Platz ein. © Archiv 1133.at
<p>Skispringen auf der Himmelhofschanze. Wenninger (Semmering) nahm den 2. Platz ein.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Bei einem ebenfalls gut besuchten Springen, dem 14 Tage später ausgetragenen „Kampf um den Ehrenpreis des Skiclubs Ober St. Veit“, wurde der bisherige Schanzenrekord von zehn der 51 teilnehmenden Springer übertroffen. Der österreichische Juniorenmeister Reinmüller aus Murau erzielte mit 43 Metern die größte Weite. Begünstigt wurde dies durch einen starken Nachtfrost, der die Anlaufspur besonders schnell gemacht hatte. Aus Sicherheitsgründen wurde im dritten Durchgang der Schanzentisch zurückverlegt. Zwar siegte Rabensteiner in der Allgemeinen Klasse, die höchste Gesamtpunktezahl erzielten jedoch Pollerus in der Altersklasse und Reinmüller.

Das weitere Schicksal der Schanze

Zeitungsberichte bis einschließlich April 1958 dokumentieren regelmäßige Sprungveranstaltungen auf der Himmelhofschanze, an denen auch zahlreiche prominente Springer aus den Bundesländern teilnahmen. Bemerkenswert ist allerdings die durchgehend falsche geografische Zuordnung der Schanze: In der Presse wurde sie fast ausnahmslos als Himmelhofschanze in Hütteldorf bezeichnet. Selbst die Ski-Union Wien kündigte – sicher wider besseren Wissens – ihre Veranstaltungen regelmäßig als „Skispringen auf der Himmelhofschanze in Wien-Hütteldorf“ an.

Nach 1958 scheint es – vermutlich witterungsbedingt – zu einer zweijährigen Unterbrechung gekommen zu sein. Das nächste Springen, der Tyrolia-Pokal, fand am 17. Jänner 1960 statt und lockte 6.000 Zuschauer sowie 46 Springer aus Tirol, Salzburg, der Steiermark, Niederösterreich und Wien an. Während Schnee- und Witterungsverhältnisse 1960 ausgezeichnet waren, musste im darauffolgenden Jahr der Schnee mit Lastwagen zur Schanze gebracht werden.

Erst im Februar 1965 wurde der Schanzenrekord aus dem Jahr 1953 von Hubert Lechner (UKSch) mit einem 46-Meter-Sprung übertroffen – allerdings nur im Training. Der offizielle Schanzenrekord wurde später von Gottfried Dolleschal aus Mürzzuschlag mit 44 Metern aufgestellt.

Springen auf der Himmelhofschanze
Schmalfilme von Koloman Kladler ab dem Jahr 1965
17.07.2026

Danach setzen die mir vorliegenden Presseberichte bis 1969 wieder aus. Trotz einer schweren Beschädigung der Himmelhofschanze durch einen Brand konnten die Veranstaltungen im Jänner und Februar 1970 durchgeführt werden. Noch im selben Jahr machte ein Erdrutsch umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich, bei denen rund 100 Kubikmeter Erdreich abgetragen werden mussten.

Im Herbst 1972 musste die Sprungschanze aufgrund witterungsbedingter Schäden generalsaniert – nach anderen Quellen sogar umgebaut – werden. Zu weiteren Veranstaltungen scheint es zunächst jedoch nicht gekommen zu sein. Erst am 19. Februar 1978 wurde mit dem Tyrolia-Pokal wieder ein Skispringen ausgetragen. Vor rund 3.000 Zuschauern zeigte der spätere Sieger Hans Rinnhofer im Training einen Sprung auf 46 Meter. Es sollte die letzte Veranstaltung auf der Himmelhofschanze bleiben.

Der zunehmende Schneemangel ließ die Schanze im Laufe der Jahre zu einem beinahe vergessenen Wahrzeichen des einstigen Wintersports auf der Himmelhofwiese werden, bis sie in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1980 durch Brandstiftung zerstört wurde. In einem – offenbar erfolglosen – Spendenaufruf für ihren Wiederaufbau verwies die Ski-Union Wien auf ihre Verdienste um die Anlage. Seit 1949 seien dort 60 Spezialspringen und unzählige Trainingssprünge durchgeführt worden. Daran hätten Skispringer aus allen Bundesländern teilgenommen, darunter spätere Olympia- und Weltmeisterschaftsteilnehmer wie Otto Leodolter, Leopold Kohl, Peter Müller, Sepp Wallner, Harald Trappel und Willi Pürstl.

Der Ober St. Veiter Schiclub

Schon bald nach der Errichtung der Sprungschanze am Himmelhof kam es zu einer organisatorischen Neuordnung des Vereinswesens. Aus der Ski-Union Wien sollte sich ein eigenständiger regionaler Skiklub entwickeln. Eine erste Sitzung zu diesem Vorhaben fand am 9. Mai 1951 vermutlich in der Gastwirtschaft Heinrich in der Schweizertalstraße 7 statt, dem ersten Vereinssitz des geplanten Klubs. Anwesend waren zehn Personen, darunter der damalige Bezirksvorsteher Othmar Hassenberger, der als Obmann vorgesehene Karl Kerschbaumer (Winzerstraße 25), Baumeister Hans Fritz sowie ein Vertreter der Ski-Union Wien. Hassenberger war zugleich Sportjournalist, Buchautor und nach 1945 im Österreichischen Skiverband tätig. Zu den weiteren, bei dieser Sitzung nicht anwesenden Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Oberst Cerny sowie die Herren Siller, Weinberger, Wenzl und Wedra.

Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 27. Oktober 1951 in der Auerhütte statt. Von rund 35 Interessenten unterzeichneten 19 die Beitrittserklärungen. Zum Obmann wurde Hans Fritz gewählt, Karl Kerschbaumer übernahm die Funktion des Sportwarts. Mit Bescheid der Sicherheitsdirektion für Wien (Zl. SD-2444/51) vom 12. Oktober 1951 wurde die Bildung des Vereins „Ober St. Veiter Schiclub (O.St.V.S.C.)“ nicht untersagt.

Zweck des Vereins war die Ausübung des Skisports sowie die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Als wichtigste Aufgabe galt die Nachwuchsarbeit. Die Sprungschanze am Himmelhof, für deren Errichtung Karl Kerschbaumer und Hans Fritz von Othmar Hassenberger ausdrücklich gelobt wurden, bot dafür ideale Voraussetzungen. Obwohl der Verein auch den alpinen Skilauf pflegte, konzentriert sich dieser Beitrag auf das Skispringen und den Anteil des Ober St. Veiter Schiclubs am Wiener und österreichischen Sprungsport.

Die Gründe für die Loslösung von der Ski-Union Wien werden in den Quellen nicht ausdrücklich genannt. Die erhaltenen Sitzungsprotokolle lassen jedoch bis 1956 auf ein angespanntes Verhältnis zwischen beiden Vereinen schließen. Sie berichten von Animositäten und sogar von Anfeindungen gegenüber Springern des Ober St. Veiter Schiclubs. Auch hinsichtlich der Nutzung der Sprungschanze kam es über Jahre hinweg zu keiner einvernehmlichen Regelung. Bereits in der Gründungsversammlung vom 27. Oktober 1951 wurde ein Angebot der Ski-Union Wien erwähnt, dem neuen Verein eine Gewinnbeteiligung von 50 Prozent einzuräumen. Spätere Protokolle zeigen, dass vor allem die Frage strittig war, wer bei Sprungveranstaltungen als Veranstalter auftreten sollte. Die Ober St. Veiter betrachteten sich als Hausherren der Himmelhofschanze, während in den Tageszeitungen ausschließlich die Ski-Union Wien als Eigentümerin der Anlage und Veranstalterin der Bewerbe genannt wird. Der Ober St. Veiter Schiclub erscheint dort lediglich als Vereinszugehörigkeit einzelner Sportler.

Die Entstehung des eigenständigen Ober St. Veiter Schiclubs dürfte daher weniger das Ergebnis einer harmonischen Ausgliederung als vielmehr Ausdruck unterschiedlicher Interessen zwischen der zentralen Organisation und den lokalen Aktiven gewesen sein. Während die Ski-Union Wien als Trägerin des prestigeträchtigen Projekts in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat, scheinen Bau, Erhaltung und laufende Betreuung der Schanze in erheblichem Maß von den engagierten Sportlern aus Ober St. Veit geleistet worden zu sein. Dass daraus Spannungen entstanden, erscheint nachvollziehbar. Die erhaltenen Quellen legen nahe, dass das Verhältnis über Jahre angespannt blieb und beide Seiten letztlich aus praktischen Gründen zur Zusammenarbeit gezwungen waren.

Bereits kurz nach der Gründung pachtete der Verein eine Skihütte im Wechselgebiet, die sich in den folgenden Jahren zu einem Mittelpunkt des Vereinslebens entwickelte und bis heute besteht. Ihr wechselvolles Schicksal sowie die mitunter wenig disziplinierte Nutzung nahmen in den Sitzungsprotokollen breiten Raum ein.

In der Jahreshauptversammlung vom 27. September 1952 wurde der Ober St. Veiter Arzt Dr. Richard Seitter zum Präsidenten und Karl Kerschbaumer, der weiterhin Sportwart blieb, zu seinem Stellvertreter gewählt. Die Funktion des Präsidenten bestand bis 1955.

Die Vorstandssitzungen fanden regelmäßig am ersten Mittwoch jedes Monats um 20 Uhr statt. Auf den Tagesordnungen standen Mitgliederwerbung, Öffentlichkeitsarbeit, Trainingsmöglichkeiten und Skikurse, Vereinsmeisterschaften, Wettkampfteilnahmen, Fragen der Verbandszugehörigkeit, Materialbeschaffung und -verleih, Mitgliedsbeiträge, organisatorische Angelegenheiten sowie gesellschaftliche Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern und Faschingsfeste. Einen festen Platz nahmen außerdem die Belange der Skihütte im Wechselgebiet ein.

Die erhaltene Meldung des bei der Generalversammlung vom 14. November 1953 neu gewählten Vorstandes an die Polizeidirektion Wien nennt neben Präsident Dr. Richard Seitter Erwin Cerny (Erzbischofgasse 5/9) als Obmann. Karl Kerschbaumer bekleidete zu diesem Zeitpunkt keine Funktion mehr. Von den 14 gemeldeten Funktionären wohnte – mit einer Ausnahme – jeder in Ober St. Veit. Als Vereinsadresse scheint nunmehr ausschließlich die Auerhütte in der Adolfstorgasse 26 auf.

Im November 1956 wurde auf Wunsch der Mitglieder das verkehrsgünstiger gelegene Hackinger Weingartl in der Auhofstraße 194 zum Vereinslokal gewählt. Gleichzeitig wurden Koloman Klader und Walter Wicht in den Vorstand kooptiert. Von den damals zehn Vorstandsmitgliedern stammten nur noch drei aus dem 13. Bezirk, sieben hingegen bereits aus dem 14. Bezirk, überwiegend aus Hütteldorf.

Auch dieses Vereinslokal erwies sich offenbar nicht als dauerhafte Lösung. Im Februar 1958 wechselte der Verein in das Restaurant Drechsler in der Auhofstraße 205 (vormals Hotel-Restaurant „Auhof“), bereits im März 1958 in das Weinhaus Helene Gössl in der Firmiangasse 11. Das Hackinger Weingartl blieb allerdings weiterhin Austragungsort des Wettlaufamtes und der Siegerehrungen der Ski-Union Wien.

Das Jahr 1958 war zudem von ungewöhnlich heftigen vereinsinternen Auseinandersetzungen geprägt. Beschwerden beim ALSV Wien, Aussprachen und gegenseitige Vorwürfe belasteten das Vereinsleben erheblich und führten schließlich zum „Verzicht auf die Mitgliedschaft“ mehrerer teilweise langjähriger Mitglieder.

Im Zuge einer Neuorganisation übersiedelte der Verein im Oktober 1960 in das Gasthaus Machacek in der Bahnhofstraße 3 in Hütteldorf. Gleichzeitig wurde der Name in „Ski-Club Ober St. Veit“ geändert. Diese Bezeichnung trägt der Verein bis heute. Tatsächlich hatte sich der Schwerpunkt des Vereins bereits seit Mitte der 1950er-Jahre zunehmend nach Hütteldorf verlagert. Einen wichtigen Schritt stellte die Wahl von Ing. Gottfried Wedra (Linzer Straße 381a) zum Obmann im Jahr 1955 dar; die Ereignisse des Jahres 1958 beschleunigten diese Entwicklung zusätzlich. In der Folge stammten nahezu alle Funktionäre und die meisten Mitglieder aus Penzing, insbesondere aus Hütteldorf.

Für die inzwischen mehr als sechs Jahrzehnte währende Geschichte des Vereins nach 1960 liegen leider keine Sitzungsprotokolle mehr vor. Auf der Vereinshomepage werden als spätere Vereinslokale der „Sanfte Heinrich“, der „Schweinerne Frack“ und der „Ochsenkopf“ genannt; heute ist das Gasthaus Peschta beim Hütteldorfer Bahnhof Vereinslokal. Auch das sportliche Leben verlagerte sich – mit Ausnahme der Nutzung der Himmelhofschanze – zunehmend auf die Wienerwaldberge nördlich des Wienflusses.

Der sportliche Beitrag des Ski-Clubs Ober St. Veit

Nach Kriegsende musste der österreichische Skisport organisatorisch praktisch neu entstehen. Wien spielte dabei eine Schlüsselrolle. Der Österreichische Skiverband wurde in Wien wieder aufgebaut, ebenso entstand der Wiener Landesskiverband neu. Zahlreiche Funktionäre arbeiteten ehrenamtlich daran, Wettkampfbetrieb, Ausbildung und Vereinswesen wieder zu etablieren. Erst später verlagerte sich das organisatorische Zentrum nach Innsbruck.

Eine herausragende Rolle in der frühen Nachkriegsentwicklung spielte die Ski-Union Wien, vor allem im Zusammenhang mit der oben besprochenen Sprungschanze am Himmelhof. In Kooperation mir der Ski-Union entwickelte sich der Schiclub Ober St. Veit zum wichtigsten sportlichen Träger des Wiener Skispringens. In den 1950er- und 1960er-Jahren stellte er regelmäßig einen erheblichen Teil des Wiener Teilnehmerfeldes bei Meisterschaften. Namen wie Franz Rabensteiner, Otto Rauscher, Helmut Lenz sowie insbesondere Mitglieder der Familie Kladler prägten diese Epoche.

Kaum eine Familie ist mit der Geschichte des Wiener Skispringens so eng verbunden wie die Familie Kladler. Bereits Koloman Kladler gehörte in den 1960er-Jahren zu den erfolgreichsten Wiener Springern. Mit dem Gewinn der Dreischanzentournee Himmelhof–Kaltenleutgeben–Lunz am See im Jahr 1963 erzielte er den ersten größeren Erfolg für den Schiclub Ober St. Veit. Auch dessen Brüder Werner Kladler und Reinhard Kladler gewannen Wiener Meistertitel in Skispringen und Nordischer Kombination und vertraten Wien bei österreichischen Meisterschaften.

Mit dem Niedergang der Himmelhofschanze und dem altersbedingten Ausscheiden der erfolgreichen Springergeneration versiegten ab Mitte der 1970er-Jahre die Wiener Sprungaktivitäten. Darüber hinaus unterlag der Sprungsport ab der Ära Preiml durch neue Ideen und neue Materialien großen Veränderungen, welche zur Geburt der „Adler“ führte. Für die Freizeitsportler des SCO wurde das Springen zu teuer und die Schwerpunkte verlegten sich auf andere Disziplinen. 

Für die Wiederbelebung des Wiener Skispringens Ende der 1980er-Jahre von besonderer Bedeutung war Reinhard Kladler. Als seine Söhne Bernd und Werner Interesse am Springen entwickelten, begann er, sie zunächst selbst auszubilden und anschließend regelmäßig zu Schanzen in Tirol und Seefeld zu bringen. Diese private Initiative wurde zu einem Wendepunkt des Wiener Skispringens.

Werner Kladler entwickelte sich Anfang der 1990er-Jahre zu einem der besten österreichischen Nachwuchsspringer. Zu seinen größten Erfolgen zählen

Österreichischer Schülermeister 1994
Gesamtsieger des Austria Cups
Goldmedaille bei den OPA-Spielen
Aufnahme in das Skigymnasium Stams
Mitglied des ÖSV-Nachwuchskaders

Damit gewann erstmals ein Wiener einen österreichischen Meistertitel in einer klassischen nordischen Skidisziplin.

Auch Bernd Kladler besuchte das Skigymnasium Stams, gehörte dem ÖSV-Kader an und startete im Continental Cup. Verletzungen verhinderten zwar den endgültigen Durchbruch in den Weltcup, dennoch bewies seine Laufbahn, dass auch Wiener Athleten den Weg in den österreichischen Spitzensport schaffen konnten.

Einen kometenhaften Aufstieg erlebte die 14-jährige Sandra Kaiser. Im Frühjahr 1997 mit dem Skispringen begonnen war sie im Herbst bereits in Stams und errang im Winter den Ersten österreichische Jugendmeistertitel bei den Mädchen. Als frischgebackene österreichische Jugendmeisterin 1999 dominierte sie anschließend den 1. FIS Ladies Cup und war 1999 somit weltbeste Springerin. Zu Beginn der Saison 2000/01 war sie in Topform. Nach einem Sieg im Cointinentalcup von Velenje und einen zweiten Rang in Villach im Sommer 2000 konnte sie krankheitsbedingt nicht mehr trainieren und musste im Sommer 2001 ihre Springerkarriere beenden.

Erwähnenswert ist auch ein kleiner Knirps namens Thomas Diethart, der im SCO „seine ersten Spungschuhe z´rissen“ hat. Nach seinem Wechsel 2001 zum SC Hönhart und seinen Stamser und Eisenerzer Ausbildungsjahren startete er 2012 voll durch, erzielte neben einigen Weltcupsiegen den Gesamtsieg der Vierschanzentournee 2013/14. Der SCO hatte jedoch, abgesehen von „Daumendrücken“ damit nichts mehr zu tun.

Noch wichtiger als die sportlichen Erfolge war vermutlich die langfristige Trainerarbeit der Familie Kladler. Über Jahrzehnte begleiteten ihre Mitglieder junge Springer bei Training, Wettkämpfen und Materialentwicklung. Gerade in einer Stadt ohne eigene Großschanze war dieses ehrenamtliche Engagement entscheidend für das Überleben des Wiener Skispringens. Damit steht die Familie Kladler beispielhaft für den österreichischen Vereinssport: Ohne hauptberufliche Strukturen wurden Generationen von Kindern und Jugendlichen an den Leistungssport herangeführt.

Seit den 1990er-Jahren entstand mit den Wiener Stadtadlern eine neue Generation des Wiener Skispringens. Mit ihren Athleten konnte Wien neuerlich österreichische Meistertitel sowie internationale Nachwuchserfolge erreichen. 

Der Skiclub Ober St. Veit ist seit den 2000er-Jahren jedoch zu einem Verein von Hobbysportlern geworden, die in ihrer Freizeit den alpinen Skilauf und den Langlauf ausüben. Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten, wie die monatlichen Treffen im Gasthaus Peschta, Langlaufwochenenden und weitere, wie z.B. Kräuterwanderungen finden statt. 2022 wurde (coronabedingt mit einem Jahr Verspätung) das 70-jährige Jubiläum des Vereins in der Vereinshütte im Wechselgebiet gefeiert.

Wedeln auf der Sofienalm
Der Ski-Club Ober St. Veit am 18. Dezember 2005
18.12.2005

Die Erinnerungen von Reinhard Kladler

Reinhard Kladler begann im Jahr 1962 im Alter von elf Jahren mit dem Skispringen. Seine ersten Sprungerfahrungen sammelte er auf einer kleinen Erdschanze, die seine Brüder gemeinsam mit Freunden auf der Spitalswiese in Richtung Rieglerhütte errichtet hatten. Auf dieser Schanze waren Sprünge von etwa 15 Metern möglich.

Mit dem Skispringen war er jedoch schon Ende der 1950er-Jahre erstmals in Berührung gekommen. Damals beobachtete er seine älteren Brüder Koloman und Werner beim Training auf der Himmelhofschanze. Beide starteten für den Skiclub Ober St. Veit. Neben der großen Schanze gab es eine kleine, aus Schnee gebaute Übungsschanze, auf der die Kinder ihre ersten Fahrten und Sprünge ausprobieren konnten.

Die Himmelhofwiese war damals eine ideale Sportwiese. Im Winter wurde sie zum Treffpunkt für Rodler und Skifahrer. Über allem ragte der markante Sprungturm empor. 

Der Aufstieg auf den Sprungturm war alles andere als einfach. Er erfolgte über gewöhnliche Leitern. Mit den Sprungskiern auf den Schultern blieb nur eine Hand frei, um sich an den steilen und ausgesetzten Leitern festzuhalten, während man bereits die Skischuhe trug. Im Endausbau war der Turm etwa zwölf Meter hoch und verfügte über vier Ebenen einschließlich eines Zwischenplateaus unmittelbar unter dem Anlauf. Zwischen den Stockwerken befanden sich kleine Podeste, auf denen man kurz stehen und verschnaufen konnte. Höhenangst durfte man dabei nicht haben.

Ganz oben angekommen, musste man sich zunächst hinlegen, um die Ski anzuschnallen. Damit man auf der schrägen Anlaufspur nicht abrutschte, musste man sich dabei gut festhalten. Die ersten Sprünge kosteten große Überwindung. Schon das bloße Hinunterfahren über die Schanze erforderte Mut, denn die Angst ließ die Beine schwer wie Blei werden und verhinderte zunächst jeden Absprung. Trotzdem musste man den Sprung wagen – schließlich wollte man sich vor den Kameraden keine Blöße geben.

Die Präparierung der Schanze war reine Handarbeit. Die heimischen Sportler mussten den Schnee – der manchmal von den umliegenden Straßen auf die Himmelhofwiese gebracht wurde – in Körben auf die Anlaufspur hinauftragen. Anschließend wurde der Schnee festgetreten und mit Wasser besprüht, das aus einer kleinen Quelle beim Auslauf stammte. Zum Besprühen verwendete man einfache Zweige.

Bei diesen Arbeiten halfen nicht nur die Sportler selbst, sondern auch Vereinsfunktionäre und Emmerich Schmid. Ihm gehörte ein unten in Hacking gelegenes Lokal – im Erdgeschoss ein Gasthaus, im Obergeschoss ein Bordell. Der Skiclub hatte seinen Ursprung zwar in Ober St. Veit, übersiedelte später jedoch nach Hütteldorf. In der Folge stammten die meisten Vereinsmitglieder und Aktiven aus Hütteldorf.

Reinhard verfügte über zwei oder drei Paar Sprungski, die der Verein seinen Mitgliedern gegen eine geringe Gebühr von wenigen Schilling vermietete. Die Sprungski unterschieden sich deutlich von Alpinskiern: Sie waren länger und breiter, besaßen drei Führungsrillen und waren mit Strammerbindungen ohne Sicherheitsauslösung ausgestattet.

Dem Skiclub Ober St. Veit gehörten damals sieben Skispringer an, dazu kamen drei Springer der Ski-Union Wien. Gemeinsam mit den Athleten der Union West Wien und des Österreichischen Wintersportklubs beteiligten sich insgesamt rund 15 Wiener Springer an den Wettkämpfen. Sie alle waren reine Amateure und im Durchschnitt deutlich älter als heutige Skispringer.

Der Skiclub Ober St. Veit blieb auch in den 1990er- und 2000er-Jahren sportlich erfolgreich. Thomas Diethart war der letzte Skispringer des Vereins, gehörte dem SCO allerdings nur während seiner ersten eineinhalb Jahre als Aktiver an.

Quellen:
Die Informationen zum Ober St. Veiter Schiclub stammen von Herrn Reinhard Kladler und der Internetseite skicluboberstveit.at.

hojos
im Juni 2026