Echo der Stille
Bericht zur Eröffnung der Ausstellung mit Zeichnungen und Grafiken von Gerhard Weissenbacher am 30. Mai 2026. Die Ausstellung wird bis 18. Juni 2026 gezeigt.
Mit über 130 Gästen war der Salon der Klimt-Villa überfordert und viele mussten den Programmpunkten von der Terrasse aus folgen. Auf die musikalische Einleitung durch das Duo Anna Lesjak (Gitarre) / Tijana Krulj-Gajic (Querflöte) folgte die Begrüßung der Gäste durch die Kuratorin der Ausstellung Mariah Bletzinger. Der zentrale Programmpunkt war die fachliche Würdigung des Künstlers und seines Werkes durch Frau Dr. Brigitte Borchhardt-Birbaumer.
Inhalt der Werkseinführung von Dr. Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Ihre Laudatio führte in die Ausstellung ein und würdigte das Werk Gerhard Weissenbachers, seine Entwicklung sowie seine Bedeutung als Künstler, Lehrer und Architekturhistoriker. Sie beschrieb, wie er sich nach anfänglichen Einflüssen seiner Lehrer (u. a. Josef Dobrowsky, Herbert Boeckl und Max Weiler) zu einem eigenständigen Künstler entwickelte. Seit den späten 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren habe er einen unverwechselbaren magisch-realistischen Stil gefunden.
Während sein enger Künstlerfreund Herwig Zens dem Expressiven treu blieb, entwickelte Weissenbacher eine stille, meditative Bildsprache. Seine Werke zeichnen sich durch präzise Beobachtung, sorgfältige Strukturierung und eine weitgehende Zurücknahme der persönlichen Handschrift aus. Besonders prägend waren für Weissenbacher seine Studien der Kunstgeschichte und die Vorlesungen der Kunsthistoriker Otto Pächt und Otto Demus. Deren Betonung des genauen Sehens und der formalen Analyse habe sein Werk nachhaltig beeinflusst. Ein zentraler Gedanke Pächts lautet: „Am Anfang war das Auge, nicht das Wort.“ Die Bilder sollen nicht schnell konsumiert, sondern lange betrachtet werden, damit sich ihre komplexen Strukturen und Bedeutungen erschließen.
Weissenbacher geht von realen Motiven aus – Details von Stadtansichten, Architektur, Mauern, verlassene Fabriken oder historische Orte –, verwandelt diese jedoch in zeitlose, stille Bildwelten. Seine Arbeiten entstehen in einem langsamen, konzentrierten Prozess aus Beobachtung, Zeichnung, Fotografie und malerischer Ausarbeitung. Dabei interessieren ihn oft ungewöhnliche Objekte und Geschichten, etwa verlassene Maschinen oder historische Relikte, die er in größere Ordnungszusammenhänge einbindet.
Den Schwerpunkt seines Werkes bezeichnet Frau Dr. Brigitte Borchhardt-Birbaumer als Veduten (Stadt- und Architekturansichten). Sie betonte, dass diese Bildgattung kunsthistorisch unterschätzt werde, obwohl sie seit der Antike eine wichtige Rolle spiele. Weissenbachers Veduten zeigen Städte wie Wien, Paris oder italienische Orte nicht dokumentarisch, sondern als atmosphärische, fast zeitlose Räume.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hob Dr. Brigitte Borchhardt-Birbaumer – auf den Ort der Ausstellung Bezug nehmend – Weissenbachers Engagement für die Erforschung und Rettung des letzten Ateliers von Gustav Klimt hervor. Durch seine Untersuchungen der ursprünglichen Raumstruktur habe er zusammen mit Dipl.-Ing. Herbert Rasinger wesentlich dazu beigetragen, dass das Gebäude erhalten und später als Museum genutzt werden konnte.
Abschließend hob sie die besondere Wirkung von Weissenbachers Kunst hervor: Die Bilder erzeugen eine Atmosphäre von Ruhe und Zeitlosigkeit. Sie stehen im Gegensatz zur Schnelllebigkeit moderner Medien und der heutigen „Wisch-und-weg-Kultur“. Seine Kunst sei ein Lob der Langsamkeit, der konzentrierten Wahrnehmung und des bewussten Sehens.
Weissenbachers Dank
Ein von der musikalischen Darbietung, die der Laudatio gefolgt war, noch tief betroffener Gerhard Weissenbacher bedankte sich für die so zahlreiche Teilnahme an dieser Vernissage. Besonders freute er sich über den dicht vertretenen Freundeskreis, um dann einige persönlich hervorzuheben. Sehr herzlich bedankte er sich für die von ihm als sehr treffend beschriebene Werkseinführung durch Frau Dr. Borchhardt-Birbaumer. Selbstverständlich fand Gerhard Weissenbacher auch die passenden Dankesworte für die Galerie der Klimt-Villa und ihr Team als Veranstalter der Ausstellung und dieser Eröffnung. Wie gewohnt als „unaussprechlich“ bezeichnete er den Dank für die Unterstützung durch seine Familie. Erläutert wurde von ihm auch das Motto dieser Ausstellung „Echo der Stille“: ein scheinbarer Widerspruch. Dennoch, aus dieser Stille heraus können wir hören, was Bilder uns sagen, Bilder uns zeigen. „Für die Betrachtung Zeit nehmen, damit sich Zeitlosigkeit breit machen kann“. Dieses Zitat des von Gerhard Weissenbacher sehr geschätzten Galeristen Manfred Lang zu Weissenbachers Arbeit passt sehr gut zu den hier gezeigten Bildern. Eine Zeichnung des viel zu früh verstorbenen Freundes Herwig Zens mit der Aufforderung „Weitermachen“ ist und bleibt das Motto Gerhard Weissenbachers für die Zukunft. Gottseidank kann niemand vorhersehen, wie lange sie dauert.
Das Tiän Duo
So nannten sich die beiden hervorragenden Musikerinnen, die diese Veranstaltung mit ausgesuchten und beeindruckend vorgetragenen Werken begleiteten. Hier die Tonaufnahmen der ersten beiden Stücke vor und nach der Laudatio: Der Schwan aus Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns und des Ständchens von Franz Schubert.
Aus Karneval der Tiere. Gitarre: Anna Lesjak, Querflöte: Tijana Krulj-Gajic
30.05.2026
Gitarre: Anna Lesjak, Querflöte: Tijana Krulj-Gajic
30.05.2026
Im Anschluss an die Dankesworte von Gerhard Weissenbacher versuchten die beiden Musikerinnen mit einer kurzen Improvisation, die bildende Kunst mit der Musik zu verbinden. Ihr Titel entspricht der Bezeichnung des Titelbildes dieser Ausstellung: Leuchtturm.
Eine Improvisation des Tiän Duos
30.05.2026
Mit dieser Improvisation war der „offizielle Teil“ der Vernissage beendet und es begann die Zeit für die ausgiebige Betrachtung der Bilder und für angeregte Unterhaltungen. Die sieben weiteren Stücke waren als Ausklang zu verstehen. Mit der nachlassenden Aufmerksamkeit des Publikums wusste das Diän Duo umzugehen. Das folgende Video zeigt es.
30.05.2026
Die in der Ausstellung gezeigten Werke
Weitere Fotos
Zum Abschluss eine Kurzbiografie von Gerhard Weissenbacher
Geboren am 12.9.1941 – nach Matura Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Malerei und Kunsterziehung) bei Josef Dobrowsky, Herbert Boeckl und Max Weiler – 1966 Diplom als akademischer Maler und Lehramtsprüfung für Kunsterziehung und Geschichte – von 1966 bis 2001 Tätigkeit als AHS-Lehrer – von Oktober 1978 bis Juli 1979 Aufenthalt in Paris – von 1982 bis 1998 Forschungsarbeit über die Architekturentwicklung des 13. Wiener Bezirkes und Herausgabe der Bücher „In Hietzing gebaut. Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes“ (Bd. I 1996, Bd. II 1998) – 1985 Heirat mit Ingrid (geb. Hanzl) – 1989 Geburt der Tochter Johanna.