Die Stellwagen in Hietzing

Remise und Stallungen in der Anton-Langer-Gasse 37

1815 gab es in Wien den ersten geregelten innerstädtischen Linienverkehr mit Stellwagen, 1825 die erste Linie nach Hietzing. Der Wagentypus entwickelte sich aus dem ursprünglich offenen, später kastenförmigen "Gesellschaftswagen".

1839 beschreibt Adolf Schmidl in seinem Buch "Wien's Umgebungen" die Abfahrts- und Ankunfts-"stellen" der Wagen von der Innenstadt nach Hietzing: Stadt, am Peter, kleine Bognergasse; Stadt, Dorotheergasse, Gasthof zum Jägerhorn; Stadt, Weihburggasse, Börse, Nr. 939; Stadt, Stock im Eisenplatz, Fiakerverein; Hietzing: Gemeindewirtshaus; Am Platz beim Inhaber Drescher; St. Veiter Straße neben der Apotheke. In Ober-St. Veit befand sich die Endstelle der Linie, die in die Innere Stadt (Mehlmarkt) führte, beim Gemeindegasthaus Ecke Hietzinger Hauptstraße / Glasauergasse. Die Fahrt von der Innenstadt nach Hietzing dauerte ca. eine Stunde, nach Ober-St. Veit eineinhalb Stunden.

Der vorerst kutschenartige Wagenaufbau für maximal neun Personen glich später, um 1880, immer mehr einem kleinen Waggon, der dann auch in ähnlicher Gestalt in Zugformation bei der Pferdetramway Verwendung fand. Der Kutscher saß auf einer überdachten Plattform und lenkte das Pferdezweigespann. Im Winter fuhr man vierspännig. Auf dem Wagenschlag standen die Wagennummer, der Name des Besitzers und der Bestimmungsort.

Der technische Vorsprung Englands vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erklärt das Engagement englischer Firmen beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs auf dem europäischen Festland. Englische Gesellschaften betrieben auch in Wien und in den Vororten Stellwagen- und später Pferdetramwaylinien. 1905 gab es in Wien noch neun Stellwagenunternehmungen, 1906 nur mehr sieben. Die Linie Wien – Mauer war damals im Besitz von Alois Hengl.

Im 13. Bezirk stand bis 1984 in Speising, in der Anton-Langer-Gasse 37, ein Gebäude als Zeugnis für den schienenungebundenen Stellwagenverkehr. In ihm waren die Remise und Stallungen untergebracht. Nach einer mündlichen Überlieferung soll sich vor diesem Bau hier eine Meierei befunden haben. Aus den Akten des Bauamtes ließ sich diese Angabe nicht verifizieren.

1887 wird im Bauakt die „Vienna General Omnibus Comp.“ als Besitzer genannt. Unter dem Begriff „Omnibus“ verstand man damals von Pferden gezogene Wagen zur Personenbeförderung, also auch den Stellwagen. Erst später waren damit motorgetriebene Verkehrsmittel gemeint (erste Versuche mit Automobilen erfolgten 1905). Die Gesellschaft ließ 1889 im Hof eine offene Halle als weitere Einstellmöglichkeit für Wägen errichten. In der Halle wurde 1894 ein 12 PS starker Gasmotor der Firma Langen und Wolf für den Werkstättenbetrieb eingebaut.

1897 befand sich der Bau immer noch im Besitz der „Vienna General Omnibus Comp.“. 1907 wird in einem Plan von Wien (Pharus-Plan 1907. S. 6) bei der Erläuterung des Verkehrswesens u. a. auch der Stellwagen angegeben, und zwar als Omnibus der Vienna General Omnibus Company Limited. Auf Seite 8 findet sich eine Angabe unter den „anderweitigen Linien“: „2. Von I. Gluckgasse Ecke Lobkowitzplatz nach Speisinger Straße 51.“

1909 wird die „Gemeinde Wien Städtische Stellwagenunternehmung“ als Besitzer genannt. 1920 scheint in den Bauakten die Anlage als Omnibuswerkstätte der Gemeinde Wien auf, 1938 als Kraftwageneinstellraum. Von 1947 bis 1982 befand sich in einem Teil der Gebäude ein Kindergarten der Pfarre Lainz. In den fünfziger Jahren wurden vom Magistrat Hietzing einige Räume als Depot für delogierte Möbel verwendet; später benützte man Teile der Anlage als Garage für Oldtimer.

1973 wurde die Halle – zuletzt Garage für den Wagen der Ersten Wiener Tierrettung – abgerissen. Im August 1984 fiel der kulturhistorisch wertvolle Hauptbau der Demolierung zum Opfer; an seiner Stelle wurde eine Wohnhausanlage der Gemeinde Wien errichtet.

Blick in die Anton-Langer-Gasse um 1900. Rechts im Vordergrund die Fassade des Hauptgebäudes der Stallung und Remise für den Stellwagenbetrieb © Archiv 1133.at
<p><b>Blick in die Anton-Langer-Gasse um 1900</b></p><p>Rechts im Vordergrund die Fassade des Hauptgebäudes der Stallung und Remise für den Stellwagenbetrieb</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Anton-Langer-Gasse 37. Blick in den Hof von Stallung und Remise des seinerzeitigen Stellwagenbetriebes. 1973 und Hauptbau 1984 abgetragen © Foto G. u. G. Schum
<p><b>Anton-Langer-Gasse 37</b></p><p>Blick in den Hof von Stallung und Remise des seinerzeitigen Stellwagenbetriebes. 1973 und Hauptbau 1984 abgetragen</p><p><i>&copy; Foto G. u. G. Schum</i></p>

Beschreibung der Bauwerke in der Anton-Langer-Gasse 37

1880 erhielten Ferdinand Plöbst Edler von Flammenburg und Frau Griseldis Wachler die Baubewilligung für ein Wohnhaus und für Stallungen in der Park- bzw. Bahngasse (heutige Anton-Langer-Gasse). Im selben Jahr wurde aber ein Auswechslungsplan eingereicht, woraus hervorgeht, daß während des Planungsstadiums die Bestimmung geändert wurde. Das ursprüngliche Konzept sah einen zweigeschoßigen Wohntrakt vor, an den auf der linken Seite im rechten Winkel ein hakenförmiges langgezogenes Stallgebäude für 84 Pferde angefügt war. Mit dem Wohngebäude umschloß es einen nach einer Seite offenen Hof. Im Stall waren auch Sattlerei und Schmiede untergebracht.

In dem zur Ausführung gelangten Plan grenzen gegen den Hof zu zwei Trakte an den Wohnbau in stumpfem bzw. spitzem Winkel und bilden mit dem straßenseitig gelegenen, zweigeschoßigen Wohntrakt eine schräge U-Form. Der rechte, neue Seitentrakt hat Ställe für 30 Pferde, sowie die Lackiererwerkstätte und eine lange Remise. Im Nordtrakt liegen Sattlerei, Wagnerei, Schmiede, Schlosserei und Spenglerei. Der erste Stock des Wohnhauses weist gegenüber dem ersten Entwurf nur geringe Veränderungen auf. Die schlichte Fassade ist durch sparsam an Ecken und seitlich des Portales angeordnete Pilaster gegliedert. Eine gerade Attika betont die strenge Linienführung. Sowohl der erste Entwurf als auch der Auswechslungsplan stammen von Stadtbaumeister Ignaz Drapala.

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996, Seite 310ff

Übertragen von hojos
im Mai 2026