Das Penzinger Bad(haus)
Ein Paar Zeitungsberichte
Penzinger Badanzeige.
Indem der unterfertigte Eigenthümer des Badhauses in Penzing Nr. 25 nächst Schönbrunn, welches im Jahre 1822 neu erbaut und seither mit aller Zufriedenheit besuchet worden ist, für diesen geneigtesten Zuspruch gehorsamst danket, gibt sich
derselbe zugleich die Ehre, einem hohen Adel und verehrtesten Publicum von der eingetretenen Wiedereröffnung dieses Badhauses die geziemende Anzeige mit dem Beysatze zu machen, daß dieses aus vorzüglich reinen und frischen Gebirgsquellen hergeleitete Badwasser auch zum Trinken unentgeldlich verabfolget wird.
Der Unterzeichnete wird sich durch die äußerste Reinlichkeit und strengste Ordnung, so wie durch die möglichste Billigkeit und schnellste Bedienung bestens zu empfehlen suchen.
Der Bäder-Preis-Tariff, und deren hohen Orts erlassene Anordnungen sind zur beliebigen Einsicht bey der Casse öffentlich bekannt gegeben.
Penzing am 1. May 1826. Peter Klein, Bad- und Hauseigenthümer.
Wiener Zeitung vom 6. Mai 1826. Gleiche und ähnliche Anzeigen gab es auch in den Wiener Zeitungen bis 1830.
Tagesneuigkeit im Fremden-Blatt vom 4. Juni 1872
Das Penzinger Badhaus in der Au wurde von einer hiesigen Baugesellschaft um den Preis von 180.000 fl. angekauft und zu einem großartigen, der Residenz würdigen Bade umgestaltet. Die drei Pächter des Bades, welche seinerzeit von der Gemeinde Penzing das Eigenthumsrecht um 10.000 fl. erwarben, haben aus Anlaß des vortheilhaften Kaufabschlusses für die Armen daselbst die Summe von 15.000 fl. gespendet.
Die Penzinger Au
Eine Idylle inmitten der Großstadt, so kann man das Fleckchen Erde bezeichnen, das in der Nähe der Haltestelle Braunschweiggasse der Stadtbahn den letzten Rest der einst so ausgedehnten Penzinger Au darstellt. Eine gemeinnützige Institution, das dortige Schwimmbad, hat dieses kleine Gebiet bisher noch vor der Verbauung bewahrt, wahrend ringsum gewaltige Häuserblöcke entstanden, wo einst riesenhafte Pappeln und Rüstern einen prächtigen Naturpark bildeten. Nirgends in Wien wird der bekannte, nach Westen gerichtete Ausdehnungstrieb der Großstadt so offenkundig, als hier. Einst reichte die Penzinger Au bis zu der von Penzing nach Hietzing führenden Kaiser-Franz-Joseph-Brücke herab, dann rangen ihr fleißige Gemüsegärtner einigen Grund ab und in den fünfziger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts begann eine bescheidene Bautätigkeit; eines der ersten Au-Häuser war jenes, welches Richard Wagner, als er an den „Meistersingern“ arbeitete, bewohnte, und das jetzt eine des großen Tondichters gedenkende Tafel ziert. Nicht weit davon, etwa dort, wo jetzt die kurze Jenullgasse zur Hadikgasse führt, befand sich bis 1874 das alte Penzinger Bad, gespeist mit Wienwasser, ein Tummelplatz für Schwimmkäfer, Blutegel und anderes Wassergetier und dennoch zur Sommerszeit stark frequentiert, war es doch das einzige Schwimmbad weit und breit. Der nachweislich älteste Besitzer der Au namens Peter hatte dieses den damaligen Ansprüchen vollauf genügende Etablissement im Jahre 1836 gegründet und hatte die idyllische Wasseranstalt bis zu dem Zeitpunkt inne, da die Wiener Baugesellschaft seinen ganzen Besitz erwarb und die renommierte Badeanstalt an ihre gegenwärtige Stelle verlegte, wo sie, weiter ausgestaltet, unter ihrem jetzigen Verwalter eines lebhaften Zuspruchs sich erfreut. Baden erzeugt Appetit. Daher gab es in der Penzinger Au seit jeher auch ein Gasthaus; Prunk und moderner Komfort sind ihm heute noch fern, aber die Gemütlichkeit hat hier ihre Stätte aufgeschlagen, besonders, wenn au Sonn- und Feiertagen die Kapelle Nebosis die neuesten Weisen aufspielt. Rucker und Graf hießen die früheren Wirte; jetzt ist der bekannte ehemalige Meidlinger Wirt Piwonka der umsichtige Leiter dieses gastlichen Heims, dem er bereits in kurzer Zeit den Ruf eines famosen Weinhauses und dank dem tüchtigen Walten seiner Frau auch einer ausgezeichneten Küche verschafft hat. Aber noch eine andre Alt-Wiener Spezialität beherbergt dieser Au-Rest: Eine Doppelkegelbahn, über deren sachgemäße Anlage und Instandhaltung Meisterscheiber wie Sedlaczek u. a., aber wochentags auch Angehörige der Bürger- und Beamtenkreise des Lobes voll sind. Der „Kegeldirektor“ – und winterüber Schützenvater – Gansterer ist seit 1873 der Bleibende im Wechsel der Ereignisse der Penzinger-Au. Möge der freundliche alte Herr seinen Kundschaften noch lange erhalten bleiben.
Neuigkeits-Welt-Blatt vom 24. Juni 1914, Seite 8
In der kleinen Chronik der Neuen Freien Presse vom 15. April 1926
Ein Konsortium des Amateur-Sportvereines hat das alte »Bad in der Penzinger Au« neben der Haltestelle Braunschweiggasse der Elektrischen Stadtbahn erworben wo nun bereits eifrig an der Schaffung eines »Hietzinger Strandbades« gearbeitet wird.
Den Strand werden große Wiesenanlagen ersetzen, die auch einen Gymnastikplatz enthalten sollen. Das Bad, das gleichzeitig 1000 Besuchern Umkleidemöglichkeit
bietet, enthält drei Wasserbecken. Ein 30 Meter langes wird als Familienbad, ein 25 Meter langes als Frauenbad benützt werden und ein Becken 15 mal 25 Meter, wird zu einer schönen Sportbahn ausgearbeitet, neben dein eine Tribüne eine Zuschauerzahl bis zu 1000 ermöglicht. Eine Beleuchtungsanlage wird Schwimmfeste und Wasserballspiele am Abend ermöglichen.
Nach 1929 fand ich über das Penzinger Bad(Haus) keine Zeitungsberichte mehr.