Ein Hund läuft heim
Eine Geschichte von Camillo Abert mit Zeichnungen von Norbertine Breßlern-Roth
Herr Rochus Minck glaubte an Seelenwanderung. Wenn er mit seinem Hund, dem großen, schwarz-braunen Terrier, allein war, so sprach er ihn mit „Herr Ingenieur Maitzenberger“ an. Und zwar gab er dem Hund deshalb diesen Titel, weil er einmal beobachtete, wie Strupp eine Brücke genau betrachtete. Seit diesem Tag bildete sich Herr Minck ein, Strupp sei in seinem früheren Leben Brückenbauer gewesen. Auf „Maitzenberger“ war Herr Minck auf rein intuitivem Weg gekommen; einer augenblicklichen Eingebung folgend, glaubte er, dass Strupp früher diesen schönen Namen geführt habe. Der Hund hörte auf diesen Anruf. Übrigens hörte Strupp auf alle Namen, die ihm sein Herr gab, da er an diesem mit einer geradezu blinden Liebe hing.
Vormittag saß Herr Minck vor seinem Haus und rauchte Rosenblättertabak. Neben ihm saß Strupp und sah seinen Herrn an. Nachdem Herr Rochus Minck genug gesessen hatte, wanderte er in den Obstgarten, wo er unterschiedliche Male stehenblieb, um die Bäume zu betrachten. Er liebte nämlich Bäume sehr, wie er alles liebte, was die große, weite Welt hervorbrachte. Stand nun Herr Minck und sah zu den verkrümmten Ästen der Bäume hinauf, dann sah Strupp daneben, hatte den buschigen Bart gegen den Himmel gerichtet und sah unverwandt, genau wie sein Herr, in das grüne Blätterwerk. Stocherte Herr Minck im Gras, so wartete Strupp nur so lange, bis der Mann ausgestochert hatte. Dann begann er zu graben, als habe er einen Schatz auszubuddeln. Um kurz zu sein: Wo Herr Rochus Minck ging, stand oder sah, da war Strupp daneben.
Herr Rochus Minck hatte wenig Verwandte und genug Geld, um bescheiden, aber ohne Sorgen leben zu können. Lange genug hatte er gearbeitet, hatte viele liebe Mitmenschen sterben sehen, bis er sich in der grünen Einsamkeit des Hauses zur Ruhe setzte. Obwohl noch kräftig und gesund, hatte er mit der Arbeit an dem Tage Schluss gemacht, an dem er feststellen konnte, dass er nun genug gespart habe. Er kaufte das Haus mit Garten gerade mir gegenüber, freute sich, wenn die Sonne schien, ebenso wie wenn es regnete, bewunderte täglich seinen Garten und liebte seinen Hund.
Dieses nach jeder Richtung beschauliche Dasein störte nun eines Tages das Schicksal in Form eines Briefträgers, der über den Zaun schrie: „Herr Minck, a Tölegramm!“ Wobei die Amtsperson, eingedenk der Wichtigkeit, bedenklich mit den Augen klapperte.
Herr Minck kam misstrauisch zum Gartenzaun, neben ihm ging sein Hund Strupp. Herr Minck unterschrieb, gewaltige Rosentabakswolken in den klaren Spätsommertag dampfend, der Briefträger salutierte und marschierte ostwärts. Rochus Minck riss das Papier auf, las die wenigen Worte. Dann stampfte er wild brummend in das Haus. Neben ihm sein Hund Strupp.
In dem Telegramm stand nur die dringliche Aufforderung, Herr Rochus Minck möge ehestens in die Stadt kommen, in der sein Rechtsanwalt wohnte, da er dort mehr als dringend benötigt werde. Da Rochus Minck einsah, dass da nichts zu machen sei als hinzufahren, schimpfte er so gewaltig, dass Strupp mit schiefgelegtem Kopf immer drei Schritte Abstand von seinem Besitzer hielt.
Am nächsten Tag um die Mittagszeit aber fuhr Herr Rochus Minck, als Städter verkleidet, nebst einem großen Koffer zum Dorf hinaus, Richtung: die Eisenbahnstation. Neben ihm im Wagen saß sein Hund Strupp, den er nach langem Überlegen mitgenommen hatte. Strupp hatte einen Maulkorb umgebunden, weshalb er verstört in die Welt sah.
Herr Rochus Minck war gar nicht gut aufgelegt, als er gegen sechs Uhr abends endlich im Waggon des Schnellzuges saß. Erstens wegen der Reise überhaupt und zweitens war ein Bahnbeamter auf ihn zugekommen, gerade als er einsteigen wollte, und hatte erklärt, der Hund müsse unbedingt im Hundeabteil reisen. Und das sei Vorschrift und da könne man nichts machen. Der dritte Grund der schlechten Laune aber war, dass Herr Minck sein gutes Bett entbehren musste und nur eine unbequeme Ecke als Schlafmöglichkeit hatte. Außerdem und überdies aber teilten drei Männer mit ganz unqualifizierbaren Schnarchtönen sein Abteil.
Strupp war von den pfauchenden Lokomotiven und vielen fremden Menschen benommen, dass er zuerst gar nicht begriff, als man ihn in das Hundeabteil sperrte. Er saß drinnen still, sah angestrengt auf die Tür, weil er erwartete, jeden Augenblick werde ihn sein Herr wieder abholen.
Dann untersuchte er den Raum genau. Es roch hier stark nach Hunden, ein schmales Fenster war hoch oben an der Decke. Sonst war der Raum leer. Nach der Untersuchung kratzte Strupp an der Tür, so wie er es daheim tat, wenn er ins Haus wollte. Als niemand kam, um aufzumachen, bellte Strupp einige Male tief und donnernd – wieder rührte sich nichts. Bis es plötzlich einen Ruck gab, der Strupp auf den Boden warf: Der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt.
Strupp war starr. Nur langsam erholte er sich und bewunderte das Geschaukel und Gedröhne des fahrenden Zuges. Dann aber bellte er wild und drohend, bis er heiser war. Und zuletzt hob er den Kopf und heulte jammernd zur Tür hin. Alles, alles umsonst, niemand kam, um Strupp in den Garten beim kleinen Haus im Dorf zu lassen, dorthin, wo er wollte, um sich neben seinen Herrn zu setzen!
Bis der Hund müde wurde. Er legte sich schließlich in die Nähe der Türe, zog den Kopf zu den Hinterbeinen, seufzte tief auf und schlief ein. Gleich einem dunklen, großen Wollknäuel lag der Terrier im Hundeabteil, stundenlang.
Wie ein glühender, funkenspeiender Wurm jagte der Schnellzug durch die Nacht. Vorbei an schlafenden Dörfern und schwarzen Wäldern, über donnernde Brücken und schnurgerade Dämme lärmte er hastig durch das Land! Weit lag die Welt, wie dunkelblaue Seide spannte sich der nächtliche Himmel über die Erde. Still glitzerten die Sterne, unten tobte als einziger Laut der Schnellzug dahin. Jetzt schliefen schon beide, Herr und Hund.
Um acht Uhr morgens glitt der Eisenbahnzug in die Station, in die Herr Rochus Minck gehörte. Einige hundert Kilometer weit vom kleinen Dorf war er nun weg, als er steifbeinig und müde aus dem Abteil stieg. Die Leute rannten wie verrückt durcheinander, hochbeladene Karren wurden hin und her geschoben, jeder schrie dem andern „Obacht“ zu und wurde fast umgerannt, mit einem Wort, es war der prachtvolle Wirbel, der auf jedem Bahnhof zu sehen ist, wenn die Züge gehen und kommen. Herr Rochus Minck sah sich das an und ärgerte sich darüber. Teils weil er nicht ausgeschlafen war, teils weil seine Lage ja wirklich Anlass zu dieser Gemütsstimmung gab. Dann aber rannte er eilig zum Wagen, in dem das Hundeabteil war, schwenkte seinen Schein und verlangte seinen Hund dafür. Strupp hörte die Stimme seines Herrn und hub einen Gesang an, der die Eisenbahnmenschen veranlasste, einen Augenblick aufzuhören, mit den Milchkannen und Postbeuteln herumzuschmeißen. Einer besah den Schein des Herrn Minck und öffnete gleichzeitig das Hundeabteil. Dann aber hatte er Mühe, das Gleichgewicht wieder zu bekommen, weil Strupp nicht gewartet hatte, bis die Tür so weit offen war, dass er bequem herausspazieren konnte. Während der Eisenbahner saftige Kernworte von sich gab, versuchte Strupp seinen Herrn umzustoßen. Die Leute blieben trotz ihrer Eile einen Augenblick stehen, um die wilde Begrüßung zu betrachten. Herr Rochus Minck beruhigte Strupp so gut er konnte, in seiner Freude überhörte er die wirklich bemerkenswerten Äußerungen des Eisenbahners.
Bei seinem Vetter nahm Minck Wohnung. Er wurde freundlich empfangen, ebenso wie Strupp, den man von Sommerbesuchen her kannte. Von diesem Tage an begann für Strupp eine harte Zeit. Herr Rochus Minck lief den ganzen Tag von einem Amt zum anderen: Nur am Abend saß Strupp wieder neben ihm, entzückt und andächtig. Tagsüber aber musste er entweder still liegen oder aber irgend wer ging mit ihm spazieren. Einmal die Frau des Hauses, dann ein Stubenmädchen, schließlich der Hausdiener, nie aber Herr Minck. Der hatte keine Zeit.
Strupp gewöhnte sich daran. Nicht aber an die Autos und Straßenbahnen, noch weniger daran, dass Gras nicht betreten werden durfte, weil teils ein Zaun herum war, teils weil er an der Leine gezogen wurde. So oft er den Wunsch zeigte, auf den schönen Wiesenflächen ein wenig herumzujagen, wurde er heimgeführt.
Aber nach drei Wochen hatte diese Plage ein Ende. Herr Rochus Minck packte seinen Koffer, verabschiedete sich von seinen Verwandten und bestieg einen Wagen, Unterwegs streichelte er Strupp und lobte Gott, dass er ein Haus in einem stillen grünen Garten, weitab von der Stadt, besaß. Am Bahnhof angekommen, band er Strupp an seinen Handkoffer, befahl ihm still zu sitzen und zu warten. Dann stellte er sich brav ans Ende der langen Menschenschlange, deren Kopf bei einem Fahrkartenschalter steckte. Das Gedränge war ziemlich groß, Herr Minck nahm die Gelegenheit wahr, zu seinem Vordermann zu sagen, dass es ein Skandal sei, wenn nur ein Schalter für drei Züge geöffnet werde. Worauf der Vordermann feststellte, dass er diesen Zustand für eine Schweinerei halte, über die er sich beschweren werde. Und es sei unglaublich, was man sich bieten lassen müsse.
Unterdessen stand ein Mann vor den großen Fahrplänen an der Wand, so, als ob er angestrengt einen Zug suche. Wenige Augenblicke später stand aber der gleiche Mann mitten in der Vorhalle und sah aufmerksam nach der Tür, so als ob er auf einen netten Freund warten würde, von dem er Abschied nehmen wolle. Der Mann war aber in Wirklichkeit auf dem Bahnhof, um etwas zu stehlen. So wie jedes Fest und jede Versammlung solche Leute anlockt, so trifft man sie auch auf den Bahnhöfen, wo sie jeden Augenblick bereit sind, ein Schäfchen zu scheren. Dieser Mann sah nun Herrn Rochus Minck mit Hund und Koffer ankommen. Er erkannte sofort, dass dieser Reisende aus der Provinz und der Hund von einer guten, leicht anbringlichen Rasse sei. Weshalb er, gerade als Herr Minck im ärgsten Gedränge war, sicher und selbstbewusst auf Hund und Koffer zuschritt, die Leine vom Koffergriff löste, in die eine Hand den Koffer und in die andere die Leine mit dem Hund nahm und abmarschierte. Er tat dies mit solcher Selbstverständlichkeit, dass nicht einmal dem Polizisten etwas auffiel, der mitten in der Halle stand.
Strupp wäre unter normalen Verhältnissen niemals mit einem Fremden gegangen. In den letzten Wochen aber war er so oft von ihm unbekannten Leuten herumgeführt worden, dass er nun nichts dabei fand. Noch dazu, wo der Dieb immerfort vom „Herrl“ sprach. Erst als der Mann, schon einige Gassen weitab des Bahnhofes, zu laufen begann, stemmte sich Strupp einmal energisch dagegen. Da konnte der Mann aber so zuckersüß und vertraulich vom „Herrl“ erzählen, dass Strupp, um nur zu seinem Herrn zu kommen, gerne mitging.
Gut eine halbe Stunde weit eilte der Mann mit dem Hund. Immer dunkler wurden die Gassen, seltener Auto, Straßenbahn und Menschen. Bis der Dieb eine Haustür aufstieß.
Im Flur war es stockfinster, ebenso in einem schmutzigen Hof. Dann ging's durch einen schmalen Gang, an dessen Ende ein Zimmer lag. Dort trat der Dieb mit Hund und Koffer ein. Bei einem Holztisch sah ein Frauenzimmer, die las in einer Zeitung beim Licht einer Kerze, die im Hals einer leeren Bierflasche steckte. Sie sah auf, ohne sich zu erheben. Der Mann warf den Koffer auf den Tisch, ging dann zum Bett und band Strupp mit der Leine an einen Fuß. Dann zog er seinen Rock aus, warf ihn mit dem Hut auf das Bett und setzte sich zu dem Weib, die unterdessen am Koffer herumprobiert hatte.
Strupp saß still und sah mit schiefgelegtem Kopf zu den beiden Menschen hinüber, die den Koffer durchwühlten. Es wurde viel hin und her gegangen im Zimmer, was Strupp genau betrachtete, da ja irgendwoher nun sein Herr kommen musste. Als aber die beiden dann lange beim Tisch sahen, ohne Herrn Rochus Minck zu holen, winselte Strupp einmal leise auf. Gerade soviel, dass er die Menschen auf sich aufmerksam machte. Der Mann wandte den Kopf. Strupp wartete eine Weile, dann jaulte er wild auf. Der Mann sprang in die Höhe, hob drohend die Hand und brüllte „Kusch!“ Strupp duckte den Kopf nur einen Augenblick lang, so als ob er einem Wurf ausweichen wollte, dann beantwortete er die Drohung mit einem rollenden Brummen, das den Mann erschrocken zurückweichen lieh. Der Mensch sah prüfend zu dem Hund hinüber, der breitbeinig vor dem Bett stand: In diesem Augenblick fühlte Strupp, dass diese Menschen Böses wider ihn vorhatten.
Der Dieb hatte schon einige Male Hunde gestohlen. Brave, nette und treue Hunde. Jedesmal hatte er sie aber nach dem alten Rezept mit Hunger und Prügel so kirre gemacht, dass er sie leicht verkaufen konnte. Die Komödie mit dem „Herrl bringen“ war nun zu Ende. Der Mann wusste das ebenso wie der Hund. Deshalb griff der Mensch blitzschnell nach einem derben Stock und näherte sich Strupp. Der wusste von den Obstdieben her, wie man gegen Menschen mit Stöcken kämpft. Im Garten war er aber frei, hier hing er mit einer starken Leine am Bettfuss. Deshalb warf ihn der erste wuchtige Schlag des Mannes fast auf den Rücken. Und ehe er sich erholen konnte, prasselten hageldicht die Stockhiebe auf ihn nieder. Einige Male versuchte er den Stock mit den Zähnen zu erwischen. Diese Gegenwehr des Hundes löste schließlich bei dem jähzornigen Menschen einen solchen Wutanfall aus, dass er blind und toll auf das Tier losschlug. Strupp riss an der Leine, dass er sich fast den Hals brach, bis er endlich unter das Bett floh. Auch dorthin schlug der Mann noch nach, freilich ohne nun ordentlich treffen zu können. Keuchend schrie der Mann schimpfend unter das Bett, dann aber stapfte er, immer wieder über die Schulter zurückschauend, zum Tisch zurück.
Strupp lag mit dem Kopf zwischen den Pfoten, die rote Zunge hing ein wenig blutend aus dem Fang, stoßweise ging der Atem aus dem zerprügelten Tierkörper. Er fühlte nur Schmerz, sonst nichts. Die Menschen beim Tisch tranken aus einer Flasche, Strupp gab keinen Laut von sich. Er wünschte wohl Wasser zu trinken, sonst aber war nur der Wunsch nach Freisein, nach Herrn Rochus Minck in ihm. Er war klug genug, nicht nochmals den Versuch zu machen, diese Freiheit von den beiden Menschen zu bekommen, obwohl einige Zeit verging, bis er die Tatsache verdaut hatte, dass Menschen so böse sein können.
Während die beiden beim Tisch immer lauter wurden, wanderten die dunklen Augen des Terriers durch den Raum. Lange Zeit nachher hob er leise den Kopf und beschnupperte die Leine. Ununterbrochen behielt er die Menschen im Auge, während er leise das Lederband zwischen die Zähne nahm. Er schob es im Maul nach rückwärts, bis er es zwischen den Backenzähnen hatte. Wie Scheren schnitten sie ins Leder. Wenige Minuten und die Leine war ab! Strupp blieb liegen, regungslos, nun den Kopf wieder zwischen den Pfoten. Der Mann schwenkte die Arme und schrie dem Weib etwas zu. Der Hund verfolgte jede seiner Bewegungen, ließ die Augen nicht von dem Menschen. Der Dieb erfuhr nie, in welcher Lebensgefahr er sich jetzt befand. Er schrie vielmehr mit dem Frauenzimmer, die keifend antwortete. Plötzlich fuhr er in die Ecke, in der der Stock wieder lag, mit dem er Strupp geprügelt hatte, bückte sich darnach, um nun das Weib zu behandeln, wie vorher den Hund. Sie war aber nicht an eine Leine gebunden und kannte den Mann. Weshalb sie ihm ein Schimpfwort ins Gesicht kreischte, zur Türe sprang, sie aufriss und hinauslaufen wollte. Dazu kam sie aber nicht. Kaum war die Türe offen, so sauste unter dem Bett ein braun-schwarzer Blitz hervor, der Tisch krachte zu Boden, der Mann brüllte auf und Strupp war aus dem Zimmer. Er hörte noch hinter sich wilden Lärm, schon aber hetzte er durch den Hof und dunklen Flur. Die Haustüre war geschlossen, Strupp in einer Sackgasse. Er warf sich auf der Hinterhand herum und jagte zurück. Im Zimmer ging es noch immer drunter und drüber, Strupp stand im Hof einige Augenblicke still. Dann erblickte er den einzigen Ausweg – einen Gartenzaun, der den Hof nach hinten abschloss. Mit einem wundervollen Satz fegte der Terrier darüber, gerade, als der Mann schreiend aus dem noch immer finsteren Zimmer stürzte.
Strupp fühlte, dass er auf Gras sprang. In mächtigen, weitausholenden Sätzen jagte er blind davon. Nur weg von dem Haus – mehr wollte er nicht. Wieder ein Zaun, dann ein Platz, auf dem Holz lag, Bretterhaufen klapperten unter seinen Pfoten, stinkende Lachen spritzten weg, Glas klirrte, aber Strupp hetzte weiter. Endlich sprang er über ein Drahtgitter auf harte Erde. Die roch stark nach Menschen, es war ein Menschenweg. Strupp zuckte einen Augenblick zurück, dann lief er auf dieser Straße weiter. Angst vor dem Zimmer und dem Stock ließ ihn die gleiche Eile beibehalten. In einer Quergasse rannte er einem Radfahrer so vor das Rad, dass der Mann zum Sturz kam. Ehe der Mensch aber Zeit hatte, Luft in seine Lungen zu bekommen, war Strupp schon außer Hörweite.
Als er zu einer Straße kam, in der die Straßenbahn dahinklingelte, schreckte er zurück, stand einen Augenblick still. Dann drückte er sich scheu wieder in die Dunkelheit. Ein neues Gefühl war in ihm: Die Angst vor dem Menschen.
In ungemein förderndem Trab eilte Strupp dahin. Er mied alle Laternen und hellbeleuchteten Straßen. Wenn ihm seine Nase die Nähe von Menschen anzeigte, wurde sein Schritt leise und schleichend, bis er wieder allein war. Eine weiße Katze setzte über seinen Weg, pfauchte erschrocken auf und preschte dann in die Finsternis. Strupp übersah sie vollkommen, er wollte nur weg, sonst nichts.
Immer seltener wurden die Häuser, weite Felder schoben sich häufiger zwischen die Gärten. Farbige Lampions glühten auf, weiße Kleider schimmerten in ihrem Licht und Menschenstimmen sangen irgendein Lied. Wie ein Stoß traf der Anblick den Terrier. Linksaus riss er einen Hacken, in weiten Fluchten setzte er über die Wiese. Immer weiter, bis nur mehr die Stille der Nacht um ihn war.
Langsamer wurde sein Lauf und ruhiger schlug nun das Herz. Die Zunge hing ihm wohl weit aus dem Fang und die zerprügelte Haut brannte wie Feuer. Doch roch es hier so wenig nach Menschen, dass er sich endlich auf einer flachen Anhöhe niedersetzte.
Strupp saß keuchend und rastend. Die Angst vor den Menschen trat langsam in den Hintergrund, eine große, bange Sehnsucht nach seinem Herrn, nach dem Garten mit den Apfelbäumen stieg in ihm auf. Sein ganzes Leben hatte Herr Minck neben ihm gestanden, hatte ihn mit Befehl und Zureden geleitet, hatte für Futter und Schlafplatz, für alles gesorgt. Und nun – nun war Strupp allein, weit weg von allen Helfern, ein Hund, auf sich selbst angewiesen.
Strupp saß unbeweglich und sah zur Stadt hinüber, die wie ein blasses, glimmendes Feuer am Horizont lag. Lautlos war die Nacht um ihn, kalt und tot stand der zunehmende Mond am schwarzblauen Himmel. Strupp keuchte nun nicht mehr, aber immer würgender wurde die Sehnsucht, immer drückender das Gefühl des Alleinseins. Ein leises Zittern ging durch die Vorderbeine des Hundes, das war die ganze Bewegung am Tierkörper. Dann kam ein gequältes Pfeifen aus der Hundenase, lang und schmerzlich. Bis Strupp langsam den Kopf steil zum Himmel hob und das uralte Lied der Hunde in die Nacht heulte. Jammervoll klagend zog das Geheul des Tieres durch die Finsternis. Sein Lied klang wie das, das vor Jahrtausenden seine Ahnen sangen, das Lied, das die Pfahlbauern hörten, wenn draußen in der Mondnacht die Wildhunde heulten. Wie weggeweht waren die vielen, vielen Generationen, die neben den Menschen gelebt waren, weggeweht alles, was anerzogen war. Nur das Tier, das arme Erdgeschöpf, schrie seine Not der Allmutter Natur ins Ohr, heulte in weithintragenden Tönen sein Leid in die Nacht.
Mit einem hohen „Jaup“ brach Strupp sein Lied ab. Dann stand er auf, sah mit einem kurzen Blick zurück und tauchte unter in den Schatten des Hügels. Blitzartig verschwunden war der Hund, als habe ihn der Schatten aufgesogen, als habe Mutter Erde ihren unsichtbarmachenden Mantel über eines ihrer Geschöpfe gebreitet, das eben zu ihr zurückkehrte.
***
Er war seltsam beruhigt, seitdem er von der flachen Anhöhe verschwunden war. Er trabte über die Felder, vor sich nichts als den mattschimmernden Rand der Wiese gegen das Firmament. Strupp lief geradeaus, ohne ein anderes Ziel zu haben, als die Heimkehr zu Herrn Rochus Minck. Diese Sucht trieb den Tierkörper wie ein starker, gleichmäßig arbeitender Motor vorwärts. Nach ungefähr einer Viertelstunde schob ihn ein leises Drängen von seiner geraden Bahn ab. Strupp versuchte nicht gegen diesen Wechsel anzukämpfen, er ließ sich vielmehr willenlos von der Stimme leiten, die er zum ersten Mal in seinem Leben hörte. Der Druck von rechts hielt an, eigentlich lief Strupp nun schon einen sehr flachen großen Bogen. Und zwar so lange, bis die Wegänderung fast einen rechten Winkel betrug; da wusste er, dass er nun geradeaus müsse.
Die Nase eine Spanne vom Boden, lief Strupp dahin. Manchmal setzte er mit einem kurzen Sprung über einen Graben, dann wieder wich er vorsichtig einem dunklen Etwas aus, das verdächtig riechend auf seinem Weg stand. Trotzdem behielt er die Richtung peinlich genau bei, ohne sich viel mit rechts und links abzugeben, ohne zu überlegen, nur auf die wundervolle, sichere Stimme hörend, die ihm ohne Zaudern den Weg vorschrieb.
Wenn nun einer auf einer Landkarte mit einem Lineal den Weg des Hundes in der Nacht verlängert hätte, so wäre das andere Ende des Lineals genau auf die Stelle der Landkarte zu liegen gekommen, auf der das kleine Haus des Herrn Rochus Minck mit dem grünen Garten eingezeichnet ist.
Hellgrün flog das Morgenlicht über das Land, fetzig zogen Nebelschleier zwischen Büschen, in deren Ästen noch das Dunkel der Nacht zu hängen schien. Weiß vom Tau schimmerten Wiesen und lautlos lag die Erde. Nur am Rand der breiten Landstraße bewegte sich ein dunkles Etwas mit gleitender Eile – es war Strupp, der zu feinem Herrn lief.
In seinem dichten Pelz hing das Naß der Nacht, stellenweise waren die Haare verfilzt von vertrocknetem Blut. Den Kopf trug das Tier tief zur Erde gebeugt, die Augen waren seltsam ausdruckslos, wie nach innen gerichtet.
Als die ersten Strahlen der Sonne über das Land fuhren, hielt Strupp an. Vor ihm führte eine kleine Brücke über einen Bach, der klar über runde Steine floh. Wie Geplapper gemütlich tratschender Frauen klang das Geplätscher in der Morgenstille. Strupp lief nicht über die Brücke, sondern zum Bach hinunter.
Gut eine Faust hoch stand das Wasser an seinen Beinen, ehe er zu trinken begann. Angenehm wohl tat das kühle Naß den wegwunden Pfoten, doch lief er schon weiter, während noch Wasser aus seinem Maul troff.
Die Krähen waren schon vor einiger Zeit erwacht, hatten sich von ihren Schlafbäumen erhoben und segelten nun im Geschwaderflug über die Wiese. Als die Anführerin Strupp auf der Straße bemerkte, schwenkte die schwarze Schar auf einen kurzen Ruf herum und zog bald niedrig über den Hund dahin. Doch lief er noch so gesund und kräftig, dass die Krähen sofort die Aussichtslosigkeit ihrer Erwartung einsahen. Dicht geschlossen wurde die Schwenkung vollführt, hinüber nach der Moorwiese, wo gestern abend zwei Häsinnen Junge gesetzt hatten.
Gegen Mittag war der Lauf des Terriers schon sehr langsam geworden. Jeder rasche Fußgänger hätte jetzt mit ihm Schritt halten können. Um diese Zeit war es auch, dass er sich einem Dorfe näherte.
Etwa hundert Schritte vor dem ersten Haus ließ er sich auf die Keulen nieder und sah zu den Menschenwohnungen hinüber. Wilder, schmerzhafter Hunger zog ihm die Eingeweide zusammen, ununterbrochen liefen vom Fang die Speichelfäden. Hart und drängend war der Trieb nach Nahrung, der aus dem Tierkörper schrie. Strupp winselte leise, so wie er es daheim getan hatte, wenn er auf das Futter warten musste. Es kam aber niemand, der ihm einen Napf mit viel Futter vorgesetzt hätte. Weshalb Strupp seinen bittenden Laut etwas stärker ertönen ließ. Und als sich darauf auch nichts rührte, erhob er sich und lief schön bescheiden im Straßengraben dem Dorf zu. Gleich aus dem ersten Haus roch es stark nach Futter, so dass er stehenblieb. Nochmals winselte er leise, dann machte er einige Schritte näher. Und dann schob er seinen Kopf in den Hof, wo die Bäuerin den Schweinetrank zusammenrührte. Unsagbar bittend klang sein Winseln und heftig wedelte der kurze Schweif, zum Zeichen seiner freundlichen Gesinnung. Nun aber erblickte ihn vor der Bäuerin noch die rote Katze, die am Brunnenrand schlief. Ihr Leben war erfüllt von bitteren Erfahrungen mit Hunden, weshalb sie mit einem Satz durch den Hof in die Scheune floh. Dabei kam sie den Hühnern zu nahe, die über den Sprung der Katze derart erschraken, dass sie ein wüstes Gegacker und Gezeter anstimmten, wobei sie verzweifelt im Hof herumschossen. Vorher war es still im Hof gewesen, jetzt war ein mächtiger Wirbel los. Weshalb die Bäuerin zusammenfuhr, als habe sie einer gestochen. Dann aber sah sie den großen Hund in der Hoftür und meinte, er habe die Katze samt den Hühnern jagen wollen. Sie riss den großen Schweinefutterlöffel aus dem Trank und warf damit nach Strupp. Und der wusste nicht, was los sei, und wurde von dem schweren Holzstück auf die Nase getroffen. Er jaulte jammervoll auf und fuhr zurück: Also Menschen sind von nun ab immer bös!
So stark war der Schreck dem Terrier in den Leib gefahren, dass er blind vor Angst und Schmerz zwischen den Häusern dahinrannte. Die Dorfköter fuhren sofort hinter ihm drein, heiser kläffend vermochten sie den halbtoten Flüchtling trotzdem nicht einzuholen.
Er hetzte auf der Straße weiter, ohne sich um das „Wohin„ zu kümmern. Bis er beinahe in ein Ochsenfuhrwerk gerannt wäre. Und richtig, schon schwang der Bauer scheltend die Peitsche, da preschte Strupp noch im letzten Augenblick quer ins Feld.
Er kam nicht weit, dann fiel er an einem rasigen Rain keuchend und müde nieder. Angstvoll gingen seine dunklen Augen rundum, während die erschöpfte Lunge krampfhaft Luft in den Leib pumpte.
Es war still und sonnig zwischen den Feldern, weshalb Strupp bald den Kopf zwischen die Vorderbeine sinken ließ und einschlief. Sein Schlaf war schon der des Tieres der Wildnis: leicht und aufmerksam. Ungestört blieb er bis zum Abend, da erwachte er etwas ausgerastet, doch hungrig wie nie zuvor in seinem Leben. Er gähnte laut und jauernd, erst streckte er die Vorderbeine, dann die Hinterbeine. Nachdem er nochmals ausgiebig gegähnt hatte, schnupperte er ein wenig im Gras herum: Es roch nach Maus. Bald aber setzte er seinen Weg langsam fort. Die Kornfelder endigten nun, freie, weite Weide streckte sich bis zum Tannenwald hinüber.
Strupp war nicht plötzlich aus den dichten Halmen ins Freie getreten. Erst hatte die weit vorgeschobene Nase prüfend die Luft eingesogen, dann schob er langsam den Kopf vor. Und das war gut gewesen. Aus dem Wald, der in der Dämmerung dunkelblau vor dem Himmel stand, kam eben ein großer, grauer Hund. Struppig stand sein zottiger Pelz vom Körper. Es war ein mächtiger Bursche, mit vielen Narben in der derben Haut. Die Nase knapp am Boden, dann wieder hoch erhoben, suchte der Bastard den Waldrand ab. Plötzlich duckte er einen Herzschlag lang nieder und fuhr darauf wie ein grauer Schatten in den Wald. Im nächsten Augenblick sauste ein Hase aus dem Gebüsch, dem der Graue den Rückzug in den Wald abgeschnitten hatte. Der Hund prasselte knapp hinter dem Hasen aus dem Gesträuch, jedoch schon hatte der Nager einen hübschen Vorsprung. Die Löffel knapp an den Kopf gelegt, fegte der Hase dahin, stumm und erfolgsicher der graue Hund hinterdrein. Der Hase begann, auf freiem Feld im Nachteil, Ecken zu reißen und Haken zu schlagen, dass jeder Verfolger tot darüber geworden wäre. Nicht so der Bastard, der ein alter, erfahrener Wilderer war. Er ließ den Hasen nur kurze Zeit seine Mätzchen machen, trieb ihn höchstens zu noch größerer Eile an. Dann schnitt er ihm den Weg ab, so, als ob er geahnt hätte, dass der Löffelmann nun einen Haken nach rechts machen würde. Fast war es ein Zusammenstoß, der nun zwischen Hund und Hasen erfolgte. Im richtigen Augenblick schloss der Hund die Zähne – und jammervoll gellte das Klagen des Hasen über die Wiese. Zwei, drei scharfe Risse und es war mit ihm zu Ende.
Strupp war der Jagd mit solcher Erregung gefolgt, dass er unwillkürlich einige Sprünge ins freie Feld machte. Die schnelle Bewegung der Hetze zog ihn unwiderstehlich an, wenig fehlte, und er hätte sich daran beteiligt. Das rasche Ende und der Todesschrei des Hasen verblüfften ihn aber so, dass er sich mit zuschnappenden Kiefern auf die Keulen setzte.
Der graue Hund hatte sich den Hasen einige Male um den Fang geschlagen, ihn fallen gelassen und genau betrachtet, ob noch Leben in dem Körper sei. Nun leckte er einige Male über die Todeswunde im Genick des Opfers, dann aber hob er den Kopf. Vorsicht ist die Hauptsache auch beim Wildern: In dieser Beziehung hatte er die schmerzhaftesten Erfahrungen.
Er erblickte Strupp sofort. Kein Hund dieser Welt wird sich freuen, einen anderen zu treffen, wenn er selbst gerade einen toten Hasen verzehren will. Der Graue aber war noch dazu halb verwildert, nur selten mehr ließ er sich im Dorf sehen. Er war ein Räuber und Mörder geworden, seitdem er dem Bauern davonlief, der ihn zum Pflügen mit aufs Feld genommen hatte. Furcht kannte er nur vor den Menschen, die Gewehre trugen, sonst vor nichts. Schon gar nicht aber vor einem Hund, der noch dazu etwas kleiner schien, als er selbst war.
Deshalb ließ er den Hasen liegen, der kam später an die Reihe. Bis der dort verjagt war. Mit hocherhobener Rute lief er rasch und energisch auf Strupp zu. Auf einige Schritte nahegekommen, senkte er den Kopf zur Erde, zog die Lippen zurück, so dass die weihen Zähne frei wurden und rollte böses, donnerndes Drohen aus der Brust gegen den Feind. Die kleinen Ohren legte er flach an den Hals zurück, wie eine Bürste sträubte sich Rücken- und Nackenhaar. So stand er schließlich knapp vor Strupp. Der war aber, als er noch im Dorf beim Haus mit dem grünen Garten gewesen war, keiner Rauferei aus dem Wege gegangen. Herr Rochus Minck war nie begeistert gewesen, wenn sich Strupp mit allen möglichen Hunden herumbalgte, dass die Haare und oft auch Hautstücke flogen. Aber er hatte gesehen, dass Strupp mit einer gewissen Freude bei der Sache war, weshalb er es uneingestandenermaßen als einen Eingriff in die Privatrechte Strupps betrachtet hätte, ihn von einer Balgerei abzuhalten. So kam es, dass Strupp auch über einige Erfahrung im Zweikampf verfügte. Er verstand also vollkommen, was der Graue da wollte. Er wusste aber auch, dass hinter dem Feind ein toter, sehr essbarer Hase liege, welches Bewusstsein eine quälende Wut in ihm aufsteigen ließ.
Und so stand er schmal und hoch vor dem Grauen, in jener sonderbaren Stellung, die ein wenig komisch aussieht, aber erlaubt, ohne Vorbewegung nach jeder beliebigen Seite wegzuspringen. Langsam hoben sich auch seine Rückenhaare, so dass er höher schien, als er wirklich war. Der Bastard lauerte drohend auf eine Blöße, die sich der Terrier eventuell beim allzu raschen Angriff geben könnte. Als das nicht geschah, schlich er fast ohne sichtbare Bewegung einen Schritt näher. Unbeweglich stand Strupp, starr waren seine Augen auf den Gegner gerichtet. Er ahnte, dass hier einer stand, der stärker und erfahrener war als alle anderen Hunde, mit denen er es bisher zu tun gehabt hatte. Deshalb wartete er lieber den Angriff ab, obwohl das sonst nicht seine Art war. Und der Angriff kam, wilder als ihn Strupp erwartet hatte. Fast schrill war der Aufschrei, mit dem sich der Graue vorwärts warf. Die Wucht seines Körpers hätte den Terrier unfehlbar zur Erde gebracht, wenn, ja wenn Strupp noch dort gestanden hätte. Ganz kurz war der Seitensprung gewesen, den er machte, jedoch weit genug, um den Angreifer ins Leere sausen zu lassen. Und ehe sich der von seinem Fehlsprung erholt hatte, saßen ihm des Terriers elfenbeinweiße Zähne im Genick.
Aber Strupp hatte seinen Gegner unterschätzt. Bevor er die Kiefer zusammenziehen konnte, ehe er festen Halt im derben Nacken des Feindes hatte, schleuderte ihn ein wuchtiger Schwung durch die Luft. Halb betäubt taumelte er blitzschnell wieder auf, im gleichen Augenblick musste er mit einem Gegenbiss die Zähne des Grauen von seiner Kehle bringen. Dann aber wälzte sich ein bös knurrender Knäuel über die Wiese. Weitab flogen die Rasenstücke, wie ein Sprühregen stob die Erde manchmal von den hastigen Tritten. Der Bastard war ja um vieles schwerer als Strupp, wofür dieser jedoch die größere Wendigkeit für sich hatte und das heiße Terrierblut, das erst richtig offenbar wurde, wenn der Hund im Kampf stand. Überdies und außerdem aber war Strupp hungrig. Und niemand wird so leicht blind vor Wut als einer mit leerem, knurrendem Magen. Diese Wut ließ ihn den einzig richtigen Augenblick wahrnehmen, wo der Graue seinen Nacken nicht deckte. Und nun griff Strupp besser zu. Wie von stählernen Federn gezogen schlossen sich blitzschnell seine Kiefer. Erst kämpfend, dann verzweifelt wurden die Bewegungen des Grauen. Er bog den Rücken krumm wie einen Bogen, schnellte sich im nächsten Moment wieder gerade, so dass Strupp durch die Luft sauste und schwer auf die Erde krachte. Dann wieder sprang der Bastard auf, um zu entlaufen. Jedoch unerbittlich und erbarmungslos hing der Feind in seinem Genick. Langsam, unaufhaltsam drangen die Zähne immer tiefer. Ein pfeifender Laut kam heiser aus dem weit offenen Fang des Unterliegenden. Noch einmal versuchte er Strupp abzuschütteln, jedoch umsonst. Das Terrierblut trieb Strupp, die Kiefer zu schließen um jeden Preis. Und so erreichte das Drama am dämmerigen Wiesenrain bald sein Ende. Der Graue trat noch einmal mit den Beinen gegen den Leib Strupps, dann knickte er plötzlich vorne nieder, fiel schwer zur Seite und lag ruhig. Er zuckte leicht und fiebrig, als Strupp zwei, dreimal scharf anriss. Beim letzten Mal knackste es, wie wenn Drähte aufspringen. Ein leises Zittern ging durch den Körper des Grauen, dann streckte er sich lang aus und war tot.
Strupp lag halb über dem besiegten Gegner. Der rührte sich schon lange nicht mehr, als der Terrier die Kiefer öffnete. Strupp tat dies vorsichtig und langsam, bis er sich überzeugt hatte, dass der andere wirklich tot sei. Er schnappte einige Male den Fang auf und zu, als ob er sich überzeugen wolle, ob die Sache nach der gewaltigen Anstrengung nicht kaputt sei. Dann aber beschnupperte er kurz den Toten, brummte gereizt und wendete den Kopf dorthin, wo der tote Hase lag. Der Zorn klang langsam ab, dafür kam der Hunger wieder. Weshalb sich Strupp von dem stillen Grauen wandte. Nach zwei Schritten machte er jedoch blitzschnell kehrt und sah in Kampfstellung zum Toten zurück. Als sich der aber nicht rührte, legte Strupp die Rückenhaare nieder, klappte Ohren und Schweif herunter und nahm wieder Richtung zum Hasen.
Leise war unterdessen die Nacht gekommen, die Finsternis verschlang die Erde. Die Nase wies Strupp den Weg zur Deute. Wie wenn ein derber Stoff gerissen wird klang es, als der Hund am weißen Bauchfell des Hasen zog. Dann splitterten Knochen, hastiges Reißen und Schmatzen wurde von dumpfem Knurren unterbrochen.
Der Mond hob sich sachte und bleich über den zackigen Tannenwald, da war Strupp mit seiner Mahlzeit fertig. Er hob den blutbesudelten Kopf zu der weißen Scheibe hinauf, dann fuhr die Nase wieder zu Boden und suchte nach den Spuren der Mahlzeit im kurzen Gras.
Immer wieder ging die Zunge über den Fang, während Strupp zum kleinen Wiesenbach lief. Dort trank er hastig und viel.
Vor den niedrigen Weidenbüschen setzte er sich nieder. Seine Augen wurden seltsam vom Mond angezogen, der mit seinem kalten Licht das Land erstarren lieh.
Da kroch tiefe Traurigkeit in den Tierleib, langsam hob Strupp den Kopf fast senkrecht zum Himmel. Und wieder klang aus seiner Kehle das Heulen weithin durch die Nacht. Nur war es diesmal nicht nur das todtraurige Lied vom Vortag, sondern es schwang ein böses Drohen mit, das Drohen des Geschöpfes, das der Stärkere war. Und alle Tiere, die im weiten Umkreis den Sang des Hundes hörten, drückten sich tiefer in das Gras oder Geäst.
***
Voll der drohenden Warnungen und wichtigen Zeichen ist die Nacht für die Tiere des Waldes. Wer die Warnungen nicht blitzschnell deutet, stirbt, wer die Zeichen nicht versteht, geht hungrig nach Hause. Unerbittlich hart ist die Natur gegen den Schwächeren, Unvorsichtigen, Dummen. Das Kaninchen verlässt den Bau, um Nahrung zu suchen und wenige Sekunden später schrillt es seinen Todesschrei in die Nacht, wenn es die Mahnung überhört, die das leise raschelnde Gras von der schleichenden Füchsin herüberträgt. Und die jungen Füchse werden diese Nacht hungrig im Bau winseln, wenn die Füchsin im Gras raschelte, so dass es das Kaninchen hören konnte.
Die leise, bewegte Luft trägt Botschaft durch den nachtschwarzen Wald, von dem, der hier im Dunklen schleicht, zu dem, der sich dort vorsichtig duckt. Jedes Tier achtet auf alle Dinge, die kaum wahrnehmbar vorgehen, weil sie Leben oder Tod bedeuten.
Der Mond zeichnete nun sonderbar geformte, kaltweiße Flecke auf den Waldboden. Sonst aber war schwarze Nacht unter den Bäumen, unter denen Strupp nun dahinlief. Nach der ausgiebigen Mahlzeit hätte er eigentlich gewünscht zu schlafen. Aber da war wieder die Sehnsucht nach Herrn Rochus Minck aufgedämmert und immer stärker geworden. Und als diese Sehnsucht so groß geworden war, dass sie fast körperlich zu schmerzen begann, da schnappte wieder die seltsame Stimme ein, die Strupp die Richtung angab, in der das kleine Haus mit dem grünen Garten lag. Nun verstand er schon gut auf sie zu hören, er zauderte niemals, wenn eine Wegschwierigkeit vor ihm lag. Eigentlich lief er nun dahin, als ob er sich zwischen zwei Bretterwänden bewegen würde. Strupp wäre vom richtigen Weg nur abgewichen, wenn sein Wunsch, zu Herrn Minck zu kommen, erstorben wäre.
Bei jedem Schritt fiel ein Tropfen Blut auf den Waldboden. Weniger aus dem Riss im Ohr, als aus einer dreieckigen Wunde an der Schulter. Nach alter Kämpferart hatte er einen wilden Biss des Grauen mit der flachen, muskelbedeckten Schulter aufgefangen, wobei ein Stück Fell und Haut an den Zähnen des Feindes hängen blieb. Während der Rauferei hatte Strupp nicht das mindeste von der Verletzung gespürt, nun aber brannten die beiden Wunden wie Feuer. Hie und da setzte sich der Terrier nieder, drehte den Kopf nach rückwärts und zog die rote, rauhe Zunge über die Schulterwunde. Er hielt sich zwar niemals lange mit dieser Beschäftigung auf, jedoch lange genug, um auf dem Platz einen Geruch von Blut und Kranksein zurückzulassen. Weshalb es auch der Füchsin einen scharfen Riss gab, als die in den Duftkreis eines solchen Platzes kam. Sie erstarrte in ihrer Stellung, nur die schwarze Nase zog leise Luft ein. Es roch zwar gefährlich, aber dafür auch nach Blut und Wunden. Lange beschnupperte sie den Platz, auf dem Strupp eben noch gesessen hatte, dann folgte sie der Fährte. Sie hatte nicht viel Hoffnung auf Beute in diesem Fall, jedoch wünschte sie nachzusehen, was aus dem verwundeten Hund geworden sei. Sie bewegte sich so lautlos, dass es schien, als mache sie überhaupt keine Bewegung. Es war vielmehr so, als fliehe ein Schatten über den Boden.
Sie war bald knapp hinter Strupp. Er ahnte das Lebewesen hinter sich mehr als er es hörte; kaum aber war in sein Bewusstsein die Tatsache eingedrungen, dass jemand seiner Spur folge, so warf er sich schnell und leicht herum. Die Hinterbeine weggestreckt, den Kopf hoch auf den Hals gehoben, starrte er regungslos in die Richtung, in der sich eben noch etwas rührte. Er war bös über das Hindernis, das ihn zwang, Zeit zu verlieren, er war bereit, den Kampf sofort und mit allem Nachdruck zu führen, um nicht lange aufgehalten zu werden. Furcht oder Zweifel gab es für ihn keine in der Sache. Dafür aber hegte solche die Füchsin, die, als er sich umwandte, sich lautlos in das Gras drückte; das geschah so rasch und still, dass man meinen konnte, einer habe eine Rauchwolke weggeblasen.
Wäre Strupp nach einiger Zeit nachsehen gegangen, was dort im Gras verschwunden sei, so hätte er nur eine leere Stelle gefunden. Die Füchsin hatte sofort die Aussichtslosigkeit dieser Sache erkannt. Es lag nicht in ihrer Art, sich über einen verlorenen Weg zu ärgern oder gar etwas mit Gewalt auszutragen. Sie suchte keinen Kampf, sondern Beute für die vier Kleinen im Bau unter der zweiteiligen, alten Buche. Weshalb sie, ehe Strupp ausgedroht hatte, schon lange weit abseits durch das Dickicht strich. Minutenlang stand der Hund noch still. Dann drehte er sich beruhigt um und trabte weiter.
Es war schon gegen Morgengrauen, als Strupp ein Tier über seinen Weg laufen sah. Das Tier machte sofort halt, als es die Schritte des Hundes hörte. Als Strupp bei ihm ankam, hatte sich der Igel zu einer stacheligen Kugel zusammengerollt, die still und abweisend auf dem glatten Erdboden lag. Die Kugel roch nach Fleisch, weshalb Strupp einen Augenblick stehen blieb. Er brachte seine Nase an das Ding heran, um im nächsten Moment entsetzt zurückzufahren. Eine ganz hübsche Zahl Stacheln war in die feine, schwarze Nasenhaut gedrungen, was den Terrier in eine ziemliche Wut brachte. Er sprang zurück, dann wieder vor, bellte die Kugel bös an, stach sich wieder, um neuerlich wegzuspringen. Er ärgerte sich höllisch über dieses Tier, das da mit einem verdammten Gleichmut still lag und nur Stacheln wegstreckte. Gut eine Viertelstunde tanzte er um den Igel herum. Dann gab es in seinem Innern so etwas wie einen leisen Schlag, als ob er plötzlich zur Besinnung käme. Im nächsten Augenblick war der Igel vergessen, Strupp wandte sich und trabte weiter. Der Igel blieb vorsichtig einige Zeit eingerollt, bis er wieder zu einem flachen, langen Tier wurde, das eilig trippelnd und niesend im Unterholz verschwand.
Als am Vormittag die Sonne mehr Kraft bekam, lief Strupp langsam. Die Pfoten waren wundgelaufen, außerdem hatte er nicht die Hälfte von dem geschlafen, wie sonst daheim. An einer Pfütze blieb er stehen und trank das schlammige Wasser. Dann trabte er einen Hang hinauf, schob sich durch einige Büsche, bis er auf eine kleine Blöße im Wald kam. Da ließ er sich nieder und begann, mit der Zunge unermüdlich die Wunden am Körper und die Pfoten zu belecken. Erst bis diese Reinigung so weit gediehen war, dass ein Gefühl ihm sagte, dass es nun genug sei, legte er den Kopf auf die Hinterbeine und schlief mit einem tiefer Seufzer ein.
Still und lautlos stand der Wald ringsum im Sonnenschein. Einmal taumelte ein weißer Schmetterling daher, saß kurz auf einer roten Blüte, erhob sich wieder und torkelte davon. Hie und da brummte mit tiefem anschwellenden Bassgeigenton eine Hummel heran, zog wie eine dunkle Pelzflocke vorbei und verschwand und verklang wieder. Heuschrecken schrillten leise im Gras ihr endloses Lied, sonst war nur Sonnenfrieden auf der kleinen Blöße.
Ein Menschenohr hätte das Knistern der fallenden Tannenzapfenblättchen nicht gehört, die vom Baum fielen, auf dem das Eichhörnchen arbeitete. Strupp hob aus tiefem Schlaf lautlos den Kopf und horchte. Der Eichkater kam bei seiner Tätigkeit immer näher, bis er die Lichtung erreichte. Er saß auf einem Ast aufrecht, die Pfoten vor der weißen Brust und übersah die Lichtung nach gefährlichen Dingen, da er den freien Platz auf kürzestem Weg zu überqueren gedachte. Auf der andern Seite standen nämlich die Haselsträucher. Seinen glitzerigen, schwarzen Augen entging nicht, dass sich da unten Strupp eben halb aufrichtete. Der Schreck schlug das Eichhörnchen fast von seinem hohen Sitz. Im nächsten Augenblick aber war es spurlos verschwunden, nur die prasselnden Ästchen und sein erbostes Schimpfen verriet den Weg, den es genommen hatte. Der Kopf des Hundes fiel aber schon wieder schwer und müde ins Gras. Strupp streckte wohlig die müden, schmerzenden Glieder, dann schlief er weiter.
***
Während seines Mittagsschlafes hatte sich eine blauschillernde Fliege auf eine der Wunden des Terriers gesetzt. Schon wenige Stunden später fühlte er ein leises Kribbeln und Jucken an der Stelle. Da unterbrach er seinen Lauf, setzte sich nieder und ließ die Zunge so lange über die Wunde gehen, bis die meisten Maden, die aus den Fliegeneiern krochen, weggewischt waren.
Einmal führte eine Straße genau in der Richtung, die Strupp nehmen musste. Er lief gleichmäßig weiter, da er ausgeruht und satt von einem Kaninchen war, das weiß und unschuldig auf der Wiese hinter einem Gehöft herumsprang, gerade als Strupp sich vorbeidrückte. Weil er eben so zufrieden war, achtete er weniger auf alle Vorfälle. Weshalb er auch das Fuhrwerk unterschätzte, das ihm auf der Straße entgegenkam. Er wich bloß in den Straßengraben aus, dort lief er mit hängendem Kopf weiter. Um so unverhoffter traf ihn das Holzscheit, das der Mann vom Wagen nach dem anscheinend herrenlosen Hund warf. Der Schreck half Strupp über die erste Zeit hinweg, etwas später lahmte er ein wenig auf dem linken Hinterbein. Seit diesem Augenblick mied er die Straßen der Menschen, auch wenn sie noch so genau in seiner Richtung führten.
Wieder kam die Nacht auf die Erde. Schon früh am Nachmittag hatte Strupp seinen Schlafplatz in einem Heuschober verlassen. Er kümmerte sich an diesem Abend nicht mehr um Beute, er trank nur viel, dann aber setzte er sich in Bewegung. Die Stimme in seinem Innern, die ihm bisher den richtigen Weg nach Hause gewiesen hatte, sagte ihm, dass er Herrn Rochus Minck schon sehr nahe gekommen sei. Das fachte die Sehnsucht nach dem kleinen Haus mit dem grünen Garten so an, dass nun Strupp nichts mehr von all den vielen Wunden und Rissen an seinem Körper spürte. Kein Schmerz drang jetzt in sein Bewusstsein, das ausgefüllt von einem einzigen Wunsch war: „Heim!“ Die dunklen Augen starrten ausdruckslos und tot ins Nichts, alles Leben war in das Horchen auf die heimweisende Stimme gepresst. Und automatisch bewegten sich die wegwunden Beine.
Lange Zeit trabte Strupp bergauf. Eine Stelle war so steil, dass der Hund ausglitt und, sich überschlagend, zurückkollerte. Nur ein schmerzliches Stöhnen kam aus dem Tierleib, dann raffte sich Strupp auf und lief weiter. Einmal roch es stark nach Menschen, gerade als der Himmel im Osten blass wurde. Vorsichtig, lautlos setzte der Terrier die Pfoten, drückte sich in die Schatten und ward selbst zu einem. So bemerkte Herr Kommerzialrat Matzner, der sich vor Beginn der Schonzeit noch rasch seinen Bock auf der Frühpirsch holen wollte, nichts von dem Hund.
Als die Sonne heraufkam, trank Strupp gerade hastig aus einem Bach; dann lief er weiter. Nun hätte das heimweisende Gefühl in ihm schon nachlassen können, die Gegend kannte er! Da war er einige Male mit Herrn Rochus Minck gewesen.
Soweit steigerte dies die Kraft in dem Tier, dass es in matten Fluchten dahinjagte. Quer über die Wiese kam Strupp auf die Straße, auf der er nun weiterlief. Zwei Kinder spielten bei den ersten Häusern des Ortes am Straßenrand. Sie kreischten hell auf und stolperten hinter den Zaun, als sie den Hund sahen. Alle Kinder, auch die zwei, kannten den wohlgepflegten Strupp des Herrn Minck, den verschmutzten, blutigen Hund aber, dem die Rippen aus dem Leib standen und die Augen fiebrig im Kopf brannten, den kannten sie nicht.
Der Terrier sah und hörte die Kinder nicht, er hätte auch nichts gehört, wenn jetzt neben ihm aus Kanonen geschossen worden wäre.
Da machte die Straße eine leichte Biegung und – vor ihm lag das kleine Haus mit dem grünen Garten. Aus dem eiligen Lauf wurde nun ein wildes Hetzen. Er stolperte wohl einmal, riss sich aber sofort in die Höhe. Und vor dem Gartenzaun zuckte er ein wenig zusammen – dann aber flog das Schmutzbündel über die Zaunlatten, mitten auf den reinen, wohlgepflegten Weg.
Vor seinem Haus sah auf der Bank Herr Rochus Minck und rauchte aus seiner Pfeife Rosenblättertabak. Kein Mensch auf dieser weiten Erde hätte Strupp erkannt, Herr Rochus Minck stand aber sofort kerzengerade. Und aus seiner Hand fiel die Pfeife mit dem Rosenblättertabak auf die Erde. Der Mund des Mannes war zwar offen, aber heraus brachte er nichts.
Strupp sah Herrn Rochus Minck. Und nun hetzte er nicht weiter, sondern fiel auf den Bauch. Der kurze Schweif fegte über den Kies, den Kopf zwischen die Vorderpfoten gedrückt, so kroch er auf Herrn Rochus Minck zu. Das Winseln wurde zu einem Heulen, dann zu einem schweren Stöhnen, als ob irgendwas in der Brust des Tieres knapp daran wäre, zu bersten.
Herr Rochus Minck lag nun mit einemmal auf den Knien und drückte sein Gesicht in das schmutzige, blutige Fell. Und dann brachte der würdige, alte Herr nur mühsam aus der Kehle: „A – a – aaaaber He–err Ingenieur Maitzenberger!“