Hietzing 1945 – 1955

Mutig in die neuen Zeiten – von der nationalsozialistischen Diktatur zur Souveränität unserer Republik
26.06.2025

Dies ist ein Auszug aus dem Vortrag von DI Heinz Gerstbach, gehalten am 11. Juni 2025 im Rahmen der Ausstellung „Bezirkspolitik damals“ des Bezirksmuseums Hietzing.

Der Krieg und sein Ende

Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen. Schätzungen zufolge wurden über 65 Millionen Menschen bei den Kämpfen getötet.

In Europa begann der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. Österreich wurde schon am 13. März 1938 durch einen Überfall der deutschen Wehrmacht zwangsweise an das Deutsche Reich angeschlossen.

Das Kriegsende zeichnete sich für Wien nach dem Fall von Budapest ab und die Rote Arme war die erste, die Österreich erreichte. Nach dem Überschreiten der ungarisch / österreichischen Grenze durch die Truppen der Sowjetunion am 29. März 1945 rückten Teile die Rote Armee in mehreren Linien gegen Wien vor. Am 1. April erreichte sie die Südbahnlinie im Raum Gloggnitz und errichteten ihr Hauptquartier in Hochwolkersdorf. Am 4. April erreichte Oberfeldwebel Käs als Kontaktperson der österreichischen Freiheitskämpfer das sowjetische Oberkommando und konnte ein Abkommen vereinbaren, dass die Rote Armee bei der Eroberung von Wien möglichst schonend vorgehen würde.

Ein anderer Teil der Roten Armee erreichte nach der Umgehung Wiens die westliche Wiener Stadtgrenze. Am 7. April durchbrach das 46. Gardepanzerregiment der 3. Ukrainischen Front der Sowjetarmee ab 18 Uhr die Mauer des Lainzer Tiergartens und rückte über Ober St. Veit Richtung Wiener Stadtzentrum vor. Durch diese Umgehung über den Lainzer Tiergarten wurde am 8. und 9. April der gesamte 13. Bezirk nahezu kampflos von den sowjetischen Truppen besetzt.

Der Kampf im Stadtgebiet dauerte vom 6. bis 13. April 1945. In weiten Teilen von Niederösterreich dauerten die Kämpfe allerdings bis über den 8. Mai hinaus. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 schüttelten sich in Erlauf (Niederösterreich) der US-amerikanische General Stanley Reinhart und der sowjetische General Dmitri Dritschkin die Hände. Gemeinsam feierten sie die am 8. Mai wirksam gewordene bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

In Europa hatte damit der Krieg und damit auch das „Dritte Reich“ und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit ihrem mörderischen Rassenwahn, der allein sechs Millionen Juden und 500.000 Roma und Sinti den Tod brachte, geendet.

In Japan endete der Krieg nach dem Abwurf der beiden amerikanischen Atombomben. Die Kapitulation Japans verkündete der japanische Tennō am 15. August 1945 in einer Rundfunkansprache (Gyokuon-hōsō), unterzeichnet wurde sie am 2. September auf der Missouri in der Bucht von Tokio.

Die Zeit der Ungewissheit war aber noch lange nicht vorbei. Die Menschen bangten um die politische Zukunft, den Wiederaufbau, die nächste Mahlzeit. Für viele Familien ging es darum, wieder zu einander zu finden und wenn das nicht mehr ging, den, Verlust zu verkraften. 1,2 Millionen österreichische Soldaten hatten in der Wehrmacht gekämpft, rund 250.000 waren gefallen, 490.000 gerieten in Gefangenschaft.

Die Alliierten in Österreich

Die Staaten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion waren im Zweiten Weltkrieg die vier „Alliierten“, sie kämpften gemeinsam gegen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten. Nach dem Ende des Weltkriegs waren sie die Siegermächte.

Die Alliierten kamen zu unterschiedlichen Zeiten nach Österreich, weshalb auch die kriegerischen Auseinandersetzungen zu verschiedenen Zeiten endeten. Jede von ihnen kontrollierte nach dem Sieg einen Teil von Wien und Österreich. Davor gab es lange und komplizierte Verhandlungen über die politische Zukunft Österreichs. Bedeutsam war die gemeinsame Erklärung über die Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreich, verfasst von der Außenministerkonferenz in Moskau, daher Moskauer Deklaration genannt und veröffentlicht am 1. November 1943, in der es heißt:

„Die Regierungen sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Aggressionspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von der deutschen Herrschaft befreit werden soll. Sie betrachten die Besetzung Österreichs durch Deutschland am 13.3.1938 als null und nichtig … Sie wünschen, ein freies, unabhängiges Österreich wiedererrichtet zu sehen…“

Karl Renner

Den Kampftruppen waren Etappeneinheiten gefolgt und es kam zu Übergriffen gegen die Bevölkerung. Daher hatte schon am 4. April Dr. Karl Renner, in Gloggnitz als Pensionist lebend, Kontakt mit den russischen Stellen aufgenommen, um die Kommandostellen zu menschlichem Verhalten aufzufordern. Die Person Renners war dem für Gloggnitz zuständigen Politoffizier bekannt und auch, dass er von Stalin bereits gesucht wurde. Daher wurde Renner unverzüglich zum Armeekommando gebracht.

Renner und seine politische Tätigkeit war Stalin aus einem früheren Aufenthalt in Wien bekannt. Im Jänner 1913 hatte er auf Wunsch Lenins Wien besucht, um Informationen über den Vielvölkerstaat der Donaumonarchie zu erhalten. Das Ergebnis seiner Forschungen war sein Artikel „Marxismus und die nationale Frage“.

Diese Erfahrung veranlasste Stalin, die weitere Entwicklung Österreichs und auch die politische Tätigkeit Renners zu verfolgen. Die von Stalin wohl erwartete „Volksfrontregierung“, die rasch von jungen energischen Kommunisten erobert werden würde, kam nicht zu Stande, dafür hatten die Russen den falschen Mann ausgewählt.

Jedenfalls sollte Karl Renner gemäß der „Moskauer Deklaration“ vom 1. November 1943 die Wiederherstellung Österreichs als erstes Opfer der Angriffspolitik Hitlers in die Wege leiten. Nach dem Vorstoß der sowjetischen Armee nach Österreich hatte Stalin in der Stavka, dem obersten sowjetischen Führungsorgan, am 30. oder 31. März diskutiert, wer in Österreich die Zentralverwaltung aufbauen sollte. Die von den Westmächten angeregte Widerstandsbewegung O5 war von den Russen nicht gewünscht. In diesem Zusammenhang hatte Stalin auch die Frage gestellt, was eigentlich aus Renner geworden sei, „ob es den Alten noch gebe“. Da niemand die Antwort darauf wusste, erging an die 2. und 3. Ukrainische Front, die unmittelbar vor dem Kampf um Wien standen, der Befehl, Renner zu suchen.

Was dann geschah, wurde 1972 aus den Memoiren des sowjetischen Generals Stemenko, der der Stavka angehört hatte, bekannt (siehe Manfried Rauchensteiner, „Der Sonderfall“, S. 67): Renner wurde aufgefordert, zum aktuellen russischen Hauptquartier mitzukommen. Über die Kontakte zu Moskau wurde alles weitere organisiert.

Ab 9. April war Renner mit Familie und einer Sekretärin im Schloss Eichbüchl im Rosaliengebirge. Dort arbeitete er vom 9. bis 20. April 1945 „mit fleißiger Arbeit an den Aufbauplänen für die Zweite Republik“, wie er selbst schrieb. Am 15. April sandte er einen Brief mit seinen Vorstellungen an Stalin.

Die Villa Blaimschein

In der „Frontzeitung für die Bevölkerung Österreichs“ (Österreichische Zeitung genannt) wandte sich Fjodor Tolbuchin, der Befehlshaber der sowjetischen Truppen, an die Bevölkerung. Er erinnerte an die Moskauer Deklamation und betonte, dass die Rote Armee nicht als Eroberungsarmee sondern als Befreiungsarmee nach Österreich gekommen ist.

Hinter den sowjetischen Streitkräften zog Renner nach Wien und kam dort am 21. April an. In der Blaimschein-Villa in Hietzing (Lainzer Straße 28/Wenzgasse 2), die von den Sowjets beschlagnahmt und Karl Renner zur Verfügung gestellt worden war, wurde ihm ein Amtssitz eingerichtet. In den folgenden Tagen begann er dort die politischen Gespräche zur Bildung der Provisorischen österreichischen Regierung. Unter seinem Vorsitz arbeiteten Vertreter der SPÖ, ÖVP und KPÖ das Konzept für eine provisorische österreichische Staatsregierung aus.

Am 23. April stellte sich die Zeitung „Neues Österreich“ (als „Organ der demokratischen Einigung“ gegründet) in ihrer ersten Ausgabe als erste freie österreichische Publikation nach der „nazistischen Zwingherrschaft“ vor. Chefredakteur war Ernst Fischer, der bis vor kurzem im Exil in Moskau gewesen war.

Am 27. April 1945 wurde schließlich die Unabhängigkeitserklärung für Österreich
unterzeichnet und die Zweite Republik durch die provisorische Staatsregierung aus Vertretern der drei Parteien (SPÖ, ÖVP und KPÖ) ausgerufen. Dieser Tag der Unabhängigkeitserklärung ist als tatsächlicher Beginn der „Zweiten Republik“ zu werten. Doch wurde dies nur von den Sowjets anerkannt und nur für den Osten Österreichs wirksam.

Erst am 24. und 25. September 1945 fand die so genannte Länderkonferenz statt, auf der die Renner-Regierung in ganz Österreich anerkannt werden sollte. Manche der Delegierten reisten unter geradezu abenteuerlichen Umständen an, die Vorarlberger benötigten dafür drei Tage. Entscheidender Punkt in den Diskussionen war die baldige Anhaltung allgemeiner, freier Wahlen. Die ergänzte „Gesamtregierung“ wurde am 25. September beschlossen.

Am 20. Oktober 1945 wurde die Regierung Renner auch von den Westalliierten anerkannt und am 25. November 1945 fand in ganz Österreich die erste Nationalratswahl der zweiten Republik statt. Am selben Tag fanden auch die Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen statt. Die langwierigen politischen Verhandlungen über die Zusammensetzung der Bezirksvertretungen dauerten aber bis ins Jahr 1946.

Die ersten Regelungen

Es ist erstaunlich, dass die provisorische Regierung in kürzester Zeit wesentliche zukunftsweisende Beschlüsse umsetzen konnte. Am 1. Mai 1945 wurde die Selbstständigkeit Österreichs proklamiert, eine Kundmachung über die Einsetzung einer provisorischen Staatsregierung und eine Regierungserklärung sowie weitere Verfassungsgesetze veröffentlicht. Ebenfalls am 1. Mai wurden weitere wichtige Verfassungsgesetze beschlossen. Am 14. Juli wurden die für die Arbeit der Stadt Wien nötigen Gesetze kundgemacht. Am 30. August ist im Staatsgesetzblatt das 134. Gesetz zur Wiederherstellung des österreichischen Beamtentums veröffentlicht, usw.

Von der Moskauer Deklaration am 1. November 1943 an hatte es zahlreiche Diskussionen unter den Alliierten über die zukünftige Besetzung des Deutschen Reiches und auch Österreichs gegeben. Ab dem 23. April 1945 wurde nur noch über die Rückkehr von Wien in den Grenzen vor 1938 oder über Änderungen verhandelt. Die komplizierten und langwierigen Verhandlungen führten ab September zu konkreten Regelungen zwischen den vier Besatzungsgruppen um die politische und wirtschaftliche Ordnung nach dem Krieg zu etablieren: Ab 1. September wurden in Wien vier Besatzungszonen (Sektoren) eingerichtet. Die Bezirke 2, 4, 10, 20, 21 und 22 bildeten den sowjetischen Sektor, die Bezirke 7, 8, 9, 17, 18 und 19 den US-amerikanischen, die Bezirke 6, 14, 15 und 16 den französischen und die Bezirke 3, 5, 11, 12 und 13 den britischen Sektor. Die Verwaltung der übrigen Bezirke Wiens aus der NS-Zeit (23 bis 26) erfolgte wie Niederösterreich als Sowjetzonen. Die endgültigen Grenzen Wiens wurde erst 1954 rechtskräftig.

Hietzing wurde also britische Besatzungszone. Der britische Hochkommissar hatte seine Residenz vorerst in der Villa Blum/Heinkel (später Agrar- und umweltpädagogische Hochschule in der Angermayergasse), die Besatzungssoldaten zogen in die „Schönbrunn Barracks“ (heute Maria Theresien Kaserne) ein, die britische Militärkommandantur beschlagnahmte das Schloss Schönbrunn.

Seitens der Amerikanischen Besatzungstruppen traf am 22. Juli 1945 eine Abteilung der MP (Military Police) Company in Wien ein, die an den Stadteinfahrten und an anderen wichtigen Punkten Posten, meist in Form von Kiosken errichteten. Ein solcher Kiosk stand in Hietzing an der Wientalstraße/Kastanienallee-Hofjagdstraße, der am 1. Juli 1951 aufgelassen wurde.

Von der Britischen Militärpolizei wurde ein solcher Posten in der Speisinger Straße 109 (Linienamt) eingerichtet.

Die schwierige Verwaltungsarbeit in den Wiener Bezirken

Das gesamte Stadtgebiet war aus der NS-Zeit seit 1938 in 26 Gemeindebezirke gegliedert, die sich von der früheren Verwaltung stark unterschieden. Der Österreichische Beschluss auf Neuordnung wurde aber wegen des Einspruchs der Sowjets verhindert, die NS-Grenzen mussten weiter bestehen bleiben.

Nach der Einnahme Wiens durch die Sowjettruppen wurden von den Ortskommandanten für alle 26 Bezirke Bezirksvorsteher (Bezirksbürgermeister) und teilweise auch Stellvertreter ernannt. Bei ihnen lag das Schwergewicht der örtlichen Verwaltung. Sie waren in erster Linie der Besatzungsbehörde verantwortlich. Diese war bis zum Sommer ausschließlich das Militär der Roten Armee. Inmitten des kaum übersehbaren Chaos waren diese Bezirksbürgermeister aber die ersten Organe der öffentlichen Ordnung. Ihre „Amtshandlungen“ hatten mehr oder weniger den Charakter von Improvisationen. In Hietzing war Hans Mayer (KPÖ) im April 1945 zum Bezirksvorsteher ernannt worden, über ihn und seine organisatorischen Fähigkeiten und Aktivitäten ist nichts bekannt.

Mit dem von der Stadt Wien und der sowjetischen Besatzungsmacht vereinbarten Wiener Verfassungs-Überleitungsgesetzes vom 10. Juli 1945 (St.G.Bl.Nr. 67/1945), das die Wiener Stadtverfassung von 1931 wieder in Kraft setzte, wurden die Kompetenzen von Bezirksamt und Bezirksvorstehung festgeschrieben und eine halbwegs „normale“ Verwaltung ermöglicht.

Nach entsprechenden Verhandlungen und nach Genehmigung durch den sowjetischen Stadtkommandanten wurden durch den Wiener Bürgermeister pro Bezirk (ursprünglich wren es 21 Bezirke) je ein Bezirksvorsteher (11 SPÖ, 7 KPÖ, 3 ÖVP) und je zwei Stellvertreter berufen. Die von der sowjetischen Besatzungsmacht im April eingesetzten Bezirksvorsteher verloren damit ihre Funktion.

In Hietzing wurde mit Wirksamkeit 24. Juli 1945 Anton Figl (SPÖ) Bezirksvorsteher,  Josef Cudlin (ÖVP) 1. Stellvertreter und Rudolf Liebreich (KPÖ) 2. Stellvertreter. Zur 1. (provisorischen) Bezirksrätesitzung am 14. August 1945 wurden die (provisorischen) Bezirksräte der drei Parteien ohne Stimmrecht eingeladen.

Ab 1. September 1945 wurden von den Alliierten in Wien die vier Besatzungszonen eingerichtet. Die „Vier im Jeep“ wurden dann zum Schlagwort für die gemeinsame Verwaltung der Alliierten. Mit dieser Regelung wurde Hietzing zur britischen Besatzungszone (wie auch der 3., 5., 11. und 12. Bezirk), der Nachbarbezirk Penzing wurde französisch und Liesing wie ganz Niederösterreich sowjetisch.

Der britische Hochkommissar hatte seine Residenz vorerst in der Villa Blum/Heinkel (Agrar- und umweltpädagogische Hochschule in der Angermayergasse),
die Besatzungssoldaten zogen in die „Schönbrunn Barracks“ (Maria-Theresien-Kaserne) ein, die britische Militärkommandantur hatte das Schloss Schönbrunn beschlagnahmt.

Die Österreichische Freiheitsfront

In Hietzing hatte es im April 1945 eine besondere Situation gegeben. In der Broschüre „Hietzing – Vergangenheit und Gegenwart“ aus dem Jahr 1973 (die Autoren waren Erhard Dollinger und Theodor Perhab, Herausgeber Bezirksvorstehung für den 13. Bezirk) wird die kritische Situation für die Bevölkerung anschaulich dargestellt. In dieser gesetzlosen Zeit, in der Recht und Ordnung „auf dem Boden lagen“ und die Furcht regierte, gab es in allen Bezirksteilen Personen, die begannen, Ordnung, Freiheit und Menschenwürde wieder herzustellen. In der Broschüre wird das am Beispiel Hackings gezeigt.

Drei Männer, Robert Nissl, Carl Fuld und Karl Pernhaupt, jeder von ihnen mit einer anderen Weltanschauung, schlossen sich zusammen und gründeten unter den Augen der sowjetischen Militärbehörde die „Österreichische Freiheitsfront“, mit dem Sitz in der Auhofstraße 196. Eine von ihnen durchgeführte Bestandsaufnahme ergab, dass die Hackinger Bevölkerung rund 2000 Personen umfasste. Mit den in den Lebensmittelgeschäften vorgefundenen Lebensmitteln konnten fürs erste in einer Sonderaktion gerade noch Kleinkinder, Schwangere und Wöchnerinnen versorgt werden.

Herr Nissl, Kopf des Unternehmens, übernahm das Wohnungsreferat. Herr Pirker wurde als Wirtschaftsreferent und Herr Pernhaupt als Selbstschutzreferent eingesetzt. In der genannten Broschüre wird konkret über die Versorgung der Bevölkerung berichtet, auch wie es weiter ging und über hilfreiche Pferde.
Allerdings wird nicht verraten, woher die Pferde kamen.

In den Wiener Geschichtsblättern 30. Jg. 1975, Heft 3 Seite 228 berichtet  Felix Czeike über den April und den  Mai 1945 in Wien. Über den 2. Mai wird von einem Bericht der Bezirksleitung der „Hietzinger Freiheitsfront“ an Bürgermeister Körner berichtet. Sie setze eigene bewaffnete Selbstschutzstreifen ein. In Zusammenarbeit mit dem Ortskommandanten des 13. Bezirkes habe sie 12 Sektionen gebildet, deren Tätigkeit einheitlich festgelegt wurde (polizeiliche und wirtschaftliche Maßnahmen sowie Sicherheitsdienste). Eine Reaktion des Bürgermeisters auf diese Maßnahmen ist nicht bekannt.

Am 29. Mai 1945 erfolgte die Schlusssitzung der „Österreichischen Freiheitsfront Hacking“.

Bezirksvorsteher Josef Cudlin

Josef Cudlin (* 28. Dezember 1878, † 19. Juni 1959) war von 1934 bis 1938 und vom 16. April 1946 bis 4. Mai 1950 Bezirksvorsteher für Hietzing. Nach ihm ist der Josef-Cudlin-Hof in 13, Wattmanngasse 26 benannt.

Josef Cudlin war eine anerkannte Persönlichkeit. Er war der letzte Bezirksvorsteher in Hietzing vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1938. Nach dem Weltkrieg 1945 wurde er in die erste provisorische Bezirksvertretung berufen; Bezirksvorsteher wurde für die neu gegründete SPÖ Anton Figl, Stellvertreter Josef Cudlin (ÖVP) und für die KPÖ Rudolf Liebreich. Die 1. Bezirksrätesitzung war am 14. August 1945.

Die erste Gemeinderatswahl wurde in Wien am 25. November 1945 durchgeführt.
Da aber noch keine Bezirksvertretungswahlen stattgefunden haben, wurden die Bezirksvorsteher und Stellvertreter entsprechend dem Wahlergebnis der Landtags- und Gemeinderatswahlen über Vorschlag des Stadtsenates vom Bürgermeister neu bestellt und am 16. April 1946 angelobt.

Die Bezirksvertretung Hietzings von 1946 bis 1949

Hietzinger Bezirksvorsteher war wieder Josef Cudlin (ÖVP) und Bezirksvorsteherstellvertreter Franz Babor (SPÖ). Weiters wurden vom Bürgermeister aufgrund von Vorschlägen der Parteien entsprechend dem Wahlergebnis zum Gemeinderat 28 provisorische Bezirksräte je Bezirk ernannt. Ihre Angelobung erfolgte am 14. Juni 1946. Die erste Bezirksratsitzung der neuen Vertretung war in Hietzing am 3. Juli 1946.

Bezirksvorsteher Josef Cudlin hielt eine Begrüßungsansprache, die sich mit der langjährigen Unterdrückung durch die Nationalsozialisten befasste und dankte den Siegermächten für die Befreiung. Er informiert die Bezirksräte über ihre Aufgaben und hoffte auf eine gute Zusammenarbeit. In den weiteren Sitzungen wurden zahlreiche Probleme und erforderliche Aktivitäten besprochen, die nach den Kriegsereignissen wichtig waren, und es blieben es zahlreiche ungelöste Fragen.

Zu den besprochenen Problemen der „Nachkriegszeit“ gehörten die Schäden an öffentlichen und privaten Gebäuden, Straßen- und Verkehrsfragen, die Beleuchtung und die Schneeräumung. Informationen über Gesundheitsverhältnisse und Brennstoffe für die Haushalte waren ständige Themen, wie auch sanitäre Überstände, Müllabfuhr, Wasserversorgung und Kanalisation. Ebenso Probleme in den Schulen.

Am 22. August 1947 brach eine Kinderlähmungsepidemie aus, der Schulbeginn wurde auf Ende September verschoben.

Am 14. Mai 1946 wurde im Zusammenhang mit zahlreichen Änderungen von NS-Benennungen anstatt der Georg-Ritter-von-Schönerer-Gasse die Kardinal-Piffl-Gasse in Wien-Hietzing, benannt. Dr. Friedrich Gustav Piffl, (* 1864, † 1932) war Erzbischof der Erzdiözese Wien. Er hatte sich in der Zwischenkriegszeit vor allem für den Aufbau der Caritashilfe und der Förderung der „Katholischen Aktion" eingesetzt. Auch die Gründung des international renommierten Österreichischen Seelsorgeinstituts fiel in seine Amtszeit. Dieses Institut besteht bis heute und heißt nunmehr Österreichisches Pastoralinstitut.

In die Periode dieser Bezirksvertretung fielen auch etliche Errungenschaften im gesellschaftlichen Leben. Dazu zählten die Gründung eines Vereines in der SAT (Siedlung Auhofer Trennstück) mit Namen „Volkshochschule Hietzing“ am 13. Jänner 1947 und die Wiedereröffnung der Speisinger Badenanstalt im April 1947.

Das Speisinger Bad in der Feldkellergasse 24 / Bergheidengasse war während des Krieg gesperrt und auch teilweise beschädigt worden. Durch die Familie Fischer wurde es wieder eröffnet. 1875 war es vom „Realitätenbesitzer“ Carl Chini als „Speisinger Badeanstalt“ errichtet worden. Sie hatte zwei Becken, eines für Damen und eines für Herren. Über eine Vorwärmanlage wurde das Wasser aus einem Brunnen den Bassins zugeleitet. Erst später durfte für das Bad Hochquellenwasser  vom Speicher der 1. Wiener Hochquellenleitung am Rosenhügel (Fertigstellung 1873) verwendet werden. Das Speisinger Bad gab es bis 1960, anstelle des früheren Vorwärmbeckens besaß es eine große Liegewiese, die bis an den letzten großen Speisinger Bauernhof der Familie Gegenbauer heranreichte. Heute stehen dort große Wohnbauten.

Im September wurde berichtet, dass im Bezirk 51 Bombentrichter zugeschüttet bzw. planiert wurden. Am 10. September wurde die Errichtung von Schulräumen im ehemaligen Försterhaus Lainz geplant.

Am 12. Jänner 1948 beschlagnahmte die russische Besatzungsmacht die Hermesvilla. Der Lainzer Tiergarten zählte noch zu Niederösterreich und daher zur Sowjetzone.

Am 19. März 1948 um 22.20 Uhr erfolgte ein Sprengstoffanschlag auf das Englische Offiziersquartier im Parkhotel Schönbrunn, während im großen Saal eine Tanzveranstaltung im Gange war. Eine Person wurde getötet, 11 Personen wurden verletzt. Die Explosion ereignete sich unter einem kleinen Büro des Leiters des Hotelbetriebes, die Tote war die Sekretärin. Im Gebäude und auch in Nachbargebäuden gab es große Verwüstungen. Der Attentäter soll ein am 10. März nach Wien gekommenes Mitglied der Organisation „Gordonia Macabi Hazai“ gewesen sein. Weitere Untersuchungsergebnisse wurden nicht bekannt gemacht.

Am 31. Mai 1948 stellte das Britische Hauptquartier das Schloss Schönbrunn der österreichischen Regierung zurück. Am 29. Juli wurde es gänzlich freigegeben und am 4. September wurden die Schauräume im Schloss wiedereröffnet.

Das Barackenlager Auhof

Das „Auhoflager“ wurde am 13. Oktober 1948 geräumt und die noch vorhandenen Bewohner zum Großteil im früheren Hackinger Schloss untergebracht. Das Lager Auhof für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der nationalsozialistischen Zeit befand sich von 1944 bis 1945 im heutigen Industriezentrum Auhof, unmittelbar an der Auffahrt der A 1 (Westautobahn) gelegen. Bis Kriegsende waren dort neben anderen mehrere serbische Zwangsarbeiter untergebracht, die zwischendurch aber auch im Arbeitserziehungslager (AEL) Oberlanzendorf der Wiener Gestapo inhaftiert waren. Als Arbeitseinsätze wurden Räumungsarbeiten nach Bombardierungen genannt, wobei es dabei offenbar auch um speziell gefährliches Bergen von Blindgängern ging. Nach 1945 war es als Flüchtlingslager Auhof in Verwendung.

Im Zusammenhang mit dem Zwangsarbeiterlager stand eine Barackenkaserne aus dem Ersten Weltkrieg, die 1939 von der Deutschen Luftwaffe beschlagnahmt worden war.

Die Sprungschanze am Himmelhof

Im Jahr 1948 beschloss die Ski Union Wien, dass es Zeit war, eine Skisprungschanze in Stadtnähe zu bauen. Mit tatkräftiger Hilfe des Ober St. Veiter Skiclubs wurde die Schanze von freiwilligen Mitarbeitern erbaut. Der Anlaufturm war 10 Meter hoch, die Schanze selbst sollte 40-Meter Sprünge erlauben. Der Schanzenrekord sollte später bei 46 Metern liegen.

Der Bau der Schanze war für heutige Verhältnisse abenteuerlich: sämtliche Baumaterialien mussten ohne technische Hilfsmittel an die Baustelle transportiert werden. Die nächste Straße war etwa einen halben Kilometer entfernt und es mussten etwa 100 Höhenmeter zurückgelegt werden. Schlussendlich wurde die Skischanze dennoch im gleichen Jahr fertig gestellt.

Das erste Springen, ein inoffizielles Probespringen, fand am 1. Jänner 1949 statt. Der erste offizielle Wettbewerb, zu dem die Öffentlichkeit eingeladen wurde, war für den 9. Jänner 1949 angesetzt.

Anfang der 1970er-Jahre musste die Schanze wegen eines ersten Brandes repariert werden, 1973 wurde eine Generalsanierung beschlossen. 1978 fand das nächste Springen statt; im Training wurde dann der Schanzenrekord von 46 Metern aufgestellt.

Am 1. Juni 1980 brannte die Himmelhofschanze endgültig ab. Sie wurde nicht mehr aufgebaut.

Die Bezirksvertretung Hietzings von 1949 bis 1953

Am 25. März 1949 wurde der Hietzinger Dkfm. Richard Nathschläger zum Stadtrat für wirtschaftliche Angelegenheiten ernannt.

Am 12. April 1949 wurde Bezirksvorsteher Josef Cudlin mit der Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Er gründete im Bezirk die freiwillige Feuerwehr und die freiwillige Rettungsgesellschaft. Er war einer der ersten, die diese am 18. Februar 1949 vom Gemeinderat gestiftete Auszeichnung erhielt.

Im Rahmen des neu gegründeten Krankenhauses des Landes Niederösterreich auf dem Gelände des heutigen Orthopädischen Spitals wurde im Juni mit schwedischer Unterstützung auch das Kinderspital „Göteborghaus“ und die Kinderkrankenpflegeschule eröffnet. Später übersiedelten das NÖ-Krankenhaus und die Schwesternschule nach Mödling

Obwohl sich die Funktionsdauer des Wiener Gemeinderates noch bis November 1950 erstreckte, wurde die Wahl des Wiener Gemeinderates auf den 9. Oktober 1949 (2. Nationalratswahl) vorverlegt, um sich für 1950 Wahlkosten zu ersparen. Aus verschiedenen politischen Umständen war im Jahr 1949 aber nur eine Gemeinderatswahl möglich, die sich nicht auf Bezirksvertretungen bezog. Daher blieben die Zusammensetzung der Bezirksvertretung und die Funktionsdauer zunächst unverändert. Erst 1950 erfolgte auf Vorschlag der politischen Parteien durch den Bürgermeister eine Anpassung der Bezirksergebnisse an die der Gemeinderatswahl.

Aufgrund der ungewöhnlichen Situation, dass die Bezirksvertretungswahlen nicht gleichzeitig mit den Gemeinderatswahlen stattfinden konnten, wurde in der Zeit vom 13. Mai bis 17. Juni 1950 eine Anzahl von provisorischen Bezirksräten auf Vorschlag der politischen Parteien vom Bürgermeister abberufen und mit gleichzeitiger Anpassung an die Bezirksergebnisse der Gemeinderatswahl 1949 die notwendige Anzahl am 4. Mai 1950 neu bestellt. Bezirksvorsteher Josef Cudlin übergab an diesem Tag seine Funktion an Otmar Hassenberger (ÖVP). Am 13. Mai wurde Otmar Hassenberger von Bürgermeister Körner als neuer Bezirksvorsteher eingeführt.

Am 28. Juni 1950 gab es eine außerordentliche Sitzung der Bezirksräte. Bezirksvorsteher Hassenberger brachte die Erklärung der Stadtverwaltung über die Umstände zur Kenntnis, die zu den letzten politischen Vorgängen geführt haben. Anschließend erfolgte die Vereidigung der neu ernannten provisorischen Bezirksräte.

Am 6. September 1950 berichtete BV Hassenberger über die Vorbereitungen zur Errichtung eines Heimatmuseums.

Am 31. Dezember 1950 starb Bundespräsident Dr. Karl Renner kurz nach Erreichung seines 80. Geburtstages.

Am 7. März 1951 begann das englische Militär mit der Errichtung eines Rollfeldes für einen Flugplatz am Küniglberg.

Am 4. April 1951 wurde die Stadtplanungskommission gegründet, der auch der für die städtischen Unternehmungen zuständige Stadtrat Dkfm. Richard Nathschläger aus Hietzing angehörte.

Am 19. April 1951 entstand der Hietzinger Museumsverein (gemäß Vereinsregisterauszug – ursprünglich Verein „Hietzinger Heimatmuseum“)

Die ersten Wiener Festwochen fanden auch in Hietzing von Ende Mai bis Mitte Juni statt.

Am 27. Mai 1951 wurde der bisherige Wiener Bürgermeister Theodor Körner als Bundespräsident angelobt.

Am 31. Mai 1951 fand die feierliche Eröffnung des städtischen Schwesternheimes in der Jagdschloßgasse statt.

Am 22. Juni 1951 wurde Franz Jonas neuer Bürgermeister von Wien.

Am 7. November 1951 waren die in den letzten Kriegstagen dem Amtshaus zugefügten schweren Bombenschäden im Wesentlichen beseitigt.

Am 26. April 1952 wurde die Pummerin über die Bundesstraße 1/Hackinger Kai – Auhofstraße – Hietzinger Hauptstraße – Schönbrunner Schloßstraße nach Wien zum Stephansdom gebracht. Vor dem Schloss Schönbrunn wurde sie offiziell in Wien begrüßt

Vom 1. bis 10 Juli 1952 veranstaltete die Sozialistische Internationale im Hörndlwald ein JUSY-Camp (International Union of Socialist Youth), an dem 32.000 Teilnehmer aus 35 Ländern teilnahmen.

Am 25. Oktober 1952 wurde das Umspannwerk Wien-West nächst Auhof eröffnet und in Betrieb genommen.

Am 3. Dezember fand im Festsaal des Amtshauses eine Ausstellung der bisher für das „Hietzinger Heimatmuseum“ gesammelten Spenden und Leihgaben statt.

1953 gab es beim Schispringen am Himmelhof die bis dahin größte Zuschauerschar mit 20.000 Sportbegeisterten. In den nächsten Jahren fanden – mit wechselndem Zuschauerinteresse – bei ausreichender Schneelage ca. 60 Sprungveranstaltungen statt. Es nahmen Springer aus allen Bundesländern teil, darunter spätere Olympiasieger und WM Teilnehmer.

Vom 31. Mai bis 21. Juni 1953 fanden wieder die Wiener Festwochen statt.

Am 6. Juli 1953 verstarb Bezirksvorsteher Otmar Hassenberger überraschend an einem Herzschlag. Das Begräbnis fand am 14. Juli 1953 am Ober St. Veiter Friedhof statt. Am 11. August 1953 wurde Ernst Florian als sein Nachfolger zum Bezirksvorsteher bestellt.

In der Öffnungszeit des Lainzer Tiergartens vom 30. März bis 25. Oktober 1953 haben insgesamt 177.000 Personen, darunter 36.000 Kinder das Naturparadies besucht

Am 21. November 1953 beschloss der Gemeinderat das Wohnbauprogramm und den verstärkten Schutz des Wald- und Wiesengürtels.

Die Bezirksvertretung Hietzings von 1954 bis 1959

Unter Bezirksvorsteher Ernst Florian

Am 26. April 1954 gab die britische Besatzungsmacht das Parkhotel (bis dato Offizierscasino) frei.

Die Wiener Festwochen fanden von 19. Mai bis 20. Juni 1954 statt.

Am 4. Mai 1954 wurde das Hietzinger Heimatmuseum in zwei Räumen des Amtshauses durch Bürgermeister Franz Jonas eröffnet. Nach intensiver Sammlungstätigkeit in der Bevölkerung konnte das Museum 1961 in das ehemalige Schulgebäude der Volksschule Hietzing Am Platz 2 übersiedeln.

Groß-Wien 1938-1954: Bei der Schaffung von „Groß-Wien“ im Jahre 1938 wurde die Anzahl der Bezirke von 21 auf 26 ausgeweitet. Diese nationalsozialistische Gebietserweiterung Wiens war ein wesentlicher Diskussionspunkt ab 1945. Mit Landesgesetz vom 26. Juli 1946 sollte ein Teil der Gebietserweiterung rückgängig gemacht werden, war aber am Veto der Sowjets gescheitert. Erst am 23. Juni 1954 konnte das Gebietsänderungsgesetz publiziert werden und trat am 1. September 1954 in Kraft, ebenso die neuen Bezirksgrenzen. Die Bezirksteilung 1938 von Hietzing (der nördlich des Wienflusses gelegene Teil wurde als 14. Bezirk vom 13. abgetrennt) wurde zwar nicht rückgängig gemacht, jedoch wurden Teile von Mauer und Rosenhügel und des Lainzer Tiergartens dem 13. Bezirk zugeschlagen.

Am 17. Oktober 1954 konnten zum ersten Mal seit 1932 Bezirksvertretungswahlen stattfinden, es gab daher wieder direkt von der Bevölkerung gewählte Bezirksvertretungen in Wien, da vorher nach 1945 Bezirksvorsteher und Bezirksräte aufgrund des Gemeinderatsergebnisses vom Bürgermeister bestellt wurden.

Am 30. November 1954 war der äthiopische Kaiser Haile Selassie zum Staatsbesuch in Wien und besichtigte das Schloss Schönbrunn.

Am 20. Dezember 1954 konstituierte sich die seit 1932 zum ersten Mal frei gewählte Bezirksvertretung Hietzing. Ernst Florian (ÖVP) wurde Bezirksvorsteher, Bezirksvorsteher-Stellvertreter (SPÖ) wurde Josef Fischer. Die Wahlen erfolgten einstimmig.

Am 6. Mai 1955 gab die britische Besatzungseinheit gab die 19.170 Quadratmeter große Rollbahn am Küniglberg an Beamte der österreichischen Verwaltung (Vertreter des Wiener Magistrats) zurück. Das gesamte Gebiet des Küniglberges war somit von der britischen Besatzung geräumt.

Am 15. Mai 1955 wurde der Staatsvertrag im Belvedere unterzeichnet. „Österreich ist frei!“ Im Schloss Schönbrunn wurde ein großes Staatsbankett mit den vier Außenministern der Signatarstaaten veranstaltet. Der Staatsvertrag trat am 27. Juli 1955 in Kraft.

Am 26. September 1955 wurden die damaligen Schönbrunn Barracks/Fasangartenkaserne (heute Maria-Theresien-Kaserne) an das neu geschaffene österreichische Bundesheer übergeben.

Am 21. Oktober 1955 wurde das Bezirkseinteilungsgesetz von 1954 geändert,
die innerhalb der Tiergartenmauer gelegenen Teile der Katastralgemeinde Auhof bis zur nördlichen früheren Tiergartenmauer wurden dem XIII. Bezirk zugeschlagen. Das Gesetz trat am 1. Jänner 1956 in Kraft. Damit gehörte der gesamte Lainzer Tiergarten zu Hietzing, was von der Bezirksvertretung mehrfach beantragt worden war. In der Folge wurden einige Straßen der Siedlungen innerhalb des früheren Gebietes des Tiergartens westlich der Speisingerstraße wegen Doppelbezeichnungen in Wien umbenannt.

Am 26. Oktober 1955 wurde das Gesetz zur immerwährenden Neutralität Österreichs im Nationalrat beschlossen. Der letzte Akt zur Befreiung Österreichs.

Besondere Vorkommnisse in der Pfarre Lainz-Speising

Das Laientheater in der Pfarre Lainz-Speising 1948–1955

Während der nationalsozialistischen Diktatur war jede Jugendarbeit im kirchlichen Bereich und in den Pfarren sehr erschwert bzw. verboten. Theaterspielen war nur zur höheren Ehre des Regimes möglich. So war es kein Wunder, dass nach 1945 die vorher gewaltsam unterdrückte Spielfreude sich Bahn verschaffte, wo es möglich war.

Der Jesuitenorden besaß seit 1884 in Lainz das ehemalige Sommerschloss der gräflichen Familie Tige, das als Exerzitienhaus geführt wurde. 1945 wurde dem Orden auch die Betreuung der früheren Weltpriesterpfarre Lainz-Speising übertragen. Der Jugendkaplan P. Johannes Reiter förderte mit Unterstützung von Pfarrer P. Alfred Eberth die Ideen junger Pfarrmitglieder, ein Laientheater zu gründen. Ein geeigneter Raum war in den unbenützten alten Stallungen des ehemaligen Schlosses an der Jagdschloßgasse bald gefunden. Mit viel Elan gingen die Jugendlichen an die Arbeit. Der Raum wurde „Josefsaal“ genannt und entsprechend adaptiert, ca. 120 Zuschauer hatten Platz. Beim ersten Stück 1948 gab es noch keine Bühne, es wurde „zu ebener Erde“ gespielt, wie es Karl Gartler, der Hauptorganisator und Techniker des Ensembles, nannte. Schon im folgenden Jahr gelang es, eine Bühne zu errichten.

Karl Gartler baute aus einfachsten Hilfsmitteln die Bühneneinrichtung, die Kulissen und die Dekoration. Sogar eine „echte“ Theaterbeleuchtung mit selbstgebauten Wasserwiderständen, die ein langsames Ein- und Ausschalten der Beleuchtung ermöglichten, konstruierte er. Trotz der einfachen Bauweise gab es im Josefsaal nie einen Kurzschluss. Dieser passierte nur bei Aufführungen des Stückes „Die Geheimnisse der Heiligen Messe“ in der Pfarrkirche, als beim Tod Christi Blitze die Dramatik verstärken sollten, die durch Lichtbogen zwischen Kohlewiderständen erzeugt wurden. Wurden die Elektroden jedoch zu nahe beieinander oder zu lange in der Position gehalten, brannten die Sicherungen der Kirche durch, was zu ungewollten Pausen zwang.

Von 1948 bis 1955 wurden folgende Stücke gespielt:
Der Zerrissene (von Johann Nestroy)
Das Mädl aus der Vorstadt (ebenfalls von Nestroy)
Der unsterbliche Charles (von Margarethe Cordes)
Der alte Wang (Autor unbekannt)
Der Geizige (von Moliere)
Eine Frau mit Grundsätzen (von Hans Naderer)
Das unheilige Haus (ebenfalls von Naderer, dessen Stücke in der Nachkriegszeit
häufig von Laienbühnen gespielt wurden)
Die Geheimnisse der heiligen Messe (von Calderon de la Barca in der
Dramatisierung von Richard Kralik)

Nach den letzten beiden Stücken mussten die Theatervorführungen im Josefsaal eingestellt werden, da wegen der geplanten Neubauten des Jesuitenkollegs die Nebengebäude des Schosses abgebrochen werden sollten.

Das unheilige Haus von Hans Naderer erzielte schon in Innsbruck im Jahr 1948 einen großen Erfolg. Es war so ziemlich das einzige erfolgreiche Zeitstück der Nachkriegsjahre. Ein dramatisches Spiel um ein Kloster, das von recht unheiligen Gesellen besetzt gehalten wird und als Nonnenkloster wieder eingerichtet werden soll. In Konfrontationen zwischen zwei Welten der Moral steht Humanität am Prüfstand einer neuen Zeit des Friedens.

Die Geheimnisse der heiligen Messe von Calderon de la Barca ist eine Nachdichtung der Vorlage und Dramatisierung von Richard Kralik und mit selbst komponierten Melodien ausgestattet. "Die Geheimnisse der heiligen Messe von Calderon de la Barca" ist ein spirituelles Werk, das die Geheimnisse der Eucharistie und die Bedeutung der Heiligen Messe beleuchtet. Es ist eine Reflexion über das Opfer Christi und die Gegenwart Gottes in der Messe. Die Heilige Messe, die für viele Christen der Höhepunkt des Gottesdienstes ist, wird in diesem Werk als ein Wunder dargestellt, bei dem das Opfer von Golgatha immer wieder neu verwirklicht wird. Calderon de la Barca beschreibt die Messe als ein Mysterium der Passion Christi, die sich hier und jetzt auf Erden ereignet.

Glockenweihe für die Pfarrkirche Lainz-Speising am 13. November 1955

Von der nationalsozialistischen Staatsmacht wurden aus kriegsbedingten Gründen zwei Glocken der Lainzer Pfarrkirche entfernt und eingeschmolzen. Die erste bedeutende Leistung des neuen Pfarrers Karl Postruschnik war die Finanzierung von zwei neuen Glocken, die am 13. November 1955 geweiht und auf den Kirchturm hochgezogen wurden, eine besondere Attraktion. Am Samstag, den 12.November wurden die Glocken im Festwagen von 17 Uhr bis18 Uhr durch die Pfarre geführt. Um 18 Uhr war der erste Glockengruß der Jugend auf dem Kirchplatz.

Am Sonntag, den 13. November war um 15 Uhr die Glockenweihe und um 19 Uhr das erste gemeinsame Läuten aller vier Glocken. Für uns war das ein Erlebnis wie bei dem Empfang der Pummerin am 26. April 1952.

Übertragen von hojos
2025-06-28