Weihnachtsbescherung im Jahr 1949

Die vielleicht schönste Veranstaltung des Ober St. Veiter Männergesangvereines
21.12.1949

Am 21.Dezember 1949 veranstaltete der Ober-St. Veiter M.G.V. im Vereinsheim (Kasino) eine Weihnachtsbescherung für zwölf Kinder, die von drei Volksschulen über unser Ansuchen namhaft gemacht worden waren. Die Vorarbeiten hiefür erstreckten sich eigentlich auf das ganze Jahr. Doch die Hauptarbeiten wurden erst in den letzten Wochen geleistet und von Sangesbruder Hentsch in vorbildlicher Weise geleitet, wobei er von vielen Sangesbrüdern in uneigennütziger Weise unterstützt wurde. Es wurde gehämmert, gemalt, geschneidert, gestrickt, gepackt und geschnorrt, kurz, es war Hochbetrieb auf vollen Touren. Rund 3500 Schilling wurden aufgebracht, wovon etwa die Hälfte von den Vereinsmitgliedern im Laufe des Jahres durch den Klingelbeutel gesammelt wurde, die Sparer verzichteten auf die Zinsen, die andere Hälfte wurde durch Spenden von Privaten und Geschäftsleuten in Ober-St. Veit und Hacking aufgebracht. Ferner wurden sehr viele Sachspenden im Werte von über 1000 Schilling gegeben.

Endlich war er da, der von den Kindern ersehnte 21. Dezember. Diese versammelten sich um 19 Uhr, erhielten zuerst mit je einer Begleitperson ein reiches Nachtmahl. Als sie gegessen hatten, trat der Ehrenvorstand Reiß vor den Vorhang, um die Erschienenen zu begrüßen; er konnte auch die Vertreter der politischen Parteien, den Pfarrer und die Schulleiter der oberwähnten Schulen willkommen heißen. Die Lichter verlöschen, nur die flackernden Christbaumkerzen erhellen etwas das geheimnisvolle Dunkel. Langsam hebt sich der Vorhang und ein Bild von wunderbarer Schönheit zeigt sich den staunenden Augen. Wir sehen uns versetzt in eine herrliche Winterlandschaft im Hochgebirge, umsäumt von himmelragenden Bergriesen, zu ihren Füßen eingebettet ein einsames Gebirgsdörflein. Vorn auf der Bühne steht eine eisumkrustete Waldkapelle. In weiter Ferne läuten die Glocken in die sternenklare Nacht. Wie vom Himmel entsendet erscheint ein Engelein auf der Bühne und spricht den Prolog. Kaum sind die letzten Worte verklungen, ertönt wie aus höheren Sphären das: Stille Nacht, heilige Nacht, gesungen vom Ober-St. Veiter Männergesangverein hinter den Kulissen. Ein heiliger Weihnachtszauber senkt sich auf alle Herzen und auch in manchem harten Männerauge erglänzt verstohlen eine Träne. Noch unter dem Eindruck von dieser berückenden Stimmung tritt eine Gestalt in malerischer Kleidung, mit wallendem weißen Barte, der Weihnachtsmann, aus der Waldkapelle. Mit kindlicher Einfachheit versteht er die Herzen der Kinder gefangen zu nehmen und diese um sich zu scharen. Er ermahnt sie zu Fleiß, Gehorsam und Pflichterfüllung und lässt sich dies in die Hand versprechen. Auch die nicht zu beteilenden Kinder wurden mit kleinen Gaben bedacht. Es war so rührend, wie der Weihnachtsmann so einen kleinen Knirps auf seine Arme nahm, der mit bittenden Händen das Packerl nahm und den Weihnachtsmann am Barte zupfte. Hell leuchteten aller Kinder Augen und wie ein jubelndes Dankgebet schwang sich nun der Chor: „O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit“ zum Himmel empor und von weither ertönen wieder in klarer lacht die Weihnachtsglocken. Langsam senkt sich der Vorhang, alle waren erfüllt von dem alten und immer wieder neu beseligenden Zauber der heiligen Weihnachtszeit. Möge dieser selten schöne und erhebende Weihnachtsabend in allen Herzen jenen Widerhall finden, den der Chor der Engel einst zu Bethlehem der Menschheit verkündete: Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.

Mit dieser Feier, die wohl allen Teilnehmern unvergessen bleiben wird und von maßgebender Seite als die schönste Veranstaltung dieser Art bezeichnet wurde, schloss das Kalenderjahr 1949, und der Verein trat damit in jenen Zeitraum ein, in dem er auf eine achtzigjährige Tätigkeit zurückblicken kann.

Quellen:
Erzählt von Professor Neier, Mitglied des Ober St. Veiter Männergesangvereines

Eingestellt von hojos
im Dezenber 2022