Der Franz-Schmidt-Park

Eine kleine Zeitreise anlässlich der Übergabe des Franz-Schmidt-Parks und des Franz-Schmidt-Denkmals.
16.06.2005

Im Franziszeischen Kataster Plan aus dem Jahre 1819 hieß die örtliche Flur Linz Acker und trug kein einziges Gebäude sondern Wiesen, Äcker und viele Joch Weingärten. Dazwischen gab es Karrenwege.

Rund hundert Jahre vor der Erstellung dieses Planes, im Jahre 1713, wütete die Pest und Ober St. Veit war vergleichsweise stark betroffen. 208 Personen starben, 128 konnten geheilt werden. Die Pesttoten wurden an einer Stelle dieser Flur bestattet, die damals Kreuzwiese hieß. Eine zum Dank für das Ende der Pest aufgestellte Säule markierte diesen Platz bis ins Jahr 1896, dann wurde sie an einen anderen Ort versetzt, man sagt nach Hacking.

Als diese Pestsäule abhanden kam, war der ehemalige Seuchenfriedhof längst ein Park geworden und breite Wege führten an ihm vorbei. Die östliche Seite des Parks grenzte an die 1894 von Parkgasse in Ghelengasse umbenannte Straße (man erinnerte sich zurück an die Buchdrucker und Verleger Johann und Johann Peter von Ghelen). Eine andere Straße, die 1912 nach dem Hanswurst-Darsteller Gottfried Prehauser benannt wurde, trennte den Park vom 1913 errichteten Café-Restaurant „Hubertushof“ des Baumeisters Trillsam. Später wurde es vom Gastronomen Leupold betrieben, zwischen 1933 und 1936 wurde ein Teil zu Wohnungen umgebaut, der Gasthausbetrieb bestand eingeschränkt bis in die 50er Jahre, 1977 wurde das Gebäude abgerissen.
Der Hubertushof, einst südlich des heutigen Franz-Schmidt-Parks gelegen. © Bezirksmuseum Hietzing
Natürlich hatte die Gründerzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts schon vorher Gebäude in diese Gegend gebracht, z.B. das Landhaus Josef Weidmans weiter im Süden am Fuße des Gemeindeberges, das später zum Lindwurm werden sollte, oder das Haus in der Ghelengasse 13, das damals noch ebenerdig war und eine Meierei gewesen sein dürfte. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ließen dann mehrere Villen in der unmittelbaren Umgebung des Parks entstehen.

Der Park selbst hatte noch keinen Namen, für diejenigen, die sich weit zurück erinnern können, war er immer der „Beserlpark“. Beserlpark ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen kleinen, von Häusern umgebenen Park. Die Nutzung des Parks entsprach aber noch nicht der heute üblichen, schließlich war er nur von wenigen Häusern umgeben und überall erstreckte sich weites Grünland, das keinen Bedarf an gesonderten Schutz- oder Erholungszonen entstehen ließ. Eine Bank gab es dennoch. Häufiger benützt wurde sie aber erst, als sich im Park die Greißlerei der Frau Menzel und ein Paar Meter weiter oben an der Kreuzung Gehlengasse/Prehausergasse der Tabak-Kiosk des Herrn Streimelweger etablierte.
Der Kiosk der Frau Menzel im Park an der Ghelengasse (heute Franz-Schmidt-Park) © Bezirksmuseum Hietzing
Die Greißlerei Menzel war zunächst ein Holzbau und nach dem Krieg ein gemauertes Haus. Dorthin gingen viele um die täglichen Einkäufe oder schickten ihre Kinder. So ist es für Zeitgenossen zur verklärten Erinnerung geworden, als sie um Milch und Brot zur Menzel oder um die Zeitung zum Streimelweger geschickt wurden und als Lohn für die Mühe auch in eine kleine Leckerei investiert werden durfte. Auf der Parkbank wurde dann zum Beispiel der dünne Blechdeckel der Fru-Fru-Flasche abgenommen und diese mit dem mitgebrachten Löffel genussvoll geleert. Dabei konnte man auch ab und zu die Ankunft des Eiswagens verfolgen und zusehen, wie die faszinierenden Eisblöcke mit einem Haken aus dem Laderaum gezogen, auf die mit einem Jute­sack bedeckte Schulter gewuchtet und in das Geschäft getragen wurden. Dort kühlten sie in dem klobigen Eiskasten für ein paar Tage die verderblichen Lebensmittel.

Viele erinnern sich auch noch an die Blumen- und Gemüsegärtnerei des Herrn Havlicek. Sie war nach 1945 auf der Grünfläche mit dem Zugang aus der heutigen Schweizertalstraße entstanden und in den 60er Jahren wieder abgebrochen worden. Die Fläche wurde parzelliert und verbaut. Auch die Greißlerei verschwand wieder und der Kiosk des Herrn Streimelweger wurde 1977 gemeinsam mit dem Hubertushof abgerissen.

Die Verbauung rundherum wurde dichter und die Grünflächen weniger. Etliche der jüngeren „Dorf“bewohner werden sich daher erinnern, als Kind in diesen Park geführt und zwischen den Bäumen so manches Spiel gelehrt worden zu sein. Interessant war der krumme Baum, der in Reichhöhe der besorgten Mutter zum Klettern einlud. Aber er wurde bald zu krumm.

Im Jahre 1999 war es dann soweit, einen Großen der Musik zu ehren und für den „Beserlpark“ endete die Zeit der Namenlosigkeit. Gemäß Beschluss des Kulturausschusses der Gemeinde Wien vom 12.10.1999 sollte er den Namen Ernst-Krenek-Park erhalten. Die Witwe Kreneks lehnte diesen Ort jedoch ab und die Franz-Schmidt-Gesellschaft wurde aktiv. Die Bezirksvertretung Hietzing beschloss am 20.9.2000 einen Änderungsantrag, dem dann in der Sitzung des Kulturausschuss vom 11.1.2001 gefolgt wurde. Von da an hieß der Park Franz-Schmidt-Park. Bald gesellte sich zum Namen auch ein Denkmal.

Franz Schmidt (22. Dezember 1874 bis 11. Februar 1939) war 1896 bis 1911 Violoncellist der Wiener Philharmoniker. Er lehrte ab 1901 am Konservatorium und ab 1914 an der Akademie für Musik und darstellende Kunst, wo er später auch Rektor war. Er wohnte von 1905 bis 1909 in der Auhofstraße 145 und von 1912 bis 1922 in der Elßlergasse 26 und verkehrte häufig in der ehemaligen „Pessl“-Villa in der Ghelengasse 3. Dort musizierten regelmäßig bis 1937 Mitglieder der Wiener Philharmoniker gemeinsam mit Musikstudenten. Franz Schmidt übersiedelte später nach Perchtoldsdorf, wo er bis an sein Lebensende wohnte.

Am 16. Juni 2005 wurden der Franz-Schmidt-Park und das Franz-Schmidt-Denkmal feierlich übergeben. Eingerahmt von der Musik Franz Schmidts, die von Blechbläsern der Musikuniversität Wien eindrucksvoll intoniert wurde, sprachen Herr Bezirksvorsteher DI Heinz Gerstbach und der Präsident der Franz-Schmidt-Gesellschaft, Herr Dr. Wilhelm Sinkovicz die feierlichen Worte. Herr DI Gerstbach rückte die Verunglimpfungen zurecht, die Franz Schmidts Standfestigkeit gegenüber der Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus als zu gering werten. Es ist dies leider ein häufiger Vorwurf aus der Sicherheit des heutigen Rechtsstaates heraus. In wirtschaftlicher Not und unter enormem politischem Druck können aber nur Menschen mit Heldenmut oder prophetischen Fähigkeiten wirklich allen Forderungen widerstehen.

Herr Dr. Sinkovicz würdigte das beeindruckende Lebenswerk Franz Schmidts und schöpfte aus seinem reichen Wissen über diesen Künstler. Für Kurzweil sorgten Anekdoten aus Franz Schmidts Leben. Die Beeindruckendste, weil sein musikalisches Genie am anschaulichsten zeigende, war wohl der spontane Einsatz für den Rundfunk. Einer der wenigen Künstler, die Beethovens nahezu unspielbare Sonate für Hammerklavier (op. 111) spielen konnte, sollte dies „live“ (Aufzeichnungen gab es damals noch keine) für eine Radiosendung tun, erkrankte aber kurz vor dem Sendetermin. Hilfesuchend eilte der Verantwortliche in die Musikuniversität. Franz Schmidt unterbrach eine Vorlesung, begleitete den Mann zur Rundfunkstation und setzte sich ans Klavier. Er spielte das Stück tadellos aus dem Gedächtnis, um dann gleich wieder ohne weiteren Aufhebens zu seiner Vorlesung zurückzukehren. Hinzuzufügen ist noch, dass Franz Schmidts Hauptinstrument eigentlich das Violoncello war.
BV-Stv. Dorothea Drlik, Generalsekretärin der Franz-Schmidt-Gesellschaft Dr. Carmen Ottner, der Präsident der Franz-Schmidt-Gesellschaft Dr. Wilhelm Sinkovicz und BV DI Heinz Gerstbach während der Eröffnung des Franz-Schmidt-Parks.

Quellen:
Twaroch, Franz: Auch Grundbücher schreiben Geschichte.
Steinwandtner, Felix: Die Straßen Hietzings.

hojos
im August 2005

Spanisch Sprachschule