Anhang zur Pfarrchronik der Pfarre Ober St. Veit

Maria Koller hat die Ereignisse von 1933 bis 1966 aus ihrer Sicht festgehalten.
1933

Angefangen hat meine Tätigkeit in Ober St. Veit mit dem Eintritt in den Kirchenchor im Herbst 1933. Die Leitung hatte H. Prof. Dr. Georg Schöfecker. Viele schöne Aufführungen, aber auch mache frohe Stunde haben wir erlebt. Die Proben jeden Mittwoch Abend waren für alle Teilnehmer immer eine wirkliche Freude. Damals hatte ein Kirchenchor noch eine große Aufgabe. Jeden Sonntag um 10 Uhr das Asperges, Christmette, Christtag, Stephanietag, Silvesterandacht, Neujahrstag, Dreikönig, Maria Lichtmess (Kerzenweihe), Palmsonntag, alle Kartage, Ostersonn- und Montag, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag und -montag, Fronleichnam, Anbetungstag St. Vitus (wurde immer am Sonntag danach gefeiert), Peter und Paul, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen, Allerseelen, fast jedes Jahr eine Fastenweihestunde, (Die sieben Worte am Kreuz, Passion etc.) mehrere Maiandachten (Lauretanische Litanei, verschiedene Marienlieder) bei der Auferstehungsfeier das Alleluja von Händel, es war selbstverständlich, dass alle mittaten. Durch die Großzügigkeit des damaligen Provisors HH. Franz Meierhofer konnten einige große Messen, Theresienmesse, Kleine Orgelsolomesse, Diabellimesse, angeschafft und mit voller Orchesterbegleitung aufgeführt werden. Als Prof. Dr. Schöfecker, er war Professor im Theresianum, infolge der politischen Ereignisse ab 1941 den Chor nicht mehr leiten durfte, übernahm zuerst Dr. Karl Matz und nach dessen Tod Dir. Rudolf Böhm die Leitung. Kurze Zeit versuchte es auch HH. Pfarrer Georg Stur, aber da er die Chorproben unbedingt am Sonntag um 10 Uhr Vormittag haben wollte, war seine Leitung bald vorbei. An die Leistungen wie unter Prof. Dr. Schöfecker kamen wir nie wieder heran. Dazu kam auch, dass die männlichen Stimmen immer weniger wurden, da fast alle Herren zum Militärdienst eingezogen wurden. Die Proben waren immer in einer Schulklasse der Privatschule für Knaben im "Elisabethinum". Nachdem das Haus 1938 von der NSDAP beschlagnahmt worden war, hatten wir einen Raum, genannt das Vereinszimmer, in der Kaplanei zur Verfügung. Als Dir. Rudolf Böhm 1945 noch zum Volkssturm eingezogen wurde, kam durch Vermittlung von H. Pfarrer Stur ein auswärtiger Herr Lukas, aber unter dessen Leitung (Feldwebelton) verloren alle Mitglieder die Lust an den Proben, und der einst so schöne Kirchenchor nahm leider ein Ende.

Hochw. H. Kaplan Prof. Robert Schmid hielt im Vereinszimmer jede Woche einmal Bibelstunde für Erwachsene, die sehr gut besucht waren. Ende des Schuljahres 1939 waren auch diese zu Ende.

Im Mai 1938 übernahm ich anstelle der Schulschwestern (nach Beschlagnahme des Elisabethinums und Auflösung der Privatschule waren nur mehr einige Schwestern im Altersheim Schloss Ober St. Veit beschäftigt) die Mithilfe bei den Kindermessen am Sonntag um 11 Uhr. Sr. Bernada, die bis dahin die Kinder beaufsichtigte, war allen Ober St. Veitern ein bis heute nicht ersetzbarer Begriff. Diese Messe war immer sehr gut besucht, wir feierten fast immer eine Betsingmesse, Kinder und Erwachsene taten immer begeistert mit. 1944, als fast jeden Tag gegen Mittag Fliegeralarm gegeben wurde, wurde die Kindermesse auf 9 Uhr vorverlegt.

Von 1939 bis 1945 waren mit Ausnahme der Monate Juli und August jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr Seelsorgestunden in der Sakristei. Der Religionsunterricht war in der Schule abgeschafft, außerhalb der Kirche verboten. Die Sakristei, nicht sehr groß, war immer überfüllt, so brav kamen die Kinder. Auch Erstbeicht- und Erstkommunions- wie auch der Firmungsunterricht wurde hier abgehalten. In der Fastenzeit war jeden Samstag Kinderkreuzweg, im Mai jeden Samstag Kinder-Maiandacht. H. Kapl. Peter Leber, seit 1. September 1939 an der Pfarre und ich waren immer bei den Kindern. Auch die Jugendstunden, Dienstag für die Burschen, Donnerstag für die Mädchen, wurden in der Sakristei gehalten. Trotz der Verdunkelung kam immer eine größere Anzahl.

Da die Marianische Kongregation vorerst nicht aufgehoben wurde, konnte diese im Vereinszimmer im Pfarrhof abgehalten werden.

Als wir einmal eine Mädchenrunde in meiner Wohnung abhielten, eines der Mädchen musste zum Reichsarbeitsdienst, also war es eine gesellige Zusammenkunft, und auch H. Kapl. Leber kam, wurde dies von "freundlichen" Nachbarn aus dem gegenüberliegenden Haus bei der Gestapo als verbotene Zusammenkunft angezeigt. Nur die Vermittlung meines Hausherrn, der Ortsgruppenleiterstellvertreter war, schützte uns vor Unannehmlichkeiten.

Wie schwer damals Seelsorgearbeit war: Anlässlich einer Taufe meinte H. Kapl. Leber, die Eltern sollten doch die kirchliche Trauung nachholen, erhielt er eine Vorladung zur Gestapo und einen Verweis.

Bald nach Kriegsbeginn wurde der 2. Kaplan der Pfarre HH. Rudolf Hlous zum Militär als Sanitäter eingezogen, zuerst nach Polen, dann nach Frankreich, dann Russland bis Stalino. Während des Krieges waren also H. Dechant Pfarrer Karl Kaiser und H. Kaplan Leber die Seelsorger der Pfarre. Solange es ein Kirchenblatt gab, und dann als dieses eingestellt wurde, wurden verschiedene Kleinschriften anstelle eines Schriftenstandes, nach den Sonntagsgottesdiensten durch die Mitglieder der Mar. Kongregation angeboten und es fanden sich viele Abnehmer.

In diese Zeit fällt auch die Tätigkeit von P. Koloman Holzinger OSB. Aus dem Stift Kremsmünster war er zum Militärdienst eingezogen worden, seine freie Zeit verbrachte er bei einer bekannten Familie in der Auhofstraße und zelebrierte in unserer Kirche sehr oft die Kindermesse. Dadurch war er für Ober St. Veit ein Begriff geworden. Gegen Ende 1944 kam die Nachricht, P. Koloman sei bei Preßburg gefallen. Wir waren alle sehr traurig, was durch die große Teilnahme an dem für ihn gehaltenen Requiem bewiesen wurde. Aber wie viele solcher Meldungen erwies sich auch diese, Gott sei Dank, als unrichtig. Heute ist P. Koloman Abt im Stift Admont. Bei mehreren Besuchen konnten wir feststellen, dass P. Abt gerne an Ober St. Veit denkt. Leider muss ich diesem Bericht beifügen, dass der Hochwst. P. Abt Koloman im September 1978 im Alter von 53 Jahren plötzlich gestorben ist. Er wurde in der Frühe tot aufgefunden. Herzversagen.

Hochw. H. Pfarrer, Dechant Karl Kaiser hatte zu Lichtmess 1944 einen leichten Schlaganfall, von dem er sich leider nicht mehr erholten sollte. Am 13. August, einem Sonntag, gerade als in der Kirche bei der 8 Uhr Messe für ihn gebetet wurde, starb er. Bei dem Begräbnis nannte ihn Monsig. Gotthard Blümel, aus Unter St. Veit, "Karl den Gütigen". Er hat es in seiner stillen, ruhigen Art immer verstanden, auszugleichen. Oft sagte er: Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Fass voll Essig.

H. Kaplan Leber wurde Provisor, H. Hans Nebenführ kam als Kaplan. Dieser war wegen Abhörung eines "Feindsenders" lange eingesperrt gewesen. Mit Dezember 1944 wurde H.H. Pfarrer Georg Stur zum neuen Pfarrer ernannt. Er kam aber wegen der Bombenangriffe erst zu Lichtmess 1945 nach Ober St. Veit, bis zu dieser Zeit blieb er in Niederhollabrunn, seiner früheren Pfarre. Mit seiner Ankunft wurde H. Kapl. Nebenführ nach Liesing versetzt.

Schlimm wurde es im März 1945. Fast täglich Bombenalarm, doch wurde Ober St. Veit selbst immer noch verschont. Zu dieser Zeit begannen die ersten Flüchtlinge aus Ungarn durchzuziehen. Zu Fuß oder in Plachenwagen kamen die verzweifelten Menschen über die Wientalstraße weiter nach Westen. Am 12. März 1945 erlebte Pfarrer Stur einen Bombenangriff in der Stadt. Er war im Luftschutzkeller des Domes, als der Sakristeitrakt getroffen wurde. Gott sei Dank kam er nach einem mühevollen Weg gut nach Hause. Am 7. April fielen in der Auhofstraße die ersten Bomben in Ober St .Veit. Es gab Tote und Verletzte. Beim Fleischhauer Schütz in der Auhofstraße waren Leute um Fleisch angestellt. Es gab zu dieser Zeit keinen Alarm mehr. Plötzlich waren die Flieger im Tiefflug da. Eine Bombe fiel in die wartenden Menschen. Leo Breitenseer, ein braver Ministrant, wurde im Luftschutzkeller seines Elternhauses (Kinohaus) in der Auhofstraße erschlagen. In einem ungehobelten Sarg stand er in einem Nebenraum der Kirche (gleich beim Eingang, heute nicht mehr vorhanden), wir trugen ihn dann durch den Park hinunter zu einem Pferdefuhrwerk, das ihn zum Friedhof brachte. Viele Tote, Soldaten und Zivilisten, fremde und einheimische, wurden an Ort und Stelle begraben. Der kleine Park bei der Apotheke, die Trazerberggasse, damals noch nicht verbaut, in den Gärten der Häuser, überall gab es Gräber, der Friedhofsdienst war nicht möglich. Viele, die der Partei angehört hatten, begingen Selbstmord. Erst Monate nach ihrem Tod wurden alle diese Leichen aus den provisorischen Gräbern zum Friedhof gebracht.

Am Weißen Sonntag, 8. April 1945, kamen die Russen nach Ober St. Veit. Der Pfarrhof wurde sofort besetzt, die Wohnung des eingerückten Kaplans wurde Zentrale und Wohnung eines Majors. Gott sei Dank hatten wir einen besonderen Schutz. Sicher waren die vielen Andachten, immer mit Rosenkranz, zu denen Provisor Leber immer wieder aufforderte, Ursache des augenscheinlichen Schutzes. Die Wohnungen von Pfarrer und Kaplan, das Vereinszimmer, die Pfarrkanzlei, einmal sogar der Dachboden der Kirche, waren immer voll Frauen und Mädchen, die sich nicht in ihren Wohnungen zu bleiben getrauten. Gott sei Dank sind wir alle, trotzdem die Russen im Pfarrgarten und im Park auf dem Wolfrathplatz hausten und nicht immer nüchtern waren, alle ohne Schaden davongekommen. Leider war das nicht überall so. Im Josefsheim, Stock im Weg 1, wurde Hochw. H. Katechet Josef Hirsch, ein alter Priester, niedergeschlagen, als er sich schützend vor die Schwestern und Hausmädchen stellte. Er erreichte nur einen wochenlangen Spitalsaufenthalt in Lainz, den Frauen konnte er nicht helfen.

Als eine andere Abteilung Russen den Pfarrhof besetzte, waren zwei Offiziere, Wladimir und Boris dabei. Boris trank gerne viel und konnte sehr unangenehm werden. Wladimir war ein anständiger Mensch. Als er vom Pfarrhof in die Schweizertalstraße übersiedelte, schickte er jeden Abend eine Wache für den Pfarrhof. Dies hat sich einigemale als sehr nützlich erwiesen.

Eines Sonntags wurden alle Männer, die vom Gottesdienst kamen, auf dem Wolfrathplatz von den Russen geschnappt und zur Arbeit auf den Gleisen der Westbahn mitgenommen (Strecke zwischen Unter St. Veit und Hütteldorf). Darunter auch HH. Prof. Dr. Liener und mein Vater. Unsere Vorhaltungen, dass sie auch ältere und kranke Männer mitnahmen beantworteten sie mit Ansetzen der Maschinenpistole. Gott sei Dank kamen alle am Abend wieder gesund nach Hause. Bevor der nächste Gottesdienst begann, passten wir alle Männer schon weit vom Kirchenplatz entfernt ab. Alle, die nicht vorzogen, gleich nach Hause zu gehen, führten wir in der Firmiangasse 9 (besteht heute nicht mehr) in den Schlosspark und von dort auf den gemeinsamen Dachboden von Schloss und Kirche. Auf der Bodenstiege stehend, erlebten sie den Gottesdienst. Den gleichen Weg gingen sie zurück, die Russen haben nichts bemerkt.

Am Pfingstmontag 1945 machten wir unter Führung von Kapl. Leber eine Fußwallfahrt nach Maria Enzersdorf um für den bisherigen Schutz zu danken und um weiteren zu bitten. Viele Pfarrangehörigen beteiligten sich daran. Dieser Weg war ein Wagnis. Wir waren dauernd von Russen umgeben, und dann hatten wir in diesen Tagen fast nichts zu essen. Lebensmittelkarten gab es nicht, sie wären auch überflüssig gewesen, es war nichts da. Alle Geschäfte ausgeplündert. Teils von Russen, teils von der Bevölkerung. Zu Kriegsende war in der Schweizertalstraße im ehemaligen Gasthof Heinrichshof ein großes Lager von Knäckebrot vom Militär zurückgelassen worden. Für viele von uns war das die einzige Nahrung.

Kaum war der Krieg zu Ende, noch in Mai ging Kapl. Leber sofort wieder in die Schule. Viele Kinder traf er, die noch nicht getauft waren, viele, die schon in die Hauptschule gehen sollten, aber noch nicht bei der Erstbeicht- und Erstkommunion gewesen waren, es war kein Religionsunterricht gewesen. Es handelte sich um Kinder, die nie in einer Seelsorgestunde waren.

Ebenso war es mit den Firmlingen. Der Schulunterricht, verbunden mit vermehrten Seelsorgestunden waren daher sehr anstrengend. Als H. Katechet Hirsch von seinem Spitalsaufenthalt zurück kam, übernahm auch er trotz seines Alters Seelsorgestunden. 140 Erstkommunionkinder waren nichts besonderes. Gleichzeitig kamen viele, die 1938 aus der Kirche ausgetreten waren zur Wiederaufnahme, viele Trauungen mussten geordnet werden. Mehrmals in der Woche gab es den hiefür vorgeschriebenen Unterricht. Da für die Wiederaufnahmen und Ehesanierungen für jeden einzelnen Fall um eine Erlaubnis des e.b. Ordinariates angesucht werden musste, gab es auch viel Schreibarbeit. Viele Menschen nahmen es ernst, ohne über jemanden urteilen zu wollen, viele kamen aber nur, um ihre Zugehörigkeit zur NSDAP zu überdecken. "Ich bin ja trotz meines Austrittes ein guter Christ geblieben", konnte man oft hören, viele beriefen sich auf ihre Erziehung in einer "Klosterschule". Manche kamen und wollten den Taufnamen ihres Kindes, Hermann, Adolf etc. gestrichen haben und dafür einen anderen Namen bestimmen. Sie hätten es sich viel Geld kosten lassen. Nachzutragen wäre noch die Ausstellung vieler Dokumente in den Jahren 1938–39 zur Erlangung des Ariernachweises.

Mit 1. Juli 1945 wurde ich hauptamtliche Seelsorgehelferin (heute sagt man so schön Pastoralassistentin) an der Pfarre angestellt. Neben der Kanzleiarbeit inclus. Kirchenbeitrag und der Mithilfe bei den Seelsorgestunden und bei den Kindermessen, war die große Caritasarbeit. Durch die Caritaszentrale kamen die sogenannten "Carepackete", Spenden vom päpstlichen Hilfswerk und amerikanische Kleiderspenden. Oft waren teils sehr unangenehme, teils lustige Vorkommnisse, wenn z. B. bei einer Schuhspende lauter linke Schuhe kamen, die rechten waren weiß Gott wo. Ein Aufruf der Pfarrseelsorger, wer doch noch etwas zu entbehren habe, möge es für andere Geben, hatte einen großen Erfolg. Von der selbstverständlichen Hilfeleistung für andere kann man sich heute keine Vorstellung machen.

Manche Menschen hatten nur das, was sie am Leibe trugen, viele Wohnungen waren total ausgeplündert. Ober St. Veit hat viele schöne Häuser und Wohnungen und gutsituierte Bewohner. Die Russen hielten alle für "Kapitalisto" und räumten gründlich aus. Schmutzige Lastwagen, die Sitze voll Perserteppiche und Polstermöbel waren nicht selten. Was sie nicht mitnehmen konnten zerstörten sie. Diese Menschen zu erfassen und wenigstens mit dem Notwendigsten zu versorgen, musste erreicht werden. Der "Vinzenzverein" unter Leitung von Reg. Rat Rudolf Papak und Glasermeister Senk, und die schon vor dem Krieg mit Caritasarbeit in der Pfarre beschäftigten Damen: Dir. Stadlmann und Dir. Reitmeyer waren zu Beginn die ersten Helfer. Die neue Art und Last der Caritasarbeit erforderte mehr. Es wurde das sogenannte Monatsopfer eingeführt. Auf freiwilliger Basis verpflichtete man sich, jeden Monat eine bestimmte Summe für die Pfarrcaritas zu geben und die Jahre nach dem Krieg wurde das auch gut eingehalten. Die Damen: Papak, Banek, Kerres, Katzenschlager, Willim, Gruhs, Guggi und Krabichler führten unter der Leitung von Frau Brenner eine Nähstube, wo gespendete Sachen gerichtet, oder alten Leuten Näharbeiten abgenommen wurden. Besonders die Damen: Brenner, Papak und Banek waren jederzeit und zu jedem Einsatz bereit, unzählige Hausbesuche führten sie durch, um wirkliche Not zu erfassen.

Im November 1945 wurden zirka 1000 Bittbriefe an Pfarrangehörige versandt, damit wir Kohlen für die Weihnachtsaktion kaufen konnten Diese Aktion wurde jedes Jahr durchgeführt bis wieder normale Verhältnisse eingetreten sind. An alte, kranke oder kinderreiche Familien wurden vor den Weihnachtstagen bis zu 300 Lebensmittelpakete verteilt (ausländische Lebensmittelspenden oder mit der Geldaktion erworbene Lebensmittel). Die Pfarrjugend und die Pfadfinder unter Leitung von H. Machacek Hans waren die Überbringer. In den ersten Jahren nach dem Krieg hat sich niemand von der Hilfe ausgeschlossen, heute fast undenkbar. Für die Kinder bereiteten wir einige Tage vor Weihnachten eine Jause. Das Pfarrheim wurde weihnachtlich geschmückt, soweit dies eben möglich war. Jedes Kind bekam Kakao und ein großes Kipferl. Herr Bäckermeister Hugo Schwarz war ein wahrer Weihnachtsengel. Der Kinderseelsorger sprach zu den Kindern und sang mit ihnen Weihnachtslieder. Wir mussten die Kinder nach Schulklassen einteilen, es kamen so viele, dass sonst der Platz nicht ausgereicht hätte. Die eine Gruppe ging, die andere kam, wir wurden mit dem Geschirrwaschen nicht fertig. Man muss die Kinder gesehen haben, um zu verstehen, was es damals für ein Kind bedeutete, in einem warmen Raum etwas zu essen zu bekommen. Es war wenig, aber für die damalige Zeit etwas besonderes. 1945 besorgte die Haushälterin des Pfarrhofes, Fr Maria Ebner, und 1946 die Schulschwestern Cortona und Magdalena, die nach Kriegsende das verwüstete Elisabethinum wieder übernommen hatten und Hort und Kindergarten leiteten, das Kochen des Kakaos. Die 1946 eingestellte Kirchenbeamtin Fr. Antonie Fuchs tat bei allem fleißig mit. Unmittelbar nach Kriegsende kamen noch immer Menschen auf der Flucht aus der Batschka. Sie waren einige Zeit in einem Barackenlager heim Sportplatz Schrutkagasse untergebracht, ein anderer Teil in der Villa van Straten in der Schloßberggasse (Baracke und Schloss bestehen heute nicht mehr). Alte, Kranke, Eltern die ihre Kinder suchten, es war ein furchtbares Elend. Unter der Woche wurde für sie Gottesdienst gehalten, Sonntags wäre die Kirche zu klein gewesen. H. Kapl. Leber bemühte sich, diesen Leuten Mut, Trost und Gottvertrauen zu vermitteln. Was diese Menschen geweint und gebetet haben, muss man gesehen haben. Wir trugen alles, was wir nur erbetteln konnten, hin, Kleider, Decken, Lebensmittel, aber alles war viel zu wenig. Vor allem konnten wir ihnen kein zu Hause geben, sie mussten ja wieder weiter.

Fr. Irmgard Meyer wurde als Pfarrcaritasschwester angestellt und hat. vielen alten und kranken Menschen geholfen.

Im August 1945 kam H. Kapl. Hlous vom Krieg nach Hause (Polen, Frankreich, Russland bis Stalino). Auf dem Rückweg musste er furchtbares erlebt haben. Die letze Zeit war er in der CSSR, den Namen Prag konnte er nicht hören.

H. Kaplan Leber wurde mit 1 .Oktober 1945 nach Penzing versetzt. Schweren Herzens trennten sich Seelsorger und Gläubige. Die schwere Zeit hatte die Menschen mehr als sonst an ihren Seelsorger gebunden, haben sie doch so viel Leid und Schreckliches gemeinsam getragen.

Im März 1946 erschien das 1. Pfarrblatt nach dem Krieg. 3000 Stück wurden monatlich durch Helfer und Helferinnen, auch Pfadfinder und ein kleiner Teil per Post in die Häuser der Pfarre gebracht. Aus verschiedenen Bemerkungen konnten wir ersehen, dass die Leute Interesse daran hatten.

Im Mai 1946 wurde H. Kaplan Hlous durch Herrn Kaplan Matjeka abgelöst. 1948 kam H. Ferdinand Flesch dazu. Er war Flüchtling aus Ungarn. Ich weiß das Jahr nicht mehr genau, kam statt H. Flesch Herr Kaplan Fekete, ebenfalls ein Flüchtling nach dem Ungarnputsch 1956, an die Pfarre. Er tat sich sehr schwer, da er der deutschen Sprache fast nicht mächtig war.

1947 wurde vom e.b. Ordinariat angeordnet, dass jedes Dekanat eine Wallfahrt zum nächstgelegenen Marien Heiligtum durchführen solle. Die Pfarren Hütteldorf, Lainz und Ober St. Veit gingen am 15. November unter strömenden Regen nach Maria Brunn. Wer nur irgendwie konnte ging mit, trotz des schlechten Wetters. Ein Flüchtlingspriester predigte, nach seinen Ausführungen spürten wir den Regen nicht mehr, was war das gegenüber einem Flüchtlingserlebnis.

Über die Rückkehr unserer Glocken ist in der Pfarrchronik, so glaube ich, ein Bericht vorhanden.

Am 1. Mai 1950 begann die große Volksmission, gehalten von Salvatorianerpatres. Das Kreuz, welches heute auf dem Wolfrathplatz steht, war vor dem Unglücksjähr 1938 in der Schloßbergstrasse. Eines Nachts wurde es schwer beschädigt aufgefunden und in den Pfarrhof gebracht. Anlässlich der Mission wurde bei der Gemeinde Wien (der Park ist Gemeindegrund) angesucht, das Kreuz während der Mission auf dem Wolfrathplatz aufstellen zu dürfen. Nach gründlicher Renovierung durch Malermeister Giuliani, wurde es im Park aufgestellt, wo es sich bis heute befindet. Niemand hat verlangt, dass es entfernt wurde. Der Tag an dem die Mission anfing, war für uns ein sehr trauriger. Die Jugend unternahm ausgerechnet an diesem Tag mit Herrn Kaplan Flesch einen Ausflug auf den Schneeberg. Zwei Mädchen, Gerti Hillebrand und Martha Fickert, sonderten sich ab, trotzdem sie gewarnt wurden, rutschten zum Entsetzen aller aus, über ein Geröllfeld, wurden schwer verletzt und starben im Krankenhaus Neunkirchen.

Um auch etwas Erfreuliches zu berichten: 1946 begann Herr Kapl. Matjeka mit der Marianischen Kongregation eine Theatergruppe aufzubauen, die damals, es gab ja noch kein Fernsehen, von allen sehr begrüßt wurde.

Im Theatersaal in der Wittegasse (Kloster Unter St. Veit) haben wir von 1946 bis 1955 (Versetzung H. Kapl. Matjeka in die Pfarre Penzing) mehrmals im Jahr Aufführungen gehabt. Die Kongregation hatte auch Burschen und "Ehemänner" zur Gruppe eingeladen. Wenn wir mit einem Handwagerl unsere Kulissen etc. über die Hietzinger Hauptstraße in die Wittegasse brachten, wurden wir immer von den Leuten freudig begrüßt, es hieß "die Komödianten kommen wieder". Der Zusammenhalt dieser Gruppe war einmalig schön. Regie Kapl. Matjeka, technischer Berater und Beleuchter H. Ing. Benes, Kulissenbauer und oftmaliger Hauptdarsteller H. Max Wild, alle waren bereit, jede freie Minute zur Verfügung zu stellen. Wir konnten dadurch für die Pfarrcaritas und die Pfarrbibliothek, (der Leiter der Bibliothek H. Dr. Theo Stöhr war ebenfalls ein brillanter Darsteller) schöne Summen hereinbringen. Leider ist einer unserer Mitspieler, Bernhard Weber, bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Doppelt tragisch, er war aus einer Flüchtlingsfamilie, die eben daran war, hier neu anzufangen.

Über das Wiedererstehen der Pfarrbibliothek möge der nachfolgende Artikel berichten, den H. Dr.Theo Stöhr für das Pfarrblatt verfasste. Ohne die aufopfernde Tätigkeit des H. Dr. Stöhr, die bis heute anhält, wäre die Bibliothek nicht das geworden, was sie heute ist. Trotzdem er seit seiner Verehelichung in Baden wohnt, und trotz seiner Tätigkeit als Direktor der Parlamentsbibliothek ist er unermüdlich tätig. Besonders im Anfang, in den kleinen und feuchten Räumen in der Firmiangasse (ehemaliger Gemeindekotter) war die Arbeit besonders schwer, er hatte auch oft keine Mitarbeiter. In den schönen und hellen Räumen im neuen Pfarrhof ist die Arbeit doch etwas leichter.

Auszug aus den "Ober St. Veiter Pfarrnachrichten" 14. Jahrgang (1957) Nr. S 3: "Zum 10. Jahrestag der Wiedereröffnung der Volks- und Jugendbibliothek. 1947 begann der Leihbetrieb der Volks- und Jugendbibliothek, der 1939 nach mehr als 25 jähr. Tätigkeit eingestellt werden musste. Da die damaligen Bücherbestände zum größten Teil auf einem Lastwagen abtransportiert worden waren, musste ganz von vorne begonnen werden. Die Zahl der Bücher hatte in einer Schultasche Platz und mit dieser zog der damalige Bibliothekar Dr. Othmar Winkler, durch Ober St. Veit. Durch leihweise Überlassung und Buchspenden konnte die Zahl der Bücher vermehrt werden, sodass die Schultasche bald einem Kasten weichen musste, der durch das freundliche Entgegenkommen des Sekretärs des Vereines "Elisabethinum", Hr. Karl Musger, in einem Raum des Elisabethinums zur Verfügung gestellt wurde. Nun konnte mit einem geregelten Betrieb besonnen werden. Ursprünglich als Jugendbücherei gedacht, stellten sich bald auch Erwachsene ein, was die Berücksichtigung dieser Leserschicht bei Neueinstellungen erforderte. Doch war zunächst an Neuanschaffungen nicht zu denken und nur Spenden aus dem Leserkreis vermehrten die Bestände. Im Herbst 1948 gelang es, für die Bewohnerin der Bibliotheksräume in der Firmiangasse eine Wohnung zu erhalten, sodass am 3. Oktober, nach der Einweihung, der Leihbetrieb in den eigenen Räumen aufgenommen werden konnte. Unter rastloser Tätigkeit und unsäglicher Mühen der freiwilligen Helfer wurde das Werk fortgesetzt, nachdem der Wiedergründer kurz nach diesem Termin eine Bestellung an eine südamerikanische Universität erhielt.

Seit 1950 erlauben die Einnahmen eine geregelte Anschaffung neuer Bücher. Im gleichen Jahr den Vorkriegsstand, im Jahre 1954 die Zweitausender-Grenze überschritten. Dies alles trotz der niedrigen Leihgebühren, die neben Spenden die einzigen Einnahmen darstellen, da die Bücherei sonst keine Unterstützung erhält. Der weitere Ausbau und die Modernisierung des Buchbestandes ist auch weiterhin das Hauptanliegen der Büchereileitung. Seit etwa 3 Jahren ermöglichen uns einige Förderer durch ihren jährlichen Beitrag auch die neuesten und teueren Bücher. Im Mai des vorigen Jahres konnten wir unseren tausendsten eingeschriebenen Leser, eine Leserin, begrüßen und neben einer Jahreslesekarte einen Gutschein zum Kauf eines Buches im wert von S. 50.– übergeben. Darüberhinaus ermöglicht die Bücherei durch die jährlich veranstaltete Weihnachtsbuchausstellung allen, sich einen Überblick über den Büchermarkt zu verschaffen. Für die Mitglieder der Buchgemeinschaft "Welt und Heimat"(mit S. 7.– Monatsbeitrag, nicht nur die billigste, sondern mit einer Auswahlliste von 400 Buchtiteln auch die größte Buchgemeinschaft Österreichs) übernimmt die Bücherei auch die Betreuung. Um den gehorteten Bücherschätzen auch den entsprechenden Rahmen zu geben, wird seit 1 1/2 Jahren an der inneren und äußeren Ausgestaltung der Räumlichkeiten gearbeitet. Bisher wurden die Fenster und Türen gestrichen; im vergangenen Herbst wurde auf Anregung und unter Mitwirkung der Jugend, Hans Bischof und J. Langenberger, der Holzboden durch einen Betonboden ersetzt, wofür die Kosten in dankbarer Weise vom Verein Elisabethinum übernommen wurden. Der Bodenbelag kam durch die Fa. Medek, Meidling, und eine Spende von S. 1.000.– von H.H. Kardinal DDr. Franz König. Die Räumlichkeiten wurden im Sommer von H. Malermeister Giuliani unentgeltlich ausgeputzt. Nach der Fertigstellung des neuen Pfarrhofes 1962 konnte die Bücherei die neuen Räume Wolfrathplatz 1 beziehen". Soweit der Bericht von H. Dr. Theo Stöhr.

Der Wiener Madrigalchor ist im Pfarrheim Ober St. Veit entstanden, als Ober St. Veiter Madrigalchor. Unter der Leitung von Dr. Franz Xaver Meyer haben viele Jugendliche, die meisten aus der Pfarrjugend, die schweren Proben mit viel Begeisterung und Freude mitgemacht. Die weltweiten Konzertreisen, die der Chor schon unternommen hat, haben ihre Wurzeln im Ober St. Veiter Pfarrheim. Eine der Hauptstützen des Chores ist Clemens Papak. Der Leiter Dr. Xaver Meyer, Clemens Papak und noch viele andere Mitglieder des Chores waren in unseren Seelsorgestunden, viele Ehen nahmen ihren Anfang bei gemeinsamer Probearbeit. Da kein Kirchenchor mehr vorhanden war, übernahm der Madrigalchor an den großen Kirchenfesten die Gestaltung der Hochämter in der Pfarrkirche.

Ab 1948 wurde jedes Jahr ein "Pfarrball" abgehalten. Im Ottakringer Bräu und auch beim Weissen Engel. Der Besuch war jedesmal ein sehr guter. H. Kapl. Matjeka mit einigen Jugendlichen, besonders hervor gehoben sei Heinz Zettl, besorgten das "Mitternachtskabarett" obwohl der Ball jedesmal um 23 Uhr zu Ende war, damit die letzte Straßenbahn noch erreicht werden konnte. Dafür begann er aber auch schon um 16 Uhr.

Herr Pfarrer Georg Stur machte jedes Jahr ein oder zwei Autobusfahrten, die besonders von älteren Leuten, heute würde man Senioren sagen, sehr gerne mitgemacht wurden. Beim Aussteigen von der einen Fahrt wurde schon die Anmeldung für die nächste Fahrt vorgenommen.

Die Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche brachte viele Unruhe in den pfarrlichen Betrieb, aber auch hier halfen freiwillige Helfer – ganz besonders waren hervorzuheben die Pfadfinder unter ihrem unermüdlichen Leiter Hans Machacek – am Samstag die Kirche für den Sonntags Gottesdienst sauber zu machen. Die Kirche hatte keine Wasserleitung, das Wasser musste vom Pfarrhof in die Kirche hinaufgetragen werden.

Von Ostern 1938 bis 1948 hatte ich das Beten und Singen mit den Kindern bei den Kindermessen allein gemacht. Ab 1948 halfen abwechselnd Erna Reitmeyer, Max Wild und Ing. Karl Benes. Durch diese Mithilfe wurden H. Wild und H. Benes auch zu Lektoren. Auch bei Erstkommunion und Fronleichnam waren wir mit den Kindern beschäftigt. Damals gab es ja noch viele Kinder, bis zum Mittelgang war alles voll Kinder, nicht nur die Bänke.

1961 hieß es den alten Pfarrhof verlassen, er wurde abgerissen und ein modernes Haus gebaut. Über die Bauzeit war die Pfarrkanzlei, inkl. Kirchenbeitragskanzlei im Elisabethinum untergebracht. Herr Pfarrer Stur zog nach Unter St. Veit in seine Eigentumswohnung, tat aber weiterhin Dienst in der Pfarre. Das alte Haus war feucht und unbequem (es gehörte zu Maria Theresias Zeiten zum Schloss Ober St. Veit als Wirtschaftsgebäude), aber wir haben es doch schwer verlassen, zu vieles haben wir in diesen Mauern erlebt, besonders in den schweren Tagen der Nachkriegszeit. Leider ist auch nach außen hin durch den Neubau ein unersetzbares Stück Ober St. Veit verloren gegangen, der Wolfrathplatz hat sein besonderes Aussehen eingebüßt.

Ich möchte es nicht versäumen, noch an zwei Menschen zu erinnern, die in stiller Weise für die Pfarre unendlich viel geleistet haben.

Herr Wilhelm Löw, fast blind, war seit 1926 Organist der Pfarre. Das Entgelt war spärlich, er war bei keiner Versicherung angemeldet. Erst 1950 kam ich darauf, dass der Mann nicht einmal eine Krankenkasse hatte. Er wurde von H. Pfarrer Stur sofort angemeldet, allerdings ging es nur mehr bei der Krankenkasse, zur Rentenversicherung war es zu spät, nachdem er bereits über 60 Jahre alt war. Er bekam dann nur eine Fürsorgerente. Er war Musiker mit Leib und Seele, die Begleitung des Kirchengesanges war ihm ein Herzensbedürfnis. Er spielte alles auswendig (ein Auge ganz blind, auf dem anderen fast blind). Er war bei Jedem Gottesdienst, früh oder abends, selbst bei den frühen Roratemessen hier, bei jeder Trauung, bei allem, was verlangt wurde, war er pünktlich hier. Seine Wohnung war in der Neubaugasse im 7. Bezirk. Nach Bombenangriffen im Krieg kam er zu Fuß. Mit Ausnahme von Hochämtern, die er ja nicht spielen konnte, war er jeden Sonn- und Feiertag von früh bis mittag in der Kirche, bei jeder Messe und selbstverständlich am Nachmittag wieder beim Abendsegen oder bei der Abendmesse. Eine besondere Leistung erbrachte er zu Kriegsende. Während der letzten Kriegstage blieb er im Pfarrhof, ein Matratzenlager auf dem Boden der Pfarrkanzlei, von hier aus holte er den Messwein im Schottenstift im 1. Bez. die Hostien aus dem Karmel Baumgarten, die Kerzen vom Metzger am Stephansplatz. Wie der fast blinde Mann, während der Verdunkelung und später in den zerstörten Straßen, auch als es keine Straßenbahn gab, dies alles leisten konnte, grenzt ans Wunderbare. Für das Altersheim Schloss Ober St. Veit besorgte er Einkäufe und schleppte oft schwere Taschen und einen Rucksack, Zustellung gab es ja nicht. Die Schlossverwaltung, besser gesagt der H.H. Rentmeister hat es ihm nicht gut vergolten, sondern verboten, dass er, wenn er von so einer Besorgung zurückkam, etwas zu essen erhielt. Leider waren die Schwestern vor dem gestrengen geistlichen Herrn so zahm, dass sie ihn auf seine wunderbare Nächstenliebe nicht aufmerksam machten. Ich konnte ihm vermitteln, dass Frau Brenner und Frau Eberl abwechselnd den Alleinstehenden, er hatte schon jahrelang keine Angehörigen, abwechselnd versorgten. Bis zu seiner schweren Erkrankung mit 80 Jahren war er immer wieder gerne an seiner geliebten Orgel, nebenbei gab er blinden Leidensgefährten in der Blindenanstalt in der Josefstadt Klavierunterricht. Allen älteren Kirchenbesuchern in Ober St. Veit ist der Name Löw ein Begriff.

Ebenso unverdrossen arbeitete Frau Maria Luthar. Ob es galt, das Pfarrheim aufzuräumen, nach den Kinder- und Jugendstunden nicht immer ein leichte Arbeit, die Kohlen für die Beheizung des Pfarrheimes aus dem Keller des Elisabethinum zu schleppen, oder die Blumen für den Kirchenschmuck, den sie ganz allein besorgte, herbeizuschaffen, sie war unermüdlich. Nebenbei besorgte sie das Austragen einer großen Anzahl Pfarrblätter. Von 1945 bis zu ihrem Tode 1970 stand sie jeden Sonn- und Feiertag, Sommer und Winter, bei jedem Wetter, bei allen Gottesdiensten mit dem Wr. Kirchenblatt vor der Kirchentüre. Ungefähr 60 Stück Stadt Gottes und ebenso viele Missionszeitschriften wurden durch sie weitergegeben. Auch für die dafür fälligen Beitrage sorgte sie, da wusste sie ganz genau Bescheid. Auch sie arbeitete in der Pfarre bis es nicht mehr ging. Sie starb bald nach ihrem 80. Geburtstag.

Ich glaube aus Erfahrung sagen zu dürfen, dass jede Pfarre, die einige solcher Helfer wie Löw und Luthar hat, gut daran ist. Wenn man auch bei solchen Menschen, besonders im Alter, oft große Eigenheiten in Kauf nehmen muss, ihr Abgang lässt eine große Lücke, die besonders in der heutigen Zeit sehr schwer zu schließen ist. Ihr Mitarbeiten ohne großes Aufsehen, ohne erst gebeten werden müssen, ist leider heute nicht mehr zu finden.

Ich selbst beendete meine Tätigkeit in der Pfarre Ober St. Veit wegen Übernahme einer Arbeit in einer Landpfarre. Nicht gerne, aber es waren besondere Umstände bestimmend.

Wenn ich bitte, diese Aufzeichnungen der Pfarrchronik beizufügen, so aus dem Grund, da ich weiß, dass über die Zeit des Krieges und der Nachkriegszeit keine besonderen Aufzeichnungen vorhanden sind, und ich glaube, dass es wert ist, auch darüber später einmal etwas zu wissen.

Gezeichnet: Maria Koller

Mitarbeiterin in der Pfarre 1938–1945

erste hauptamtliche Seelsorgehelferin

1. Juli 1945 bis 16. August 1966.

Quellen:
Im Nachlass von Frau Banek gefundene Niederschrift der Frau Maria Koller, ehemalige Pfarrsekretärin der Pfarre Ober St. Veit

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November 2010

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