Bienenzucht in Ober St. Veit

01.08.2008

Die Beziehung Biene - Blume ist eine über Jahrmillionen entstandene Freundschaft und ein Musterbeispiel der gegenseitigen Anpassung. Die harte Regel des „Fressens und gefressen werdens“ wird hier durchbrochen. Der Mensch hat sich erst vergleichsweise spät dazugesellt und aus dieser Freundschaft Nutzen gezogen. Als Jäger und Sammler machte er unter teilweise schwierigen Bedingungen „Beute“: Honig und Bienenbrut. Der sesshaft gewordene Mensch studierte ihr Verhalten genauer und steigerte den Nutzen. Alle Hochkulturen hinterließen zahlreiche Überlieferungen. Die Rohstoffe der Biene wurden vielfältig verwendet, vor allem der Honig als Nahrungs- und Heilmittel, und das Wachs für Kerzen.
Eine Arbeitsbiene beim Sammeln von Nektar und Pollen. Deutlich sichtbar sind die am ganzen Körper aufgenommenen Pollenkörner, die später von den speziell ausgestatteten Hinterbeinen abgestreift und zu den originellen „Hosenbeinen“ verdichtet werden. © www.PDPhoto.org

In unserem Raum entwickelte sich die Imkerei als Waldimkerei (Zeidlerei = gewerbsmäßiges Sammeln des Honigs wilder oder halbwilder Bienenvölker) und Korbimkerei. In letzterer wurden die Bienen in Strohkörben oder in hölzernen Klotzbeuten gehalten, die Waben waren darin fest eingebaut. Das Mittelalter und die frühe Neuzeit waren die Blütezeit der Bienenhaltung. Honig war das einzige Süßungsmittel, Met oder Honigwein ein beliebtes Getränk und Bienenwachs der einzige Rohstoff für Kerzen. In den letzten 200 Jahren sind die Bienenprodukte ein wenig aus der Mode gekommen, statt Honig süßt man jetzt meist mit Zucker, das industriell gefertigte Stearin hat das Bienenwachs verdrängt.

Der Beginn der modernen Imkerei und die Aufgabe der Waldimkerei kann mit der Wende zum 19. Jahrhundert ausgemacht werden. Seit damals wurden zahlreiche Entdeckungen und Weiterentwicklungen in der Imkerei umgesetzt, vor allem die herausnehmbare Wabe (Rähmchen) in der Magazinbeute und die Honigschleuder.

Die schon früher beobachtete Rolle der Bienen bei der Blütenbestäubung wurde erst spät anerkannt und rückte die Imkerei als Zweig der Landwirtschaft und Ökologiefaktor in ein neues Licht.

Die jüngste Zeit brachte zahlreiche Erkenntnisse auf biologischem (Züchtung etc.) und medizinischem (Wirkungsweise von Honig, Wachs, Pollen, Bienengift, Propolis, Weiselfuttersaft etc.) Gebiet. Der österreichische Verhaltensforscher Karl von Frisch erhielt für seine Entschlüsselung der Bienensprache (“Schwänzeltanz”) 1973 sogar den Nobelpreis.

Heute kämpft die Bienenzucht mit zahlreichen Problemen:

  • den Erfordernissen aus dem allgegenwärtigen Befall durch die Varroamilbe
  • einem Preisverfall
  • einem abnehmenden Blütenangebot, der Überdüngung und dem Einsatz von Pestiziden
  • einem eminenten Nachwuchsmangel.


Die Folgen dieser Probleme sind eine Ertragsschwäche, die fast nur mehr die Hobbyimkerei ermöglicht (nur ein verschwindender Teil der über 22.000 österreichischen Imker kann hauptberuflich davon leben) und eine hohe Importquote. Natürlich leidet auch die Landwirtschaft, denn ohne Bienen und ihrer Bestäubungsleistung sinkt der Ertrag.

Die Mitgliederzahl der für Ober St. Veit zuständigen Ortsgruppe II Westende (12. und 13. Bezirk) des Wiener Landesverbandes für Bienenzucht hat sich von 105 (1969) auf derzeit 18 reduziert. Ein Vergleich für Ober St. Veit allein zeigt Ähnliches: 1880 gab es immerhin 6 Bienenzüchter mit 83 Bienenstöcken (siehe folgende Tabelle).

Name Adresse Beruf Völker
Beyer Florian Auhofstr. 129 Gastwirt, Hausbesitzer 16
Böck Jacob Glasauerg. 20 Ökonom, Milchmeier, Haus- und Grundbesitzer 4
Hentschel Carl Glasauerg. 7 Schuhmachermeister, Hausbesitzer 42
Jauner Franz Am Himmelhof 7 Ökonom,Hofbesitzer 6
Rehsel Franz Firmiang. 43 Tischlermeister, Hausbesitzer 4
Riedle Johann Auhofstr. 167 Holzhändler, Hausbesitzer 11



Heute sind hier mit Herrn Josef Hillmaier (12 Bienenvölker in der Adolfstorgasse) und Herrn Ernst Wilhelm (25-30 Völker auf dem Gelände des Faniteums) nur mehr zwei Imker tätig. Der Imker Franz Hirtzi ist Mitglied der IG Kaufleute Ober St. Veit, hat seine Bienenvölker allerdings im Burgenland.

Josef Hillmaier: Einer der beiden letzten in Ober St. Veit tätigen Imker bei seinen Völkern in der Adolfstorgasse 53/2.
Josef Hillmaier mit einem entnommenem Rahmen. Man sieht die mit Wachs verschlossenen Honigwaben und den noch nicht verdeckelten Bereich.
Eine Biene mit „Pollenhöschen“ im Anflug an die Flugöffnung.
Eine erfreuliche Aktion ist ein auf dem Gelände der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (Angermayergasse 1) seit heuer bestehender Lehrbienenstand. Er wurde im Rahmen des von engagierten Imkern für 2008 ausgerufenen „Jahres der Biene“ aufgestellt, beherbergt zur Zeit 3 Bienenvölker und ermöglicht Einblicke in die imkerliche Tätigkeit direkt am Bienenvolk. Am 6. August konnte die notwendige Bekämpfung der Varroamilbe beobachtet werden. Zu einen Bericht davon kommen Sie HIER. Ansprechpartner sind Imkermeister MMag. Friedrich Haselsteiner von www.bienenfreunde.at und Imkermeisterin Heidrun Luftensteiner-Singer von www.imkerinnen.at.
Imkermeisterin Heidrun Luftensteiner-Singer und Imkermeister MMag. Friedrich Haselsteiner (ganz rechts) erklärten mit sichtlicher Begeisterung für die Materie. Der Rektor der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Mag. Thomas Haase und die Gäste lauschen gespannt.

Zum Abschluss ein kleines Bienenlexikon:

Bärenfang: Ein ursprünglich aus Ostpreussen stammender Likör aus Honig, Gewürzen und hochprozentigem Alkohol (z.B. Wodka).

Beute: Der Bienenstock, die vom Imker zur Verfügung gestellte künstliche Behausung.

Bien: Ein Bienenvolk in der Imkerei.

Carnica: Häufigste Biene in Österreich. In Leistung und Sanftmut berechenbar, mit hoher Anpassungsfähigkeit.

Gelee Royal: Der Futtersaft, mit dem die Bienen ihre Königinnen aufziehen. Ausgangsstoff für pharmazeutische Produkte.

Honig: Honig entsteht, indem Bienen Nektariensäfte oder auch andere süße Säfte an lebenden Pflanzen aufnehmen, mit körpereigenen Stoffen bereichern, in ihrem Körper verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen. Die Hauptquelle ist der Nektar von Blütenpflanzen. Er enthält Frucht-, Trauben- und weitere Zuckerarten (ca. 70%), Wasser (15 bis 21%) sowie Enzyme, Vitamine, Aminosäuren, Pollen, Aromastoffe und Mineralstoffe.

Met: Ein durch Gärung hergestelltes alkoholisches Getränk aus Honig und Wasser.

Pollen: Meist mehlartige, in den Staubblättern der Samenpflanzen gebildete Masse. Wird von den Bienen gesammelt und mit Drüsensekreten vermischt. Dient den Bienen als Nahrung (Bienenbrot).

Propolis: Auch Bienenharz. Starkes, natürlich vorkommendes Antibiotikum und auch Antimykotikum (Arzneimittel gegen Pilzinfektionen), ein Gemisch aus vielen unterschiedlichen Stoffen, deren Zusammensetzung stark variieren kann. Als Dichtmaterial soll es im Bienenstock die Entwicklung fremder Mikroorganismen hemmen (desinfizierend).

Tracht: Die Gesamtheit der als Nahrung dienenden Blüten bzw. der Zeitraum, in dem die Bienen mehr Honig eintragen, als sie selbst verbrauchen.

Var­roose: Ein Parasitenbefall (Varroamilbe), der ohne Behandlung zum Zusammenbruch der Bienenvölker führt.

Weisel: Die Bienenkönigin, auch Stockmutter. Die einzige geschlechtsreife weibliche Biene in einem Volk der Honigbienen.

hojos
im August 2008

Spanisch Sprachschule