Vergiss Paris - Dakar

Wußten Sie, dass Hietzing Heimat eines beliebten Rallyeevents ist? Heuer bereits zum zwölften Mal fand sie statt, die Rätselrallye der Tiroleralm in Hacking, mittlerweile fixer Bestandteil, wenn nicht im internationalen Rennkalender, so doch im Hietzinger Veranstaltungsprogramm. Auf die Teilnehmer warten beachtliche Preise, wie ein Wochenende am Achensee und ein Segelflug, dazu eine Riesen-Hetz und eine gehörige Menge interessanter, aber auch herausfordernder Bewerbe – ein Er-fahrungsbericht.
28.06.2009

Ob der Schreiber dieser Zeilen einen Stockerlplatz erreichen, ja vielleicht sogar den ersten Preis erzielen konnte (wie auch schon zuvor, was hier nicht unerwähnt bleiben soll!) das steht zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Berichts noch nicht fest. Denn die Sieger der längst Tradition gewordenen Tiroleralm-Rätselrallye, die werden – ebenso traditionell – bis zum Siegerehrungs-Frühschoppen geheim gehalten; streng geheim. Da kann man noch so trickreiche Strategien anwenden; Peter Zorzi schweigt, was man, ihn kennend, kaum für möglich halten würde. Und auch Bestechungsversuche beim Ergebnis auswertenden Fräulein Tochter – ja ich habe auch das probiert – bleiben alljährlich erfolglos. Und so heißt es Warten und Hoffen.

Was man aber schnell erfährt, was eigentlich schon vor Startantritt im frühen Morgengrauen, also Sonntags gegen acht Uhr früh bekannt ist: Ein Gewinn ist die Teilnahme in jedem Fall. Denn das, was sich der weit über die Grenzen Hietzings bekannte Wirt da immer einfallen lässt ist rundum eine Bereicherung. Und so war´s auch diesmal.

„Badekleidung, Handtuch und Turnsachen“, stand da auf der Einladung, seien mitzubringen – was wohl hat er diesmal vor? Wir, mein Copilot und ich packten´s jedenfalls in einen Rucksack, eine gehörige Portion Neugier und ein bisserl Ehrgeiz stopften wir dazu und Peter Zorzi steckte noch das Roadbook obenauf. Die ersten Stationen der Tour finden wir in Hietzing. Das ist immer so, denn der Zorzi sucht Bemerkenswertes, das man selbst als eingefleischter Fan dieses Bezirkes noch nicht kennt. Und Neues zu entdecken, Wissenswertes im wahrsten Sinn des Wortes zu erfahren, das liegt ihm bei der Rallye besonders am Herzen.

So mussten, oder durften wir gleich anfangs die Treppen ganz rauf auf den Turm des Bezirksamtes erklettern, freilich nicht, ohne dabei die Stufen bis zum Ziel zu zählen und sie ins Roadbook einzutragen. Wie viele es waren? Da waren mein Co und ich durchaus unterschiedlicher Meinung. Viele jedenfalls, da stimmten wir dann wieder überein. Belohnt wurde unsere Ambition letztlich mit einem herrlichen Blick über Wien vom Balkon des Turms (wer da oben war, weiß was ich meine) und der nächsten Rätselfrage – Heimatkunde, spielerisch.

Aber: Abstieg und weiter - ein Gebäude ist zu finden, welches steht da nicht, nur der mit blumigen Worten umschriebene Weg dorthin. Wir landen im technischen Museum und irren keine zehn Minuten später durch die Gänge desselben. Auf der Suche nach Antworten, auf Fragen, die wir in unserer Mappe finden. So detailliert wurde dieses Haus wohl noch nie erforscht. Und das ist vom Veranstalter durchaus so gewünscht.

Weiter geht´s durch halb Wien, dort Fragen, da Aufgaben: die Kirche Maria vom Siege, das Haus des Meeres, Foltermuseum und MAK-Außenstelle. Wohnhäuser von Künstlern und schließlich der Alberner Hafen – Geschicklichkeitswettbewerb:
Mit einem Bagger in drei Minuten eine Grube ausheben und mit einem Greifer, so einem richtigen, großen, ein rohes Ei vom Boden in eine Pfanne zu schlagen um so Spiegeleier zu brutzeln; wer kann solche Kenntnisse schon in seinen Lebenslauf schreiben. Die Teilnehmer der Rätselrallye jetzt schon. Auch wenn das mit dem Ei so nicht ganz – aber lassen wir das. Die Spareribs vom Grill haben uns auch ohne gelb-weißer Verzierung geschmeckt – mussten sie ja halt auch.

Gefüllt mit Fleisch, Erdäpfeln und genug Erlebnissen, die für einen zweiwöchigen Wien-Abenteuerurlaub ausreichen würden, stellten wir uns also zum zweiten Mal (siehe oben: Starttermin) die Frage: Warum tut sich das jemand an? Aber Peter mahnt zum Aufbruch. Also weiter.
Das Kraftwerk Freudenau führt uns unter Wasser. Über uns die riesigen Turbinen.

W i e riesig sie sind und wie viele Meter genau wir uns unter der Donau befinden, das werden später Fragen sein, was wir jetzt aber noch nicht wissen. Genauso wenig wissen wir, dass wir zwar jetzt unter der Donau trocken geblieben sind, sich das aber gleich – sozusagen nach dem Auftauchen – ändern soll. Es erwartet uns ein Regenguss! Und so bleibt der Geschicklichkeitswettbewerb am Süßenbrunner See unausgetragen und einzig unser Badezeug trocken.

Aber der Zorzi hat ja noch mehr auf dem Programm und so finden wir uns, nach einigen weiteren Stationen schließlich beim Kohlen schaufeln und Waggon schieben im Strasshofer Eisenbahnmuseum wieder – Wir sind am Ziel. Nach Kümmelbraten und dem Ausfüllen der letzten ungelösten Felder im Roadbook sind wir schließlich überzeugt: die Sieger, die sind heuer wir. Aber sind das nicht alle Teilnehmer?

PS: Den Rest wissen wir, wie eben jedes Mal, erst nach dem Frühschoppen (am 12. Juli). Und wenn es diesmal mit dem Siegen nicht geklappt hat, probieren wir es halt beim nächsten Mal. Denn nach einer Nacht im Tiefschlaf ist klar: Dann sind wir wieder dabei – sicher!

Ernst Schwarz
30. Juni 2009

Spanisch Sprachschule