St. Veit im Hietzinger Bezirkswappen

1904

Die Bezirke Wiens sind durch Vereinigung einer großen Zahl ehemals selbständiger Gemeinden (Vorstädte und Vororte) entstanden. Ober St. Veit wurde mit der Gründung des 13. Wiener Gemeindebezirkes Teil Hietzings (Gesetz vom 19. Dezember 1890, in Kraft getreten mit 1. Jänner 1892).

Ein Bezirkswappen bekam Hietzing - wie die anderen Bezirke - erst mit der Ausarbeitung des Fassadenschmuckes für die Versorgungsheimkirche. Dort waren für den Innenschmuck die Wappen der Innungen und Genossenschaften und für den Außenschmuck die Siegelbilder der einstmals selbständigen Gemeinden (ähnlich dem Schmuck des großen Sitzungssaales im alten Wiener Rathaus) vorgesehen. Allerdings boten die Fassaden nicht genug Raum für die vielen Siegel der damals 20 Bezirke (als 1904 das Wiener Versorgungsheim eröffnet wurde, gab es den 21., 22. und 23. Wiener Gemeindebezirk noch nicht). Deshalb wurde beschlossen, die Siegelbilder in 20 Bezirkswappen zu vereinigen und diese gemeinsam mit dem Wappen der Stadt Wien als Fassadenschmuck zu verwenden. Die Wappen sind damit nichts anderes, als in Farbe ausgestaltete und zusammengeführte Siegelbilder der Gemeinden, aus denen die Bezirke entstanden sind. Mit der Schaffung dieser Wappen wurde der Heraldiker Hugo Gerard Ströhl betraut. Die Farbgestaltung - soweit möglich historisch und oder wenigstens traditionell belegt und den Vorschriften und Regeln der alten Heroldskunst entsprechend - stammt damit von Ströhl.

Das damals entwickelte Wappen, wie es an der Versorgungsheimkirche angebracht ist, zeigt die damaligen Bezirksteile inklusive der nördlich des Wienflusses gelegenen. Zusammengsetzt ist es aus folgenden Komponenten:
Hietzing: ein Baum, belegt mit einem Marienbilde, unter dem Baum vier Bauern;

Penzing: der Reichsapfel, der von den Initialen "D"(orf) und "P"(enzing) beseitet wird;

Breitensee: die Figur des hl. Laurentius (Patron der Schlosskapelle);

Hütteldorf: eine Mauer mit Toröffnung, darüber ein Turm, beseitet von je einem über die Mauer ragenden Dache;

Speising: ein Pelikan im Neste, die Jungen mit seinem Blute nährend (speisend);

Baumgarten: ein geflochtener Steckenzaun, hinter dem ein Waldbaum sichtbar wird;

Hacking, Lainz sowie Ober- und Unter St. Veit, die ebenfalls Teile von Hietzing waren, sind auf diesem Wappen nicht festgehalten; die Siegelbilder konnten nicht aufgefunden werden.

Seit 1938 bildet der Wienfluss die Nordgrenze des Bezirkes, dafür (endgültig 1955) kam der Lainzer Tiergarten hinzu. Nach dem Krieg wurde die veränderte Situation auch im Wappen nachvollzogen, diesmal mit allen Bezirksteilen. Für St. Veit konnte ein Abdruck des originalen Siegels gefunden werden. Wie die Abbildung oben zeigt, ist er im unteren Teil stark verdrückt und zeigt in einem halbrunden, mit Ornamenten verzierten Schild vermutlich den Heiligen Veit in einem Kessel stehend.


Das aktuelle Wappen besteht aus folgenden Teilen:

Hietzing: Nach wie vor der Baum mit dem Marienbilde und den vier Bauern. Nach der Volkssage befreite ein in einem Baum verstecktes Marienbild vier an diesen Baum gekettete Bauern mit den Worten "hüats enk" (mundartlich für "Hütet Euch"). Dies geschah angeblich im Jahr 1529. Aus dieser Sage leiten auch einige den Namen Hietzing ab.
Hacking: Das Hackinger Wappen besteht aus drei Hacken die übereinander angeordnet sind. Abwechselnd ist der Hintergrund rot und die Hacke weiß und umgekehrt.

Sankt Veit: Auf blauem Hintergrund hebt der Heilige Vitus segnend seine rechte Hand und hält in seiner Linken einen Palmzweig. Dabei steht er in einem braunen Kessel, der auf einer entzündeten Feuerstelle steht. Der Legende nach wurde der Heilige Vitus in einem Kessel mit siedendem Öl zu Tode gemartert.

Speising: Ein silberner Pelikan mit goldenem Schnabel ernährt seine drei im goldenen Nest sitzenden Jungen mit seinem eigenen Blut. Der Hintergrund ist blau.

Lainz: Auf einer grünen Wiese steht ein silberner Hirsch mit einem goldenen zwölfendigen Geweih. Weiters trägt er ein goldenes Kreuz auf seinem Kopf. Der Hintergrund ist rot. Das Wappen bezieht sich auf den Lainzer Tiergarten.

Quellen:
Dont, Jakob: Der Heraldische Schmuck der Kirche des Wiener Versorgungsheimes. Wien: Gerlach & Wiedling, Buch- und Kunstverlag 1910;

hojos
im September 2004

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